Review: Trails in the Sky: 1st Chapter Remake

Im Jahr 2004 startete in Japan mit The Legend of Heroes: Trails in the Sky eine zahlreiche Episoden umfassende Rollenspielreihe, die sich inzwischen weltweit großer Beliebtheit erfreut. Mit Trails in the Sky: 1st Chapter Remake erhielt das Werk Ende 2025 eine Neuauflage.

Eigentlich geht die langlebige Rollenspielreihe bis auf das Jahr 1989 zurück, denn mit dem ursprünglich für den PC-8801 veröffentlichten Spiel Dragon Slayer: The Legend of Heroes zeichnete sich über die Jahre allmählich etwas noch viel Größeres ab. Obwohl auch diese Spiele Verbindungen untereinander aufweisen, gelang es dem japanischen Entwicklerstudio Nihon Falcom erst mit The Legend of Heroes: Trails in the Sky eine Grundlage zu schaffen, die für viele weitere Serienteile relevant bleiben sollte. Während viele spätere Episoden der Reihe für Konsolenspieler beispielsweise bequem auf PlayStation 4, PlayStation 5 oder der Nintendo Switch gespielt werden können, verhält es sich mit der Trails-in-the-Sky-Trilogie anders. Die ersten beiden Spiele sind auf der PlayStation Portable in Europa erschienen, der dritte Teil nur noch auf dem PC. Anstatt jedoch schlichte Portierungen für die Konsolen zu bieten, haben sich die Entwickler gedacht, gleich ein umfangreiches Remake umzusetzen. Das Debüt der Trilogie erschien daraufhin im Oktober 2025 und verblüfft seitdem mit hübschen Anime-Charakteren, einer dichten Erzählung, die über zahlreiche Dialoge transportiert wird, und nicht zuletzt einem frischen Kampfsystem, das aus einer Mischung aus Echtzeit und rundenbasierten Taktiken neue Akzente setzt. Das lohnt sich selbst für Kenner des Originalspiels!

Langsame Erzählung mit dichter Atmosphäre

Angesiedelt ist Trails in the Sky: 1st Chapter Remake wie das Original im malerischen Fantasy-Königreich Liberl, das in mehrere kleine Regionen unterteilt ist. Zehn Jahre nach einem hunderttägigen Krieg gegen das Erebonische Imperium haben die Bewohner wieder in ihr altes Leben gefunden. Von Schlachten zeugen höchstens noch Plaketten, die an Mahnmälern angebracht sind. In diesen Zeiten verdingen Bracer genannte Alleskönner ihre Zeit mit Aufträgen, welche der Bevölkerung zugutekommen sollen. Zwei dieser Bracer sind das Geschwisterpaar Estelle und Joshua Bright. Diese stehen kurz vor ihrer Aufnahmeprüfung – und wir sind mit dabei. Im Klartext heißt das, dass das Rollenspiel gefühlt ewig braucht, um in die Gänge zu kommen. Alles und jedes wird kleinteilig aufgeschlüsselt. Das kann je nach Spielertyp durchaus nerven, ist von den Entwicklern beziehungsweise Autoren aber genauso gewollt. Trails in the Sky: 1st Chapter Remake lebt von seiner Atmosphäre, die sich vor allem über die Dialoge entfaltet. Kaum haben wir einen neuen wichtigen Meilenstein in der Story erreicht, erzählt uns wirklich jeder Nicht-Spieler-Charakter etwas Neues aus seinem Leben. Zuweilen nehmen die Informationen auch Bezug auf die Handlung, sodass wir bestimmte Ereignisse oder sogar Wendungen mehr oder weniger kommen sehen können, wenn wir gut aufpassen.

Abwechslungsreiches Heldengespann

Trotz der langsamen Erzählweise haben viele Ereignisse einen starken Einfluss auf das Finale, denn dem Spiel gelingt es eindrucksvoll, uns am Ende logisch mit zuvor unscheinbaren Momenten zu überraschen. Auf dem Weg dahin fühlt sich das Rollenspiel wie ein überaus solider Vertreter seines Fachs an. Neben Unterhaltungen mit zahlreichen Dorfbewohnern erkunden wir mit Estelle und Joshua aus der Verfolgerperspektive die Spielwelt, die sich vor allem über Straßen und Gebirgspfade identifiziert. Hier und da zeugen mysteriöse Türme von einer älteren Zivilisation. Unterstützung erhalten die beiden von weiteren Charakteren wie dem rothaarigen Krieger Agate Crosner, dem Möchtegerncasanova Oliver Lenheim, der stets mit einer griffbereiten Peitsche ausgerüsteten Scherazard Harvey oder der kleinen Tüftlerin Tita Russel. Jede Spielfigur in Trails in the Sky: 1st Chapter Remake verfügt über eine eigene Backstory und Kampffähigkeiten. Überall in der Welt lauern Gefahren im Sinne von Monstern. Kämpfen sollten wir bis zu einem gewissen Grad nicht aus dem Weg gehen, damit wir in den gerade zu Beginn herausfordernden Auseinandersetzungen mit Bossgegnern überhaupt eine Chance haben. Besiegte Feinde hinterlassen neben den nötigen Erfahrungspunkten auch Sepith, welches wir sowohl für die Quarzherstellung als auch die Umwandlung in Mira benötigen.

Actionorientiertes wie rundenbasiertes Kampfsystem

Während Mira die Währung in Liberl darstellt, mit der wir in Läden neue Ausrüstungs- oder Heilgegenstände erwerben können, hängt Quarz eng mit der Magie zusammen, die wir in und außerhalb der Kämpfe wirken können. In Trails in the Sky: 1st Chapter Remake besitzt jeder Held ein sogenanntes Orbment, in dem wir die kugelförmigen Quarze einsetzen können. Je nachdem welche Quarze in den limitierten Slots eingesetzt sind, verfügt der jeweilige Recke über andere Magiefähigkeiten. Dies erinnert ein wenig an das Materia-System aus Final Fantasy VII, setzt hierbei jedoch auf etliche Kombinationsmöglichkeiten, die zudem Auswirkungen auf Attribute und Fähigkeiten haben. Treffen wir in den Arealen auf Monster, können wir diese an Ort und Stelle vermöbeln. Diese Art des Kampfes kann sich aber ganz schön in die Länge ziehen, weshalb der Wechsel spätestens bei der Betäubung der Gegner in den rundenbasierten Modus ratsam ist. Dann können sowohl die Zauber, die eine Aufladezeit benötigen, als auch die sofort einsetzbaren Techniken mit ihren unterschiedlichen Angriffsbereichen auf ganzer Linie punkten. Das durchaus taktische Kampfsystem macht Laune und ist schnell verinnerlicht. Auch in puncto Steuerung können wir sowohl bei der Erkundung als auch im Kampf kaum etwas bemängeln. Höchstens das Nachjustieren der Kamera stört uns manchmal.

Frischzellenkur eines Klassikers

Seit der ursprünglichen Version im Jahr 2004 hat sich die Technik rasant weiterentwickelt. So verzichtet das Spiel auf die Pixeloptik vollständig, während die Charaktere mit Knuddeloptik immerhin noch im Ladebildschirm auftreten. Gewichen ist dieser Präsentation eine vollständige 3D-Umgebung und hübsche Figuren im knallbunten Anime-Look. Allenfalls die manchmal doch sehr spärliche Gestik und Mimik lassen sich neben der doch eher eintönig aufgebauten Spielwelt beanstanden, wobei letzteres möglicherweise gewollt ist, da Liberl als kleines und um einen See aufgebautes Königreich dargestellt wird. Darüber hinaus läuft das Spiel auf der PlayStation 5 mit einer butterweichen Bildwiederholrate. Die Ladezeiten auf Sonys Konsole fallen zudem kaum bis gar nicht spürbar auf. Auf der akustischen Seite gibt es aber ein paar Abstriche, denn so schön manche Musikstücke sind, so schnell wiederholen sie sich leider. Wollt ihr wirklich jedes Gespräch mitnehmen, überschreitet die Spielzeit locker die Marke von einhundert Stunden. Entsprechend nervig können die wenigen Stücke werden. Schade ist auch, dass ein Großteil der Dialoge, wahlweise im guten japanischen Originalton oder der passablen englischen Synchronisation, nicht vollständig vertont sind. Merkwürdig ist zudem, dass in manchen Dialogen nur ein Sprecher aktiv ist. Das kostet Punkte in der Atmosphäre, macht Trails in the Sky: 1st Chapter Remake aber keinesfalls zu einem schlechten Spiel.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Obwohl ich mir Trails in the Sky vor etlichen Jahren auf dem PC gekauft habe, kam ich bis heute nicht dazu, den Klassiker zu spielen. Als das Remake erschien, das ich auch als wunderbaren Einstiegspunkt in die Serie empfehlen kann, konnte ich jedoch nicht anders als mich in der Spielwelt für über einhundert Stunden zu verlieren. Zwar würde ich nicht behaupten, dass Trails in the Sky: 1st Chapter Remake eines der besten Rollenspiele aller Zeiten ist, davon ist es meines Erachtens ein gutes Stück weit entfernt, aber es hat seine ganz eigenen Stärken, die darüber entscheiden, ob ihr das Werk von Nihon Falcom mögen werdet. Allen voran ist die langsame Erzählweise zu nennen, denn jeder Nicht-Spieler-Charakter erzählt nach jedem wichtigen Moment in der Handlung etwas Neues zur aktuellen Situation im Land oder in seinem Leben. Das ist durchaus interessant, kann aber auch sehr mühselig sein. Die allermeisten Dialoge sind aber freiwillig, doch falls ihr diese nicht führen wollt, werdet ihr die Atmosphäre des Spiels kaum begreifen können. Darüber hinaus fällt die Spielwelt spätestens ab der zweiten Region sehr eintönig aus, was aber womöglich gewollt ist. Ihr werdet dafür jedoch mit einem motivierenden Kampfsystem und einer am Ende wunderbar zusammenlaufenden Handlung inklusive Cliffhanger belohnt. Da steigt die Vorfreude auf Trails in the Sky: 2nd Chapter Remake, was wenig überraschend bereits in Entwicklung ist und noch 2026 erscheinen soll.

Review: Sky Oceans: Wings for Hire

Mit dem an japanische Rollenspieltugenden angelehnten Sky Oceans: Wings for Hire möchten die Octeto Studios in die Fußstapfen großer Namen wie Skies of Arcadia treten. Der kunterbunte Anime-Stil trübt aber nicht über stumpfes Gameplay und die maue Technik hinweg.

Fragt ihr GameCube-Fans nach dem besten Rollenspiel auf der würfelförmigen Konsole, so bekommt ihr hauptsächlich drei verschiedene Antworten. Beinharte Nintendo-Fans schwören auf Paper Mario: Die Legende vom Äonentor. Fans besonderer Artstyles empfehlen hingegen Tales of Symphonia. Wahre Connaisseure sprechen sich vermutlich für Skies of Arcadia Legends aus, das zuvor bereits auf Segas Dreamcast für Furore sorgte. Während das zweite Abenteuer des Klempners in Papierform in einer durchaus gelungenen Neuauflage und das fünfte Spiel der Tales-of-Reihe in einer immer noch spielbaren Form auf der Switch verfügbar ist, warten Rollenspieler vergeblich auf die Rückkehr von Skies of Arcadia. Dass diese Lücke unbedingt gefüllt werden muss, haben die Entwickler der Octeto Studios erkannt und sich an die Arbeit eines von besagtem Sega-Rollenspiel und weiteren japanischen Genrevertretern inspirierten Werks gemacht. Bei diesem Unterfangen ging jedoch so ziemlich alles schief, was nur verkehrt laufen kann. So dürfte Sky Oceans: Wings for Hire genauso wie Cyber Ops, das Erstlingswerk des Entwicklungsstudios, auf kurz oder lang in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Bedauerlich ist das deshalb, da das Anfang Oktober 2024 veröffentlichte Rollenspiel reichlich Potenzial bietet, das aber leider an allen Ecken und Enden verspielt wird.

Lahme Präsentation

In Sky Ocean: Wings for Hire schlüpfen wir in die Rolle des Luftpiraten Glenn, der auf der Suche nach Ruhm ist und sich im Verlauf der Geschichte mit der Allianz anlegt. Unterstützung erhält er von seiner Freundin Fio Plume, die ihren Traum, eine waschechte Pilotin zu werden, bereits erreicht hat. Ren Hoss und Mica Pillory sind ebenfalls Piloten, welche die Truppe tatkräftig unterstützen. Damit die Luftjets der Gruppe stets gewartet sind, werkelt in der Basis Mechaniker Alfred Kaehl an den Maschinen herum. Ihr seht schon: Weder die Story noch die Charaktere sind sonderlich tiefgründig und eher Mittel zum Zweck. Selbiges betrifft auch die Dialoge, die recht oberflächlich bleiben und uns mit einfachen Worten vermitteln, was wir als nächstes zu tun haben. Entsprechend seicht fällt auch die Präsentation von Sky Oceans: Wings for Hire aus. In seltenen Fällen gibt es Zwischensequenzen, die ein wenig an Comicstrips erinnern. Auch in diesen sind die Charaktere aber nur spärlich animiert. Hinzu kommt, dass es keine Sprachausgabe gibt. Während das Fehlen von vertonten Texten in den Dialogen im Spiel selbst noch verschmerzbar wäre, ist dieser Umstand bei dieser Art der Präsentation einfach nicht mehr zeitgemäß. Handlung, Protagonisten und Dialoge sind also nichts weiter als schnödes Zierwerk. Beim durchschnittlichen Gameplay sieht es nicht besser aus.

Maues Gameplay

Bewegen wir uns in den Städten von Sky Oceans: Wings for Hire von einem Zielort zum anderen, fühlt sich der Titel noch am ehesten wie ein traditionelles Rollenspiel an. Wir reden mit verschiedenen Nicht-Spieler-Charakteren, erkunden die Gegend, entdecken Schatztruhen und decken uns bei Händlern mit neuer Ausrüstung für die Luftjets ein. Verlassen wir jedoch die sicheren Häfen und düsen durch die Lüfte, kommt das wahre Ausmaß des lahmen Gameplays zum Tragen. Ständig sammeln wir irgendwelchen in der Luft schwebenden Kram ein, schießen auf riesige Schatztruhen oder starten einen rundenbasierten Kampf, indem wir Geschosse auf Gegner abfeuern. Schon der erste Kampf ist auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad derart unausgewogen, dass wir am liebsten den Pro Controller wütend an die Wand pfeffern wollen. Als Aktionen stehen uns normale Angriffe, diverse Spezialfähigkeiten, ein Ausweichmanöver oder der Rückzug zur Auswahl. Selbst wenn wir klug agieren, die Gegner mit Eisgeschossen verlangsamen oder unseren Luftjet beschleunigen, hilft das nicht viel. Die Feinde weichen oft aus oder treffen uns dennoch. Benötigen wir zu Beginn mit Glenn und Fio mindestens drei Runden, um einen Gegner zu pulverisieren, agieren die Feinde ebenso clever und schießen einen unserer Helden schon in der zweiten Runde ins Nirwana – immer und immer wieder!

Veraltete Technik mit vielen Macken

Gerade auf die Kämpfe haben wir uns im Vorfeld sehr gefreut, gehören die Luftschiffschlachten im offensichtlichen Vorbild doch zu den spielerischen Highlights. Sky Oceans: Wings for Hire ist aber nicht nur spielerisch weit davon entfernt, das Erbe des Sega-Rollenspiels anzunehmen. Auch technisch hinkt der Titel dem Fortschritt hinterher. Allen voran wäre da die hakelige Steuerung zu nennen. Können wir uns mit der überempfindlichen Bedienung beim Laufen noch arrangieren, macht das Fliegen mit den Luftjets absolut keinen Spaß. Es kommt kein Gefühl für Geschwindigkeit und Kontrolle auf. Selbst optisch gibt es am Spiel viel zu mäkeln. So fallen die Umgebungen und architektonischen Elemente viel zu simpel aus und erinnern in ihren besten Momenten eher an Wii- oder 3DS-Spiele. Auch sind die Texturen oft recht matschig. Dies ist aber kein Problem, das nur die Switch-Version betrifft. Auch auf den anderen Plattformen hat das Spiel offenbar mit diesen Defiziten zu kämpfen. Auf der Switch kommen jedoch unschöne Einbrüche in der Framerate und mittellange Ladezeiten hinzu, was das Gesamtbild noch mehr schmälert als es ohnehin schon ist. Wer sich trotz unserer Warnungen dennoch auf den Titel einlassen will, muss also schmerzunempfindlich sein. Besorgt euch lieber Skies of Arcadia (Legends) für den GameCube oder den Dreamcast, denn das Spiel ist alles, was Sky Oceans: Wings of Hire definitiv nicht ist: Ein traumhaftes Rollenspiel!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Tatsächlich habe ich mich im Vorfeld sehr auf Sky Oceans: Wings for Hire gefreut. Natürlich war mir klar, dass das Rollenspiel niemals an das meiner Meinung nach erstklassige Vorbild aus dem Hause Sega heranreichen würde, doch wie weit beide Werke schlussendlich auseinander liegen würden, hätte ich nun auch wieder nicht gedacht. Über die eintönige Handlung, die wenig ausgebauten Charaktere und nicht sonderlich tiefgründigen Dialoge kann ich noch am ehesten hinwegsehen. In Anbetracht vieler genial erzählter Rollenspiele ist dies ein Aspekt, der für Entwickler zunehmend schwieriger zu bewerkstelligen sein wird. Beim Gameplay erwarte ich dann aber schon, dass dieses überzeugen kann – oder zumindest funktioniert. Sky Oceans: Wings for Hire verspielt hier reichlich Potenzial, denn die Aufgaben sind mühselig und die Kämpfe unausgeglichen. Hinzu kommen eine hakelige Steuerung und eine veraltete visuelle Präsentation, die mir das letzte Fünkchen Spielspaß rauben. Unterm Strich wirkt das Spiel so, als sei es überambitioniert in zu kurzer Zeit entwickelt und unfertig auf den Markt geworfen worden. Damit ist Sky Oceans: Wings for Hire nichts weiter als eine Zumutung für jeden Genrefan.

Review: Attack on Titan: Final Season (Vol. 4)

Nachdem die Wartezeit für Attack-on-Titan-Fans nach der zweiten Volume der vierten Staffel unerträglich war, fiel sie zwischen der dritten und vierten Ausgabe wesentlich angenehmer aus – einen Monat später folgte das den zweiten Part abschließende Episodenpaket der Serie.

In der dritten Volume der finalen Staffel von Attack on Titan überschlagen sich die Ereignisse im Bezirk Shiganshina. Es tobt der Krieg zwischen der Nation Marley und den Eldia, die sich historisch bedingt auf die Insel Paradis zurückgezogen haben. Marleys Truppen gelingt es im Zuge des Angriffs nicht zu verhindern, dass sich die beiden Brüder Eren und Zeke Jäger in ihrer Titanenform berühren. Anstatt dass sich die beiden am Ort der Koordinate von der Urahnin Ymir wünschen, dass die Eldia allesamt sterilisiert werden und mit der Zeit vom Planeten verschwinden, zeigt Eren sein wahres Gesicht. Er will sein Volk und seine Freunde vor diesem grausamen Schicksal bewahren und löst stattdessen die Walze aus. Das Unaussprechliche, vor dem Marley wie der Rest der Welt zittert, ist eingetroffen. Soll heißen, dass Eren die ursprünglich zum Schutz gedachten Mauern zum Einsturz bringt und die dort schlummernden Titanen für ihren Marsch erweckt. Mit ohrenbetäubendem Beben machen sich diese Kolosse auf, das Festland zu erreichen, um alles Leben auf der Welt außerhalb von Paradis zu vernichten. Auf diesem Konstrukt baut die vierte Volume auf, verlagert jedoch das Geschehen weg von der Konstante außerhalb von Raum und Zeit hin in die bedrohliche Gegenwart. Hier prallen derweil diverse politische, gesellschaftliche und militärische Ansichten aufeinander.

Austausch am Lagerfeuer

Hauptsächlich konzentriert sich die Handlung in der vierten Volume auf altbekannte Charaktere, die zum Teil nach langer Zeit wieder aufeinander treffen. Zum Beispiel kehrt in einer der ersten Szenen überraschend Annie Leonhardt zurück, der es durch die Auslösung der Walze gelungen ist, aus ihrem Gefängnis zu befreien. Der Zuschauer darf sich nicht nur auf die Wiedervereinigung mit ihren früheren Weggefährten Armin Arlert und Mikasa Ackermann freuen. Außerdem erhält sie zusätzlichen Background, der sie ein wenig menschlicher erscheinen lässt, da zwischenzeitlich doch einige neue Informationen innerhalb der Handlung dies nötig gemacht haben. Ebenfalls gibt es ein Wiedersehen mit Hanji Zoe und dem verwundeten Levi Ackerman. Gemeinsam stoßen sie an einem Lagerfeuer auf Theo Magath, der sich zunächst nicht auf einen Deal einlassen will. Als auch noch Armin, Mikasa sowie Connie Springer, der den kleinen Falco Grice an seine zum Titanen gewordene Mutter verfüttern will, Gabi Braun und ihr Cousin Reiner in diese Konstellation verwickelt werden, schließen sie den Pakt, Eren unter allem Umständen aufzuhalten. Um jedoch das Meer überqueren zu können, müssen sie ein Flugschiff der Familie Azumabito entwenden, das jedoch von Erens Anhängern stark bewacht wird. Brenzlig, brutal und blutig – Attack on Titan setzt diesmal ganz neue Akzente.

Schmales Bonusmaterial

Animationsstudio Mappa hat sich auch an der Gestaltung der letzten Folgen des zweiten Parts nicht lumpen lassen. Mit gewohnt blassen Farben ist das Geschehen stets bedrückend. Es bleibt selbst in freudigen Momenten, in denen die Farben etwas heller ausfallen, stets atmosphärisch. Besonders die letzte Episode dieser Volume, die als fehlendes Puzzleteil vorheriger Ereignisse zu verstehen ist, gefällt außerordentlich gut. Selbiges betrifft sowohl die deutsche als auch die japanische Synchronisation, die abermals den richtigen Nerv treffen und zusammen mit dem Soundtrack ein auditives Erlebnis bietet. Am digitalen Bonusmaterial hat der Herausgeber Crunchyroll allerdings gespart, denn es ist nicht existent. Stattdessen gibt es mit einem Booklet aber zumindest einen halbwegs funktionierenden Ausgleich. Der enthaltene Episodenguide ist trotz hübscher Gestaltung zwar ähnlich obsolet in seiner Funktion wie bei der vorherigen Volume, doch folgen im restlichen Büchlein durchaus interessante Fakten. So gibt es zwei weitere Mitarbeiter-Gesprächsrunden, in denen es neben dem für Japan typischen Austausch von Höflichkeitsfloskeln vor allem um die Gestaltung des Abspanns und dem Einfügen der Charaktermodelle ins Gesamtbild geht. Zu guter Letzt gibt es noch ein paar schicke Artworks zu bewundern. Wer die dritte Volume der Final Season von Attack on Titan mit Schuber erworben hat, kann die tolle vierte Ausgabe nun genüsslich in diesem unterbringen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mittlerweile bleiben die großen Überraschungsmomente in Attack on Titan leider aus. Dies is auch kein Wunder, denn kurz vor dem großen Finale würde es ohnehin nichts bringen, noch mehr Fragen aufzuwerfen anstatt noch offene zu beantworten. Letzteres gelingt der vierten Volume gerade mit der letzten Folge, die zeitlich überwiegend früher einzuordnen ist, außerordentlich gut. Auch wie die Charaktere in den vorliegenden Episoden vermenschlicht wurden und das große Dilemma, das einfach nicht mehr miteinander gesprochen wird, noch einmal verdeutlichen. Ein Blick vom Anime auf das alltägliche Weltgeschehen an Kriegsschauplätzen zeigt eindrücklich, wie elegisch sowohl unsere als auch die Welt von Attack on Titan ist. Diese Wirkung wird durch die blasse Farbgebung und die Musik noch einmal verdeutlicht. So traurig die Inhalte auch sein mögen, Attack on Titan bleibt auch mit dieser Volume eine der besten Anime-Serien aller Zeiten. Es bleibt spannend, wie der Konflikt zwischen den Eldia und der Nation Marley in den beiden abschließenden Filmen ausgeht.

Review: Scream 2

Mit Scream – Schrei! aus dem Jahr 1996 überraschte der legendäre Regisseur Wesley Earl „Wes“ Craven mit einem Horrorfilm, der zwar teils blutig ausfällt, sich von der Grundstimmung aber nicht sonderlich ernst nimmt. Ein Jahr später folgte bereits die erste Fortsetzung.

Obwohl weniger als ein Jahr zwischen der Erstveröffentlichung von Scream – Schrei! und der Filmfortsetzung Scream 2 liegt, vergeht innerhalb der Handlung gleich doppelt so viel Zeit. Zwei Jahre nach den traumatischen Geschehnissen in ihrer Heimatstadt Woodsboro hat Sidney Prescott inzwischen die Highschool abgeschlossen und geht aufs College. Sie will nicht mehr an die grausamen Ereignisse von damals in ihrer Heimatstadt, die sie hinter sich gelassen hat, erinnert werden. Das ist aber gar nicht so leicht, denn die sich im Rampenlicht suhlende wie geldgierige Boulevardreporterin Gale Weathers hat über das Treiben der Serienkiller ein Buch verfasst, welcher innerhalb der Filmwelt sogar auf die Leinwand gebannt wurde. Stab, so der Name des fiktiven Streifens im fiktionalen Werk, lockt scharenweise Zuschauer in die Lichtspielhäuser. Diese sind so aufgedreht, dass sie im Kino wie Wahnsinnige herumtollen, sich alle zwei Sekunden mit Messerattrappen versuchen abzustechen und noch dazu wie wild durch den Saal schreien. Auch ein afroamerikanisches Pärchen, das sich zugleich lustig darüber macht als auch kritisiert, dass in Horrorfilmen kein Platz für People of Color sei, nutzt der Nachahmungstäter als erstes Opfer. Daher fängt Scream 2 sehr stark an, nimmt danach jedoch schrittweise ab und ordnet sich zwischen Belanglosigkeit und Beliebigkeit ein.

Nonstop Nonsens

Hauptsächlich dreht sich der Film, den Wes Craven als Regisseur inszeniert hat, jedoch um Sidney und ihre neuen Freunde vom College. So wird sie von ihrer Zimmergenossin Hallie McDaniel dazu gedrängt, einer Studentenverbindung beizutreten. Derek Feldman stellt hingegen den verlässlichen Lebensgefährten dar. Mickey Altieri und der noch aus dem ersten Teil mit in Scream 2 geschliffene Randy Meeks streiten sich hingegen darüber, ob es überhaupt eine Filmfortsetzung gibt, die das Debüt in den Schatten stellt. Durch zahlreiche Zitate und Querverweise an das Horrorkino und andere Genres kommt zu Beginn richtig Laune auf, sich auf den Film einzulassen. Durch den Wechsel des Handlungsortes gibt es auch frischen Wind und der Zuschauer will stets herausfinden, wie die am College stattfindenden Morde in Zusammenhang mit den Geschehnissen im ersten Teil stehen. Es gibt auch eine mehr oder weniger plausible Erklärung gegen Ende des circa zweistündigen Films, die aber teils so absurd in Szene gesetzt ist wie viele Stellen im Film auch. Zudem erkauft sich die immerhin halbwegs zufriedenstellende Auflösung ihre Daseinsberechtigung mit einem langwierigen Prozess an Albernheiten, die selbst ein nicht ganz so ernster Horrorfilm nicht in diesem Ausmaß benötigt hätte. Statt die Story voranzutreiben verliert sich Scream 2 im Nonsens des Studentenalltags.

Prominente Besetzung ohne Zugkraft

Es ist nach dem guten, wenn vielleicht auch nicht überragenden Seriendebüt wirklich schade, dass der zweite Teil derart nachlässt – und das trotz einer prominenten Besetzung an Schauspielern. Zu sehen ist zum Beispiel Sarah Michelle Gellar als Casey Cici Cooper, welche als treue wie der Nüchternheit frönende Freundin, die ihre betrunkenen Freunde von Partys abholt, charakterisiert wird. Jerry O’Connell, der in den 1990er-Jahren vor allem aus der Serie Sliders – Das Tor in eine fremde Dimension bekannt war, muss der Zuschauer in Scream 2 als singenden wie liebestollen Partner von Sidney ertragen. Diese wird erneut von Neve Adrianne Campbell verkörpert, die aber auch nicht vielmehr tut als vor dem Killer wegzulaufen und hier und da ein paar Schalter und Hebel betätigt. Isaac Liev Schreiber und Courteney Bass Cox können dem Ensemble ebenfalls keinen ernsthaften Anstrich verleihen. An allen Ecken und Enden ist Cravens Werk anzumerken, dass es zu hastig produziert wurde, nur um rechtzeitig vor Weihnachten 1997 als Horrorfilm ein Kontrastprogramm im Kino anbieten zu können. Das Einzige, was der Film wirklich gut macht, ist den Zuschauer bis zum Ende respektive bis zum Fallenlassen der Maske des Serienmörders zappeln zu lassen. Ansonsten handelt es sich bei Scream 2 aber um eine müde Fortsetzung, die es wohl eher nicht gebraucht hätte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Obwohl ich Scream – Schrei! höchstens als mittelmäßigen Horrorfilm bezeichnen würde, habe ich mich nach dem Ansehen dennoch auf die erste Filmfortsetzung gefreut. Hin und wieder kann der zweite Teil den Vorgänger in manchen oder sogar allen Punkten überflügeln. Halloween II – Das Grauen kehrt zurück aus dem Jahr 1981 ist beispielsweise so ein Film. Von diesem Klassiker ist Scream 2 aber meilenweit entfernt. Dies ist in meinen Augen gerade deshalb so ärgerlich, da der Film unfassbar stark anfängt, den Auftakt des Debüts auf den Arm nimmt und schonungslos die ersten Morde inszeniert. Auch ein paar der Debatten über Filme tragen zur dichten Atmosphäre innerhalb der Story bei. Der Clique rund um Protagonistin Sidney kann ich aber bis auf Randy nichts abgewinnen – und das ist in Anbetracht prominenter Schauspieler wie Timothy Olyphant, Sarah Michelle Gellar und Jerry O’Connell echt enttäuschend. Hinzu kommt, dass sich der Film über weite Strecken mit Nonsens beschäftigt und sich zu stark vom Horrorfilm wegbewegt. Auch wenn der Film mit dem neuen Handlungsort frischen Wind in das Rätsel bringt, wer denn nun der Mörder sein könnte, und auch die Auflösung durchaus interessant inszeniert ist, lässt mich Scream 2 als Ganzes nach zwei Stunden dann aber doch ermüdet zurück.

Review: Dragon Ball: Box 6 (Episoden 123–153)

Mit der sechsten und damit letzten Serienbox fand im Februar 2025 der Anime Dragon Ball nun auch auf Blu-ray Disc zu seinem Ende. Wir erleben, wie Protagonist Son Gokū erwachsen geworden ist und nicht nur ein einziges Mal dabei die Erde vor dem Bösen rettet.

Pikkoro Daimaō ist besiegt. Mit einem letzten verzweifelten Angriff hat der todesmutige Gokū das Böse vom Antlitz der Welt gefegt. Zumindest dachte er dass, denn Pikkoro hat mit letzter Kraft einen letzten Sohn gezeugt, in welchem seine restliche Kraft eingeflossen ist. Verwundet vom Kampf bringt Yajirobē Gokū zurück zu Meister Quitte, wo er mit den magischen Bohnen wieder auf Vordermann gebracht wird. Dennoch ist Gokū sehr traurig darüber, dass er seine toten Freunde Kuririn, Chaozu und Muten Rōshi nicht wieder zu neuem Leben erwecken kann, da Pikkoro den Drachen Shénlóng vernichtet hat. Meister Quitte fällt in diesem Moment jedoch ein, dass Shénlóng genauso wie die sieben Dragon Balls auch von jemandem erschaffen worden sind. Also gibt er Gokū den Tipp, Gott aufzusuchen, damit dieser dem Drachen neues Leben einhaucht und seine Freunde wieder lebendig macht. Gokū staunt nicht schlecht, als er nach einigen Trainingsstunden mit Gottes Diener Misutā Popo Gott endlich gegenübersteht. Dieser sieht nämlich genauso aus wie der Oberteufel persönlich und so greift Gokū ihn sofort an, wird von Popo jedoch zurückgehalten. Der Protagonist erfährt von Gott, dass dieser genauso aussieht, da er und Pikkoro einst eine gemeinsame Person waren und um Gott zu werden, musste er sich von seinen bösen Eigenschaften vollständig trennen.

Der finale Konflikt

Sollte Pikkoro also tatsächlich sterben, so würde auch Gott das Zeitliche segnen. Gokū ist somit klar, dass er den Worten Gottes Vertrauen schenken darf und dass Pikkoro tatsächlich in letzter Sekunde noch einen letzten Sohn Leben geschenkt hat. Er würde zwar am liebsten sofort aufbrechen, um Pikkoros Reinkarnation zu töten, doch versteht er die Misere und willigt ein, dass er für den Gefallen, dass Gott Shénlóng neu erschafft und somit seine Freunde wieder leben, ganze drei Jahre lang in seinem Palast zu trainieren. Wie gehabt findet nämlich alle drei Jahre das große Kampfsportturnier der waffenlosen Kampfkünste auf der Insel Papaya statt. Bis dahin ist es allerdings ein langer Weg, denn das Training bei Gott und Popo ist sehr hart. Anstatt das Training auf Kampfkraft und Geschwindigkeit zu fokussieren, wird nämlich auch Gokūs Geist gestärkt, welcher er zwingend einsetzen muss, um Pikkoro ein für alle Mal zu besiegen. Dieser will nämlich seinen Vater rächen, weshalb er innerhalb von nur drei Jahren zu einer jüngeren Version dessen heranreift und Gokū als seinen Todfeind betrachtet. Während des 23. großen Turniers gibt es dann endlich das erhoffte Wiedersehen zwischen den Freunden und die finale Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, der Kampf zwischen Gokū und seinem Feind Pikkoro rückt Kampf um Kampf unaufhaltsam näher!

Linearer Abschluss

Die letzten 31 Episoden, die in der sechsten Serienbox auf vier Blu-ray Discs vorliegen, sind so konzipiert, dass sie linear auf das Ende zulaufen und alle offenen Fragen beantworten. Wer sich an ältere und vor allem die ersten Episoden erinnert, könnte sicher eine Vermutung haben, woraufhin die Serie zuläuft. Wir verraten hier nicht zu viel, doch am 23. Turnier nimmt auch eine junge Dame teil, die Gokū zu kennen scheint. Sie möchte, dass er sie ehelicht. Auch ein alter Bekannter tritt auf, den Gokū für tot hielt und jetzt sein Dasein als Cyborg fristet. Zu guter Letzt gibt es noch einen neuen Kämpfer im Ring. Shen sieht aus wie ein Büroangestellter, doch das Aussehen täuscht. Wer hinter dem Bürokrator steckt, wie er vom Ringrichter genannt wird, verraten wir aber nicht. Dieses Beispiel zeigt gut, wie der Humor des Animes weiterhin gekonnt in Szene gesetzt wird und wunderbar unterhält. Abstriche gibt es leider bei der Technik, denn in der ursprünglichen Veröffentlichung lag Episode 128 nur asynchron vor. Ein Fehler, der mit einer Ersatz-Disc von Crunchyroll in neuen Auflagen korrigiert wurde. In weiteren Episoden sind dafür in Sekundenbruchteilen Fragmente aus anderen Folgen zu sehen – unschön, aber darüber lässt sich hinwegsehen. Als digitales Bonusmaterial sind traditionell Opening und Ending in den deutschen Versionen enthalten. Physisch gibt es lediglich einen Episodenguide und zwei Postkarten obendrauf. Trotzdem ist und bleibt Dragon Ball Kult!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 123 bis 153 der Serie): Dragonball hat mir in den letzten Monaten auch auf Blu-ray Disc wieder einmal bewiesen, wie toll ich diesen Anime eigentlich finde und ich ihn noch immer weitaus großartiger inszeniert halte, als beispielsweise das von vielen Fans mehr geliebte Dragon Ball Z. In Dragon Ball floss meiner Meinung nach sehr viel mehr Herzblut von Toriyama Akira ein, der gewusst hatte, wie man eine tolle Geschichte erzählt und diese mit einer kräftigen Portion Martial Arts und vielen Humor-Elementen unterlegt. In 153 Episoden werden so viele liebevolle Charaktere vorgestellt, die sich mit der Zeit nicht nur zusammenraufen, sondern wahre Freunde fürs Leben werden. Passend dazu gibt es immer die Antagonisten, die wiederholend versuchen, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Prinz Pirafu ist von diesem Vorhaben zwar weit entfernt, doch sein Auftauchen ist immer wieder lustig. Es gibt dann natürlich noch die wahren Feinde wie Pikkoro Daimaō, gegen die sich Son Gokū zur Wehr setzen muss. Diese Konflikte gipfeln meistens in einem Kampf, der noch nicht so übertrieben und vor allem in die Länge gezogen wird, wie bei Dragon Ball Z. Wer mit diesem Franchise in Verbindung kommt, wird sich ohnehin alle Episoden und Filme angucken wollen – Dragon Ball, Dragon Ball Z, Dragon Ball Super und zumindest für mich auch Drago Ball GT umreißen einfach einen zu großen Epos, als dass man sich dem verschließen könnte. Dragon Ball überzeugt dabei meiner Meinung nach jedoch noch am meisten und jeder Anime-Fan, der die Serie bisher noch gar nicht kennt, sollte ihr spätestens mit der Neuauflage auf Blu-ray Disc unbedingt eine Chance geben!

Review: Ranma ½ – New Edition (Band 8)

Mit dem achten Band der Manga-Reihe Ranma ½ gelingt es Zeichnerin Takashi Rumiko ein neues Kapitel aufzuschlagen. Dadurch fühlt es sich, gerade nach etwas längerer Pause, recht erfrischend an, mit dem Lesen des Mangas fortzufahren. Zu Beginn der Handlung der achten Ausgabe offenbart sich eine wesentliche Charakterschwäche von Tendō Akane. Die Oberschülerin ist die einzige in ihrer Klasse, die nicht schwimmen kann. Diesen Umstand will sie schleunigst beheben – und bekommt unverhofft Hilfe vom Direktor der Furinkan-Oberschule. Dieser scheint aber nicht sonderlich daran interessiert zu sein, dass sich Akane auch wirklich die Schwimmfähigkeit aneignet. Ob Akane das Schwimmen erlernt oder ob sie auch weiterhin als bleierne Ente verschrien wird, lassen wir an dieser Stelle unkommentiert. Turbulent entwickelt sich auch die Geschichte von Hibiki Ryōga weiter, der nach wie vor darunter leidet, stets den Kürzeren in Kämpfen mit Hauptfigur Saotome Ranma zu ziehen. Von einem unscheinbaren Einsiedler bekommt er deshalb ein künstlerisches Mal verpasst, dass fortan seinen Körper ziert. Er gewinnt daraufhin auch jeden Kampf gegen alle Dōjō-Meister und selbst gegen den sonst unnahbaren Ranma. Blöderweise lässt sich das Zeichen nicht mehr abwaschen, was dazu führt, dass er auch in seiner Verwandlungsform als kleines Ferkel enttarnt werden könnte.

Action, Humor und Mythologie

Damit nicht genug, bekommt sogar der sonst eher unbedachte Tatewaki Kunō die Möglichkeit, Akane oder dem Mädchen mit dem Zopf, bei dem es sich bekanntlich um Ranmas weibliche Erscheinung handelt, gefährlich nahe zu kommen. Er gelangte nämlich in den Besitz eines magischen wie wunscherfüllenden Schwertes. Ranma und sein Vater Genma sind von der fixen Idee, sich mit Hilfe eines drei Wünsche, welche die Klinge gewährt, endlich nicht mehr in ein Mädchen respektive in einen Panda verwandeln zu müssen, durchaus angetan. Tatewaki geht jedoch verschwenderisch mit seinen Wünschen um, sodass bald auch ein Konkurrenzdenken zwischen Vater und Sohn entsteht. Ähnlich verhält es sich auch in den Kapiteln, die sich um Ranmas Zopf-Haarband drehen. Hierbei handelt es sich um den ominösen Bart des Drachen, hinter dem eine Gruppe chinesischer Fieslinge her ist. Eine so tragische Geschichte wie die Suche nach dem Phönixspiegel im Videospielklassiker Shenmue entwickelt sich in Ranma ½ aber nicht, denn dafür ist das Werk zu humorvoll. Mit dem Bart sollen wohl auch auf Glatzen wieder Haare sprießen, was für den kahlköpfigen Genma selbstredend eine Offenbarung darstellt. Besonders lustig ist aber vor allem das Kapitel, in dem Happōsai von kleinen Kindern mit dem Weihnachtsmann verwechselt wird – das ist absolut lesenswert!

Geschrieben von Eric Ebelt

Eric Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Ranma ½ hat sich wirklich wieder gefangen, denn auch der achte Band der New Edition der Reihe überzeugt mit vielen tollen kleinen Geschichten, die mit wahnsinnigem Humor, abgedrehter Action und überspitzter Mythologie nur so strotzen. Hier hat Manga-Zeichnerin Takahashi Rumiko gezeigt, welche kreativen Ideen ihrer Feder entspringen können. Zwar nervt es mich persönlich, dass direkt im ersten Kapitel der Direktor der Furinkan-Oberschule wieder auftaucht, aber nach der ersten Geschichte des achten Bandes bleibt er dem Manga bis zur letzten Seite zum Glück fern. Danach erreicht die Handlung zudem mit kuriosen Situationen wie dem Auftauchen eines Glücksspielers, der nur gegen Kinder gewinnt und diese abzieht, wieder zahlreiche Höhen. Auch dass Happōsai von kleinen Kindern mit dem Weihnachtsmann verwechselt wird, ist ganz großes Kino in Manga-Form. Genau so darf es auch in den kommenden Ausgaben weitergehen!

Review: Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

Science-Fiction ist ein Filmgenre, das die Menschheit schon fast seit Anbeginn der Filmgeschichte begeistert. 1979 bekam Regisseur Ridley Scott die Gelegenheit, Science-Fiction mit Horror zu kombinieren. Geboren war Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt.

Deutsche Filmtitel haben schon immer die seltsame Angewohnheit gehabt, dass sie mit einem zusätzlichen, aber vor allem unnötigen Untertitel ausgestattet wurden. So geschah es auch bei dem im Original schlicht Alien genannten Horror-Science-Fiction-Film. Als wäre es nicht ohnehin schon klar, dass es um eine außerirdische Lebensform geht, wird mit einem Fingerzeig darauf hingewiesen, dass es sich natürlich um ein unheimliches, gar bedrohliches Wesen von einem weit entfernten Ort handelt. So weiß der Zuschauer schon vor Beginn des Films, auf was er sich einstellen kann. Abgesehen von dieser wenig cleveren Entscheidung entwickelt sich die Handlung langsam und trotz aller Vorhersehbarkeiten spannend. Im Mittelpunkt der Story von Alien steht die Besatzung des Raumschiffs Nostromo, die eigentlich noch zehn weitere Monate auf dem Weg zur Erde sein sollte. Dennoch werden die sieben Crewmitglieder frühzeitig vom Mutter genannten Bordcomputer geweckt, da in der Nähe der Route ein Notsignal erfasst wurde. Ripley, Dallas, Ash, Brett, Kane, Lambert und Parker beschließen, dem Notruf nachzugehen. Sie landen auf einem Mond und entdecken dort ein nicht irdisches Raumschiff. Es zeichnet sich eine düstere wie beklemmende Szene ab, in der Kane von einem Alien-Parasiten angegriffen wird, der sich flächendeckend auf seinem Gesicht festkrallt.

Leben und Sterben auf der Nostromo

Der Zuschauer muss nicht hellsehen können, um sich auszumalen, was als nächstes geschieht. So werden sämtliche Sicherheitsprotokolle missachtet und dem Alien gelingt es, sich auf der Nostromo auszubreiten. Im Kern geht es im circa 117-minütigen Streifen vor allem darum, dass sich die Besatzung der Nostromo einen Plan überlegt, das Alien loszuwerden. Dies klingt jedoch leichter als es in Wahrheit ist, denn bei der außerirdischen Lebensform handelt es sich um einen unfassbar intelligenten Killer. Entsprechend schrumpft die Besatzung des Schiffs schrittweise auf ein Minimum. Der Zuschauer fiebert dabei regelmäßig mit, da jedes Crewmitglied das nächste sein kann. So mancher Tod ist dabei sehr vorhersehbar, doch gibt es im Film auch überraschende Wendungen. Zu viel soll an dieser Stelle nicht verraten werden, doch scheint es beim Kontakt mit dem Alien keine Zufälligkeiten zu geben. Da es sich bei der Besatzung um Techniker und Wissenschaftler handelt, fühlt sich die Story darüber hinaus im Rahmen des Genres wesentlich glaubhafter an. Es sind keine ausgebildeten Soldaten, sondern Menschen, die um ihr Leben fürchten, aber dennoch ihren Mut zusammennehmen müssen, um sich dem Alien erwehren zu können. Darüber hinaus handelt es sich bei Ripley um eine Frau, was in Anbetracht ihrer Rolle selbst in den späten 1970er-Jahren noch ein Novum war.

Atmosphärischer Horror mit „veralteten“ Tricks

Zu sehen als Ripley ist die Schauspielerin Sigourney Weaver, die mit ihrer Figur Geschichte schrieb und eine toughe Frau im Kampf gegen das Alien zeichnete, was ihr den Status einer Actionheldin einbrachte. In einer weiteren und für den Film nicht unerheblichen Rolle ist Ian Holm Cuthbert als Wissenschaftsoffizier Ash zu sehen, der sich allen geltenden Regeln auf der Nostromo entziehen will. Auch die inzwischen verstorbenen Darsteller Harry Dean Stanton als Brett, John Vincent Hurt als Kane und Yaphet Frederick Samuel Kotto als Parker haben zum Erfolg des Films beigetragen. Trotz des Alters ist das Bild von Alien auf der Blu-ray Disc ordentlich. Lediglich ein paar der Spezialeffekte, selbst die handwerklichen Tricks, sind ein halbes Jahrhundert später nicht mehr ganz so ansehnlich. Hinzu kommt der Umstand, dass das von Hans Rudolf Giger entworfene Alien bis auf eine Ausnahme am Ende nie gänzlich im Bild zu sehen ist. Hier spielt der Film mit der Fantasie des Zuschauers. Für den Soundtrack zeichnet sich hingegen Komponistenlegende Jerrald „Jerry“ King Goldsmith verantwortlich. Die dichte Atmosphäre profitiert maßgeblich vom Sounddesign. Zum 25-jährigen Jubiläum des Films erschien Anfang der 2000er-Jahre noch ein Director’s Cut, den Regisseur Ridley Scott aber nie abgesegnet hat. Somit bleibt die Kinofassung von Alien die definitive Version.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Es hat ewig gedauert, bis ich dem Horror-Science-Fiction-Film Alien: Das Unheimliche Wesen aus einer fremden Welt seine wohlverdiente Chance gegeben habe. Der Streifen aus dem Jahr 1979 erzählt eine langsame, aber im Rahmen des Genres glaubhafte wie spannende Geschichte. Zuweilen ist diese vorhersehbar, aber da keiner der Techniker und Wissenschaftler auf dem Raumschiff Nostromo sich wirklich sicher fühlen darf, kann es im Film tatsächlich jeden als nächstes treffen. Mit dem Kampf gegen das Alien wird zwar keine innovative Geschichte erzählt, aber sie legt den Grundstein für eine ganze Filmreihe. Persönlich finde ich es etwas schade, dass das Alien zu fast keinem Zeitpunkt mit seinem ganzen Körper zu sehen ist und auch ansonsten recht selten in Erscheinung tritt. Das Design von Hans Rudolf Giger war damals so ikonisch, dass das Alien bis heute in der Populärkultur fest verankert ist. Zwar wurde Alien sicher von Star Wars und Star Trek geprägt, aber auch andersherum hat Ripleys Film weitere Werke der Populärkultur wie zum Beispiel Nintendos Metroid-Reihe inspiriert. Alleine schon aus diesem Grund sollten Science-Fiction-Fans Alien genauso wie ich eine Chance geben.

Review: Doom 64

Mit Turok: Dinosaur Hunter und Turok 2: Seeds of Evil gelang es den Nightdive Studios, zwei Nintendo-64-Klassiker für die Nintendo Switch umzusetzen. Für Bethesda Softworks haben sich die Entwickler zum Release von Doom: Eternal an die Portierung von Doom 64 gewagt.

Wer bereits einmal einen Ableger des 1993 gegründeten Doom-Franchises gespielt hat, wird sehr gut wissen, dass die Reihe keine tiefgründige Story erzählt. Stattdessen steht in den meisten Spielen von Beginn an die Nonstop-Action im Mittelpunkt des Geschehens. Trotzdem ist auch Doom 64 in die spielübergreifende Storyline der Doom-Serie eingewoben. So spielt Doom 64 – abgesehen von den Erweiterungen und Portierungen der ersten beiden Teile – als eigentlicher dritter Serienteil nach den Geschehnissen von Doom II. Kurz nachdem die von Dämonen überrannte Marsbasis befreit wurde, wird diese vom so genannten Mother Demon eingenommen. Daraufhin wird eine Truppe Soldaten entsendet, die allerdings bis auf einen Mann ausradiert wird – und genau hier kommen wir ins Spiel, denn wir schlüpfen in die Haut genau dieses Überlebenden und machen Jagd auf den Mother Demon und seine Art. Mehr oder weniger ist genau das die Handlung, die wir in Doom 64 erleben oder uns zumindest vorstellen sollen, denn grundsätzlich wird im Spiel an keiner Stelle etwas erzählt oder erklärt. Ein wenig schade ist das schon, doch war diese Art des Storytellings in den 1990er-Jahren Gang und Gäbe. Auch im Klassiker Turok: Dinosaur Hunter, der im gleichen Jahr auf die Spielerschaft losgelassen wurde, müssen wir uns solche Zusammenhänge selbst erklären.

Beispielhafter Auszug aus einer Epoche

Doom 64 muss aus diesem Grund als Kind seiner Zeit betrachtet werden und insbesondere bei Ego-Shootern hat sich in dieser prägenden Epoche des Umbruchs von zweidimensionalen hin zu dreidimensionalen Titeln kaum ein Entwicklerstudio um die Erzählweise geschert. So konzentriert sich auch das ursprünglich von Midway Games entwickelte und von den Nightdive Studios überarbeitete Doom 64 vor allem aufs Gameplay. Kaum startet der erste Level, schießen wir mit unserer Pistole auf die ersten anlaufenden Gegnern, sammeln Munition ein, weichen feindlichen Angriffen aus und durchkämmen die Raumstation nach Schlüsseln, um in neue Räume oder gar neue Levels vorzudringen. Dabei müssen wir jedoch durchweg unsere Lebensenergie im Auge behalten, denn es reichen nur wenige gegnerische Treffer aus, um uns ins virtuelle Nirwana zu pusten. Zum Glück findet sich hinter jeder Ecke sehr nützliche Medizin, mit denen wir an Ort und Stelle unsere Wunden verarzten. Kaum ist unsere Energie aufgefrischt, geht es auch schon nonstop weiter in den nächsten Gang oder Raum, wo uns weitere bestialische Dämonen erwarten. Doom 64 setzt wie viele Ego-Shooter dieser Zeit auf ein hohes Tempo, weshalb wir stets in Bewegung sein sollten. Auch wenn viele unserer Gegner nur Kanonenfutter darstellen, sind diese dennoch gefährlich, wenn sie in Gruppen auftreten.

Mit Nonstop-Action zum Mother Demon

Hinzu kommt, dass manche Dämonen intelligenter als ihre Artgenossen attackieren. Manche Gegner nutzen beispielsweise Tarnvorrichtungen und andere greifen im Zickzackmuster an, um uns zu verwirren. Ein wichtiger Punkt bei Ego-Shootern auf Konsolen ist daher die Steuerung, und diese funktioniert in Doom 64 wirklich gut. Jede Bewegung flutscht nur so von der Hand, was in Zusammenhang mit dem hohen Spieltempo auch notwendig ist. Allerdings ist es im Spiel nicht wichtig, jeden Gegner genauestens ins Fadenkreuz zu nehmen, zumal es dieses auch gar nicht gibt. Auch ist der Blick nach oben zu erhöhten Plattformen oder nach unten, um in Gruben zu schielen, nicht möglich. Dies ist anfangs etwas befremdlich, fällt auf Dauer aber nicht sonderlich negativ auf. Unser Held nimmt die Feinde weitgehend selbstständig aufs Korn – wir müssen lediglich in die entsprechende Richtung blicken und den Abzug betätigen. Im Übrigen gibt es in Doom 64 kein nerviges manuelles Nachladen. Dieses geschieht stets automatisch. Zwar dauert es manchmal den Bruchteil einer Sekunde, bis die Schrotflinte wieder einsatzbereit ist, doch wer den Aktionsknopf gedrückt hält, verkürzt die Wartezeit auf den nächsten Schuss aufs Minimum. Mit Dauerfeuer sollten wir aber auch nicht durch die düsteren Levels hetzen, denn auch wenn es reichlich Munition gibt, ist sie immer noch limitiert.

Überschaubare und begrenzte Möglichkeiten

Auch wenn die Action in Doom 64 wirklich gut funktioniert, so scheitert das Spiel hier und da am Aufbau der insgesamt 32 überschaubaren Levels. Diese sind gerne mal so verschachtelt, dass an einer Stelle im Level ein Schalter aktiviert werden muss, der irgendwo (!) den Zugang zu einem weiteren Teilbereich öffnet. Diese Mechanik wiederholt sich gerne mal, sodass wir in vielen Levels planlos hin und her laufen, bis wir eine der ehemals verschlossenen Türen auf einmal geöffnet vorfinden. Das war bereits im Jahr 1997 schon halbwegs veraltet und hätte ebenso vermieden werden können wie der Verzicht auf eine Sprungmöglichkeit. Wollen wir also eine erhöhte Plattform erreichen oder einen Abgrund überwinden, müssen wir immer eine Treppe, eine Brücke oder ähnliches finden. Das ist genauso ärgerlich wie so manches Schalterrätsel, bei dem wir beim Betätigen eines falschen Schalters direkt von einer Presse zerquetscht werden und möglicherweise daraufhin den Tod erleiden. Hier hätten wir uns über einen etwas klügeren Einsatz der Rätselmechanik gefreut, zumal diese auf einer Raumstation in unseren Augen ohnehin deplatziert wirkt und damit die in so gut wie jedem Spiel wichtige Immersion zertrümmert. Immerhin strecken die Rätsel die Levels insofern angenehm, dass wir sie auf der Switch auch während mittellanger Bus- und Bahnfahrten genießen können.

Überarbeitung mit altem Charme

In technischer Hinsicht ist der Sprung vom Nintendo 64 auf die Nintendo Switch zwar nicht so hoch, wie sich so mancher Spieler wünscht, doch sind die Verbesserungen alles andere als unansehnlich. So wurde der Bildschirmausschnitt von 4:3 auf 16:9 umgestellt, wodurch uns das bei einem Ego-Shooter wichtige Blickfeld deutlich mehr Informationen vermittelt. Hinzu kommt, dass das hochskalierte Geschehen nicht mehr ganz so matschig wie noch auf dem Nintendo 64 wirkt. Dennoch ist Doom 64 weit davon entfernt, eine Augenweide zu sein. In erster Linie ist dies an den Gegnern und den Spezialeffekten zu sehen. So handelt es sich bei den Gegnern allesamt um zweidimensionale Sprites, die sich durch den dreidimensionalen Raum bewegen. Ähnlich ist es auch bei den Effekten, die schon damals aufgesetzt wirkten. Das Nintendo 64 ist genauso wie die Switch und alle anderen Plattformen, auf denen das Spiel nachträglich veröffentlicht wurde, zu deutlich mehr im Stande. Hier wäre eine nachträgliche Überarbeitung hin zu dreidimensionalen Charaktermodellen wünschenswert gewesen. Die Sprites haben dennoch einen gewissen Charme, den wir nach kurzer Spielzeit schon gar nicht mehr missen möchten. Leider ist der Soundtrack des Spiels alles andere als eine Wucht und dümpelt für unseren Geschmack zu sehr im Hintergrund. Nostalgiker und all jene Spieler, die den eher unbekannten Serienteil – inklusive hinzugefügter Schnellspeicherfunktion in der HD-Fassung – nachholen wollen, kommen um Doom 64 nicht herum.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Mit der Doom-Reihe konnte ich ganz persönlich nicht so viel anfangen, da die Serie bis aufs Anspielen von Doom 3 Anfang der 2000er-Jahre einfach an mir vorbeigegangen ist. Mit der Portierung des bisher exklusiven Nintendo-64-Ablegers Doom 64 darf sich dieser Umstand aber gerne ändern. Mir gefällt die problemlose Ballerorgie weitgehend gut, denn einfach nur den Abzug betätigen, ins nächste Areal vorzupreschen und einen Gegner nach dem anderen umzunieten, trifft genau meinen Geschmack. Doom 64 – so flüssig es sich in puncto Spieltempo auch spielt – hat allerdings auch ein paar Macken, die nicht rein aufs Alter des Spiels zurückzuführen sind. So muss ich aufgrund der fehlenden Sprungfähigkeit des Helden immer einen Umweg über Treppen, Brücken oder Aufzügen zum nächsten Schlüssel finden und mich mit verwirrenden und absolut nicht zur Thematik passenden Schalterrätseln auseinandersetzen. Doom 64 war inhaltlich schon 1997 leicht veraltet. Insbesondere mit den ersten beiden Turok-Episoden hat das Genre der Ego-Shooter Ende der 1990er-Jahre gezeigt, wie sie auf Konsolen richtig funktionieren. Das macht Doom 64 aber zu keinem schlechten Spiel. Wer auf unproblematische Action steht und sich mit den lahmen Rätseln anfreunden kann, kommt mit Doom 64 in den Genuss eines dennoch recht spaßigen Genre-Vertreters, der jede mittellange Bus- und Bahnfahrt im Nu verfliegen lässt.

Review: Yasha: Legends of the Demon Blade

Obwohl das historische Japan als Setting lange Zeit nur ausgewählten Videospielserien oder allenfalls gelegentlich größeren Titeln vergönnt war, ist das Land der aufgehenden Sonne wie in Yasha: Legends of the Demon Blade im Moment prominenter denn je zuvor vertreten.

Im Grunde ist die Geschichte von Yasha: Legends of the Demon Blade schnell erzählt. Während der Edo-Zeit tauchen in Japan reihenweise Dämonen auf, die wir mit geballter Schwertkraft zurückstoßen müssen. Zwischendurch gibt es immer wieder kurze Rückblenden in die Vergangenheit unserer Spielfigur, doch wird die Erzählung sehr rudimentär über durchschnittliche Dialoge mit lahmen Charakterporträts vorangetrieben. Zu Beginn des Abenteuers dürfen wir uns immerhin entscheiden, in welche Rolle wir überhaupt schlüpfen wollen. Hierbei stehen uns insgesamt drei Helden zur Auswahl. Entweder übernehmen wir die Kontrolle über die Kunoichi Shigure, die Abgesandte Sara oder den Samurai Taketora. Um den drohenden Kollaps abzuwehren, bekämpfen wir nach und nach die auftauchenden Dämonen im Land der aufgehenden Sonne. Das Gameplay ist dabei ebenso einfach gestrickt. Auf der einen Seite eignet sich der Titel daher vor allem für Hack-and-slay-Neulinge, doch auf der anderen Seite könnte dies aufgrund des schmalspurigen Kampfsystems durchaus anöden. So hauen wir durchweg auf nur wenige Knöpfe, um unsere Aktionen auszuführen. Schnelle wie heftige Angriffe, Spezialattacken zum Unterbrechen gegnerischer Manöver und Ausweichrollen – mehr braucht es nicht zu wissen, um in Yasha: Legends of the Demon Blade einzutauchen.

Der Tod ist nur der Anfang

Wäre all das noch zu verkraften, brechen repetitive Spielmechaniken dem Titel das Genick. Stirbt unsere Spielfigur, so wird diese an einem Shintō-Schrein wiederbelebt. Alle Monster, die wir bis dahin besiegen, füllen unser Konto mit einer Art Geisteressenz auf. Diese können wir am Schrein in neue Fähigkeiten oder Attribute investieren, wie zum Beispiel eine verlängerte Lebensenergie oder eine zusätzliche Ausweichrolle. Im Dorf können wir mit gefundenen Schwertzieraten und besagter Essenz beim Schmied neue Waffen fertigen lassen oder diese aufwerten. Nach und nach werden wir so immer stärker und kommen im Spiel theoretisch auch schneller voran. Ähnlich wie in Demon’s Souls und Co werden mit unserer Wiedergeburt aber auch alle Gegner inklusive Bossgegner ins Leben zurückgeholt. Das heißt, dass wir jedes Mal aufs Neue den kompletten Weg ablaufen müssen, um zu dem Punkt zu gelangen, an dem wir abgekratzt sind. Wir können euch sagen, dass genau dieses Element darüber entscheidet, ob ihr Spaß mit Yasha: Legends of the Demon Blade haben werdet. Könnt ihr euch für diese an Rogue-like-Spiele orientierten Mechaniken nicht erwärmen, solltet ihr unbedingt die Finger vom Spiel lassen, da es euch so zu wenig Spaß machen könnte.

Stolpersteine auf dem Weg zum Ziel

Letzteres lieg wohl auch an den magischen Kugeln, die wir während unserer Reise aufklauben können. Diese verändern oder verbessern unseren persönlichen Spielstil, wodurch auch die Schwierigkeitsstufe schwanken kann. Gerade bei den Bossgegnern fallen uns eklatante Unterschiede im Härtegrad auf. Dies sorgt also dafür, dass wir womöglich mehrere Anläufe und zudem etwas Glück brauchen, bis wir wieder ähnlich weit kommen. Trotz des immer gleichen Trotts lässt sich Yasha: Legends of the Demon Blade grundsätzlich aber gut bedienen. Jede Eingabe wird problemlos erkannt. Allzu hektisch wird es im Spiel zudem selten, weshalb wir immer genügend Möglichkeiten sehen, gegnerischen Attacken auszuweichen. Das Design der Dämonen ist durchaus gelungen, zumal sie unterschiedliche Bewegungs- und Angriffsmuster vorweisen. Sowohl Nah- als auch Fernkämpfer sowie Flächenangriffe sind möglich, wodurch der Titel zumindest in dieser Disziplin erfreulich abwechslungsreich bleibt. Bis auf die starren Charakterporträts und die mauen Zwischensequenzen sieht das Spiel optisch aber recht schick aus und wird mit den passenden wie japanisch anmutenden Klängen gut unterlegt. Dennoch kann der teils putzige Anime-Look nicht über die Defizite hinwegtäuschen. Yasha: Legends of the Demon Blade befindet sich nur im Mittelfeld und kann aus diesem nicht ausbrechen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Japan als Setting in Videospielen ist für mich eigentlich immer mit Neugier verbunden – und so verhält es sich auch mit Yasha: Legends of the Demon Blade. Ich musste das Spiel unbedingt ausprobieren. Beim Spielen fallen mir jedoch sowohl positive als auch negative Aspekte auf, die nicht so wirklich auf einen Nenner kommen wollen. Auf der Habenseite mag ich den Zeichenstil und zuweilen auch die flotte wie gute Spielbarkeit. Da verzeihe ich auch gerne, dass die Story zu kurz kommt und mich nicht wirklich hinterm Ofen hervorlockt. Da gibt es Punkte, die mich deutlich mehr stören. Hierbei ist vor allem das ständige Neubeginnen etwas, was mir bitter aufstößt. Sobald meine Spielfigur stirbt, darf ich alles von Vorne machen. Es gibt zwar ein paar permanente Verbesserungen, wodurch der Titel tendenziell leichter wird, aber trotzdem durchlaufe ich so immer und immer wieder ähnlich aufgebaute Areale, bekämpfe die gleichen Gegnerhorden und dieselben Bossgegner in einer festgelegten Abfolge. Auf Dauer ist mir das einfach zu wenig, um mich bei Laune zu halten, zumal in puncto Schwierigkeitsgrad auch eine Prise Glück dazu gehört. So kann ich Yasha: Legends of the Demon Blade nur dann empfehlen, wenn ihr etwas mit solchen Mechaniken anfangen könnt. Andernfalls greift ihr lieber zu Alternativen!

Vielen Dank an 7Quark für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Yasha: Legends of the Demon Blade!

Review: One Piece: Box 36 (Episoden 1026–1050)

Während zwischen der 34. und der 35. Serienbox der Anime-Serie One Piece bei der Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum ein Jahr lag, verkürzte sich die Wartezeit auf das 36. Episodenpaket mit sechs Monaten nur unwesentlich. Am 16. Mai 2025 ging es endlich weiter!

Obwohl der Handlungsstrang im von Japan inspirierten Inselreich Wa no Kuni schon gefühlt Ewigkeiten andauert, nehmen die Kämpfe auf Onigashima kein Ende. An allen Fronten wird gekämpft. So haben sich die Strohhutpiraten und die Roten Schwertscheiden sowie ihre Verbündeten quer über das Areal verteilt. Getrennt voneinander geben sie aber keineswegs auf – Not macht eben erfinderisch. Es ist allerdings deutlich zu spüren, dass die Helden auf Onigashima auf ihre bisher stärksten Gegner treffen. Entsprechend ziehen sich einige Auseinandersetzungen über etliche Episoden hin. Schlimm ist das aber nur in Ausnahmefällen, denn gerade in puncto Zeichenstil, dem sicherlich nicht jedem Zuschauer schmecken dürfte, drehen die Kämpfe bis zum Anschlag auf. Inzwischen haben sich die Roten Schwertscheiden von der Schädelkuppel zurückgezogen, um ihren Herrn Kōzuki Momonosuke im ganzen Wirrwarr zu finden und zu beschützen. Kurozumi Kanjūrō, ehemals ein treuer Weggefährte, hat die Samurai verraten und plant Momonosuke mit perfiden Mitteln zu töten. Das müssen sie unter allen Umständen verhindern. Schon an dieser Stelle lässt sich sagen, dass One Piece trotz ebenfalls noch vorhandenem Humor diesbezüglich ernste Töne anschlägt. Ob es hierbei Tote gibt, oder ob alle Samurai die Schlacht überleben, sollte der Zuschauer aber lieber selbst herausfinden.

Überraschungen auf der schwebenden Insel

Dadurch dass sich die Roten Schwertscheiden vom Dach zurückgezogen haben, können sich Monkey D. Ruffy, Lorenor Zorro, Trafalgar D. Water Law, Eustass Kid und nicht zuletzt Killer am Ort des Geschehens richtig austoben. Die Antagonisten Kaidō und Big Mom fahren auf der Schädelkuppel schwere Geschütze auf. Zwei Kaiser gleichzeitig zu bekämpfen scheint für die Truppe ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Dennoch agieren sie im Team und geben ihr Bestes, um den Schrecken ein Ende zu bereiten. So drängt auch ein wenig die Zeit, denn die inzwischen schwebende Insel Onigashima ist kontinuierlich auf dem Weg, Wa no Kuni zu erreichen. Dort soll das Eiland auf die von Feierlichkeiten durchzogene Blumenhauptstadt plumpsen, damit Kaidō sein neues Herrschaftsreich gründen kann. Darüber hinaus nutzt Oda Eiichirō, Autor der Manga-Vorlage, den einzigartigen Kampfschauplatz, um die Charaktere in unterschiedlichen Konstellationen neu anzuordnen. Schon relativ zu Beginn der in der 36. Serienbox enthaltenen Episoden kommt es dazu, dass Big Mom von der Insel fliegt und droht ins Meer zu stürzen. Wenig später teilen dieses Schicksal drei weitere Figuren, die teilweise sogar über Teufelsfruchtkräfte verfügen. Sollten diese ins Wasser fallen, ist dies quasi mit einem Todesurteil gleichzusetzen. One Piece überrascht hier mit spannenden Wendungen!

Lückenfüller für den Kinofilm

Tatsächlich gelingt es den Episoden 1026 bis 1050 richtig gut, die einzelnen Strohhüte allesamt in besondere Situationen zu werfen. Es entsteht wirklich ein Gefühl davon, dass all diese Kämpfe zeitgleich an verschiedenen Orten auf Onigashima stattfinden. All das setzt sich mit der Zeit auch wieder bestens wie ein Mosaik zusammen. So duelliert sich Frankie beispielsweise mitten auf dem Gang mit dem triceratopsartigen Sasaki. Dahingegen eilt Nico Robin Schwarzfuß Sanji zur Hilfe, der im Spinnennetz von Black Maria gefangen ist. Jinbē ist wiederum drauf und dran, Who’s Who zu bekämpfen, der wohl noch eine Rechnung mit Ruffy offen hat. Hier ist es interessant zu sehen, dass es Oda nach wie vor gelingt, die gegenwärtige Handlung mit lange in der Vergangenheit liegenden Ereignissen zu verknüpfen. Deshalb gibt es zwischendurch auch einen zwei Folgen umfassenden Flashback in Ruffys Kindheit, in dem er sich mit Shanks Ziehtochter Uta anfreundet. Womöglich gibt es diesen Rückblick aber nur deshalb, da Uta auch eine zentrale Rolle in One Piece Film: Red einnimmt, der 14. Kinofilm, der parallel zur Ausstrahlung der Serie in den japanischen Lichtspielhäusern anlief. Sonderlich spannend sind diese beiden Episoden übrigens nicht. Sie wirken willkürlich eingeschoben, weshalb wohl eher Fans der Filmreihe vom kurzweiligen Lückenfüller profitieren könnten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 1026 bis 1050 der Serie): In der 36. Serienbox der Anime-Serie One Piece geht es heiß her. Das Tohuwabohu passt jedoch abermals zur genialen Gestaltung der Handlung, denn diese findet in diesen Episoden kreuz und quer auf Onigashima statt. Vor allem Kämpfe, die ausufernder nicht sein könnten, bekommt der Zuschauer in diesen Folgen zu sehen. Positiv fällt auf, dass der Anime das Gefühl der Gleichzeitigkeit der stattfindenden Geschehnisse wunderbar vermitteln kann. So wirkt der ganze Trubel, so überdreht er auch inszeniert ist, wie aus einem Guss. Handlungstechnisch gibt es, vielleicht mit Ausnahme etwaiger Rückblenden, die ganze Episoden überdauern, nicht viel auszusetzen. In puncto Inszenierung könnten Fans aber zumindest zwiegespalten sein, denn auf der einen Seite ist der frische Wind bei den Animationen inzwischen eine nette Abwechslung, doch auf der anderen Seite heben sich diese dann doch zu stark vom eigentlichen Konzept ab. Hier bleibt es also spannend, ob Toei Animation weiterhin auf dieses Pferd setzen wird. Trotz allem sind die Episoden der 36. Serienbox von One Piece für jeden Fan unerlässlich.

Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 10)

Im altbekannten Veröffentlichungszyklus von zwei Monaten erschien die zehnte Volume der Anime-Serie Crayon Shin-chan im März 2026 auf DVD. An der Gestaltung des Episodenpakets durch Herausgeber Polyband Anime hat sich auch beim zehnten Mal nichts geändert.

Aus der japanischen Fernsehlandschaft ist der fünfjährige Nohara Shinnosuke nicht mehr wegzudenken. Das Werk des 2009 verstorbenen Manga-Künstlers Usui Yoshihito hat in den frühen 1990er-Jahren ein Phänomen geschaffen, das außerhalb des Landes der aufgehenden Sonne weniger als Manga, doch umso mehr als Anime große Bekanntheit erlangt hat. Obwohl der Erfolg in den frühen 2000er-Jahren, als die Anime-Serie hierzulande das erste Mal ausgestrahlt wurde, aufgrund der nordamerikanischen wie verstückelten Vorlage nur von sehr kurzer Dauer war, häufen sich Shin-chans Auftritte in den 2020er-Jahren. Seit Ende 2024 veröffentlicht der hiesige Publisher Polyband Anime die erste ins Deutsche synchronisierte Version auf DVD. Am weniger geglückten Erscheinungsbild der ersten neun Ausgaben hält Polyband Anime jedoch auch beim zehnten Episodenpaket fest. Soll heißen, dass Intro und Outro nur dann einmal abgespielt werden, wenn die Alle-abspielen-Funktion ausgewählt wird. Darüber hinaus sind die einzelnen Abenteuer, von denen sich ursprünglich drei in einer Folge befinden sollten, allesamt aufgeteilt. Das vereinfacht das gezielte Suchen nach einer besonderen Sequenz, hat aber selbst mit der aus Nordamerika importierten verstückelten Version gar nichts gemein. Am Inhalt der eigentlichen Folgen von Crayon Shin-chan ändert dies aber nichts.

Sommer, Sonne, Shin-chan

Dass die einzelnen Abenteuer zudem in einer nicht chronologischen Reihenfolge vorliegen, ist in der zehnten Ausgabe glücklicherweise nicht zu bemerken. Vor allem liegt das an dem Umstand, dass Shinnosukes Schwester Himawari respektive Daisy, wie sie in der deutschen Übersetzung heißt, mit keinem einzigen Wort erwähnt wird. Stattdessen konzentriert sich die Story in den vorliegenden Folgen auf die bis zu diesem Zeitpunkt noch dreiköpfige Familie Nohara. Allen voran das Thema Wasser scheint es Animationsstudio Shin’ei angetan zu haben, denn so spielen viele Szenen mitten im Sommer. Es ist so heiß, dass Shin-chans Mutter Misae beziehungsweise Mitsy das Planschbecken für ihren Sohn herauskramt, damit sich dieser im Garten erholen kann, anstatt seinen Rüssel den ganzen Tag vor dem Ventilator zu kühlen. In einer anderen Episode geht es hingegen ins Freibad. Hier schmeißt sich der neunmalkluge Shin-chan direkt an den Hals einer gut aussehenden Mutter eines anderen Jungen und bekommt dafür direkt einen Rüffel. Darüber hinaus hält es Shin-chan für eine besonders gute Idee, im Schwimmbad den toten Mann zu spielen, was zudem die Bademeisterin ordentlich auf Trab hält. Da es Shinnosukes Vater Hiroshi respektive Harry nicht gelingt, mit dem Rauchen aufzuhören, muss er Frau und Sohnemann notgedrungen ins nächste Badehaus einladen.

Aberwitzige Traumata

Ganz allgemein dreht sich in Crayon Shin-chan alles um den titelgebenden Protagonisten und wie er seine Mitmenschen in den Wahnsinn treibt. Mal hält er seinen Vater vor dem Einschlafen ab, obwohl dieser bereits um fünf Uhr in der Frühe aufstehen muss, und mal quetscht er eine unbekannte Schönheit aus. Letzteres Schicksal droht in einer anderen Episode ebenfalls einer seiner Vorschullehrerinnen, namentlich Matsuzaka Ume oder Fräulein Uma, wie sie für die deutsche Fassung umbenannt wurde. Eine Manga-Künstlerin, mit der Shinnosukes Mutter befreundet ist, leidet hingegen unter der Kreativität des Fünfjährigen, der einfach in ihre Zeichnungen malt. In zwei anderen Folgen dreht sich hingegen alles um grüne Paprika, die Shin-chan einfach nicht essen möchte. Einmal wird er auf Geheiß eines Verkäufers dazu ermuntert, sie im Garten anzupflanzen, da sie ihm dann wohl viel besser schmecken würden. Ein paar Episoden später nimmt er direkt Reißaus zu seinem Kumpel Satō Masao respektive Max. Obwohl Shinnosukes Freunde in der zehnten Volume zu kurz kommen, freut sich immerhin Hund Shiro beziehungsweise Lucky über ein paar kurze Auftritte. Mit den enthaltenen Abenteuern ist es dem Animationsstudio abermals gelungen, aberwitzige bis leicht traumatische Ereignisse einzufangen. Wer die Serie bislang verfolgt hat, darf wieder blind zuschlagen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Shin-chan wird und wird nicht langweilig. Die Episoden nehmen zuweilen derart abgedrehte Züge an, dass ich aus dem Lachen einfach nicht mehr herauskomme. Beispielsweise wird Familie Nohara in einer Folge von einer fiesen Krähe belauert, die es auf die Müllsäcke ihres Haushalts abgesehen hat. Um die Krähe loszuwerden, schnappt sich Shin-chan zwei Feuerwerkskörper und zündet diese kurzerhand im Garten – und dies ist nur eines von vielen Beispielen, warum ich den abgedrehten Humor der Serie so liebe. Die deutsche Übersetzung ist ebenfalls gelungen, da sie fast schon ans Schnodderdeutsche grenzt und auch Bezüge zur deutschen Medienlandschaft enthalten sind. Auf einer Manga-Messe will sich Shin-chans Mutter der Identität eines Manga-Zeichners vergewissern und erhält als Antwort, dass der Mann wohl Dieter Bohlen sei. Herrlich! Ich weiß, dass das wohl nicht jedem gefällt, aber wer die Serie damals im linearen Fernsehen verfolgt hat oder einfach nur einen wirklich abgedrehten Anime in puncto Wildwest-Humor erleben will, kommt um die Anime-Serie Crayon Shin-chan definitiv nicht herum. Auch die zehnte Volume ist für jeden Fan und jeder, der es werden will, ein absoluter Pflichtkauf!

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 10)!

Review: House of Knives

Mit überraschenden Wendungen und überzeugenden Schauspielern gespickt, entpuppt sich der chinesische Film House of Knives aus dem Jahr 2023 als spannendes Drama voller Verrat und Intrigen, bei der bis zum Schluss nicht klar bleibt, welche Figuren miteinander paktieren.

Chinesische Historiendramen gehören zumindest für das durchschnittliche europäische Publikum nicht zu der leichtverträglichen Kost aus den Filmschmieden der Volksrepublik. House of the Knives von Regisseur Zhāng Yìmóu hat zwar durchweg seine Qualitäten, ist mit circa 160 Minuten jedoch ein sehr langatmiges Drama um Ehrgefühl, Loyalität und Rache geworden. Angesiedelt in der Mitte des 12. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung berichtet der Film über ein Zusammentreffen verschiedener Angehöriger der Jīn- und der Sòng-Dynastie. Vor dem Einsetzen der Filmhandlung wird ein Botschafter der Jīn ermordet. In den frühen Morgenstunden werden die Truppen mobilisiert, um den Mörder zu finden. Unter anderem wird Zhāng Dà, einer der Wächter, festgenommen. Da er angeblich über Informationen verfügt, wird seine Hinrichtung jedoch aufgeschoben, sodass er vor Großkanzler Qín Guì geführt wird, welcher ihm zwei Stunden Zeit gibt, einen bestimmten Brief aufzuspüren. Dieser darf jedoch von niemandem außer dem Großkanzler selbst gelesen werden, was die Ermittlung erschwert. Unteressen erhält Protagonist Zhāng Unterstützung von Kommandant Sūn Jūn. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wie es zum Mord kommen konnte und wer der Täter ist. Blöd nur, dass Zhāng in House of Knives allerdings gar keine Anhaltspunkte hat.

Langatmiges Historiendrama

Dementsprechend lässt sich nachvollziehen, warum Zhāngs Film so langatmig ist. Die Geschichte plätschert langsam vor sich hin und nimmt erst im letzten Drittel richtig an Fahrt auf. Bis dahin kann sich der Zuschauer zwar auf unvorhersehbare Wendungen einstellen, welche die Untersuchung durchaus intensiviert, aber in der Regel stirbt für jede Wendung mindestens ein für die Ermittlung notwendiger Nebencharakter. Kaum kommen Zhāng und Sūn dem aufgeworfenen Rätsel einen Schritt näher, entwickelt sich die Handlung anschließend in eine gänzlich andere Richtung. Dies hängt jedoch auch damit zusammen, dass die Charaktere in House of Knives selten die Wahrheit sprechen, Informationen zurückhalten, intrigieren und betrügen. Zuweilen ist das durchaus komisch inszeniert, wobei viel Witz bei der Übersetzung ins Deutsche offenbar verloren gegangen ist. Charmant sind die Dialoge dennoch. Actionszenen sind hingegen rar gesät, denn bis auf hastige Bewegungen, wenn Zhāng, Sūn und ihre Anhängsel von einem Palast zum nächsten huschen, ist der Film eher ruhig und gemächlich inszeniert. An ein bis zwei Stellen werden zwar auch die Messer gezückt oder die Schwerter gewetzt, doch dauern diese Szenen nur wenige Sekunden an und bleiben stets unspektakulär. In Anbetracht der langen Laufzeit verspielte der Regisseur hier wirklich sehr viel Potenzial.

Teuflisch gute Schauspielscharade

Apropos Messer: Der im deutschsprachigen Raum verwendete Titel ist ungünstig gewählt, denn im Original heißt der Film wie das gleichnamige Gedicht Mǎn Jīang Hóng, auf welches die Story von House of Knives hinarbeitet. Dieses Gedicht wurde mutmaßlich von General Yuè Fēi verfasst und ist auch heutzutage noch in China wohlbekannt. Zhāng Yìmóu wollte mit seinem Werk einen fiktiven Ursprung für das Gedicht schaffen – und auch wenn der Film genügend Sitzfleisch abfordert, ist ihm das schlussendlich gelungen. Dies liegt wohl auch am fantastischen Schauspiel, denn Shěn Téng als Zhāng Dà, Yì Yángqiānxǐ als Sūn Jūn und nicht zuletzt Léi Jiāyīn als Qín Guì gelingt es auf eine teuflisch gute Art, die wahren Absichten ihrer Charaktere bis zu ihrer jeweils letzten Szene zu verbergen. Ebenfalls gelungen ist das Bühnenbild, das bis auf die stationierten Truppen vor der Stadt ohne Computereffekte auskommt und gerade auf Blu-ray Disc sehr natürlich wirkt. Selbiges trifft leider nicht auf die Musikauswahl zu, denn diese pendelt sich im Großen und Ganzen zwischen einer gerade noch passenden und einer maximal störenden Songauswahl ein. Bis auf den originalen und den deutschen Trailer hat es kein Bonusmaterial auf die Disc geschafft, was in Anbetracht des geschichtlichen Hintergrunds sehr schade ist. Fans von Historiendramen greifen dennoch zu.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Im Vorfeld habe ich von House of Knives nicht viel erwartet. Chinesische Historiendramen finde ich zwar durchaus spannend, doch enttäuschen sie mich immer wieder mit einer langatmigen Handlung, übertriebenem Schauspiel oder unnötigen Computereffekten. Zhāng Yìmóus Film fällt im direkten Vergleich in vielen Punkten zum Glück deutlich besser aus. So spielt die Handlung vor allem damit, dass nicht erkennbar ist, welche Absichten die Figuren hegen. Shěn Téng, Yì Yángqiānxǐ und Léi Jiāyīn gelingt dies auf ganzer Linie. So kommt es im Film ständig zu unvorhersehbaren Wendungen, die jedoch ein Übermaß annehmen, wodurch der Film schlussendlich gestreckt wirkt. Dies ist neben der leider enttäuschenden bis unpassenden Musikuntermalung auch das größte Manko am Film. Wer chinesische Historiendramen mag, die Langatmigkeit in Kauf nimmt und genügend Sitzfleisch mitbringt, wird aber definitiv 160 Minuten lang gut unterhalten.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von House of Knives!

Review: Ranma ½ – New Edition (Band 7)

Nach den turbulenten Geschehnissen im sechsten Band der New Edition von der humorvoll inszenierten Manga-Reihe ging Ranma ½ in der siebten Ausgabe im September 2023 in die nächste Runde. Dabei knüpft die Geschichte an die bisherige Entwicklung an. Das heißt, dass es im Auftakt des siebten Bandes nach wie vor um die Rückkehr des Direktors der Furinkan-Oberschule geht. Mit unorthodoxen Methoden will er den Oberschülern Disziplin beibringen. So sind Protagonist Saotome Ranma und Co nach wie vor auf der Suche nach einer ominösen Kokosnuss. Wer diese in die Finger bekommt, kann die neuen Schulregeln gerade noch abwenden – blöd nur, dass Ranma in die Falle getappt und inzwischen gefesselt ist. Sein Zopf ist für den Direktor ein Dorn im Auge, weshalb dieser einen Rasierer zückt. Entsprechend überdreht ist die Darstellung des Charakters, der selbst für Ranma-½-Verhältnisse aus dem Raster fällt. Mit den folgenden Geschichten fühlt sich der siebte Band eher nach dem an, was Manga-Fans von Künstlerin Takahashi Rumiko erwarten. Im Gegensatz zu den vorherigen sechs Ausgaben gibt es diesmal überraschenderweise keinen Auftritt eines neuen Charakters. Schlimm ist dies aber nicht, denn mit dem bereits etablierten Figurenensemble gibt es massenweise Gelegenheiten, über den alltäglichen Wahnsinn im Herzen von Tōkyō zu berichten.

Kraftlos durch den Schulalltag

Beispielsweise ist die chinesische Amazone Shanpū dermaßen in Ranma verliebt, dass sie ihm eine magische Seife bestellt hat. Diese soll verhindern, dass er sich bei Berührung mit kaltem Wasser in eine Frau verwandelt. Natürlich hat sie dabei den nicht uneigennützigen Gedanken, dass sich Ranma aufgrund dieses Geschenks doch noch in sie verlieben wird. Allerdings ist es nicht Ranma, der von der Seife profitiert, sondern sein engster Rivale Hibiki Ryōga. Dieser wittert daraufhin seine Chance, seiner geliebten Tendō Akane seine Gefühle zu gestehen. Für Ranma ist dies ein Dorn im Auge. Shanpū interpretiert dies hingegen als eine Möglichkeit, die beiden näher aneinander zu schweißen, damit sie freie Bahn hat. Aus unterschiedlichen Gründen arbeiten Shanpū und Ranma zusammen, um an die Seife zu kommen, was für den Leser durchaus erheiternd ist. Es zeigt sehr gut, wie schnell sich Charakterkonstellationen in Ranma ½ ändern können, was stets für frischen Wind sorgt. Im zweiten großen Handlungsstrang des siebten Bandes verliert Ranma wegen des zornigen Happōsai seine ganzen Kräfte. Dies macht ihn zur perfekten Zielscheibe für jedweden Kontrahenten, sodass er mit Hilfe von Koron eine neue Kampftechnik erlernen muss, um im Angesicht vieler Gefahren des Schulalltags überleben zu können. Liebe, Action und Humor – mit diesem Band wird jeder Fan glücklich sein!

Geschrieben von Eric Ebelt

Eric Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Nachdem mich der sechste Band von Ranma ½ eher enttäuscht zurückgelassen hat, bin ich von der siebten Ausgabe wieder hellauf begeistert. Den Charakter des nervigen wie überdrehten Direktors der Furinkan-Oberschule hätte sich Zeichnerin Takahashi Rumiko getrost sparen können, doch kommt dieser zum Glück ja nur in wenigen Kapiteln vor. Viel besser gelungen sind da schon die Geschichten um die magische Seife, die verhindern soll, dass sich Ranma bei jeder Berührung mit kaltem Wasser in eine Frau verwandelt, und den Kraftverlust, was das Erlernen einer neuer Kampftechnik zur Folge hat. Verwirrungen, Verwechslungen, Liebesgeständnisse, Neckereien, Schlagabtausche und Co erwarten hier den Leser, der in einem überraschend hohen Tempo durch den Manga blättern wird, so gut und flüssig sind die Handlungsstränge diesmal inszeniert. Nur eine neue Figur, welche die Charakterkonstellation noch komplizierter machen würde, hat sich die Autorin diesmal gespart. Dennoch würde ich nun fürs Erste behaupten, dass der sechste Band eine Ausnahme war und der Manga schnell zu alter Kraft zurückgefunden hat.

Review: Legends of the Condor Heroes – Die Legende der Adlerkrieger

Regisseur Xú Kè, besser bekannt als Tsui Hark, verfilmte 2025 ein weiteres Mal einen Roman des chinesischen Schriftstellers Zhā Liángyōng beziehungsweise Jīn Yōng. Diesmal hat es das 1957 bis 1959 entstandene Historienwerk Shèdiāo Yīngxióng Zhuàn getroffen.

Legends of the Condor Heroes – Die Legende der Adlerkrieger ist ein überaus gutes Beispiel dafür, wie ein filmisches Werk wohl eher nicht mit einem Titel übersetzt und vermarktet werden sollte. Schon beim Titel des Historienfilms zeigt sich der Übersetzungswahnsinn für den absurden deutschen Filmtitel. Der chinesische Originaltitel Shèdiāo Yīngxióng Zhuàn bedeutet grundsätzlich so viel wie Die Legende der Krieger, die Adler schießen. Aus den Steinadlern, die in der mongolischen Steppe, welche als Handlungsort dient, heimisch sind, wurden im englischen Titel Kondore gemacht, obwohl diese nur in Nord- und Südamerika beheimatet sind. Tatsächlich geht dies auf einen bewusst gemachten Übersetzungsfehler der englischen Übersetzung zurück, da Kondore majestätischer seien. Warum der Fehler dann jedoch auch dem deutschen Publikum derart vor die Stirn geknallt wird, animiert nur zum Kopfschütteln. Dass der deutsche Untertitel Die Legende der Adlerkrieger, welcher der deutschen Romanübersetzung entspricht, dann keinen Sinn mehr ergibt, scheint den Verantwortlichen ganz egal gewesen zu sein. Sich über solche Missstände aufzuregen, zeigt nur einmal mehr, wie es um den angeblichen deutschen Geschmack für Filmtitel bestellt ist. Aufregen hilft in diesem Falle aber nur wenig, denn abgesehen von diesem Fauxpas, kann der Film durchaus begeistern.

Wirrer Einstieg vor der Fahrtaufnahme

Für Tsui Harks Film ist die fehlerhafte Übersetzung unerheblich, denn Fans von chinesischen Historienfilmen, die auch der obligatorischen Prise an Martial-Arts-Szenen und einem kleinen Schuss Fantasy-Ästhetik nicht abgeneigt sind, werden mit Legends of the Condor Heroes ihre wahre Freude haben. Inhaltlich orientiert sich das Werk am Roman und folgt überwiegend der Geschichte des fiktiven Kriegers Guō Jìng. In einer Zeit, in der Krieg zwischen den chinesischen Dynastien herrscht und das Mongolenreich an Macht gewinnt, steht er als Angehöriger beider Ethnien zwischen mütterlicher Pflicht und väterlicher Herkunft. Er ist auf der Suche nach Huáng Róng, einer jungen Frau, die er einst verließ, da ihr Vater mutmaßlich seine alten Lehrmeister ermordet hat. Inzwischen wurde sie von Antagonist Ōuyáng Fēng gefangen genommen, der im Verlauf der Filmhandlung einen Zwist gegenüber Guō Jìng entwickelt, der ein mächtiger Kampfkünstler werden will und auch Ōuyáng Fēng für dieses Vorhaben besiegen muss. Tatsächlich ist die Geschichte anfangs sehr wirr gestaltet und es benötigt ein wenig Sitzfleisch, um in die Handlung von Legends of the Condor Heroes einzusteigen. Gerade der Mittelteil des zweieinhalbstündigen Films überzeugt jedoch mit einer absolut nachvollziehbaren, schnellen und flüssigen Story – inklusive Drama um Liebe, Eifersucht und Ehrgefühl.

Tolles Casting, maue Technik

Wer sich einmal im Film verloren hat, kommt so schnell nicht mehr aus dem Staunen heraus. Im Gegensatz zu langatmigen chinesischen Historienfilmen kann der Film mit seiner rasanten Handlung durchaus punkten. Nicht unschuldig daran sind auch die Schauspieler, welche ihre Rollen mit viel Liebe verkörpern. Xiào Zhàn mimt den pflichtbewussten Guō Jìng, die gerade aus chinesischen Dramen bekannte Darstellerin Zhuāng Dáfēi ist als mutige Huáng Róng zu sehen, und die zuletzt noch in Shadow Chase: Im Netz der Diebe zu sehende Schauspiellegende Liáng Jiāhuī stand in Legends of the Condor Heroes als Ōuyáng Fēng vor der Kamera. Das Casting ist also durchaus gelungen. In technischer Hinsicht ist Tsui Harks Film allenfalls mittelprächtig geworden. So überzeugen zwar durchaus die opulenten Hintergründe, bei denen jedoch zu häufig klar erkennbar ist, dass sie durch Chroma Keying künstlich erzeugt worden sind. Auch die Effekte hauen einen nicht wirklich vom Hocker. Dafür entschädigen wiederum die tollen zeitgenössischen Kostüme. Über alle Zweifel erhaben ist jedoch der Soundtrack. Die Musik geht sofort ins Ohr und überzeugt mit abwechslungsreichen wie schwungvollen Stücken. Dass im Bonusmaterial der Blu-ray Disc jedoch nur der originale Filmtrailer enthalten ist, versetzt Legends of the Condor Heroes abschließend einen letzten Dämpfer.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Legends of the Condor Heroes – Die Legende der Adlerkrieger hat mich trotz des dämlichen deutschen Filmtitels weitgehend überzeugt. Zumindest inhaltlich macht der Film Laune, denn so wirr die Geschichte anfangs beginnt, so sehr festigt sie sich im Verlauf der zweieinhalbstündigen Laufzeit. Die Verknüpfungen ergeben auf einmal Sinn und auch die Charaktere sind überwiegend echte Sympathieträger, was nicht zuletzt am tollen Casting und den grandiosen zeitgenössischen Kostümen liegt. Xiào Zhàn, Zhuāng Dáfēi und Liáng Jiāhuī spielen ihre Rollen wirklich großartig. Mitreißend ist auch die musikalische Untermalung, die sich den gesamten Film über nicht abnutzt und mir immer wieder neue Höhepunkte ins Ohr trällert. Enttäuschend ist jedoch, für mich wenig überraschend, die Technik. So opulent die Umgebungen wirken, so schnell fallen auch die Tricksereien auf, um dies zu ermöglichen. Hätte ich hierfür noch Verständnis, können die meist mauen Effekte nur ein müdes Lächeln bei mir hervorrufen. Auch dass ich nach dem Anschauen des Films lediglich mit dem originalen Filmtrailer im Bonusmaterial abgespeist werde, spricht nicht gerade für eine ordentliche Kuration des Films. Legends of the Condor Heroes möchte ich Fans von chinesischen Historienfilms, die über die angesprochenen Defizite hinwegsehen können, aufgrund des hohen Erzähltempos, ohne dass dabei irgendeine Form des Leerlaufs eintritt, trotzdem empfehlen. Ihr werdet auf jeden Fall Spaß haben.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Legends of the Condor Heroes – Die Legende der Adlerkrieger!

Prime Time: Your Forma (Vol. 1–2, Limited Edition, Unboxing)

Im Februar und April 2026 erschienen die beiden Episodenpakete der Anime-Serie Your Forma. Der Vollständigkeit halber präsentiert euch Eric auch bei dieser Anime-Serie die optischen und haptischen Vorzüge und gegebenenfalls Nachteile der physischen Veröffentlichung. Viel Spapß beim Anschauen!

Review: Die Sims 2 (Legacy Collection)

Hat ein Spiel auf Anhieb Erfolg, geht oft ein zweiter Serienteil in Entwicklung. So geschah es Anfang der 2000er-Jahre auch mit der Lebenssimulation Die Sims. Diese wurde 2004 mit Die Sims 2 beerbt, welches bis einschließlich 2009 mit zahlreichen Add-ons unterstützt wurde.

Auf das Konto von Entwicklerlegende William Ralph Wright gehen so einige Simulationen zurück. Neben der Städtebausimulation SimCity aus dem Jahr 1989 ist er vor allem für die Lebenssimulation Die Sims von 2000 bekannt. Publisher Electronic Arts erkannte das immense Potenzial des Spiels und sorgte dafür, dass bis November 2003 etliche Erweiterungspakete erschienen, welche das Werk noch umfangreicher und vielseitiger gestaltete. In den frühen 2000er-Jahren machten Videospiele jedoch immense Schritte, sodass Entwicklerstudio Maxis schon früh mit einem Nachfolger betraut wurde, um das in die Jahre gekommene Grundgerüst in Rente zu schicken. Die Sims 2 erschien im September 2004 und hat seinerzeit nicht nur unter grafischen Gesichtspunkten einen großen Sprung gemacht. Auch inhaltlich gehen die Möglichkeiten in der zweiten Episode über das hinaus, was das Seriendebüt bietet. Dies heißt aber nicht, dass Die Sims 2 das Rad gänzlich neu erfindet. Im Kern handelt es sich immer noch um eine gut funktionierende Mischung aus Häuserbau, Innenraumgestaltung und Puppenhauscharakter, die bis heute trotz Nachahmungen wie dem im März 2025 veröffentlichten Inzoi weitgehend als einzigartig betrachtet werden kann. Zum 25. Jubiläum erschien der Titel Ende Januar 2025 gemeinsam mit dem ersten Serienteil als umfassende Legacy Collection.

Stücke herausgerissenen Lebens

Falls ihr Die Sims nicht gespielt haben solltet, ist es nicht zwingend notwendig, das historische Debüt aus dem Jahr 2000 nachzuholen. Ihr könnt auch direkt mit Die Sims 2 in die Serie einsteigen, da das Gameplay im Kern gleich bleibt, aber eben mit sinnvollen Ergänzungen bei sozialen Aktivitäten und einem vielschichtigeren Häuserbau erweitert wurde. Im Spiel ist es unsere Aufgabe, entweder selbst einen der titelgebenden wie menschlichen Sims zu erstellen oder die Rolle von vorgefertigten Charakteren zu übernehmen. Diese führen wir dann einmal quer durch ihr Leben, erfüllen ihre Wünsche, beschützen sie bestenfalls vor ihren Ängsten und erleben mit ihnen währenddessen alle möglichen Abenteuer, für die wir zwar aktiv verantwortlich sind, aber meist nur passiv darauf reagieren können. Da die Sims wie Menschen in der Regel keine Einzelgänger, sondern Herdentiere sind, bringen wir sie auch mit anderen Personen zusammen. Die soziale Interaktion nimmt abermals einen wichtigen Teil der Spielerfahrung ein, da diese zu ganz absurden Situationen führen können. Ganz so schräg wie im 2014 von Nintendo veröffentlichten Tomodachi Life ist das bei Die Sims 2 zwar noch nicht, aber es schlägt immer mehr diese Richtung ein. All das fühlt sich durch das organisch wirkende Geplapper der Sims auch unfassbar stimmig an und nutzt daher stundenlang nicht ab.

Auf dem Weg zu Ruhm und Erfolg

Im Gegensatz zum ersten Teil durchlaufen unsere Sims nun jedoch verschiedene Entwicklungsstadien. So können wir die schrulligen Charaktere vom Säugling bis zum Greis begleiten. Sind eine vordefinierte Anzahl an In-Game-Tagen verstrichen, altern die Sims und erreichen die nächste Altersgruppe. Das heißt auch, dass wir von liebgewonnenen Charakteren früher oder später Abschied nehmen müssen, da sie sterben können. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Charaktereigenschaften Neugeborener von ihren Eltern abhängig sind – so bleibt durch den Stammbaum immer noch ein Funken der Verstorbenen über Generationen erhalten. Damit die Sims überleben können, müssen sie sich abermals ihr Brot verdienen. Also schlagen wir die Stellenanzeigen in der Bildzeitung auf, unterdrücken dabei unseren Brechreiz, und nehmen ein Jobangebot an. Jede Arbeit hat dabei verschiedene Voraussetzungen, sodass wir beispielsweise genügend Punkte in Fitness brauchen, um bestimmte Tätigkeiten selbstsicher ausführen zu können. Also schicken wir unsere Sims an Fitnessgeräte, lassen sie Bücher studieren oder den Kochlöffel an der Herdplatte schwingen, damit der Geldfluss nicht stoppt. Hat ein Sim Angst davor, seinen Job zu verlieren, und tritt dieser Fall tatsächlich ein, kratzt das an der Selbstverwirklichung. Wir müssen also auf Details achten.

Das Leben der Anderen

Stellen die Änderungen am Charakterdesign von Die Sims 2 schon eine regelrechte Revolution dar, handelt es sich bei den weiteren Mechaniken eher um evolutionäre Veränderungen. So wählen wir zu Beginn des Spiels entweder eine vordefinierte Nachbarschaft aus oder erstellen uns diese einfach selbst. Letzteres kostet zwar extrem viel Zeit, lässt uns aber unsere Fantasein einer perfekten oder eben nicht perfekten Welt maximal ausleben. Ob die Figuren nun vordefiniert oder von uns erfunden sind, ist völlig egal, denn es macht einfach Spaß, den Sims bei ihrem illustren Treiben zuzusehen und auf einer narrativen Ebene möglicherweise noch das eine oder andere Geheimnis zu entdecken. Häuser errichten wir daneben weiterhin über einen großzügigen Baukasten, wählen aus diesem einzelne Elemente aus und platzieren sie auf dem schachbrettartigen Raster. Auch wenn viele Aktionen nicht kontextsensitiv sind, wie etwa die korrekte Richtung beim Positionieren einer Tür, funktioniert das Bauen grundsätzlich intuitiv. Erneut können wir unserer kreativen Ader bei der Architektur unseres Eigenheims freien Lauf lassen. Komplexer wird es bei der Inneneinrichtung, denn schließlich müssen die Möbel, die wir für das Ersparte unserer Sims erwerben, auch in die eigenen vier Wände passen. Was für ein Glück, dass beim Bauen und Gestalten die Zeit temporär einfriert!

Geniales Gesamtpaket

Bei der Legacy Collection von Die Sims 2 handelt es sich um die definitive Version des Klassikers von 2004. Diese Ausgabe enthält bis auf lizenzierte Möbel- und Kleidungsstücke alle Inhalte, die in den 2000er-Jahren erschienen sind. Dazu zählen selbstverständlich alle acht in dieser Zeit veröffentlichten Add-ons, die das Erlebnis stark aufwerten. In Wilde Campus-Jahre erleben wir einen weiteren Zeitabschnitt im Leben der Sims und feiern Partys. Die Erweiterung Nightlife lässt uns nachts Clubs, Bars und Restaurants unsicher machen. Außerdem ergänzt sie Vorlieben und Abneigungen bei der Partnerwahl. Open for Business lässt uns ein eigenes Geschäft eröffnen und das Add-on Haustiere beschert uns domestizierte Wesen. Vier Jahreszeiten ergänzt das Spiel um saisonale Veränderungen. In Gute Reise geht es in den Urlaub in die Tropen. Freizeit-Spaß bringt uns Hobbys wie Kunst, Musik oder Handwerk. In der finalen Erweiterung Apartment-Leben können wir zudem in Mietwohnungen ziehen, in denen wir dann mit Mitbewohnern klarkommen müssen. Neben den inhaltlichen Aufwertungen ist das Spiel grafisch in Anbetracht des gelegten Fokus auf die soziale Komponente ebenfalls hübscher als die Pixeloptik des Vorgängers. Hinzu kommt ein ohrwurmverdächtiger Soundtrack, der uns auch nach Ausschalten unseres Computers weiter an Die Sims 2 denken lässt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Die Sims 2 habe ich damals nicht gespielt und auch nicht spielen wollen. Für diese Entscheidung könnte ich mich heutzutage ohrfeigen, poliert der zweite Teil sowohl Optik als auch Gameplay des Vorgängers ordentlich auf. Dem Begriff der Lebenssimulation nähert sich die zweite Episode stark an, denn mit alternden wie sterblichen Sims, vererbbaren Charaktereigenschaften und einer Vielzahl neuer Möglichkeiten an zwischenmenschlicher Interaktion revolutionierte der Titel nur wenige Jahre nach dem Debüt das Genre. Über die Veröffentlichungspolitik der zahlreichen Add-ons in den 2000er-Jahren lässt sich selbstverständlich streiten, aber in Anbetracht des umfassenden Ergebnis in Form der Legacy Collection sehe ich da über zwei Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung hinweg. Sämtliche Inhalte ergänzen sich derart hervorragend, wie es heutzutage bei vielen Spielen mit etlichen Download-Erweiterungsinhalten nicht mehr gelingen kann. Auch der optische wie musikalische Sprung, den Die Sims 2 im Jahr 2004 durchlebt hat, ist entscheidend für das Spielerlebnis. Die Charaktere wirken wesentlich glaubhafter als zuvor und lassen mich immer tiefer in die humorvollen, mysteriösen wie abgedrehten Szenarien eintauchen. Ist der erste Teil heutzutage womöglich etwas sperrig zu spielen, fühlt sich der Nachfolger gleich viel erfrischender an. Wer die Reihe kennenlernen will oder den zweiten Teil damals verpasst hat, sollte mit der Legacy Collection von Die Sims 2 auf eine nostalgische Zeitreise gehen, die mit reichlich Spielspaß gekoppelt ist.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Die Sims 2 (Legacy Collection)!

Review: Francis Ford Coppola’s Megalopolis – Eine Fabel

Nicht jeder Filmschaffende hat Zeit seines Lebens die Möglichkeit, sein Magnum Opus zu kreieren. Auch bei Francis Ford Coppola stand die Umsetzung jahrzehntelang auf der Kippe. Seine Fabel mit dem Titel Megalopolis erschien 2024 – und irritierte Kritiker und Publikum.

Zurück geht die Entstehungsgeschichte von Megalopolis bis in die frühen 1980er-Jahre. Coppola schrieb zahlreiche Drehbuchfassungen und kam schlussendlich auf ein Werk von über zweihundert Seiten, was zu jener Zeit mehr als das Doppelte herkömmlicher Drehbücher in der Traumfabrik Hollywood war. Ende des Jahrzehnts wollte der Regisseur den Film endlich umsetzen, scheiterte jedoch zunächst an fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten seitens Dritter und schließlich an Coppolas Privatinsolvenz. Mit weiteren Filmen wie Bram Stoker’s Dracula, die bis heute als eine, wenn nicht sogar die beste Verfilmung des gleichnamigen Schauerromans gilt, konnte er in den 1990er-Jahren ein ordentliches Produktionsbudget anhäufen. Im Spätsommer 2001 sollten bereits die Dreharbeiten beginnen, doch die Terroranschläge vom 11. September des Jahres führten aufgrund einer inhaltlichen Nähe zum Film zum erneuten Abbruch der Produktion. Trotz allem hielt Coppola an seinem Wunsch fest, Megalopolis eines Tages zu verwirklichen. 2019 nahm das Projekt neue Fahrt auf und die Dreharbeiten fanden zwischen 2022 und 2023 an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika in New York City und Atlanta statt. Schon während des Drehs von Megalopolis kamen jedoch etliche Gerüchte auf, dass die Arbeiten an der „Krönung seines Schaffens“ chaotisch ausfielen.

Auf dem Weg zu einer Utopie

Obwohl das Science-Fiction-Drama einige gute Ansätze hat, sind diese Zustände, die am Set geherrscht haben sollen, durchaus an so manchen Stellen des Films zu spüren. Im Fokus der Erzählung steht der junge Architekt Cesar Catilina, der für die Erfindung des Baustoffs Megalon nicht nur den Nobelpreis erhalten hat, sondern mit diesem auch das an New York City angelehnte New Rome zum Besseren verändern will. Nicht nur die heruntergewirtschafteten Stadtviertel und die Infrastruktur sollen sich zum Positiven wandeln, auch die Korruption will Cesar mit Megalon bekämpfen. Dies zu verhindern versucht Bürgermeister Franklyn Cicero, welcher die politische Basis und die mit ihr zusammenhängenden Eliten von New Rome vertritt – für ihn ist es kein Problem, weiter auf Beton und Stahl zu setzen. Franklyns Tochter Julia ist von Megalon nicht überzeugt und beginnt, Cesar auszuspionieren – mit der Zeit erkennt sie jedoch die Möglichkeiten des neuartigen Baustoffs und verliebt sich zu alledem in dessen Erfinder. Sie findet sich zwischen den Stühlen wieder, was auch ihren Vater in eine schwierige Lage bringt. Drumherum entspinnen sich verschiedene Machenschaften, die an die Zeit der Römischen Republik erinnern. Scheinehen, Umsturzversuche und Intrigen stehen auch in New Rome an der Tagesordnung und geben Megalopolis den Touch einer Seifenoper.

In sich zusammenfallende Illusionen

Hauptsächlich dreht sich Coppolas Werk um den Gedanken, welche Welt der Mensch seinen nachfolgenden Generationen hinterlassen will. So wird die Frage aufgeworfen, ob es womöglich besser wäre, den Status quo aufrechtzuerhalten und zu hoffen, dass alles schon irgendwie gut ausgehen wird, oder ob mit vereinten Kräften eine Utopie anzustreben ist. Zumeist bleibt Megalopolis dabei sehr ruhig und erzählt die Handlung mittels tiefsinniger, teils sogar recht philosophischer Dialoge. Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad auch ziemlich gut. Es gibt jedoch zahlreiche unschöne Szenenwechsel, welche allen voran den von Adam Douglas Driver gespielten Cesar sich in seine Gedanken zurückziehen lässt, wodurch fast schon absurd alberne Traumsequenzen entstehen. Während diese Illusionen aufgrund von Drogenkonsum und Traumata noch erklärt werden, bricht diese Art der Gestaltung spätestens dann, wenn der Zuschauer New Rome vorgesetzt bekommt. Die römischen Einflüsse von Architektur und Gesellschaft sind meist marginal und noch dazu unspektakulär inszeniert. So spielt eine Szene in einem überdachten Kolosseum, wo schlicht ein paar Trapezkünstler herumhantieren, Ringer um die Gunst des Bürgermeisters buhlen, und eine Gesangseinlage von an Drähten hängenden Mondsicheln stattfindet. Das passt zum Filmstil, ist aber einfach gähnend langweilig.

Pluspunkte bei den Schauspielern

Schlimmer trifft es nur die computergenerierten Hintergründe mittels Volumen- und Greenscreen-Technologie. Vieles wirkt trotz der immensen Produktionskosten von geschätzt einhundert Millionen US-Dollar viel zu kostengünstig produziert und damit unecht. Der Zuschauer wird so schlicht und einfach aus der Immersion gerissen, so beeindruckend manche Bilder wirken. Obwohl es je nach Zuschauertyp teilweise schwer sein mag, dem Geschehen in Megalopolis zu folgen, kann ein guter Teil der Schauspielerriege punkten. Neben dem erwähnten Adam Driver spielen beispielsweise Giancarlo Giuseppe Alessandro Esposito als Bürgermeister, Nathalie Joanne Emmanuel als dessen Tochter Julia, Jonathan „Jon“ Vincent Voight als Cesars Onkel Hamilton Crassus III. und Laurence John Fishburne III. als Cesars Chauffeur mit. Für die gelungene und teils herausragende musikalische Untermalung sorgte indessen der argentinische Komponist Osvaldo Golijov, der schon bei Coppolas Tetro sowie Jugend ohne Jugend den Soundtrack beigesteuert hat. Wer an den Film herangeht, um nach legendären Filmen wie Der Pate ein neues Meisterwerk von Coppola zu erleben, wird wohl von Megalopolis auf ganzer Linie enttäuscht sein. Für Coppola mag es womöglich sein Magnum Opus geworden sein, aber für Megalopolis werden sich die meisten später nicht an ihn erinnern.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Tatsächlich wollte ich mir Megalopolis Anfang Oktober 2024, also kurz nach dem Filmstart in Deutschland, im Kino anschauen. Das war mir aber leider nicht mehr vergönnt, da der Film in keinem Lichtspielhaus in meiner Nähe mehr lief. Mit einem Einspielergebnis von gerade einmal zehn Millionen US-Dollar gilt das Werk, in das Coppola ein erhebliches Privatvermögen gesteckt hat, als finanzieller Flop. Natürlich muss das nichts über die inhaltliche Qualität des Films aussagen, aber in dieser Hinsicht ist Coppolas Werk für mich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Manche Bilder sind derart beeindruckend, dass mir die Kinnlade herunterfällt. Überwiegend gibt es jedoch etliche Szenen, die gefühlt unendlich in die Länge gezogen sind und mich einfach nicht begeistern können. So gut manche Dialoge geschrieben sein mögen, so wenig führen sie häufig die Handlung voran. Hieran sind klar die Ergebnisse der Vorwürfe gegenüber dem Regisseur zu erkennen, dass dieser keinen genauen Drehplan hatte und vieles am Ende einfach improvisiert werden sollte. Das passt mit einem leichten Augenzwinkern auch gut zu einer Interviewaussage, dass die Schauspieler die meiste Arbeit gemacht hätten. Im Gegensatz zu anderen Kritiken, die zum Teil sehr desaströs ausfallen, bin ich aber nicht der Meinung, dass der Film ein Totalausfall ist. Dafür gefällt mir das größtenteils funktionierende Schauspiel, manche nachhaltig beeindruckenden Bilder und der mitfühlende Soundtrack viel zu gut. Megalopolis ist möglicherweise Coppolas Magnum Opus geworden, aber ein Meisterwerk leider nicht.

Review: Fearless: Jenseits der Angst

Jeffrey Leon „Jeff“ Bridges ist seit den 1960er-Jahren im Filmgeschäft aktiv. Wenige Jahre bevor er mit The big Lebowski seinen wohl größten Hit lieferte, spielte er in Fearless: Jenseits der Angst die tragische Rolle eines Mannes, dem plötzlich nichts mehr Angst einjagen kann.

Keine Angst zu haben, kann zu mutigen als auch zu unbedachten Taten führen. So ergeht es zumindest Protagonist Max Klein im Drama Fearless: Jenseits der Angst aus dem Jahr 1993. Klein überlebt wie durch ein Wunder einen Flugzeugabsturz und verliert dadurch die Fähigkeit, sich zu fürchten. Nachdem er an der Unglücksstelle ein paar Leuten geholfen hat, verweilt er dort nicht und macht sich auf ins nächste Hotel. Ob Klein am Cotard-Syndrom leidet oder nur das Gefühl hat, gestorben zu sein und sich nun im Jenseits nach christlicher Vorstellung aufhält, lässt der Film offen. Fast schon apathisch reagiert er auf seine Frau und seinen Sohn, als er am nächsten Tag bei ihnen wieder auf der Matte steht – nachdem er mehr als vierundzwanzig Stunden als vermisst gemeldet und vom Federal Bureau of Investigation gesucht wurde. Er begreift nicht, wie es tatsächlich um ihn steht und begibt sich im Verlauf der Story gleich mehrfach in Gefahr. Dies steigert sich von mal zu mal. Er marschiert über eine viel befahrene Straße, tanzt auf dem Geländer auf der Spitze eines Wolkenkratzers und rast mit mehr als einhundert Stundenkilometer in einem Auto auf eine Wand zu. In Fearless, der nur in der deutschen Fassung den halbwegs albernen Untertitel Jenseits der Angst trägt, ist der Name Programm. Trotz der Prämisse fehlt es dem Film an Spannung. Das Drama ist viel zu seicht.

Sichtbare und nicht sichtbare Traumata

Um die zwei Stunden gelingt es dem Film von Regisseur Peter Lindsay Weir, unter anderem bekannt für Der Club der toten Dichter oder Die Truman Show, mit fast schon banaler Eintönigkeit den Zuschauer an den Bildschirm zu fesseln. Sympathisch kann die Hauptfigur wohl niemandem sein, aber wenigstens gelingt es Starman-Schauspieler Jeff Bridges, Klein nachvollziehbar zu porträtieren. Der Zuschauer fühlt mit ihm den Verlustschmerz seines Freundes, der mit ihm im Flugzeug saß, und die Freude, die er außerhalb seines Familienlebens entwickelt. Parallel wird Klein vom Psychologen Bill Perlman, gespielt von John Michael Turturro, begleitet, welcher die Fluggesellschaft ihm zur Seite stellt. Fearless: Jenseits der Angst verliert sich jedoch nicht in tiefenpsychologischen Analysen und kratzt höchstens an der Oberfläche, sodass Perlmans Arbeit eher in der Bewältigung der Ereignisse untergeht. Schließlich ist der Psychologe auch für alle anderen Menschen zuständig, die im Flugzeug saßen und Angehörige bei der Notlandung verloren haben. In der Gesprächsrunde, die eine ganze Szene des Dramas ausmacht, wird die Menschlichkeit der Opfer jedoch hervorragend sichtbar. Ans Licht kommen Schuldzuweisungen, Verdrängungen und Ausformulierungen der schrecklichen Geschehnisse, die ansonsten im gesamten Film angedeutet, aber nicht explizit gezeigt werden.

Furcht vor dem Leben

Mitunter wirft diese Auseinandersetzung, gerade bei einer US-amerikanischen Produktion, die obligatorische Frage auf, ob Gott nun existiert oder nicht. In Fearless werden klare Gegenpole gebildet, die Diskussion aber trotz oder gerade wegen der Ausblendungen anderer Religionen im Keime erstickt. Klein kommt über Perlman auch in Kontakt mit der von Rosa Maria Perez gespielten Carla Rodrigo, die durch das Unglück ihren zweijährigen Sohn verloren hat. Hierbei entstehen zum Leidwesen von Kleins Frau Laura, verkörpert von der aus Blue Velvet bekannten Isabella Fiorella Elettra Giovanna Rossellini, liebesähnliche Gefühle. All das verläuft ebenso im Sande, sodass der Zuschauer einerseits mit einer Ohnmacht und andererseits mit einem unterschwellig, aber nie erreichten hedonistischen Verlangen, konfrontiert wird. Für die Story und das Drehbuch verantwortlich war Rafael Yglesias, der auch Autor der Romanvorlage ist. Näher an der Vision der Vorlage zu sein, geht somit schon gar nicht – und doch hinterlässt der Film bis auf das dramaturgisch arg überspitzte Finale ein mulmiges Gefühl. Es wird nicht auf alle Fragen eine Antwort geben und damit ist Weirs Werk vielleicht echter als Filme, die ihre Botschaft auf stilisierte Weise an den Zuschauer vermitteln. Fearless hält uns ungeschönt den Spiegel des Lebens, der Liebe, der Freude und nicht zuletzt der Furcht vor.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Fearless ist ein Drama, das im Genre seinesgleichen sucht. Vor allem liegt das daran, dass dem Film Elemente wie Retardation oder Klimax schlicht fehlen. Regisseur Peter Weir und Drehbuchautor Rafael Yglesias zeichnen die Dramatik durchweg gleichbleibend, sodass die Geschichte für den Zuschauer durchaus anstrengend sein kann. Langatmigkeit ist wohl auch das größte Manko des circa zweistündigen Films, denn die restlichen Inhalte zeichnen durchaus menschliche wie ungeschönte Facetten. Liebe, Gleichgültigkeit, Trauer und Furcht sind die zentralen Themen, die in all der Ohnmacht immer wieder aufblitzen. Gerade Jeff Bridges und Rosa Perez gelingt es, ihren Rollen den richtigen Ausdruck zu verleihen, sodass der Zuschauer mit ihnen fühlen kann. Über diese Höhen des Schauspiels kommt der Film an anderer Stelle aber einfach nicht hinaus. Somit bleibt Fearless ein durchschnittliches Drama, aber immerhin ein ganz besonderes.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fearless: Jenseits der Angst!

Review: Scream – Schrei!

Bis heute gilt Scream – Schrei! als einer der bedeutendsten Horrorfilme der 1990er-Jahre. Dies liegt daran, dass der Slasherfilm mit den Erwartungen der Zuschauer spielt, sie bis zu einem gewissen Grad sogar erfüllt, aber spätestens im großen Finale über den Haufen wirft.

In der fiktiven Kleinstadt Woodsboro geht ein Serienmörder um sich. Schon in der Eröffnungssequenz bekommt der Zuschauer mit, wie der Täter vorgeht. Die Oberschülerin Casey Becker ahnt nicht, dass der Killer sie bereits beobachtet, als sie den Telefonhörer abnimmt. Hierbei handelt es sich um eine der bekanntesten Szenen, die womöglich selbst jene Zuschauer kennen, die sich nur peripher mit Horrorfilmen beschäftigen. Scream spielt mit der natürlichen Angst der Zuschauer und zeigt bereits zu Beginn, dass ein Antagonist in einem Horrorfilm nicht zwangsweise übermenschlich wie ein Michael Myers aus der Halloween-Filmreihe gestrickt sein muss. Er macht Fehler, stellt sich tollpatschig an und lässt sich teilweise sogar verletzen. Er ist das genaue Gegenteil von dem, was der Zuschauer erwarten würde. Deshalb fiebert dieser gleich doppelt mit. Auf der einen Seite hofft er, dass die Opfer dem Killer entkommen – und auf der anderen Seite ist er erpicht darauf zu sehen, ob der Killer das Opfer doch noch erwischt. Ganz von seinen Vorbildern, die Scream alle paar Minuten unverblümt zitiert, kann sich das Werk, bei dem Horrorfilmlegende Wesley Earl „Wes“ Craven Regie geführt hat, aber nicht trennen. Es gibt kein Entkommen. Dies gilt sowohl für die meisten Protagonisten als auch für den Zuschauer, der dem Treiben fast zwei Stunden zusehen will.

Ins Lächerliche abgedriftete Horrorfilm

Trotz seines düsteren Anstrichs, der von einem Horrorfilm zuweilen auch erwartet wird, ist Scream kein bierernster Film. Es ist nicht nur der Antagonist, der sich hinter einer geisterhaften Maske versteckt, die klar an die auf Edvard Munchs Gemälde Der Schrei zu sehende Person angelehnt ist. Die einfachsten Ausweichmanöver seiner Opfer, bewusst oder unbewusst ausgeführt, sorgen dafür, dass er aus dem Konzept gebracht wird. Anstatt beispielsweise der im Mittelpunkt stehenden Sidney Prescott über einen leicht erreichbaren Umweg zu verfolgen, zwängt er sich ebenfalls durch eine kleine Lücke, nur um zu spät zu merken, dass er dort stecken bleibt. Darüber hinaus werden der Reihe nach Klassiker des Horrorfilmgenres zitiert – und das auf ulkige Art und Weise. In der Eröffnungssequenz wird Casey am Telefon beispielsweise gefragt, wie denn der Killer im Film Freitag, der 13. heißt. Dabei bleibt es aber nicht: An anderer Stelle eröffnet Tatum Riley ihrer besten Freundin Sidney die Möglichkeit, dass diese sich in einem Horrorfilm von Wes Craven befinden könnte. In einer weiteren Szene ist Wes Craven dann auch noch in seinem Cameo-Auftritt als Hausmeister der Highschool zu sehen, der noch dazu wie Freddy Krüger gekleidet ist. Der Charakter Randy Meeks stellt zwischenzeitlich für Scream alle Regeln des Horrorfilms auf, die sich aber nur teils bewahrheiten.

Erfolg mit etlichen Nachwirkungen

Obwohl Scream vor allem in den letzten Minuten derart ins Lächerliche abdriftet, ist es genau diese überraschende Wendung, weshalb der Film womöglich im Gedächtnis bleibt. Im Film selbst muss nämlich deutlich stärkerer Tobak als die Serienmorde überstanden werden, denn die Liebesbeziehung zwischen der von Neve Adrianne Campbell verkörperten Sidney und ihrem Freund Billy Loomis, der von Skeet Ulrich gespielt wird, ist zuweilen echt anstrengend. Trotzdem ist die Clique rund um die beiden, in denen unter anderem Matthew Lyn Lillard, Rose Arianna McGowan oder James Harvey „Jamie“ Kennedy als Darsteller zu sehen sind, echt unterhaltsam. Ja, die 1990er-Jahre waren schon zum Fremdschämen, aber Charme hatten sie trotz beängstigender Frisuren dennoch irgendwie. Aus der Menge heraus sticht jedoch Friends-Star Courteney Bass Cox als Reporterin Gale Weathers, die sowohl einstecken muss als auch austeilen darf. Drew Blythe Barrymore verleiht dem Film einen weiteren, wenn auch kleinen Akzent. Mit oder ohne Barrymore ist das Werk aus dem Jahr 1996 als finanzieller Erfolg zu bezeichnen. Anders wären Filmfortsetzungen, eine kurzweilige Serie und eine weitere Filmreihe, die Scream parodiert, nicht zu erklären. Ursprünglich sollte Scream übrigens wie die parodierende Reihe Scary Movie heißen. Ein Glück, dass dies verhindert wurde!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Tatsächlich hat es bei mir Jahrzehnte gedauert, bis ich Scream einmal in seiner Gänze erleben konnte. Ich bin froh, dass ich dieses Versäumnis nachgeholt habe. Obwohl ich der Ansicht bin, dass Scream eher ein mittelmäßiger Horrorfilm ist, kann ich dem Werk dennoch etwas abgewinnen. Der Film nimmt sich streckenweise überhaupt nicht ernst und überrascht gerade deshalb mit Wendungen, die kaum vorhersehbar sind. Wes Cravens Film ist aber definitiv leichte Kost im Verhältnis zu dem, was das Genre zu bieten hat. Um alle Gags verstehen zu können, sollten jedoch Grundkenntnisse über das Genre beziehungsweise bestimmte Filme bekannt sein. Andernfalls dürften manche Jokes nicht zünden. So sehr die Bewegungen des Serienmörders auf der Jagd nach seinen Opfern auch nach Klamauk aussehen, so wenig können diese den Humor sonst aufwerten. Scream verbeugt sich vor den großen Horrorfilmreihen und spielt daher regelrecht mit den Erwartungen des Zuschauers. Weitgehend werden diese auch erfüllt, aber eben nicht alle. Es macht Spaß, mitzurätseln, wer denn nun der Mörder ist – und genau das macht für mich schon ein wenig den Reiz des Films aus. Deshalb ich schlussendlich zu der Ansicht gelangt, dass ihn jeder Genrefan zumindest einmal in seinem Leben gesehen haben sollte.

Review: Sherlock & Daughter (Staffel 1)

Anfang 2026 überraschte die Fernsehserie Young Sherlock mit einem hohen Tempo, viel Witz und tollem Schauspiel. Dass im Jahr 2025 mit Sherlock & Daughter bereits eine weitere Sherlock-Holmes-Serie startete, haben möglicherweise selbst die größten Fans übersehen.

Sherlock Holmes gehört wohl zu den Romanfiguren, denen am häufigsten als Filmfiguren neues Leben eingehaucht wurde. Der 1995 verstorbene Peter Jeremy William Huggins, besser bekannt unter seinem Alias Jeremy Brett, wird von vielen Fans aufgrund seiner klassischen Darstellung des Charakters geschätzt. Benedict Timothy Carlton Cumberbatch wird hingegen für seine moderne Interpretation geliebt – und der US-Amerikaner Robert John Downey Junior pendelt sich irgendwo dazwischen ein. David Wheeler respektive David Thewlis reiht sich mit der Fernsehserie Sherlock & Daughter in diese Riege ein und spielt einen etwas gealterten Meisterdetektiv. Angesiedelt ist die Geschichte im Jahr 1896 und damit in den letzten Tagen des viktorianischen Zeitalters. Nach wie vor ist Holmes ein gefragter Mann, der von der Polizei zur Verbrechensaufklärung hinzugezogen wird. Allerdings wird Holmes schon in der ersten Folge der achtteiligen ersten Staffel entmachtet, da er am vermeintlichen Opfer einen roten Bindfaden entdeckt. Dies ist das Zeichen, dass ihn dezent darauf hinweist, nicht weiter an diesem Fall zu arbeiten. Kurz vor Einsetzen der Serienhandlung wurde seine Haushälterin Mrs Hudson und sein Freund und Assistent, Dr. John Watson, entführt. Würde er in Fälle, in denen ein roter Bindfaden auftritt, eingreifen, so würden Hudson und Watson sterben.

Ohne Faden gerät die Welt aus den Fugen

Ganz in Ohnmacht fällt Sherlock Holmes natürlich nicht – stattdessen bekommt er eine andere Assistentin an seine Seite gestellt. Anhand des Titels, Sherlock & Daughter, dürfte es nicht sonderlich überraschend sein, dass es sich hierbei um die angebliche Tochter des Detektivs höchstpersönlich handelt. Nach dem Tod ihrer Mutter verlässt Amelia Rojas Kalifornien und reist per Schiff nach London, um ihren Vater kennenzulernen. Während der Schiffsreise trifft Amelia die junge wie unbeholfene Clara Anderson, bei der es sich um die Tochter des US-amerikanischen Botschafters handelt. Wie es der Zufall so will, wird Clara kurz nach ihrer Ankunft in London entführt. Da auch in ihrem Falle ein ominöser roter Bindfaden auftaucht, sind Sherlock die Hände gebunden. Dies hindert seine Tochter jedoch nicht daran, selbst zu ermitteln. Mit der Zeit kommen immer mehr Geheimnisse ans Tageslicht und neue Figuren treten in Erscheinung. Dazu zählt beispielsweise Lady Violet Somerset, welche Clara und andere jungen Frauen in die feine Gesellschaft einführen will. Auch Daniel Moriarty, Sohn von Sherlocks Erzrivalen, tritt ins Rampenlicht und macht Amelia Avancen. Wie für eine Kriminalgeschichte typisch, fügen sich die einzelnen Handlungsstränge zu einem großen Ganzen und motivieren daher trotz des seichten Erzähltempos in jeder der 45-minütigen Episoden.

Spannung trotz Bruch mit dem Kanon

Dementsprechend fühlt sich Sherlock & Daughter wie ein einzelner, aber groß aufgeblähter Fall an. Aufgrund dessen, dass die Serie weniger modern ausfällt wie etwa Young Sherlock mit seinen actionreichen und humorvollen Einlagen, wird sie nicht jedem gefallen können. Fans der klassischen Sherlock-Interpretationen kommen trotz des Kanonbruchs aber voll auf ihre Kosten. Eine Tochter hatte Sherlock in allen Geschichten nie und Professor James Moriarty wird aufgrund seines hinzugedichteten Sohnes einmal mehr wichtiger gemacht, als er tatsächlich ist. Schlimm ist das aber nicht, da die künstlerische Freiheit bei der ohnehin nicht aus der Feder von Arthur Ignatius Conan Doyle stammenden Story dazu führt, sich mit ungeahnten Tatsachen zu beschäftigen. So gibt es viele Überraschungen, die für Spannung sorgen. Am Ende ist jedoch anzumerken, dass die Serie nur über ein begrenztes Budget verfügte. Die Kostüme und Kulissen passen, aber etwaige Effekte wirken veraltet. Nicht ganz zufriedenstellend ist auch die deutsche Synchronisation, da viele Stimmen gefühlt nicht zu den Gesichtern passen wollen. Wer die Serie im englischen Originalton schaut, kann nur englische Untertitel hinzuschalten. Zudem tauchen unabhängig der gewählten Tonspur häufig nur schwer lesbare deutsche Texte im Bild auf, die gerade Fans des Originaltons stören dürften. Schwach!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Als jemand, der erst im vergangenen Jahr alle Geschichten von Sherlock Holmes nachgeholt und verschlungen hat, habe ich mich sehr auf die neuen Verfilmungen des Stoffes gefreut. Sowohl Young Sherlock als auch Sherlock & Daughter lassen sich viele Freiheiten, da beide Werke in unbeleuchteten Lebensabschnitten des Meisterdetektivs Fuß fassen. Daran störe ich mich nicht, da mir auch die moderne Adaption mit Benedict Cumberbatch gefällt. Sherlock & Daughter entwickelt dank dem Schauspielduo David Thewlis und Blu Farias Hunt eine wunderbare Eigendynamik. Vater- und Tochterrolle ergänzen sich in allen acht Folgen hervorragend – und da Amelia noch in die Fußstapfen von Sherlock treten muss, erhält der Zuschauer nicht immer alle relevanten Informationen. Wie in den Geschichten erschließen sich viele Zusammenhänge erst dann, wenn Sherlock die Tatsachen kombiniert. Inhaltlich und schauspielerisch kann ich die erste Staffel empfehlen. Allerdings ist es etwas schade, dass dem Produktionsteam kein hohes Budget zur Verfügung stand. Kostüme und Kulissen wissen mich zu überzeugen, aber gerade in puncto Effekte hätte ich mehr erhofft. Selbiges betrifft die deutsche Synchronisation, die ich vor allem bei den zahlreichen Nebenfiguren als mittelmäßig einstufe. Dass im digitalen Bonusbereich lediglich ein fünfminütiges Featurette vorliegt, ist ebenso enttäuschend. Die erste Staffel von Sherlock & Daughter ist definitiv eine Empfehlung für Sherlock-Holmes-Fans, aber in Anbetracht der Popularität der Figur wäre von der ersten Staffel mehr zu erwarten gewesen.

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sherlock & Daughter (Staffel 1)!

Review: Ranma ½ – New Edition (Band 6)

Im Juli 2023 ging es endlich mit der Manga-Reihe Ranma ½ weiter – und auch die mittlerweile sechste Ausgabe der New Edition ist vollgepackt mit witzigen wie absurden Situationen. So erwartungsvoll das im ersten Moment klingt, könnte es für den einen oder anderen Leser auch schon zu viel sein, was hier geboten wird. Inhaltlich knüpft das Geschehen an das Finale des fünften Bandes an. Mūsu ist unsterblich in Shanpū verliebt, die wiederum nur Augen für ihren nach Amazonentradition auserkorenen Verlobten Saotome Ranma hat. Um Ranma aus dem Weg zu räumen, kidnappt er wiederum dessen Verlobte Tendō Akane, um sie in der Zirkusmanege mit magischem Quellwasser in eine Ente zu verwandeln. Ranma, der genau weiß, wie schlimm es ist, sich ständig zu verwandeln, wenn er mit kaltem Wasser in Berührung kommt, will dies unter allen Umständen verhindern. Es entbrennt ein hitziger Kampf, in dem Mūsu als Meister der versteckten Waffen alle möglichen wie hinterhältigen Tricks auf Lager hat. Dies bringt ihm zwar den Ruf als Feigling ein, dürfte ihm beim Erreichen seines Ziels aber völlig egal sein. Ob Akane mit dem Wasser aus der magischen Quelle in Berührung kommt, soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden. Nichtsdestotrotz ist dies bei Weitem nicht die einzige Geschichte, die im sechsten Band der New Edition von Ranma ½ humorvoll erzählt wird.

Entschleunigtes Liebesvieleck

Unter anderem darf sich der Leser auf einen neuen Charakter freuen, der aber zumindest innerhalb der Erzählung dieses Bandes nur für ein Kapitel für Furore sorgt. Kurenai Tsubasa, so der Name der vermeintlichen Dame, fordert Ranma zu einem Duell auf Leben und Tod heraus – und der Grund dafür ist seine mit ihm unabgesprochene Verlobung mit Kuonji Ukyō. Weil sich dieser in der Vergangenheit ständig als Junge ausgegeben hat, hat er scheinbar Tsubasas Interesse geweckt. Um Tsubasa loszuwerden, behauptete er frech, mit Ranma eine glückliche Beziehung zu führen. In den späteren Kapiteln des Bandes gerät das chaotische Liebesvieleck allerdings etwas in den Hintergrund, denn hier geht es unter anderem um die verhängnisvolle wie ominöse Geheimtechnik von Lüstling Happōsai, die laut den Vätern von Akane und Ranma unter keinen Umständen noch einmal eingesetzt werden darf. Zu guter Letzt kehrt, obwohl bislang noch nie die Rede davon war, nach drei Jahren der Direktor der Furinkan-Oberschule zurück. Braungebrannt in Hawaii und mit irren Ideen im Kopf terrorisiert er die Oberschüler. Unter anderem will er allen Jungs eine Glatze schneiden, was insbesondere Kunō Tatewaki gehörig gegen den Strich geht. Trotz vieler toller Ideen schießt gerade dieser letzte Handlungsstrang etwas über das Ziel hinaus, was nicht jedem Fan von Ranma ½ schmecken dürfte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Mit dem sechsten Band der New Edition von Ranma ½ werde ich nicht richtig warm. Im Grunde erzählt der Manga wieder viele kleine Geschichten, die unterhaltsam, aber nicht zielführend sind. Gerade die Einführung von Kurenai Tsubasa wirkt etwas holprig und die Figur selbst wie ein Fremdkörper. Hier muss sich die Manga-Reihe noch beweisen, ob Platz für diesen Charakter bleibt, der aber durchaus eine Daseinsberechtigung hat und das Ensemble bereichern würde. In meinen Augen bieten die Geschichten im sechsten Band nur mehr vom Gleichen, die aber dennoch einzelne Höhepunkte haben, die mich richtig zum Lachen bringen. Vor allem aber die Rückkehr des Direktors wirkt derart aufgesetzt und ist zumindest für mich nicht sonderlich unterhaltsam. Ich kann mir vorstellen, dass es auch anderen Lesern so gehen könnte. Würde der Band nicht den Cliffhanger der letzten Ausgabe lüften und nicht mit einem offenen Ende schließen, würde ich sogar behaupten, dass selbst Fans diesen Band getrost überspringen könnten. So kommen diese um den sechsten Band von Takahashi Rumikos Werk aber wohl kaum herum.

Review: Tōkyō Underground Killer

Spätestens seit dem Videospiel Cyberpunk 2077 oder des Kinofilms Blade Runner 2049 ist das Cyberpunkgenre wieder im Kommen. Auch das japanische Entwicklerstudio Phoenix Game Productions hat die Zeichen der Zeit erkannt und Tōkyō Underground Killer entworfen.

Im Videospiel Tōkyō Underground Killer drehen in Japans titelgebender Hauptstadt alle noch so kleinen Kriminellen plötzlich durch. Obwohl unsere Spielfigur Kobayashi, der im Cyberpunk-Tōkyō als Vampir von Shinjuku bekannt ist, schon längst mit dem Gangster Gokuraku abrechnen wollte, ist es ihm bisher nicht gelungen, seinen Gegenspieler ausfindig zu machen. Stattdessen kämpfen wir uns ein wenig im Stil von No More Heroes die Rangliste der Verbrecher hinauf, um Gokuraku das Handwerk zu legen. Dieser hat aber überall seine Finger im Spiel und kontrolliert unter anderem das Bahnnetz. Kobayashi, der seine Aufträge stilecht in Form von Videokassetten erhält, ist auf den Zug angewiesen. Entsprechend muss er zwischen den Mordaufträgen auch kleineren Jobs nachgehen – beispielsweise als Türsteher vor einem Club. Auch das erinnert ein wenig an besagten Klassiker von Entwicklerlegende Suda Gōichi – und das ist als großes Kompliment gemeint. Obwohl das Vorbild eindeutig ist, setzen die Entwickler von Phoenix Game Productions ganz andere Akzente mit ihrem eigenen Werk. Beispielsweise läuft das Geschehen durchweg aus der First-Person-Perspektive ab und ist zudem ein gutes Stück schneller, was wiederum zunehmend nach guten Reflexen schreit. Tōkyō Underground Killer ist durchaus fordernd und noch dazu kompromisslos umgesetzt.

Blutige Aufträge

Hauptsächlich schwingen wir im Actionspiel ein Katana, um kriminelle wie dämonische Gegner zu bekämpfen. Hierzu stehen uns einfache wie schwere Angriffe zur Auswahl. Letztere eignen sich besonders dann an, wenn der Feind über einen Schutzschild verfügt. Treffen wir auf Gegner, die mit Pistolen auf uns feuern, sollten wir möglichst schnell agieren und einen Durchbohrungsangriff starten. Aufgrund der hohen Spielgeschwindigkeit von Tōkyō Underground Killer fühlt sich auch Protagonist Kobayashi sehr wendig an. Ausweichmanöver und Sprünge hat er somit ebenfalls in petto. Eine Besonderheit des Spiels ist, dass Gegner beim Bekämpfen Blutkonserven fallen lassen. Diese füllen sowohl unsere Lebensenergie leicht als auch unsere Spezialangriffsleiste etwas stärker wieder auf. Mit der Zeit lernen wir nämlich verschiedene Blutattacken, die verheerenden Schaden anrichten können. Unter anderem ist es uns möglich, unsere Faust derart kräftig aufzuladen, dass die rote Suppe beim Pulverisieren des Gegners nur so spritzt. Später ist es auch möglich, einen Feind mittels einer Spezialfähigkeit heranzuziehen. Regelmäßig stolpern wir im Spiel über Waffenschränke, aus denen wir eine Schusswaffe entnehmen können. Pistolen und Schrotflinten abzufeuern macht ebenfalls ordentlich Laune, doch sind die Magazine und Patronen der Schusswaffen stark begrenzt.

Cyberpunk-Ästhetik mit kleinen Mängeln

Obwohl Kobayashi sicherlich nichts lieber tun würde, als jeden Tag die Welt ein klein wenig besser zu machen, haben auch Auftragskiller ein Privatleben. So können wir unser virtuelles Apartment in Tōkyō Underground Killer mit verschiedenen Trophäen und Postern verschönern. Mit der Zeit fühlen wir uns dort richtig wohl. Mitunter könnte dies auch am kunterbunten Grafikstil liegen, denn der setzt auf eine neonfarbene Präsentation und hübsche Lichteffekte, welche das Cyberpunkgenre unterstreichen. Sonderlich detailliert ist der Grafikstil nicht und auch die Darstellung der flach dargestellten Nicht-Spieler-Charaktere lässt genauso wie die Animationsqualität hier und da zu wünschen übrig. Für Abwechslung sorgen Zwischensequenzen im Comicstil, die aus der Feder des deutschen Künstlers Hans Steinbach stammen. Passend dazu gibt es elektronische Musik des Amerikaners Andrew Hulshult. Bedientechnisch haben wir mit einem Controller nur wenig zu meckern, doch erwartet das Spiel von uns stets gute Reflexe. Verfehlen wir einen Gegner auch nur einmal, nutzt dieser entstandene Lücken im Kampf meist sofort aus. Wem das zu hart oder zu lasch ist, kann den Schwierigkeitsgrad anpassen, was leider nur vor dem Start eines neuen Spiels möglich ist. Diesen Fauxpas hätten sich die Entwickler bei Tōkyō Underground Killer nun wirklich nicht leisten müssen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Die Ästhetik von Werken aus dem Cyberpunkgenre lässt meine Augen zumeist erstrahlen. Entsprechend habe ich mich im Vorfeld auch sehr auf Tōkyō Underground Killer gefreut, denn hier bekomme ich Neonfarben noch und nöcher vorgesetzt. Auch kommen beim Spielen wohlige Erinnerungen an Titel wie No More Heroes hoch, wenn auch nicht ganz dessen inszenatorisches Meisterstück erreicht wird. Stattdessen bekomme ich es im Werk von Phoenix Game Productions mit einem wesentlich temporeicheren Gameplay zu tun, schnetzle mich durch Horden von Gegnern, sammle Blutkonserven zur Heilung und löse früher oder später eine Komposition von Spezialfähigkeiten aus. Das funktioniert solange anständig, bis ich auch nur einmal einen Gegner verfehle. Umdrehen und den Gegner sofort anzuvisieren ist zumindest für mich bei First-Person-Spielen ein Graus. Trotzdem macht mir das Spiel auch über diesen Umstand hinaus sehr viel Spaß. Lediglich bei der technischen Gestaltung, so flüssig der Titel zum Glück auch läuft, hätte ich mir ein paar mehr Details und Feinschliff gewünscht. Abseits dessen ist Tōkyō Underground Killer aber durchaus gelungen, weshalb Fans von Actionspielen im Cyberpunk-Gewand auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.

Vielen Dank an Phoenix Game Productions für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Underground Killer!

Review: Replaced

Thunderful Publishing veröffentlichte im April 2026 mit Replaced ein Action-Adventure, das mit seiner retrofuturistischen 1980er-Jahre-Cyberpunk-Ästhetik überzeugt, beim Gameplay jedoch mit repetitiven Mechaniken und einem Kampfsystem ohne Feinschliff zu hadern hat.

Stellt euch vor, dass der Trinity-Test einen fatalen Ausgang genommen und die technologische Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika einen anderen Weg eingeschlagen hätte. So geschah es zumindest in der gar nicht so fernen Vergangenheit der Story des Action-Adventures Replaced von den Sad Cat Studios. Angesiedelt im Jahr 1984 erleben wir eine spannende Geschichte in der fiktiven Stadt Phoenix City, die von der namensgebenden Phoenix Corporation erbaut wurde. Auf den Ruinen der Gesellschaft entstand hier eine Metropole, in der Korruption und Organhandel an der Tagesordnung stehen. Innerhalb der Stadtmauern leben nur noch die Menschen, die es sich offenbar leisten können und die totalitäre Überwachung dulden. Wem ein Organ fehlt und damit kein vollwertiger Mensch mehr ist, fristet sein Dasein in der heruntergewirtschafteten Außenwelt. Wir schlüpfen in die Rolle des Wissenschaftlers Warren Marsh oder zumindest in die seiner Hülle, denn bei der Interaktion mit der künstlichen Intelligenz Reach geht alles schief, sodass auf einmal Reach in Marshs Körper steckt und nur auf Bruchstücke von seinen Erinnerungen Zugriff hat. Noch dazu führt der Körperwechsel dazu, dass Marsh respektive Reach von den Behörden gejagt wird. So beginnt die thrillerartige wie fast schon kinoreife Erzählung des etwa elfstündigen Replaced von 2026.

Akrobatisches, aber repetitives Gameplay

Story und Setting des Spiels sind eindeutig von Cyberpunk-Werken wie dem 1982 veröffentlichten Kinofilm Blade Runner, der viel zu kurzlebigen Fernsehserie Altered Carbon und zudem Videospielen wie Deus Ex: Human Revolution oder Cyberpunk 2077 inspiriert. Das sind verdammt gute Vorbilde. Trotzdem gelingt es Replaced, eine eigenständige Welt abzubilden – inklusive retrofuturistischer Ästhetik. In puncto Gameplay orientiert sich das Spiel aber vielmehr an zweidimensionalen Action-Abenteuerspielen wie etwa American Arcadia. Das heißt, wir laufen in Replaced von links nach rechts und von rechts nach links durch die Spielwelt und klettern an Leitern hoch oder erklimmen Felsvorsprünge. Zwischendurch müssen wir immer mal wieder Müllcontainer oder andere transportable Objekte verschieben, um an höhergelegene Stellen zu gelangen. Hinzu kommen akrobatische Einlagen, sodass wir uns auch an Rohren an der Decke festhalten und an diesen entlang hangeln können. Dies klingt im ersten Moment sehr abwechslungsreich. In bestimmten Intervallen kommen darüber hinaus immer wieder neue Fähigkeiten hinzu. Beispielsweise können wir uns mit einem Eispickel an brüchigen Wandstellen festhalten, um dort Halt bei längeren Sprungeinlagen zu finden. All dies nutzt sich leider sehr schnell ab, da sich die repetitiven Aktionen viel zu oft wiederholen.

Actionreiches Kampfsystem mit fehlendem Feinschliff

Spannender sind da schon die Kämpfe in Replaced, denn mit Marsh respektive Reach müssen wir in den insgesamt zehn Kapiteln der Spielwelt nicht nur klettern und uns vor Drohnen verstecken, sondern uns auch mit gefährlichen Gegnern anlegen. Dies geschieht hauptsächlich im Nahkampf. Wir dreschen auf die Gegner ein, weichen feindlichen Angriffsmanövern aus und kontern im richtigen Augenblick. Mit der Zeit kommen auch hier neue Techniken hinzu: So können wir schon relativ früh im Spiel eine Schusswaffe verwenden, die jedoch genauso wie ein Schockwellenangriff erst durch gutes Kampfverhalten aufgeladen werden muss, sodass wir nie zu übermächtig sind. Die actionreichen Kämpfe lassen sich am ehesten mit dem Free-Flow-Kampfsystem wie in Batman: Arkham Origins vergleichen und laufen in der Theorie sehr flüssig. Ungeübte Spieler könnten aufgrund des hohen Tempos jedoch selbst auf der normalen Schwierigkeitsstufe Probleme kriegen, da die Animationen langsam ablaufen und nicht abgebrochen werden können. Reißen wir einem Gegner seine Schutzausrüstung vom Leib, kostet das Zeit. Inzwischen kann ein Scharfschütze aus der Entfernung auf uns zielen. Je nachdem kann das Zeitfenster, indem wir uns umdrehen und den Schuss ablenken oder diesem ausweichen müssen, spürbar zu klein sein. Hier fehlt es Replaced an etwa Feinschliff.

Dystopische und atmende Spielwelt

Um eine Chance gegen die gepanzerten, flinken oder aggressiven Gegner zu haben, die gerade im späteren Spielverlauf gut durchmischt sind, empfehlen wir stets die Augen offenzuhalten. Überall in der Spielwelt verstecken sich kleine Statusverbesserungen, durch die wir mehr Lebensenergie erhalten oder sich die Aufladezeit unserer Spezialfähigkeiten verringert. Darüber hinaus finden wir an allen Ecken und Enden der Spielwelt Dokumente oder Überbleibsel, die wir scannen dürfen. Selbst drei Arcade-Automatenspiele, die an Klassiker wie Frogger oder Space Invaders erinnern, können entdeckt und angegangen werden. Dies sorgt nicht nur für zusätzlichen Abwechslungsreichtum. Wir erhalten zudem ein viel besseres Bild von der dystopischen Welt, in der wir uns befinden. Inszenatorisch wartet diese mit einem schicken Grafikstil auf, der uns an das HD-2D-Design wie zuletzt in Dragon Quest I & II HD-2D Remake erinnert. An manchen Stellen können wir uns daher im Raum nach vorne oder hinten bewegen, was aber nur an bestimmten Punkten klappt. Hier und da ist auch nicht gleich ersichtlich, was wir eigentlich machen müssen. In unseren Augen ist dieser Umstand aber nur der Tropfen auf dem heißen Stein, denn trotz repetitiver Spielmechaniken wie dem Hacking-Minispiel und hakeligen Kämpfen mögen wir das dystopische Szenario des bis zum Schluss spannenden wie spielenswerten und mit grandioser Synthesizer-Musik unterlegten Replaced.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Replaced erzählt eine spannende Geschichte über eine dystopische Welt, in der Organhandel an der Tagesordnung steht. Philosophische Fragen über den Wert eines Menschenlebens werden hier aufgeworfen und lassen mich beim Spielen nicht mehr los. Gemischt mit einer retrofuturistischen Inszenierung des Jahres 1984 kommen Cyberpunk-Fans dank sammelbarer Hintergrunddokumente voll auf ihre Kosten. Spielerisch ist Replaced in meinen Augen jedoch eher mittelmäßig, denn einzelne Gameplay-Mechaniken wiederholen sich für meinen Geschmack zu schnell und zu oft. Es kommen zwar immer mal wieder neue Elemente hinzu, die sich dann aber auch gefühlt dutzende Male wiederholen, bis ich vor neue Herausforderungen gestellt werde. Ebenso sehe ich Verbesserungspotenzial bei den Kämpfen, denn der vor allem aus den Batman-Spielen der 2010er-Jahren bekannte Free-flow-Ansatz funktioniert zwar gut, ist aber aufgrund von Animationen, die nicht abgebrochen werden können, verbesserungswürdig. Hier fehlt der letzte Feinschliff. Auch die Rücksetzpunkte nach dem Tod der Spielfigur sind oft seltsam gesetzt. Anstatt mich direkt wieder in den Kampf zu werfen, muss ich häufig wieder Laufwege oder Kletterpassagen in Kauf nehmen. Grundsätzlich hätte das Action-Adventure ruhig halb so lang sein dürfen, denn mit ein wenig mehr Feingefühl bei den Kämpfen und einer Reduzierung des Gameplays auf das Nötigste hätte aus dem immer noch guten Replaced ein herausragendes Spiel werden können. So bleibt es aber immerhin noch ein spielenswerter Kandidat für alle Genrefans!

Vielen Dank an Thunderful Publishing für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Replaced!

Review: Todesstille

Die Weiten des Meeres können klaustrophobische Züge annehmen, wenn der einzige Bewegungsspielraum auf den wenigen Quadratmetern eines Schiffs existiert. Phillip Roger Noyces Thriller Todesstille aus dem Jahr 1989 fängt diese Thematik mit Angst und Schrecken ein.

Todesstille basiert auf der 1963 veröffentlichten Novelle Tödliche Flaute von Schriftsteller Charles Williams, die im Zuge der Verfilmung von Philip Noyce auch unter dem Filmtitel abermals erschienen ist. Dead Calm, wie das Werk im Original heißt, sollte jedoch bereits Ende der 1960er- beziehungsweise in den frühen 1970er-Jahren verfilmt werden. Niemand geringeres als Orson Welles hat sich bereiterklärt, die Novelle filmisch umzusetzen. Wie so oft mangelte es am Geld, denn Welles war es nicht möglich, den Film zu finanzieren. Als dann auch noch Laurence Harvey starb, der für die Rolle des Antagonisten vorgesehen war, wurden die Arbeiten am Projekt eingestellt. In den 1980er-Jahren sorgte der australische Regisseur Noyce dafür, dass Kennedy Miller Productions die Rechte am Buch erwarb – so stand der Verfilmung nichts mehr im Wege. 1987 wurde ein halbes Jahr lang an und vor der Ostküste Australiens gedreht. Herausgekommen ist ein in Teilen vorhersehbarer, aber nichtsdestotrotz von der ersten bis zur letzten Minute spannender Thriller um ein Ehepaar, das getrennt voneinander auf offener See ums Überleben kämpfen muss. Auch die Kritiken bezüglich des Settings und der gewählten Schauspieler waren durchaus zufriedenstellend. Todesstille gewann 1989 und 1990 verdient sogar ein paar australische und US-amerikanische Filmpreise.

Psychopath an Bord

Im Mittelpunkt des Films steht das Ehepaar Ingram, bestehend aus dem Marineoffizier John und seiner Frau Rae. Zu Beginn der Handlung wird der Zuschauer darüber in Kenntnis gesetzt, dass Rae einen Autounfall verursacht hat und dabei ihr kleiner Sohn lebensgefährlich verletzt wurde. Um das Trauma zu überwinden, entfliehen die beiden auf einer Yacht aufs offene Meer. Dort ist es, wie es der Titel des Films andeutet, unfassbar still. Es weht kein Wind und weit und breit ist nichts zu hören als das Wasser, das gegen das Boot platscht. Eines Tages machen sie jedoch eine folgenschwere Entdeckung. Ein Schoner scheint havariert zu sein. John gelingt es jedoch nicht, Funkkontakt zur Besatzung herzustellen. Plötzlich erkennen sie, dass auf einem Rettungsboot ein Mann heranrudert. Hughie Warriner, so der Name des unbekannten Mannes in Todesstille, schildert von einer Lebensmittelvergiftung und dass die ganze Crew dahingerafft wurde. Während er sich schlafend ausruht, will John seine Geschichte überprüfen und rudert zum Schoner hinüber. Dort erkennt er, was wirklich auf dem Schiff geschah. Noch während er den Rückweg antritt, erwacht Hughie aus seinen Träumen und sorgt dafür, dass John die Yacht nicht mehr erreichen kann. Noch dazu setzt er Rae außer Gefecht und entkommt in Richtung Sonnenuntergang – ein großartig inszenierter Auftakt.

Mörderische Spannung

Daraufhin spaltet sich Todesstille in zwei Handlungsstränge auf. Auf der einen Seite muss John den havarierten Schoner wieder auf Vordermann bringen, denn dieser ist im Begriff unterzugehen. Wasser abpumpen, den Motor anschmeißen und die Verfolgung aufnehmen – so lautet für ihn die Devise. Auf der anderen Seite ist Rae auf ihrer eigenen Yacht gefangen und sieht sich Hughie schutzlos ausgeliefert. Auch wenn es nicht sein Ziel ist, sie umzubringen, fürchtet sie sich vor dem Psychopathen. So kämpft auch sie ums Überleben, um rechtzeitig die Kontrolle über das Boot zurückzuerlangen und ihren Mann John zu retten. In den drei Hauptrollen zu sehen sind Nigel John Dermot „Sam“ Neill als John, William „Billy“ George Zane Junior als Hughie und Nicole Mary Kidman als Rae. Während Neill etwas blass bleibt, was mitunter der Situation geschuldet ist, dass er die meisten Szenen isoliert spielt, kann Zane als unberechenbarer Antagonist punkten. Herausragend gespielt ist Rae, denn Kidman gelingt es, eine wirklich starke Frauenfigur zu zeigen, die über den Schrecken auf der Yacht einfach triumphieren muss. Zwar sind nicht alle Entscheidungen der Charaktere nachvollziehbar, aber der klaustrophobische Rahmen wird dennoch bestens gefüllt. Albern ist höchstens der Abgang des Antagonisten von Todesstille. Das können sich auch echt nur Moralapostel ausdenken!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Todesstille ist Drama, Thriller, Kammerspiel und Katastrophenfilm in einem. Es ist eine Mischung, die zu meiner Überraschung auf ganzer Linie aufgeht. Ein großes Vorspiel braucht es nicht, denn in wenigen Szenen sind die Beweggründe, die zu dem Ausflug aufs offene Meer geführt haben, erklärt. So schnell diese im Film auf einmal vergessen sind, so sehr zieht der Film mit seinem hohen Tempo in den Bann. Sobald mit Hughie der Antagonist aufs Boot gelangt, geht alles ganz schnell. Aufgeteilt auf zwei voneinander unabhängige Handlungsbögen, die sich am Ende wieder vereinen, geht es dem Ehepaar Ingram ums nackte Überleben, dem Willen zum Leben und das Triumphieren über jedweden Schrecken. Der Zuschauer fiebert anderthalb Stunden bis zum Abspann mit, auch wenn nicht alle Entscheidungen der Charaktere logisch erscheinen mögen. Wären sie dies, so wäre der Film nach einer halben Stunde schon vorbei – und dann würde auch ein ansonsten absolut zufriedenstellender Thriller in der Filmlandschaft fehlen.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Todesstille!

Review: Transport Fever 2

Noch 2026 soll Transport Fever 3 erscheinen. Obwohl der zweite Serienteil bereits Ende 2019 veröffentlicht wurde, nutzen wir anlässlich des bevorstehenden Nachfolgers die Gelegenheit, die spaßige Aufbau- und Wirtschaftssimulation Transport Fever 2 Revue passieren zu lassen.

In Transport Fever 2 kümmern wir uns wie im ersten Serienteil darum, eine wirtschaftliche Infrastruktur zu schaffen, die sich voll und ganz um das Transportwesen dreht. Eine primäre Handlung gibt es in der Wirtschaftssimulation selbst innerhalb der Kampagne nicht. Im Kern erzählt das Spiel zwar ein paar kleine Geschichten, die sich aber mehr als Mittel zum Zweck entpuppen. Charmant geschildert sind aber immerhin ein paar Nebenaufgaben, in denen das Geschehen unter anderem auf der Ponderosa Ranch spielt. Fans der Westernserie Bonanza bekommen da genauso feuchte Augen wie Leser von Michael Andreas Helmuth Endes Kinderbüchern, wenn auf einmal die Rede von einem Lokomotivführer namens Lukas ist. Es braucht tatsächlich nicht mehr, um uns bei Laune zu halten, denn so fokussiert sich das Spiel aufs Wesentliche, anstatt uns mit mau inszenierten Geschichten zu langweilen. In der Kampagne bekommen wir es mit diversen Regionen auf dem Globus zu tun. Unter anderem transportieren wir Silber in den Vereinigten Staaten von Amerika, versorgen indonesische Städte mit Kaffee, kümmern uns um den Ausbau der transsibirischen Eisenbahn in Russland oder sorgen auf dem spanischen Eiland Mallorca dafür, dass mehr Touristen ins Land strömen. Nebenbei lernen wir die Bedienung von Transport Fever 2 anhand von Tutorials gut kennen.

Jede Wirtschaft braucht ihre Infrastruktur

Steigen wir hingegen ins freie Spiel ein, wählen wir zunächst eine von drei Klimazonen und entscheiden über die Kartengröße und deren Topografie. Anschließend wählen wir aus Asien, Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika noch die Region sowie das Startjahr von 1850 bis 2000 aus. Letzteres ist auch für das Spiel von besonderer Bedeutung, denn in früheren Epochen stehen uns nur langsame Transportmittel zur Verfügung. Es kann schon ein sehr großer Unterschied sein, ob wir Personen per Kutsche oder per Hochgeschwindigkeitszug von einem Ort zum anderen befördern. In Transport Fever 2 geht es allerdings nicht darum, jede Menge Fabriken zu erwerben und Waren zu produzieren. Ziel des Spiels ist eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. So errichten wir neben bestimmten Industrieanlagen Bahnhöfe oder Umschlagplätze für Lastwagen, die automatisch die zu bewegenden Rohstoffe und Produkte zum Ziel bringen. Auch Personen wollen zur Arbeit oder ihrer nächsten Freizeitaktivität chauffiert werden. Also errichten wir zunächst die Gebäude und notfalls auch die Straßen- und Schienenanbindung, legen eine Linie zwischen den Haltestellen fest, schließen ein Fahrzeugdepot an, kaufen uns das gewünschte Vehikel und weisen es einer Linie zu. So und nicht anders verdienen wir in Transport Fever 2 unsere Brötchen – und das macht viel Spaß!

Faszinierendes Transportwesen

Gelegentlich müssen wir auch bestehende Strukturen verändern, indem wir Gebäude abreißen oder zusätzliche Gleise errichten, was ähnlich wie im später veröffentlichten Railway Empire 2 aus dem Jahr 2023 gut klappt. Teils ist es zwar eine fummelige Angelegenheit, wenn wir zu errichtenden Gebäude nervig über die Tastatur drehen müssen, aber trotz allem kommen wir immer ans Ziel. Wir finden es ebenfalls toll, dass wir Bahnhöfe modular erweitern können. Entscheiden wir uns im späteren Spielverlauf dazu, weitere Strecken zu erschließen, um andere Städte anfahren zu können, ist dies also möglich, sofern wir denn über die finanziellen Ressourcen verfügen. Grundsätzlich funktioniert Transport Fever 2 wie es soll, doch gerade Anfängern könnten hier und da Verständnisprobleme haben. Stehen an einer Haltestelle zu viele Personen herum, dürfte klar sein, dass weitere Transportmittel Abhilfe schaffen. Passiert hingegen an einer Stelle nichts, fehlt irgendetwas. Beispielsweise stieg in unserem Test niemand in einen Zug ein, was daran lag, dass der Bahnhof nicht per Bus zu erreichen war. Unschön ist in unseren Augen auch, dass die Architektur bis auf spezielle Gebäude wie Tempel überall auf der Welt nahezu gleich aussieht, was Atmosphäre kostet. Ansonsten stört es allerhöchstens, dass der Transport selbst auf der höchstens Spielgeschwindigkeit häufig sehr lange dauert. Wer ohnehin lieber gemütliche Spiele mag, wird Transport Fever 2 regelrecht verschlingen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Schon seit einigen Jahren wollte ich mir zumindest mal einen Serienteil der Transport-Fever-Reihe anschauen. Im Nachhinein kann ich gar nicht verstehen, warum ich so lange damit gewartet habe. Sicherlich ist Transport Fever 2 kein perfektes Spiel, aber es gelingt ihm, mich stundenlang an den Bildschirm zu fesseln. So verbessere ich peu à peu die Infrastruktur der jeweiligen Regionen und erwirtschafte Geld mit dem Transport von Gütern und Personen via Bus, Bahn, Schiff und Flugzeug. Das einzige, was mich hierbei stört, ist die sich schnell wiederholenden Spielmechaniken. Diese könnten weniger repetitiv ausfallen, denn eigentlich geht es eben nur darum, neue Linien einzurichten, die Orte miteinander zu verbinden und Fahrzeuge für den Transport auszuwählen. Verbesserungen für die Infrastruktur werden da schon fast nebenbei abgehakt. Persönlich stört es mich aber noch mehr, dass die Architektur der Gebäude überall auf der Welt fast gleich aussieht und nur Merkmale wie das Vorhandensein eines Tempels darauf schließen lassen, dass ich mich gerade in einem ganz anderen Land als im vorherigen Szenario befinde. Auch dass der Transport mir teilweise zu lange dauert und die Erklärungen innerhalb der Kampagne nicht immer ausreichend sind, ist mir ein Dorn im Auge. Lasst euch davon aber bitte nicht abschrecken, denn im Kern ist Transport Fever 2 eine unterhaltsame Wirtschaftssimulation, die euch über Wochen hinweg faszinieren kann, falls ihr euch auf sie einlassen wollt.

Vielen Danka an Good Shepherd Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Transport Fever 2!

Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 9)

Obwohl Fans des fünfjährigen Nohara Shinnosuke traditionell zwei Monate auf die nächste Volume der Veröffentlichungsreihe Crayon Shin-chan warten mussten, ging es diesmal schneller: Schon Ende Januar 2026 erschien die inzwischen neunte Ausgabe der Anime-Serie.

Mit Crayon Shin-chan hat der 2009 verstorbene Manga-Künstler Usui Yoshihito in den frühen 1990er-Jahren ein Phänomen geschaffen, das auch dreieinhalb Jahrzehnte später von Belang ist. Zumindest aus dem japanischen Fernsehprogramm ist die Anime-Umsetzung nicht mehr wegzudenken. Hierzulande war der Erfolg nur von kurzer Dauer, doch in den 2020er-Jahren scheint der titelgebende Störenfried wieder an Popularität zu gewinnen. Herausgeber Polyband Anime veröffentlicht die langlebige Serie seit Ende 2024 schrittweise auf DVD, wenn auch nur in der verstückelten Fassung, die Fans noch durch die Fernsehausstrahlungen im deutschsprachigen Raum kennen. Soll heißen, dass Intro und Outro nur bei der Alle-abspielen-Funktion einmalig eingefügt sind und die jeweils dreiteiligen Episoden aufgeteilt aus dem Episodenmenü heraus ausgewählt werden müssen. Inhaltlich tut dies der Anime-Serie jedoch keinen Abbruch, denn diese ist mit ihrem regelrecht irrwitzigen, teils pubertären und teils mit Wortwitzen gespickten Humor über alle Zweifel erhaben. Wer die Serie im linearen Fernsehen regelmäßig verfolgt hat, kommt auch um die DVD-Veröffentlichung nicht herum. Alle anderen sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen, denn Crayon Shin-chan kann mit der Zeit richtig ans Herz wachsen sowie zum Lachen und Fremdschämen bringen.

Satansbraten on Tour

Fans von Shinnosukes kleiner wie quirliger Schwester Himawari beziehungsweise Daisy, wie sie in der deutschen Übersetzung heißt, müssen allerdings stark sein. Durch die kreuz und quer geworfenen Episoden, die auf die nordamerikanische Fassung zurückgehen, taucht diese in den Episoden der neunten Volume lustigerweise gar nicht auf. Das geht sogar soweit, dass in einer Folge nur angedeutet wird, dass Misae beziehungsweise Mitsy schwanger ist. In einer anderen Episode ist sie bezüglich ihrer Periode längst überfällig, was sich jedoch als falscher Alarm entpuppt. Stattdessen liegt der Fokus in den enthaltenen Abenteuern stark auf der noch dreiköpfigen Familie Nohara. Beispielsweise besuchen Shin-chan, seine Mutter und auch sein Vater Hiroshi respektive Harry ein Museum. Dort lassen sich die drei Kunstbanausen über die Werke eines berühmten Künstlers aus, der zufälligerweise an jenem Tag auch im Museum zugegen ist und dadurch einen Wutanfall bekommt. In einer anderen Folge verirrt sich das Trio hingegen in einen Freizeitpark, der ans alte Japan angelehnt ist. Hier erleben sie sowohl die Annehmlichkeiten am Hofe des Shōguns als auch die soziale Kehrseite als verarmte Bauern. Auch ein Ausflug ins Bowlingcenter und ein Besuch im Streichelzoo stehen an der Tagesordnung – und wie könnte es auch anders sein, sorgt Shin-chan an allen Orten für Unruhe.

Absurditäten des Alltags

Egal ob Shinnosuke nun die mal wieder mit Zeichensprache kommunizierenden Verkäuferinnen in der Buchhandlung, die süße Zoowärterin oder die schrulligen Handwerker zu Hause aufmischt – alle bekommen ihr Fett weg und sind meist froh, wenn sie Shin-chan nicht mehr ertragen müssen. Neben den familiären Angelegenheiten gibt es aber auch ein paar Abenteuer, in denen Shinnosukes Freunde zum Dreh- und Angelpunkt werden. In einer Episode verliebt sich Shin-chans Freund Satō Masao (Max) in eine Mitschülerin, weshalb Shinnosuke einen Liebesbrief übergeben soll – nichtsahnend, dass die Geschichte für ihn ganz anders ausgehen wird. In einer anderen Folge spielen die Kinder hingegen das Spiel Vorschule in der Vorschule, wodurch sich ihre Rollen vertauscht haben. Auch ihre Lehrerin Yoshinaga Midori, in der deutschen Fassung Fräulein Dori, wird früher oder später in dieses Szenario hineingeworfen. All diese kleinen und kompakten Geschichten, die um die sechs Minuten lang sind und nur in Ausnahmefällen in den darauffolgenden Episoden aufeinander aufbauen, sind unfassbar lustig, da die Situationen allein schon vom Alter des Protagonisten absurd erscheinen. Die deutsche Übersetzung, in der beispielsweise Shin-chan eine Rassehündin aufgrund ihrer Frisur als „Wolfgang Petry für Arme“ bezeichnet, vervollständigt das humorvolle Gesamtbild.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Obwohl ich bei den ersten der enthaltenen Episoden dachte, dass es in der neunten Volume etwas gesitteter zugeht, wurde ich zwischendurch zum Glück immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich möchte hierbei nicht ins Detail gehen, aber Crayon Shin-chan entpuppt sich abermals als laut, frech, über die Strenge schlagend und nicht zuletzt absurd. Genau diese Kombination macht die Anime-Serie sehenswert. Ich komme beim Ansehen der in dieser Volume deutlich abwechslungsreichen Episoden nicht mehr aus dem Lachen heraus. Die deutsche Synchronisation setzt dem ganzen Spektakel das i-Tüpfelchen auf, da hier auf bekannte Persönlichkeiten des deutschsprachigen Raums oder etwaige Redewendungen Bezug genommen wird. Schade finde ich nur, dass der japanische Originalton abermals abwesend ist und die Serie nicht in der chronologischen Reihenfolge wie in Japan auf den DVDs veröffentlicht wird. Wem das jedoch egal ist, und das dürften wohl die meisten Crayon-Shin-chan-Fans sein, darf aber auch bei der neunten Ausgabe zuschlagen!

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 9)!

Review: Ys Memoire: The Oath in Felghana

Seit 1987 lässt sich die Ys-Reihe nicht unterkriegen. Bei aller Langlebigkeit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Entwickler der japanischen Rollenspielserie gelegentlich auf Remakes setzen. Ys Memoire: The Oath in Felghana krempelt den dritten Serienteil ordentlich um.

Ursprünglich im Jahr 1989 für japanische Heimcomputer veröffentlicht, trat das Rollenspiel Ys III: Wanderers from Ys daraufhin eine unaufhaltsame Reise auf etliche Computer- und Videospielsysteme an. Unter anderem erblickte der Titel auf der PC-Engine, dem Super Nintendo oder dem Sega Mega Drive das Licht der Welt. Im Jahr 2005 erreichte das Spiel schließlich auch moderne PC-Gefilde in Form eines Remakes. Ys Memoire: The Oath in Felghana scheint den Entwicklern besonders am Herzen zu liegen, denn anders ist es wohl kaum zu erklären, dass diese Version in der darauffolgenden Zeit auch noch für die PlayStation Portable, für die Nintendo Switch und im Mai 2024 schließlich auch für die PlayStation 5 veröffentlicht wurde. In Europa war es im Januar 2025 soweit. An der grundlegenden Prämisse hat sich in keiner der Versionen etwas geändert. Der um die Welt reisende Abenteurer Adol Christin erreicht mit seinem Kumpanen Dogi die Küste des Reiches Felghana. Zuvor haben sie von Händlern erfahren, dass es um Dogis Heimat schlecht bestellt ist. Plötzlich und unerwartet tauchen Monster im Land auf, der Erzhandel kommt zum Erliegen und die Moral der Bewohner der Stadt Redmont liegt am Boden. Mutig und selbstlos wie Adol ist, bietet er in Ys Memoire: The Oath in Felghana den Einheimischen selbstverständlich seine Hilfe an.

Schnelles Kampfsystem für Ungeduldige

Um dem titelgebenden Fluch in Felghana auf die Schliche zu kommen, müssen wir mit Adol in bester Dungeon-Crawl-Manier mehrere Schauplätze abgrasen. Zu Beginn nur mit Schwert und Schild bewaffnet, preschen wir im actionorientierten Echtzeitkampfsystem in die Gegnerhorden vor. Obwohl das im Grunde nichts weiter als Button Mashing ist, spielt sich auch das Remake des dritten Serienteils sehr flott. Das Spieltempo ist derart hoch, dass wir in Windeseile von einem Gegner zum nächsten flitzen. In späteren Spielabschnitten von Ys Memoire: The Oath in Felghana leisten die Gegner wie Riesenspinnen, mordlustige Schlingpflanzen, untote Krieger und Co zwar auch mehr Widerstand, doch wer mit der Zeit langsam, aber stetig lernt, Angriffen auch mal auszuweichen und das Zeitfenster zum Kontern auszunutzen, wird das Ausbremsen der Spielgeschwindigkeit gar nicht erst merken. Zudem erhalten wir im Verlauf des Spiels Zugriff auf drei verschiedene Armbänder, die uns den Einsatz von Magie ermöglichen. Dann können wir auch wunderbar aus der Ferne Feuerbälle schmettern, mit unserem Schwert Wirbelangriffe ausführen oder mit Karacho auf die Feinde losstürmen. In regelmäßigen Abständen erwarten uns darüber hinaus Bosskämpfe, die deutlich knackiger sind und je nach Übung auch mal drei oder vier Anläufe brauchen. Unfair sind sie aber eher nicht.

Spaßiges Erkunden der Spielwelt

Letzteres liegt daran, dass jedes Level-up in Ys: The Oath in Felghana spürbare Auswirkung auf unsere Angriffs- und Verteidigungswerte hat. Darüber hinaus können wir mit in Schatztruhen erbeuteten Erzen beim Schmied in Redmont unsere Ausrüstung härten, was uns einen zusätzlichen Bonus bringt. Zudem stellt sich in gewisser Weise ein Lerneffekt wie etwa in Demon’s Souls ein. Wir lernen die Bewegungsmuster schrittweise kennen und reagieren im richtigen Augenblick. Irgendwann wissen wir einfach, wann wir einem Drachen ins Schienbein treten oder fliegenden Schwertern ausweichen, noch bevor sie auf dem Bildschirm erscheinen. Hinzu kommt, dass es äußerst viel Spaß macht, die Areale wie eine dunkle Mine, eine altertümliche Tempelanlage oder verschneite Bergketten zu erkunden. Um kein Geheimnis zu verpassen, kehren wir später an bereits besuchte Orte zurück, um mit neuen Fähigkeiten wie einem Doppelsprung versteckte Pfade einzuschlagen. Technisch ist das Spiel inzwischen zwar arg veraltet, doch haben die knuffigen Charaktere und die teils isometrische Perspektive immer noch ihren Charme. Akustisch können wir je nach Nostalgie-Anflug zwischen einem modernen und zwei älteren Versionen des Soundtracks wechseln. Wem Ys: The Oath in Felghana zu langsam sein sollte, kann in den aktuellen Versionen des Titels auch die Spielgeschwindigkeit erhöhen – gerade für Grinding-Enthusiasten eine willkommene Wohltat!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Sonderlich viele Spiele der Ys-Reihe habe ich bislang noch nicht gespielt, doch wurde ich bislang bei keinem Serienteil so richtig enttäuscht. Gerade die hervorragende Spielbarkeit, das hohe Spieltempo, die befriedigenden Auseinandersetzungen mit kleineren Gegnern, die dafür umso nervenaufreibenderen Bosskämpfe und das motivierende Absuchen der Spielwelt nach Geheimnissen machen auch bei Ys Memoire: The Oath in Felghana wieder jede Menge Spaß. Zudem ist das Spiel mit einer Einmalspielzeit von circa zehn bis zwölf Stunden kurz und knackig und lässt sich daher wunderbar als Intermezzo genießen. Allerdings gerät dadurch die Story ein wenig in den Hintergrund. Diese geht zwar leicht über das Retten der Welt hinaus, bietet aber für mich keine sonderlich erinnerungswürdigen Elemente, über die ich noch in Jahren mit Genre-Freunden fachsimpeln würde. Dennoch kann ich das Spiel jedem Fan der Reihe empfehlen. Auch als Einstiegspunkt in die Reihe bietet sich der Titel aufgrund der kurzen Spielzeit wunderbar an.

Review: Ranma ½ – New Edition (Band 5)

Einmal mehr wurden Fans der Manga-Reihe Ranma ½ auf die Folter gespannt, denn im Jahr 2023 dauerte es bis zum Mai, bis die fünfte Ausgabe endlich in den Händlerregalen stand. Das Warten hat sich aber sehr wohl gelohnt, denn im fünften Band bricht regelrecht das Chaos aus – und bringt die einzelnen Charaktere in ungewöhnliche und unmögliche Situationen. Storytechnisch knüpft die Erzählung nahtlos an die bisherigen Geschehnisse an. Nach wie vor findet in der Furinkan-Oberschule eine Aufführung von Romeo und Julia statt, welche allerdings zunehmend frei interpretiert wird. Während Tendō Akane die Julia Capulet spielt, tauchen in der Rolle des Romeo Montague gleich mehrere Darsteller auf, die um die Gunst ihrer Schauspielkollegin buhlen. Allen voran Saotome Ranma und Kunō Tatewaki legen sich miteinander an, doch auch der alte Lüstling Happōsai gibt nicht auf, einen Kuss von Akane zu erhalten. In der Aufführung werden tatsächlich Küsse ausgetauscht. Wer hier allerdings wen küsst und ob dabei auch Gefühle im Spiel sind, sollte der Leser lieber selbst herausfinden. Definitiv gehört dieser Handlungsstrang mit zu den absurdesten wie humorvollsten Szenen, welche die Manga-Reihe von Takahashi Rumiko bislang zu bieten hat. Dennoch sorgen auch die vielen weiteren Geschichten im fünften Band der New Edition von Ranma ½ für ausufernde Lachanfälle.

Der Geruch von Okonomiyaki

Unter anderem kommt ans Tageslicht, dass Happōsai und Shanpūs Ugroßmutter Koron schon kennen. In jungen Jahren hat Happōsai wohl ein Familienerbstück entwendet, an dem magische Liebesperlen befestigt sind. Wer auch immer eine Perle verschluckt, verliebt sich sofort in die nächste Person des anderen biologischen Geschlechts, die er oder sie sieht. Auch gibt es im fünften Doppelband von Ranma ½ ein Wiedersehen mit Tatewakis Schwester Kodachi, die den Kampf um Ranmas Herz nicht aufgeben will und mit allen Mitteln versucht, ihn für sich zu gewinnen. Dass das Haus der Familie Kunō mit bösen Fallen und Überraschungen gespickt ist, wird wohl selbst der Leser nicht erahnen können. Am wichtigsten dürfte in dieser Ausgabe jedoch die Einführung eines neuen Charakters sein. Gemeint ist Kuonji Ukyō, die sich als Mann ausgibt und für ihr Leben gerne Okonomiyaki brät. Es soll nicht zu viel vorweggenommen werden, aber auch Ukyō hat eine gemeinsame Vergangenheit mit Ranma und seinem Vater Genma. Dies führt dazu, dass sich die zwischenmenschlichen Beziehungen ein weiteres Mal um ein Vielfaches verkomplizieren. Trotz allem ist im fünften Band der New Edition von Ranma ½ zu bemerken, dass sich Ranma und Akane gegenseitig nicht egal sind, auch wenn sie pausenlos miteinander streiten und nicht das Gespräch suchen. Es bleibt also spannend!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten korrigierten Auflage): Habe ich geglaubt, dass Takahashi Rumiko mit ihrem bisherigen Konzept in dieser Form weitermachen wird, überrascht mich die Manga-Zeichnerin von Ranma ½ diesmal mit eigenständigen Geschichten, die nicht direkt mit Wettkämpfen zu tun haben. Das ist nach den letzten Ausgaben wirklich erfrischend und steigert den Unterhaltungswert zunehmend. Sowohl die Aufführung von Romeo und Julia in der Furinkan-Oberschule als auch die zahlreichen Verstrickungen mit Kunō Kodachi sowie die Einführung von Kuonji Ukyō machen beim Lesen sehr viel Spaß. Gepaart sind die abstrusen Situationen einmal mehr mit sehr viel Humor, bei dem kein Auge trocken bleibt. Fragwürdig finde ich tatsächlich nur eine Stelle, an der Happōsai die Kunstfigur SpongeBob (Schwammkopf) erwähnt, die zur Zeit der Entstehung und ursprünglicher Laufzeit des Mangas überhaupt noch gar nicht existierte. Das schmälert ein klein wenig die sonst sehr dichte Atmosphäre. Trotzdem freue ich mich schon auf den nächsten Doppelband von Ranma ½!

Review: Your Forma (Vol. 2)

Nachdem Ende Februar 2026 die erste Ausgabe der Anime-Serie Your Forma veröffentlicht wurde, reichte Herausgeber Polyband Anime das zweite Episodenpaket im April 2026 nach. Dieses führt die Kriminalgeschichte mit Science-Fiction-Einschlag in gewohntem Maße fort.

Mareho Kikuishi dachte sich mit Your Forma ein Science-Fiction-Werk aus, welches seit 2021 als Light Novel erscheint. Nahezu parallel zur Light Novel wurde eine von Kisaragi Yoshinori gezeichnete Manga-Umsetzung in insgesamt drei Bänden veröffentlicht. Das Werk war in Japan ausreichend beliebt, sodass Mitte 2025 auch eine Anime-Serie im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Weniger als ein Jahr später war es auch im deutschsprachigen Raum so weit, dass Herausgeber Polyband Anime das Werk aus dem Hause Geno Studio in zwei Volumes in den Handel kam. Das Animationsstudio ist zudem kein unbekanntes, zeigt es sich auch für die ersten drei Staffeln von Golden Kamuy verantwortlich. Nachdem im Februar 2026 bereits die erste Volume in den Handel kam, dauerte es zwei Monate, bis Fans in den Genuss der zweiten Serienhälfte kommen konnten. Obwohl die erste Volume, die aus sechs Episoden besteht, nicht gänzlich als Einleitung in die durchaus leicht dystopisch gezeichnete Welt dient, erhält sie im Nachhinein diesen Eindruck. Das liegt daran, dass die zweite Ausgabe inhaltlich direkt an die Geschehnisse der letzten Episoden anknüpft und zudem die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren an der einen oder anderen Stelle arg vertieft. Wer die ersten Folgen von Your Forma verpasst hat, findet hier wohl keinen Einstieg.

Tragische Charakterentwicklungen

Mit gleich sieben Episoden fällt die zweite Serienhälfte ein wenig umfangreicher aus als das Debüt, was aber nicht der Casus knacksus ist. Nach wie vor muss der Zuschauer verschiedene Sachverhalte zusammen mit der Kriminalbeamtin Hieda Echika und ihrem Kollegen Harold Lucraft richtig zuordnen. Da die Serie weitestgehend recht ruhig und langsam verläuft, ist das auch in den sieben enthaltenen Episoden der zweiten Volume eine hartnäckige Angelegenheit, die nach wie vor Sitzfleisch abverlangt. Wer eine Episode oder gleich die ganze Serie deshalb noch einmal ansehen will, macht zum besseren Verständnis definitiv nichts falsch, zumal Your Forma motiviert, philosophische Fragen über künstliches Leben zu stellen. Angesiedelt im Jahr 2023 konzentriert sich die Serie einerseits auf den Werdegang von Hieda. Aufgrund des Ergebnisses einer psychologischen Untersuchung bleibt es ihr verwehrt, weiterhin in die Gedankenwelt anderer Menschen einzutauchen. Ihr Talent vergeudet sie jedoch nicht, denn sie ist weiterhin in der elektronischen Strafverfolgung tätig. Andererseits rückt in der Handlung Hiedas Kollege Lucraft, ein Androide, in den Mittelpunkt. Dieser scheint entgegen seiner Programmierung auf einmal Schusswaffen benutzen zu können. Somit bleibt es nicht zuletzt auch für den Zuschauer spannend, mehr über ihn und seine tragische Vergangenheit zu erfahren.

Fortführung ohne nennenswerte Besserungen

Nach wie vor schlägt Your Forma einen durchaus ähnlichen Weg wie die ausgeklügelte Anime-Serie Psycho-Pass ein. Sie ahmt jedoch nicht nach und verlässt die bekannten Pfade in der zweiten Serienhälfte, wodurch zwar das eigentliche Setting ein wenig abgeschwächt wird, die Story aber an Eigenständigkeit gewinnt. Die titelgebende Technologie verkommt damit ebenso zur Randerscheinung und lässt Platz für die Charakterentwicklung. Sonderlich schlimm ist das aber nicht, denn die visuelle Umsetzung bleibt in der ersten wie in der zweiten Volume hinter den Erwartungen zurück. So hat die Anime-Serie gegenüber vergleichbaren Werken in vielen Fällen das Nachsehen, denn durch die eher leeren und oft blass gestalteten Umgebungen fehlt es an einprägsamen Handlungsorten, an denen die Spannung richtig aufdrehen kann. Trotzdem wird die Story zu einem angenehmen Ende geführt, das zudem nicht zwingend nach einer zweiten Staffel schreit. Am technischen Grundgerüst wird darüber hinaus an keiner Stelle gerüttelt. Sowohl das Bildformat 1,78:1 als auch das Tonformat DTS-HD 2.0 bleiben zur Bewahrung der Kontinuität unangetastet. Im Gegensatz zum ersten Episodenpaket bietet die zweite Volume jedoch fünf kurze Szenen im Chibi-Look, ein paar Werbeclips für Your Forma und einen fünfzehnminütigen Audioprolog. Physisch liegt der limitierten Ausgabe zudem ein Faltposter bei, welches dasselbe Bild wie das Cover schmückt. Nett, aber auch nicht mehr.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Your Forma verspielt in meinen Augen in der zweiten Serienhälfte reichlich Potenzial. So setzt die Anime-Serie mit dem Eintauchen in die Erinnerungen und Gedanken von Tätern auf ein spannendes Konzept, das aber auch in den Episoden der zweiten Volume nicht wirklich zur Geltung kommt. Auch an der audiovisuellen Umsetzung dürfen von Your Forma keine großen Sprünge erwartet werden, denn hier bleibt alles beim Alten. Statt kräftigen Farben bleibt das Geschehen blass und für meinen Geschmack sogar etwas zu trist, ohne dass es das Szenario oder das Setting aufwerten würde. Lediglich in puncto Charakterentwicklung, die mit der einen oder anderen überraschenden Wendung aufwartet, glänzt die Serie. Wer Science-Fiction und Kriminalgeschichten mag und die verpassten Chancen ignorieren kann, darf bei Your Forma gerne einen Blick riskieren.

Vielen Dank an Polyband Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Your Forma (Vol. 2)!

Kolumne: Late to the Party #10: Assassin’s Creed: Syndicate

Am 23. Oktober 2015 erschien fast ein Jahr nach dem letzten Serienteil mit Assassin’s Creed: Syndicate für die PlayStation 4, die Xbox One und den PC die Episode des Franchises, welche für mehr als acht Jahre letztmals das klassische Gameplay bot – damals ahnte das keiner.

Ende des Jahres 2015 hatten selbst die größten Fans die Schnauze voll von der Eintönigkeit, welche Ubisoft Jahr ein, Jahr aus den Spielern serviert hat. So habe ich erst kürzlich von einem treuen Serienanhänger gehört, dass er damals so übersättigt von Assassin’s Creed war, dass er Syndicate nicht lange gespielt und sogar abgebrochen hat. Eine solche Anekdote hat mich doch tatsächlich verwundert, nachdem ich das Spiel zu dem Zeitpunkt bereits fast beendet hatte, doch dazu gleich mehr. Selbst habe ich an diese Zeit leider nur wenige Erinnerungen. Nachdem Radio Television Luxemburg, der Fernsehsender mit den drei bösen Buchstaben, im Jahr 2011 über die Gamescom berichtet und Videospieler als stinkende Lumpen unglücklich oder vielleicht doch gezielt beschrieben hat, wandelte sich die voreingenommene Berichterstattung in den folgenden Jahren. Videospiele waren auf einmal gesellschaftlich wesentlich akzeptierter, auch wenn ich immer noch verbohrte Menschen kenne, die einem diesen Spaß nicht gönnen wollen. Ab mit euch in die stille Ecke, konsumiert doch lieber weiter unnütze RTL-Formate! Dunkel kann ich mich an Fernsehbeiträge erinnern, in denen Trailer- oder Gameplay-Material von Assassin’s Creed: Syndicate über die Mattscheibe flimmerten – in Bezug zur Gamescom 2015. Dort habe ich mich nicht mit dem Spiel befasst, doch wenigstens hat Kollege Axel in seinem Sony-Beitrag kurz, knackig und positiv darüber berichtet.

Größenwahn im viktorianischen England

Hätte ich Assassin’s Creed: Syndicate damals gespielt, wäre ich sicherlich aus dem Häuschen gewesen. Tatsächlich hatte ich seit Langem das erste Mal wieder so etwas wie Spaß mit der Reihe, was nicht nur am viktorianischen Setting liegt. Auf dieses möchte ich aber zuerst eingehen. Angesiedelt ist das Spiel in den 1860er-Jahren in London. Erstmals schlüpfe ich in die Rolle von zwei Charakteren, die ich größtenteils nach Lust und Laune abwechselnd spielen darf: Jacob und Evie Frye. Die Zwillinge kommen in die Hauptstadt Englands, um dem kriminellen Großindustriellen Crawford Starrick das Handwerk zu legen. Dieser ist auf der Suche nach einem Edensplitter, der ihm unfassbare Macht beziehungsweise Unsterblichkeit verleiht. So ist das eben mit Größenwahnsinnigen der Marke Donald John Trump! Ich kann jedoch nicht einfach mit dem Haudrauf Jacob oder der wendigen wie diplomatischen Evie in sein Haus spazieren und ihm die Birne einschlagen. Stattdessen muss ich mühselig über konsekutive Kapitel seine Handlanger besiegen und ihm erst die Geschäfte ruinieren. Mit der Logik hat es die Reihe ja nie so gehabt. Die jahrelange Inspirationslosigkeit der Autoren ist in Assassin’s Creed: Syndicate einfach mehr nicht auszuhalten. Nichtsdestotrotz habe ich fleißig alle im Spiel enthaltenen Aufgaben abgearbeitet, denn im Gegensatz zur Story macht der Titel in puncto Gameplay eine derart gute Figur, dass er bis dato mein Lieblingsteil geworden ist.

Temporeiches Gameplay

Endlich muss ich nicht mehr mühselig die Häuserfassaden erstürmen. Stattdessen kann ich im Spiel einen Seilwerfer verwenden, mit dem ich in zwei bis drei Sekunden zwischen fünf und sechs Stockwerke im Nu erklimmen kann. Ebenfalls muss ich nicht etliche Kilometer zu Fuß durch die Londoner Innenstadt laufen – ich kann ganz im Stile von Grand Theft Auto eine Kutsche stibitzen und durch die Straßen düsen und sogar driften! Fortbewegung ist das A und O in Assassin’s Creed: Syndicate. So spare ich wertvolle Lebenszeit, in der ich mich nicht über das Spiel, seine ideenlose Story oder seine stumpfen Figuren aufregen muss. Gerade was die einzelnen Missionen im Spiel angeht, könnte ich im Sekundentakt ausrasten. Da lerne ich schon spannende historische Figuren wie zum Beispiel den Naturforscher Charles Robert Darwin, die Schriftsteller Charles John Huffam Dickens und Arthur Ignatius Conan Doyle und nicht zuletzt ihre Majestät, Königin Victoria, kennen, und dann inszenieren die Entwickler von Ubisoft Québec das alles so einfallslos. The Queen is not amused! Da liegt doch so viel Potenzial auf der Straße und die Entwickler heben nicht einmal ein Staubkorn davon auf. Ich kann schon gut verstehen, warum das den Leuten keinen Spaß macht. Tut es mir ja auch nicht, aber das Gameplay ist immerhin besser als noch in Assassin’s Creed: Unity. Das hat mich sogar dazu verleitet, mir im Sale den Season Pass zuzulegen, um noch mehr zu meucheln.

Der Ripper hat wieder zugeschlagen

Von einem Großteil der Download-Inhalte möchte ich jedoch abraten, denn die meisten Missionen sind langweilig und thematisieren nur das Leben der blassen Nebencharaktere, denen ich irgendwann gar nicht mehr zuhöre. Um es einmal mit den Worten von Sebastian Kurz zu sagen: „Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich halte das alles nicht mehr aus!“ Auch der permanente Erfahrungspunkte-Bonus, den ich im Season Pass von Assassin’s Creed: Syndicate obendrein erhalte, ergibt für mich keinen Sinn. Bereits im ersten Drittel des Spiels erhalte ich derart viel Erfahrung, dass ich früh alle Fähigkeiten für Evie und Jacob freischalten kann. Lediglich die Download-Erweiterung um Jack the Ripper, die zwanzig Jahre später aus der Sicht einer gealterten Evie erzählt wird, ist für einen Ripperstreet-Fan wie mich durchaus einen Blick wert. Hier kommt eine weitere Spielmechanik hinzu, durch welche ich mit der Angst der Gegner spielen und sie regelrecht in Panik versetzen kann, indem ich Dämpfe aus Angstbomben entfessle oder Gegner auf den Boden nagle. Warum Evie das tun sollte, leuchtet mir zwar nicht ein, aber es macht die Auseinandersetzungen mit den Gegnern abwechslungsreicher. Schade ist aber, dass diese Kampagne vollkommen losgelöst vom Hauptspiel ist. Ich hätte es super gefunden, wenn ich diese neuen Möglichkeiten auch im eigentlichen Spiel hätte ausschöpfen können. Das Mysterium um Jack the Ripper wird zwar nur halbgar aufgelöst, verleiht der übergreifenden Serienhandlung aber zumindest einen neuen Anstrich.

Zurück in die Zukunft – oder doch nicht?

Apropos übergreifende Handlung: Die Autoren von Assassin’s Creed: Syndicate – entschuldigt bitte den Ausdruck –, scheißen einmal mehr auf die Gegenwartshandlung und fahren dieselbe Schiene weiter, die Assassin’s Creed: Unity begonnen hat. Mit dem Ende von Assassin’s Creed III haben sich die Autoren derart selbst in die Ecke gedrängt, dass mein Herz für die eigentliche Story nur noch bluten kann. Es gibt keine spielbaren Gegenwartsszenen mehr. Stattdessen gibt es Rebecca Crane, Shaun Hastings und ein paar weitere Figuren in ein paar Videosequenzen zu sehen und zu hören, denn auch hier wird nach dem Edensplitter gesucht, den Starrick in den 1860er-Jahren so sehr begehrt hat. Viele dieser Szenen sind aus der Sicht von Video- oder Drohnenkameras eingefangen, extra verwackelt und im Endeffekt unübersichtlich und wirr. Ich hoffe sehr, dass die Reihe in diesem Punkt noch einmal die Kurve bekommt und sich den Konsequenzen nochmals bewusst wird, die mit dem nummeriert dritten Teil aufgekommen sind. Warum es übrigens auch eine Dekade nach dem Release noch Bugs wie verschwundene Bildschirmanzeigen, unsichtbare Charaktere in Zwischensequenzen oder sogar fehlende Interaktionssymbole gibt, ist mir schleierhaft. Dafür ist das Spiel seit Ende 2024 für die PlayStation 5 und die Xbox Series X mit sechzig Bildern endlich flüssig spielbar. So zündet bei mir immerhin das Gameplay von Assassin’s Creed: Syndicate wie es soll!

Geschrieben von Eric Ebelt