Review: The Darkness II

Kaum ein Genre ist in den Köpfen der Spieler so eng abgesteckt, wie das der Ego-Shooter. Die jährlichen Reinkarnationen von Call of Duty und Battlefield tragen gut dazu bei, dass viele die Worte Militär und Krieg stets im selben Atemzug mit dem First-Person-Shooter-Genre verwenden.

So lautet die Devise leider auch immer häufiger Stumpf- statt Tiefsinn. Niemand brauche eine Story bei pompöser Grafik und Action, heißt es oft. The Darkness II gehört zu dem kleinen Grüppchen, das uns in dieser Hinsicht mehr bieten möchte. Unser Protagonist Jackie Estacado hat es eigentlich weit gebracht. Vom einfachen Kopfgeldjäger ist er nun zum Boss seines eigenen Mafia-Clans aufgestiegen. Außenstehende möchten meinen, unser Held könne nun zufrieden weiterleben. Dies ist leider nicht der Fall, denn innerlich wird er geradezu aufgefressen. Nicht nur, dass er den Tod seiner großen Liebe – trotz ausgiebiger, blutiger Rache im ersten Teil – nicht verdaut hat, wird es für ihn immer schwieriger, die titelgebende Dunkelheit in Schach zu halten. Zwei Jahre lang hat er diese nun unter Verschluss gehalten, doch nach einem Anschlag auf ihn und seinem fast eingetretenen Ableben, ist der Spaß vorbei. Der Dunkelheit hingegeben, macht er sich auf die Suche nach den Attentätern und deren Motive. Auf seinem Weg plagt er sich dabei mehr und mehr mit Zweifeln, die sich nach und nach auch auf den Spieler übertragen. So stellen wir uns Fragen, ob Jackie von der Darkness getäuscht wird oder ob er gar selbst einfach nur verrückt und sein ganzes Leben nur ein Traum ist. In bester Sucker-Punch-Manier verliert sich die Story in einem Wirrwarr aus Traum und Realität, in dem wir mehrere Male ins Grübeln kommen, was denn nun tatsächlich wahr ist. Das Ende von The Darkness II setzt den ganzen Verwirrungen noch die Krone auf, aber wir wollen nicht zu viel verraten.

Mit der Schere an die Leichenfledderei

Wie in Sucker Punch spielt die Action auch im zweiten Teil von The Darkness eine sehr zentrale Rolle – es ist und bleibt schließlich ein Ego-Shooter. Genauso wie die Comic-Serie steht auch die Versoftung ganz im Zeichen der Splatter-Action, denn in diesem Ego-Shooter wird nicht nur geschossen. Mit Hilfe unserer beiden Dämonen-Arme können wir unsere Kontrahenten auch durchbohren oder zerreißen. Dabei hat die USK allerdings dafür gesorgt, dass die gröbsten Brutalitäten deutschen Spielern gar nicht erst vorgehalten werden. Zwar spritzt anders als im Vorgänger nun auch das Blut, doch das Abtrennen von Körperteilen und sonstige Leichenfledderei sind abermals der Schere zum Opfer gefallen. Um das atmosphärische Gesamtkonzept (die Comic-Adaption lebt schließlich zum Teil von der absurd grausamen Brutalität) zu erhalten,  empfehlen wir hier eindeutig den Griff zur Importfassung. Besonders deutlich werden die Schnitte auch bei den Finsterling-Passagen. Dort spielt ihr aus der Sicht eures kleinen Begleiters und stecht den Gegnern die Augen aus oder schlitzt ihre Kehle auf, zumindest verraten uns das die Beschreibungen. In den eigentlichen Animationen werden die Aktionen nur angedeutet. Zum Glück verliert das Spielen mit dem brutalen Winzling dadurch aber kaum an Charme. Immer einen frechen Spruch auf der Lippe, entwickelt sich das kleine Monster im Laufe des Spiels sogar zum Sympathisant. Wir hätten sehr gerne noch ein paar Mal mehr aus seiner Perspektive gespielt, schließlich sind diese Passagen eine der wenigen Abwechslungen, in dem leider etwas eintönigen Spielverlauf.

Home sweet home

Zugegeben, The Darkness II scheint auf den ersten Blick viel Handlungsspielraum zu bieten. Durch die Kombination von Tentakeln und Schusswaffen lassen sich sogar verschiedene Taktiken entwickeln. Gepaart mit einigen weiteren Fähigkeiten der Darkness scheint das Spiel nicht nur abwechslungsreich, sondern auch mit einem ordentlichen Tempo gespickt. Wir haben uns häufig wiedergefunden, wie wir offensiv nach vorne gestürmt sind und mit unseren Dämonenarmen die Gegner links und rechts niedergeschlagen haben. Dies würde auch aufgehen, wären die Level nicht derart schlauchig und die Kontrahenten derart stupide. So fragen wir uns nach etwa der Hälfte der gerade einmal etwa sechs Stunden andauernden Handlung, wieso wir den Controller eigentlich noch nicht beiseite gelegt haben, entwickelt sich doch schnell eine gewisse Routine. So müssen wir erst die Lampen zerschießen – die Dunkelheit mag schließlich kein Licht – und uns abschließend durch die anrollenden Gegnerwellen kämpfen. Gut geführt werden wir dann weiter durch die Levels gehetzt. Besonders der für Horrorspiele obligatorische Jahrmarktlevel zog sich merklich in die Länge. Dagegen können auch die ruhigeren Passagen nichts ausrichten. Geben uns die Ausflüge in Jackies Villa zwar den Anschein von etwas Handlungsfreiheit, sind unsere Möglichkeiten letztlich dort sehr eingeschränkt. Anstatt etwas dem Spiel beizutragen, nehmen diese uninspiriert wirkenden Abstecher nur Tempo aus dem Spiel. Besser eingebaut sind die Psychiatrie-Abschnitte. Diese sind ruhig, kurz und knackig gehalten und heben das Spiel aber auf eine Ebene, in welcher der Spieler über das Vorgehen seines Helden zweifelt und ins Grübeln gerät.

Realität oder Kunst

Technisch muss man sich auf The Darkness II einlassen. Ganz objektiv gesehen hat das Spiel nämlich in Sachen Animation und Grafik einen Rückschritt zum Vorgänger gemacht. Haben wir uns aber an der unsauberen Animation des Titels gewöhnt, erkennen wir das Konzept. Der Comic-Stil mit Cel-Shading-Anleihen unterstreicht nicht nur die Comic-Herkunft der Serie, sondern stellt auch die Absurdität der Brutalität besser in Szene. Dafür nehmen wir dann auch technische Unsauberkeiten in Kauf – Gōichi Sudas Titel kann sich schließlich auch niemand mit einer realen Grafik vorstellen. Neben dem gelungen Grafikstil glänzt The Darkness II besonders mit der Sprachausgabe. Dort kann sich auch die deutsche Synchronisation durchaus sehen lassen. Zwar kann sie der englischen Sprachausgabe nicht ganz das Wasser reichen, dennoch fängt sie die Stimmung weitestgehend gut ein. Trotzdem haben wir uns sehr über die Möglichkeit gefreut, jederzeit im Spiel auch zum Originalton wechseln zu können. Dieser lohnt sich schon alleine wegen der hervorragenden Umsetzung der Darkness durch den ehemaligen Faith-No-More-Sänger Mike Patton. Haben wir die leider etwas zu kurz geratene Solo-Kampagne durchgespielt, bleibt uns immerhin noch der Blutrache-Modus. Hier können wir in der Mehrspielervariante mit verschiedenen Charakteren die Story rund um Jackie Estacado vertiefen und aus einem anderen Blickwinkel erleben. Sowohl offline als auch kooperativ online können wir dann mit Freunden die Metzelei weiter treiben. Dabei sind die Levels mehr Pflicht als Kür und können mit keinen wirklichen Innovationen glänzen. Wem aber das Grundkonzept gefällt und wer gerade ein paar Freunde parat hat, freut sich über diese Abwechslung. Letztlich erklimmt The Darkness II zwar nicht den Genre-Thron, jedoch hat es sein Ziel erreicht. Es hebt sich von der Masse an Militär-Ego-Shootern ab und bietet dem Spieler eine erstaunlich tiefgründige Story.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Version): Zugegebenermaßen bin ich wirklich nicht der Ego-Shooter-Spieler par excellence. Dank der erdrückenden Marktherrschaft von Militär-Ego-Shootern habe ich mich sogar schon fast von dem Genre abgewendet. Zum Glück gibt es dann wieder Spiele wie The Darkness II. Ja, es ist kurz, in vielen Passagen schlauchig und eintönig, die Gegner sind nicht die Hellsten und die Animationen sind unsauber, aber dennoch habe ich den Titel gerne durchgespielt. Er ist nicht nur mit dem Comic-Look und der Brutalität stimmig inszeniert, sondern besticht vorrangig durch seine Story und seinen Humor. Das letzte Mal, dass dieser Satz in einem Review zu einem Ego-Shooter gefallen ist, dürfte auch eine gefühlte Ewigkeit her sein. Diese immer wieder auftauchende Frage nach der Realität und die genialen Charaktere haben mich, trotz der deutlichen Mängel, das Spiel in einem Rutsch durchspielen lassen. Nirgendwo gibt es einen kleinen brutalen Begleiter mit Katzenmütze und britischem Akzent oder einen Krankenhausinsassen, der auf den Namen Adolf hört und uns rät, im Winter keine Fußmärsche durch Russland zu machen. Dank eines gewaltigen Cliffhangers am Ende des Spiels, können wir uns fast schon sicher sein, dass auch ein dritter Teil in absehbarer Zukunft kommt – ich bin schon gespannt.

Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Darkness II!

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