Review: Ghostbusters: The Video Game

Stellt euch vor, ihr wacht des Nachts auf und fühlt etwas. Wenn ihr eure Augen öffnet schwebt plötzlich eine paranormale Erscheinung vor euch auf und ab. Ihr schreit vor Angst, doch niemand ist zuhause um euch zu hören. Da ist was faul in der Nachbarschaft – und wen ruft ihr dann? Die Geisterjäger!

Obwohl die Kinofilme bereits über zwanzig Jahre auf dem Buckel haben und es bisher nur mäßig erfolgreiche Videospiele über das Ghostbusters-Franchise veröffentlicht wurden, wagte man im Jahr 2009 einen weiteren Versuch. Mit Ghostbusters: The Video Game schaffte Entwickler Terminal Reality es endlich, zwei der beliebtesten Filme in ein Spiel zu verwandeln. Trotzdem lehnt sich die Handlung des Spiels nur wage an die Streifen aus den Achtzigern an.

Was für ein Ghostbuster bist du?

Anders als vielleicht zu erwarten, dürfen wir uns in Ghostbusters: The Video Game nicht in eines der vier bekannten Gesichter schlüpfen. Stattdessen übernehmen wir die Rolle eines namenlosen Auszubildenden, der von den Geisterjägern liebevoll „Rekrut“ genannt wird. In der Geisterjägerzentrale mitten in Manhattan bekommen wir im Keller das Fangen eines Geistes beigebracht, bevor wir in den harten Arbeitsalltag übergehen. Jeder der die Filme nicht gesehen hat, braucht nicht verzweifeln. Alle anfallenden Arbeiten eines Geisterjägers werden von unseren vier Bossen genauestens erklärt. Auf unserem Rücken tragen wir jederzeit ein Protonenpäckchen, an welchem der Strahler befestigt ist. Dies ist sozusagen unsere Waffe, die in erster Linie für das Schwächen und Einfangen der Geister gedacht ist  Um ein Gespenst überhaupt erst einzufangen, muss es mit Hilfe des PKE-Meters aufgespürt und durch den Strahler geschwächt werden. Im richtigen Moment legen wir dann unsere Falle aus, welche sich sofort öffnet, wenn wir den Geist mit Hilfe des Protonenstrahls über ihr schweben lassen.

Grün ist das Licht, die Falle ist dicht!

Ansonsten gibt es in der Zentrale nicht viel für uns zu tun. Wir lauschen der Sekretärin beim Annehmen der eingehenden Telefonate, hören (unlustige) Gesprächsfetzen auf dem Anrufbeantworter ab oder sprechen mit einem ganz bestimmten Krieger, gefangen in einem Gemälde. Von wem hier die Rede ist, dürften Fans des zweiten Teils mit Sicherheit schon ganz genau wissen. Aber keine Sorge, dieses Mal stiftet Vigo, der Karpate keine Unruhe in New York City. Haben wir genug von den wenig unterhaltsamen Freizeitaktivitäten, gehen wir zum Ecto 1B-Mobil und fahren mit unseren Kollegen so automatisch zum nächsten Job. Zu Beginn des Spiels dürfen wir uns im, aus dem ersten Teil bekannten Sedgewick-Hotel, um einen ungebetenen und schleimigen Gast kümmern. Slimer ist mal wieder ausgebüchst und baut im Hotel jede Menge Ärger. Anstatt den Unruhestifter einfach einzufangen, müssen wir uns vorerst um ein paar andere Gespenster kümmern. Für jeden gefangenen Geist erhalten wir von der Stadt New York Geld auf unser Konto, welches wir in neue Ausrüstung investieren dürfen.

Die Protonenpäckchen sind kein Spielzeug!

Nachdem wir (mal wieder) den großen Ballsaal verwüsten und Slimer in Sicherheitsverwahrung stecken, geht das ganze Spektakel richtig los. Wir möchten an dieser Stelle aber nicht zu viel verraten, da besonders die ersten drei Levels sich sehr stark an den beiden Kinofilmen orientieren. Danach nimmt der Kultfaktor allerdings ab. Die Handlung wirkt aufgesetzt und kann eigentlich nur noch durch die flotten Sprüche der Geisterjäger motivieren, da fast keine bekannten Ungetüme mehr auftauchen. Die neuen Gegner erreichen unserer Meinung nach nicht annähernd den Charme, welche die Geisterwelt in den Filmen verkörpert hat. Dafür müssen sie aber oft auf unterschiedliche Art und Weise gefangen oder besiegt werden. Mit dem Stasisstrahl frieren wir die Geister ein und können sie anschließend mit dem normalen Protonenstrahl besiegen. Außerdem dürfen wir mit dem Schleimwerfer positiv geladenen Schleim auf die monströsen Gestalten feuern, sofern sie mit schwarzem Schleim behaftet sein sollten. Anderenfalls hätten wir kaum eine Chance, sie zu besiegen.

Ich bin Geisterjäger, kein Arzt!


Der Entwickler bedient sich allerdings eines ganz besonderen Clous, wenn es um die Bildschirmanzeigen geht. Anders als in herkömmlichen Videospielen, wo diese Anzeigen quer über die Seitenränder des Bildschirms verstreut sind, erfahren wir in Ghostbusters: The Video Game alles auf den Anzeigen des Protonenpäckchens. Unsere Verfassung und die Energiekapazität des Päckchens sind zwar jederzeit gut sichtbar, allerdings sollte man seine Augen nicht zu oft vom Päckchen abwenden. Das Protonenpäckchen muss hin und wieder gelüftet werden, damit es sich nicht erhitzt. In diesem Falle können wir für kurze Zeit keinen Geist mehr angreifen oder unseren Kollegen helfen. Sollten wir im Alleingang wehrlos zu Boden gehen, müssen wir am letzten Kontrollpunkt neu starten. Sind wir mit den anderen Geisterjägern unterwegs, eilen sie uns zu Hilfe und frischen unsere Lebensenergie auf, wenn wir am Boden liegen. Leider scheint es so, dass sich die künstliche Intelligenz der Geisterjäger mit zunehmender Spielzeit zurück entwickelt oder die Gespensterwelt schlauer beziehungsweise unfair agiert.

Bist du ein Gott? Nein? Dann stirb!

Gegen Ende des Spiels müssen wir beispielsweise gegen fliegende Engelstatuen kämpfen, in dem wir sie mit dem Schleimschnapper gegeneinander prellen lassen. Das klingt beim Hören noch innovativ, ist aber selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad höllisch schwer. Ein bis zwei Treffer der kleinen Flugwesen reichen schon aus, um uns bewegungsunfähig zu machen. Unser Partner Ray eilt zwar zur Hilfe, erleidet aber in acht von zehn Fällen das gleiche Schicksal wie wir. Das Nervige an dieser ganzen Geschichte ist, dass wir so wieder am letzten Kontrollpunkt starten müssen und über eine ganze Minute das gleiche Gespräch mit anhören müssen. Das ist unnötig, nervtötend und kurz vor dem furiosen Finale spätestens beim dritten Versuch des teils sehr guten Titels einfach nur eine Zumutung. Gut hingegen haben uns die Rätseleinlagen gefallen. Da müssen in einer Paralleldimension Plattformen aneinander gekettet und Teleportationsportale genutzt werden, um einen Gegner besiegen zu können. Leider tauchen solche gehaltvollen Aufgaben im Spiel viel zu wenig auf – etwas mehr Abwechslung im Alltag der Geisterjäger wäre wünschenswert gewesen.

Eine Katastrophe biblischen Ausmaßes?

Ghostbusters: The Video Game ist trotzdem ein gutes Spiel. Sicherlich kann man sich über den im zunehmenden Spielverlauf mangelnden Ideenreichtum, die Gradlinigkeit der vielen Spielabschnitte und die schwankende, künstliche Intelligenz beschweren. Trotzdem macht das Spiel auch einiges richtig – beispielsweise die angenehme Synchronisation. Die englischen Synchronsprecher sind jene Schauspieler, welche die Geisterjäger in den Achtzigern verkörperten: Dan Akroyd, Harold Ramis, Bill Murray und Ernie Hudson. Und die deutschen Stimmen der virtuellen Geisterjäger werden von niemand anderem gesprochen, als den damaligen Synchronsprechern der deutschen Kinofassung. Die Texte der deutschen Sprecher werden allerdings nur eingesprochen – die Lautstärke ändert sich nicht, wenn man sich vom jeweiligen Gesprächspartner entfernt oder sich ihm nähert. Der ausgeklügelte und kultige Humor des Spiels steht den Filmen aber so gut wie in nichts nach. Schließlich haben sich auch die Drehbuchautoren, sprich Bill Murray und Harold Ramis, um die Texte für das Spiel gekümmert. Wer die Filme mochte, wird auch mit dem Videospiel zu den Geisterjägern seinen Spaß haben, muss aber bei den in unserem Testbericht erläuterten Mankos Abstriche machen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Xbox 360-Fassung): Anfangs hat mir das Spiel noch sehr, sehr gut gefallen. Der typische Humor der Geisterjäger ist nahezu perfekt in das Spiel integriert – in keinem anderen Videospiel habe ich in den letzten Jahren so herzhaft lachen können, wie in diesem Titel. Ich bin zwar kein großer Freund vom Freischalten bestimmter Erfolge, aber wenn plötzlich der Erfolg „Ob die Stange noch funktioniert“ freigeschaltet wird, nur weil ich eben diese Stange runtergerutscht bin, muss ich einfach nur an die Filme denken – und das ist als Kompliment gemeint! Und dann sind es auch noch die gleichen Synchronsprecher, wie vor zwanzig Jahren. Ich könnte den Publisher dafür umarmen, dass er all dies ermöglicht hat. Das Spiel fungiert sehr gut als inoffizieller, dritter Teil der Filmreihe, auch wenn sehr viele Anleihen aus den beiden Filmen stammen. Die Präsentation der Spielorte hat mir genau so gut gefallen, wie der aus den Filmen entnommen Soundtrack. Beim Lesen meines Fazits merkt ihr sicherlich, dass ich ein riesengroßer Ghostbusters-Fan bin. Allerdings muss ich auch anerkennen, dass das Spiel zwar eine der besseren, aber nicht gerade die beste Filmumsetzung ist. Die künstliche Intelligenz der Geisterjäger, als auch die der Gespenster lassen teils stark zu Wünschen übrig, was unnötigerweise zum mehrmaligen Zurücksetzen des Spielabschnitts führen kann. Persönlich wäre es mir sogar lieber gewesen, dass das Spiel vermehrt auf den Filmen basieren und zusätzliche Zwischenlevels beinhalten sollen. Trotzdem habe ich die zwanzig Euro für Ghostbusters: The Video Game gerne ausgegeben und für den Preis wurde ich ein ganzes Wochenende über mit einem tollen Humor bedient.

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