Review: Replaced

Thunderful Publishing veröffentlichte im April 2026 mit Replaced ein Action-Adventure, das mit seiner retrofuturistischen 1980er-Jahre-Cyberpunk-Ästhetik überzeugt, beim Gameplay jedoch mit repetitiven Mechaniken und einem Kampfsystem ohne Feinschliff zu hadern hat.

Stellt euch vor, dass der Trinity-Test einen fatalen Ausgang genommen und die technologische Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika einen anderen Weg eingeschlagen hätte. So geschah es zumindest in der gar nicht so fernen Vergangenheit der Story des Action-Adventures Replaced von den Sad Cat Studios. Angesiedelt im Jahr 1984 erleben wir eine spannende Geschichte in der fiktiven Stadt Phoenix City, die von der namensgebenden Phoenix Corporation erbaut wurde. Auf den Ruinen der Gesellschaft entstand hier eine Metropole, in der Korruption und Organhandel an der Tagesordnung stehen. Innerhalb der Stadtmauern leben nur noch die Menschen, die es sich offenbar leisten können und die totalitäre Überwachung dulden. Wem ein Organ fehlt und damit kein vollwertiger Mensch mehr ist, fristet sein Dasein in der heruntergewirtschafteten Außenwelt. Wir schlüpfen in die Rolle des Wissenschaftlers Warren Marsh oder zumindest in die seiner Hülle, denn bei der Interaktion mit der künstlichen Intelligenz Reach geht alles schief, sodass auf einmal Reach in Marshs Körper steckt und nur auf Bruchstücke von seinen Erinnerungen Zugriff hat. Noch dazu führt der Körperwechsel dazu, dass Marsh respektive Reach von den Behörden gejagt wird. So beginnt die thrillerartige wie fast schon kinoreife Erzählung des etwa elfstündigen Replaced von 2026.

Akrobatisches, aber repetitives Gameplay

Story und Setting des Spiels sind eindeutig von Cyberpunk-Werken wie dem 1982 veröffentlichten Kinofilm Blade Runner, der viel zu kurzlebigen Fernsehserie Altered Carbon und zudem Videospielen wie Deus Ex: Human Revolution oder Cyberpunk 2077 inspiriert. Das sind verdammt gute Vorbilde. Trotzdem gelingt es Replaced, eine eigenständige Welt abzubilden – inklusive retrofuturistischer Ästhetik. In puncto Gameplay orientiert sich das Spiel aber vielmehr an zweidimensionalen Action-Abenteuerspielen wie etwa American Arcadia. Das heißt, wir laufen in Replaced von links nach rechts und von rechts nach links durch die Spielwelt und klettern an Leitern hoch oder erklimmen Felsvorsprünge. Zwischendurch müssen wir immer mal wieder Müllcontainer oder andere transportable Objekte verschieben, um an höhergelegene Stellen zu gelangen. Hinzu kommen akrobatische Einlagen, sodass wir uns auch an Rohren an der Decke festhalten und an diesen entlang hangeln können. Dies klingt im ersten Moment sehr abwechslungsreich. In bestimmten Intervallen kommen darüber hinaus immer wieder neue Fähigkeiten hinzu. Beispielsweise können wir uns mit einem Eispickel an brüchigen Wandstellen festhalten, um dort Halt bei längeren Sprungeinlagen zu finden. All dies nutzt sich leider sehr schnell ab, da sich die repetitiven Aktionen viel zu oft wiederholen.

Actionreiches Kampfsystem mit fehlendem Feinschliff

Spannender sind da schon die Kämpfe in Replaced, denn mit Marsh respektive Reach müssen wir in den insgesamt zehn Kapiteln der Spielwelt nicht nur klettern und uns vor Drohnen verstecken, sondern uns auch mit gefährlichen Gegnern anlegen. Dies geschieht hauptsächlich im Nahkampf. Wir dreschen auf die Gegner ein, weichen feindlichen Angriffsmanövern aus und kontern im richtigen Augenblick. Mit der Zeit kommen auch hier neue Techniken hinzu: So können wir schon relativ früh im Spiel eine Schusswaffe verwenden, die jedoch genauso wie ein Schockwellenangriff erst durch gutes Kampfverhalten aufgeladen werden muss, sodass wir nie zu übermächtig sind. Die actionreichen Kämpfe lassen sich am ehesten mit dem Free-Flow-Kampfsystem wie in Batman: Arkham Origins vergleichen und laufen in der Theorie sehr flüssig. Ungeübte Spieler könnten aufgrund des hohen Tempos jedoch selbst auf der normalen Schwierigkeitsstufe Probleme kriegen, da die Animationen langsam ablaufen und nicht abgebrochen werden können. Reißen wir einem Gegner seine Schutzausrüstung vom Leib, kostet das Zeit. Inzwischen kann ein Scharfschütze aus der Entfernung auf uns zielen. Je nachdem kann das Zeitfenster, indem wir uns umdrehen und den Schuss ablenken oder diesem ausweichen müssen, spürbar zu klein sein. Hier fehlt es Replaced an etwa Feinschliff.

Dystopische und atmende Spielwelt

Um eine Chance gegen die gepanzerten, flinken oder aggressiven Gegner zu haben, die gerade im späteren Spielverlauf gut durchmischt sind, empfehlen wir stets die Augen offenzuhalten. Überall in der Spielwelt verstecken sich kleine Statusverbesserungen, durch die wir mehr Lebensenergie erhalten oder sich die Aufladezeit unserer Spezialfähigkeiten verringert. Darüber hinaus finden wir an allen Ecken und Enden der Spielwelt Dokumente oder Überbleibsel, die wir scannen dürfen. Selbst drei Arcade-Automatenspiele, die an Klassiker wie Frogger oder Space Invaders erinnern, können entdeckt und angegangen werden. Dies sorgt nicht nur für zusätzlichen Abwechslungsreichtum. Wir erhalten zudem ein viel besseres Bild von der dystopischen Welt, in der wir uns befinden. Inszenatorisch wartet diese mit einem schicken Grafikstil auf, der uns an das HD-2D-Design wie zuletzt in Dragon Quest I & II HD-2D Remake erinnert. An manchen Stellen können wir uns daher im Raum nach vorne oder hinten bewegen, was aber nur an bestimmten Punkten klappt. Hier und da ist auch nicht gleich ersichtlich, was wir eigentlich machen müssen. In unseren Augen ist dieser Umstand aber nur der Tropfen auf dem heißen Stein, denn trotz repetitiver Spielmechaniken wie dem Hacking-Minispiel und hakeligen Kämpfen mögen wir das dystopische Szenario des bis zum Schluss spannenden wie spielenswerten und mit grandioser Synthesizer-Musik unterlegten Replaced.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Replaced erzählt eine spannende Geschichte über eine dystopische Welt, in der Organhandel an der Tagesordnung steht. Philosophische Fragen über den Wert eines Menschenlebens werden hier aufgeworfen und lassen mich beim Spielen nicht mehr los. Gemischt mit einer retrofuturistischen Inszenierung des Jahres 1984 kommen Cyberpunk-Fans dank sammelbarer Hintergrunddokumente voll auf ihre Kosten. Spielerisch ist Replaced in meinen Augen jedoch eher mittelmäßig, denn einzelne Gameplay-Mechaniken wiederholen sich für meinen Geschmack zu schnell und zu oft. Es kommen zwar immer mal wieder neue Elemente hinzu, die sich dann aber auch gefühlt dutzende Male wiederholen, bis ich vor neue Herausforderungen gestellt werde. Ebenso sehe ich Verbesserungspotenzial bei den Kämpfen, denn der vor allem aus den Batman-Spielen der 2010er-Jahren bekannte Free-flow-Ansatz funktioniert zwar gut, ist aber aufgrund von Animationen, die nicht abgebrochen werden können, verbesserungswürdig. Hier fehlt der letzte Feinschliff. Auch die Rücksetzpunkte nach dem Tod der Spielfigur sind oft seltsam gesetzt. Anstatt mich direkt wieder in den Kampf zu werfen, muss ich häufig wieder Laufwege oder Kletterpassagen in Kauf nehmen. Grundsätzlich hätte das Action-Adventure ruhig halb so lang sein dürfen, denn mit ein wenig mehr Feingefühl bei den Kämpfen und einer Reduzierung des Gameplays auf das Nötigste hätte aus dem immer noch guten Replaced ein herausragendes Spiel werden können. So bleibt es aber immerhin noch ein spielenswerter Kandidat für alle Genrefans!

Vielen Dank an Thunderful Publishing für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Replaced!

Review: Todesstille

Die Weiten des Meeres können klaustrophobische Züge annehmen, wenn der einzige Bewegungsspielraum auf den wenigen Quadratmetern eines Schiffs existiert. Phillip Roger Noyces Thriller Todesstille aus dem Jahr 1989 fängt diese Thematik mit Angst und Schrecken ein.

Todesstille basiert auf der 1963 veröffentlichten Novelle Tödliche Flaute von Schriftsteller Charles Williams, die im Zuge der Verfilmung von Philip Noyce auch unter dem Filmtitel abermals erschienen ist. Dead Calm, wie das Werk im Original heißt, sollte jedoch bereits Ende der 1960er- beziehungsweise in den frühen 1970er-Jahren verfilmt werden. Niemand geringeres als Orson Welles hat sich bereiterklärt, die Novelle filmisch umzusetzen. Wie so oft mangelte es am Geld, denn Welles war es nicht möglich, den Film zu finanzieren. Als dann auch noch Laurence Harvey starb, der für die Rolle des Antagonisten vorgesehen war, wurden die Arbeiten am Projekt eingestellt. In den 1980er-Jahren sorgte der australische Regisseur Noyce dafür, dass Kennedy Miller Productions die Rechte am Buch erwarb – so stand der Verfilmung nichts mehr im Wege. 1987 wurde ein halbes Jahr lang an und vor der Ostküste Australiens gedreht. Herausgekommen ist ein in Teilen vorhersehbarer, aber nichtsdestotrotz von der ersten bis zur letzten Minute spannender Thriller um ein Ehepaar, das getrennt voneinander auf offener See ums Überleben kämpfen muss. Auch die Kritiken bezüglich des Settings und der gewählten Schauspieler waren durchaus zufriedenstellend. Todesstille gewann 1989 und 1990 verdient sogar ein paar australische und US-amerikanische Filmpreise.

Psychopath an Bord

Im Mittelpunkt des Films steht das Ehepaar Ingram, bestehend aus dem Marineoffizier John und seiner Frau Rae. Zu Beginn der Handlung wird der Zuschauer darüber in Kenntnis gesetzt, dass Rae einen Autounfall verursacht hat und dabei ihr kleiner Sohn lebensgefährlich verletzt wurde. Um das Trauma zu überwinden, entfliehen die beiden auf einer Yacht aufs offene Meer. Dort ist es, wie es der Titel des Films andeutet, unfassbar still. Es weht kein Wind und weit und breit ist nichts zu hören als das Wasser, das gegen das Boot platscht. Eines Tages machen sie jedoch eine folgenschwere Entdeckung. Ein Schoner scheint havariert zu sein. John gelingt es jedoch nicht, Funkkontakt zur Besatzung herzustellen. Plötzlich erkennen sie, dass auf einem Rettungsboot ein Mann heranrudert. Hughie Warriner, so der Name des unbekannten Mannes in Todesstille, schildert von einer Lebensmittelvergiftung und dass die ganze Crew dahingerafft wurde. Während er sich schlafend ausruht, will John seine Geschichte überprüfen und rudert zum Schoner hinüber. Dort erkennt er, was wirklich auf dem Schiff geschah. Noch während er den Rückweg antritt, erwacht Hughie aus seinen Träumen und sorgt dafür, dass John die Yacht nicht mehr erreichen kann. Noch dazu setzt er Rae außer Gefecht und entkommt in Richtung Sonnenuntergang – ein großartig inszenierter Auftakt.

Mörderische Spannung

Daraufhin spaltet sich Todesstille in zwei Handlungsstränge auf. Auf der einen Seite muss John den havarierten Schoner wieder auf Vordermann bringen, denn dieser ist im Begriff unterzugehen. Wasser abpumpen, den Motor anschmeißen und die Verfolgung aufnehmen – so lautet für ihn die Devise. Auf der anderen Seite ist Rae auf ihrer eigenen Yacht gefangen und sieht sich Hughie schutzlos ausgeliefert. Auch wenn es nicht sein Ziel ist, sie umzubringen, fürchtet sie sich vor dem Psychopathen. So kämpft auch sie ums Überleben, um rechtzeitig die Kontrolle über das Boot zurückzuerlangen und ihren Mann John zu retten. In den drei Hauptrollen zu sehen sind Nigel John Dermot „Sam“ Neill als John, William „Billy“ George Zane Junior als Hughie und Nicole Mary Kidman als Rae. Während Neill etwas blass bleibt, was mitunter der Situation geschuldet ist, dass er die meisten Szenen isoliert spielt, kann Zane als unberechenbarer Antagonist punkten. Herausragend gespielt ist Rae, denn Kidman gelingt es, eine wirklich starke Frauenfigur zu zeigen, die über den Schrecken auf der Yacht einfach triumphieren muss. Zwar sind nicht alle Entscheidungen der Charaktere nachvollziehbar, aber der klaustrophobische Rahmen wird dennoch bestens gefüllt. Albern ist höchstens der Abgang des Antagonisten von Todesstille. Das können sich auch echt nur Moralapostel ausdenken!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Todesstille ist Drama, Thriller, Kammerspiel und Katastrophenfilm in einem. Es ist eine Mischung, die zu meiner Überraschung auf ganzer Linie aufgeht. Ein großes Vorspiel braucht es nicht, denn in wenigen Szenen sind die Beweggründe, die zu dem Ausflug aufs offene Meer geführt haben, erklärt. So schnell diese im Film auf einmal vergessen sind, so sehr zieht der Film mit seinem hohen Tempo in den Bann. Sobald mit Hughie der Antagonist aufs Boot gelangt, geht alles ganz schnell. Aufgeteilt auf zwei voneinander unabhängige Handlungsbögen, die sich am Ende wieder vereinen, geht es dem Ehepaar Ingram ums nackte Überleben, dem Willen zum Leben und das Triumphieren über jedweden Schrecken. Der Zuschauer fiebert anderthalb Stunden bis zum Abspann mit, auch wenn nicht alle Entscheidungen der Charaktere logisch erscheinen mögen. Wären sie dies, so wäre der Film nach einer halben Stunde schon vorbei – und dann würde auch ein ansonsten absolut zufriedenstellender Thriller in der Filmlandschaft fehlen.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Todesstille!

Review: Transport Fever 2

Noch 2026 soll Transport Fever 3 erscheinen. Obwohl der zweite Serienteil bereits Ende 2019 veröffentlicht wurde, nutzen wir anlässlich des bevorstehenden Nachfolgers die Gelegenheit, die spaßige Aufbau- und Wirtschaftssimulation Transport Fever 2 Revue passieren zu lassen.

In Transport Fever 2 kümmern wir uns wie im ersten Serienteil darum, eine wirtschaftliche Infrastruktur zu schaffen, die sich voll und ganz um das Transportwesen dreht. Eine primäre Handlung gibt es in der Wirtschaftssimulation selbst innerhalb der Kampagne nicht. Im Kern erzählt das Spiel zwar ein paar kleine Geschichten, die sich aber mehr als Mittel zum Zweck entpuppen. Charmant geschildert sind aber immerhin ein paar Nebenaufgaben, in denen das Geschehen unter anderem auf der Ponderosa Ranch spielt. Fans der Westernserie Bonanza bekommen da genauso feuchte Augen wie Leser von Michael Andreas Helmuth Endes Kinderbüchern, wenn auf einmal die Rede von einem Lokomotivführer namens Lukas ist. Es braucht tatsächlich nicht mehr, um uns bei Laune zu halten, denn so fokussiert sich das Spiel aufs Wesentliche, anstatt uns mit mau inszenierten Geschichten zu langweilen. In der Kampagne bekommen wir es mit diversen Regionen auf dem Globus zu tun. Unter anderem transportieren wir Silber in den Vereinigten Staaten von Amerika, versorgen indonesische Städte mit Kaffee, kümmern uns um den Ausbau der transsibirischen Eisenbahn in Russland oder sorgen auf dem spanischen Eiland Mallorca dafür, dass mehr Touristen ins Land strömen. Nebenbei lernen wir die Bedienung von Transport Fever 2 anhand von Tutorials gut kennen.

Jede Wirtschaft braucht ihre Infrastruktur

Steigen wir hingegen ins freie Spiel ein, wählen wir zunächst eine von drei Klimazonen und entscheiden über die Kartengröße und deren Topografie. Anschließend wählen wir aus Asien, Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika noch die Region sowie das Startjahr von 1850 bis 2000 aus. Letzteres ist auch für das Spiel von besonderer Bedeutung, denn in früheren Epochen stehen uns nur langsame Transportmittel zur Verfügung. Es kann schon ein sehr großer Unterschied sein, ob wir Personen per Kutsche oder per Hochgeschwindigkeitszug von einem Ort zum anderen befördern. In Transport Fever 2 geht es allerdings nicht darum, jede Menge Fabriken zu erwerben und Waren zu produzieren. Ziel des Spiels ist eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen. So errichten wir neben bestimmten Industrieanlagen Bahnhöfe oder Umschlagplätze für Lastwagen, die automatisch die zu bewegenden Rohstoffe und Produkte zum Ziel bringen. Auch Personen wollen zur Arbeit oder ihrer nächsten Freizeitaktivität chauffiert werden. Also errichten wir zunächst die Gebäude und notfalls auch die Straßen- und Schienenanbindung, legen eine Linie zwischen den Haltestellen fest, schließen ein Fahrzeugdepot an, kaufen uns das gewünschte Vehikel und weisen es einer Linie zu. So und nicht anders verdienen wir in Transport Fever 2 unsere Brötchen – und das macht viel Spaß!

Faszinierendes Transportwesen

Gelegentlich müssen wir auch bestehende Strukturen verändern, indem wir Gebäude abreißen oder zusätzliche Gleise errichten, was ähnlich wie im später veröffentlichten Railway Empire 2 aus dem Jahr 2023 gut klappt. Teils ist es zwar eine fummelige Angelegenheit, wenn wir zu errichtenden Gebäude nervig über die Tastatur drehen müssen, aber trotz allem kommen wir immer ans Ziel. Wir finden es ebenfalls toll, dass wir Bahnhöfe modular erweitern können. Entscheiden wir uns im späteren Spielverlauf dazu, weitere Strecken zu erschließen, um andere Städte anfahren zu können, ist dies also möglich, sofern wir denn über die finanziellen Ressourcen verfügen. Grundsätzlich funktioniert Transport Fever 2 wie es soll, doch gerade Anfängern könnten hier und da Verständnisprobleme haben. Stehen an einer Haltestelle zu viele Personen herum, dürfte klar sein, dass weitere Transportmittel Abhilfe schaffen. Passiert hingegen an einer Stelle nichts, fehlt irgendetwas. Beispielsweise stieg in unserem Test niemand in einen Zug ein, was daran lag, dass der Bahnhof nicht per Bus zu erreichen war. Unschön ist in unseren Augen auch, dass die Architektur bis auf spezielle Gebäude wie Tempel überall auf der Welt nahezu gleich aussieht, was Atmosphäre kostet. Ansonsten stört es allerhöchstens, dass der Transport selbst auf der höchstens Spielgeschwindigkeit häufig sehr lange dauert. Wer ohnehin lieber gemütliche Spiele mag, wird Transport Fever 2 regelrecht verschlingen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Schon seit einigen Jahren wollte ich mir zumindest mal einen Serienteil der Transport-Fever-Reihe anschauen. Im Nachhinein kann ich gar nicht verstehen, warum ich so lange damit gewartet habe. Sicherlich ist Transport Fever 2 kein perfektes Spiel, aber es gelingt ihm, mich stundenlang an den Bildschirm zu fesseln. So verbessere ich peu à peu die Infrastruktur der jeweiligen Regionen und erwirtschafte Geld mit dem Transport von Gütern und Personen via Bus, Bahn, Schiff und Flugzeug. Das einzige, was mich hierbei stört, ist die sich schnell wiederholenden Spielmechaniken. Diese könnten weniger repetitiv ausfallen, denn eigentlich geht es eben nur darum, neue Linien einzurichten, die Orte miteinander zu verbinden und Fahrzeuge für den Transport auszuwählen. Verbesserungen für die Infrastruktur werden da schon fast nebenbei abgehakt. Persönlich stört es mich aber noch mehr, dass die Architektur der Gebäude überall auf der Welt fast gleich aussieht und nur Merkmale wie das Vorhandensein eines Tempels darauf schließen lassen, dass ich mich gerade in einem ganz anderen Land als im vorherigen Szenario befinde. Auch dass der Transport mir teilweise zu lange dauert und die Erklärungen innerhalb der Kampagne nicht immer ausreichend sind, ist mir ein Dorn im Auge. Lasst euch davon aber bitte nicht abschrecken, denn im Kern ist Transport Fever 2 eine unterhaltsame Wirtschaftssimulation, die euch über Wochen hinweg faszinieren kann, falls ihr euch auf sie einlassen wollt.

Vielen Danka an Good Shepherd Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Transport Fever 2!

Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 9)

Obwohl Fans des fünfjährigen Nohara Shinnosuke traditionell zwei Monate auf die nächste Volume der Veröffentlichungsreihe Crayon Shin-chan warten mussten, ging es diesmal schneller: Schon Ende Januar 2026 erschien die inzwischen neunte Ausgabe der Anime-Serie.

Mit Crayon Shin-chan hat der 2009 verstorbene Manga-Künstler Usui Yoshihito in den frühen 1990er-Jahren ein Phänomen geschaffen, das auch dreieinhalb Jahrzehnte später von Belang ist. Zumindest aus dem japanischen Fernsehprogramm ist die Anime-Umsetzung nicht mehr wegzudenken. Hierzulande war der Erfolg nur von kurzer Dauer, doch in den 2020er-Jahren scheint der titelgebende Störenfried wieder an Popularität zu gewinnen. Herausgeber Polyband Anime veröffentlicht die langlebige Serie seit Ende 2024 schrittweise auf DVD, wenn auch nur in der verstückelten Fassung, die Fans noch durch die Fernsehausstrahlungen im deutschsprachigen Raum kennen. Soll heißen, dass Intro und Outro nur bei der Alle-abspielen-Funktion einmalig eingefügt sind und die jeweils dreiteiligen Episoden aufgeteilt aus dem Episodenmenü heraus ausgewählt werden müssen. Inhaltlich tut dies der Anime-Serie jedoch keinen Abbruch, denn diese ist mit ihrem regelrecht irrwitzigen, teils pubertären und teils mit Wortwitzen gespickten Humor über alle Zweifel erhaben. Wer die Serie im linearen Fernsehen regelmäßig verfolgt hat, kommt auch um die DVD-Veröffentlichung nicht herum. Alle anderen sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen, denn Crayon Shin-chan kann mit der Zeit richtig ans Herz wachsen sowie zum Lachen und Fremdschämen bringen.

Satansbraten on Tour

Fans von Shinnosukes kleiner wie quirliger Schwester Himawari beziehungsweise Daisy, wie sie in der deutschen Übersetzung heißt, müssen allerdings stark sein. Durch die kreuz und quer geworfenen Episoden, die auf die nordamerikanische Fassung zurückgehen, taucht diese in den Episoden der neunten Volume lustigerweise gar nicht auf. Das geht sogar soweit, dass in einer Folge nur angedeutet wird, dass Misae beziehungsweise Mitsy schwanger ist. In einer anderen Episode ist sie bezüglich ihrer Periode längst überfällig, was sich jedoch als falscher Alarm entpuppt. Stattdessen liegt der Fokus in den enthaltenen Abenteuern stark auf der noch dreiköpfigen Familie Nohara. Beispielsweise besuchen Shin-chan, seine Mutter und auch sein Vater Hiroshi respektive Harry ein Museum. Dort lassen sich die drei Kunstbanausen über die Werke eines berühmten Künstlers aus, der zufälligerweise an jenem Tag auch im Museum zugegen ist und dadurch einen Wutanfall bekommt. In einer anderen Folge verirrt sich das Trio hingegen in einen Freizeitpark, der ans alte Japan angelehnt ist. Hier erleben sie sowohl die Annehmlichkeiten am Hofe des Shōguns als auch die soziale Kehrseite als verarmte Bauern. Auch ein Ausflug ins Bowlingcenter und ein Besuch im Streichelzoo stehen an der Tagesordnung – und wie könnte es auch anders sein, sorgt Shin-chan an allen Orten für Unruhe.

Absurditäten des Alltags

Egal ob Shinnosuke nun die mal wieder mit Zeichensprache kommunizierenden Verkäuferinnen in der Buchhandlung, die süße Zoowärterin oder die schrulligen Handwerker zu Hause aufmischt – alle bekommen ihr Fett weg und sind meist froh, wenn sie Shin-chan nicht mehr ertragen müssen. Neben den familiären Angelegenheiten gibt es aber auch ein paar Abenteuer, in denen Shinnosukes Freunde zum Dreh- und Angelpunkt werden. In einer Episode verliebt sich Shin-chans Freund Satō Masao (Max) in eine Mitschülerin, weshalb Shinnosuke einen Liebesbrief übergeben soll – nichtsahnend, dass die Geschichte für ihn ganz anders ausgehen wird. In einer anderen Folge spielen die Kinder hingegen das Spiel Vorschule in der Vorschule, wodurch sich ihre Rollen vertauscht haben. Auch ihre Lehrerin Yoshinaga Midori, in der deutschen Fassung Fräulein Dori, wird früher oder später in dieses Szenario hineingeworfen. All diese kleinen und kompakten Geschichten, die um die sechs Minuten lang sind und nur in Ausnahmefällen in den darauffolgenden Episoden aufeinander aufbauen, sind unfassbar lustig, da die Situationen allein schon vom Alter des Protagonisten absurd erscheinen. Die deutsche Übersetzung, in der beispielsweise Shin-chan eine Rassehündin aufgrund ihrer Frisur als „Wolfgang Petry für Arme“ bezeichnet, vervollständigt das humorvolle Gesamtbild.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Obwohl ich bei den ersten der enthaltenen Episoden dachte, dass es in der neunten Volume etwas gesitteter zugeht, wurde ich zwischendurch zum Glück immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich möchte hierbei nicht ins Detail gehen, aber Crayon Shin-chan entpuppt sich abermals als laut, frech, über die Strenge schlagend und nicht zuletzt absurd. Genau diese Kombination macht die Anime-Serie sehenswert. Ich komme beim Ansehen der in dieser Volume deutlich abwechslungsreichen Episoden nicht mehr aus dem Lachen heraus. Die deutsche Synchronisation setzt dem ganzen Spektakel das i-Tüpfelchen auf, da hier auf bekannte Persönlichkeiten des deutschsprachigen Raums oder etwaige Redewendungen Bezug genommen wird. Schade finde ich nur, dass der japanische Originalton abermals abwesend ist und die Serie nicht in der chronologischen Reihenfolge wie in Japan auf den DVDs veröffentlicht wird. Wem das jedoch egal ist, und das dürften wohl die meisten Crayon-Shin-chan-Fans sein, darf aber auch bei der neunten Ausgabe zuschlagen!

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 9)!

Review: Ys Memoire: The Oath in Felghana

Seit 1987 lässt sich die Ys-Reihe nicht unterkriegen. Bei aller Langlebigkeit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Entwickler der japanischen Rollenspielserie gelegentlich auf Remakes setzen. Ys Memoire: The Oath in Felghana krempelt den dritten Serienteil ordentlich um.

Ursprünglich im Jahr 1989 für japanische Heimcomputer veröffentlicht, trat das Rollenspiel Ys III: Wanderers from Ys daraufhin eine unaufhaltsame Reise auf etliche Computer- und Videospielsysteme an. Unter anderem erblickte der Titel auf der PC-Engine, dem Super Nintendo oder dem Sega Mega Drive das Licht der Welt. Im Jahr 2005 erreichte das Spiel schließlich auch moderne PC-Gefilde in Form eines Remakes. Ys Memoire: The Oath in Felghana scheint den Entwicklern besonders am Herzen zu liegen, denn anders ist es wohl kaum zu erklären, dass diese Version in der darauffolgenden Zeit auch noch für die PlayStation Portable, für die Nintendo Switch und im Mai 2024 schließlich auch für die PlayStation 5 veröffentlicht wurde. In Europa war es im Januar 2025 soweit. An der grundlegenden Prämisse hat sich in keiner der Versionen etwas geändert. Der um die Welt reisende Abenteurer Adol Christin erreicht mit seinem Kumpanen Dogi die Küste des Reiches Felghana. Zuvor haben sie von Händlern erfahren, dass es um Dogis Heimat schlecht bestellt ist. Plötzlich und unerwartet tauchen Monster im Land auf, der Erzhandel kommt zum Erliegen und die Moral der Bewohner der Stadt Redmont liegt am Boden. Mutig und selbstlos wie Adol ist, bietet er in Ys Memoire: The Oath in Felghana den Einheimischen selbstverständlich seine Hilfe an.

Schnelles Kampfsystem für Ungeduldige

Um dem titelgebenden Fluch in Felghana auf die Schliche zu kommen, müssen wir mit Adol in bester Dungeon-Crawl-Manier mehrere Schauplätze abgrasen. Zu Beginn nur mit Schwert und Schild bewaffnet, preschen wir im actionorientierten Echtzeitkampfsystem in die Gegnerhorden vor. Obwohl das im Grunde nichts weiter als Button Mashing ist, spielt sich auch das Remake des dritten Serienteils sehr flott. Das Spieltempo ist derart hoch, dass wir in Windeseile von einem Gegner zum nächsten flitzen. In späteren Spielabschnitten von Ys Memoire: The Oath in Felghana leisten die Gegner wie Riesenspinnen, mordlustige Schlingpflanzen, untote Krieger und Co zwar auch mehr Widerstand, doch wer mit der Zeit langsam, aber stetig lernt, Angriffen auch mal auszuweichen und das Zeitfenster zum Kontern auszunutzen, wird das Ausbremsen der Spielgeschwindigkeit gar nicht erst merken. Zudem erhalten wir im Verlauf des Spiels Zugriff auf drei verschiedene Armbänder, die uns den Einsatz von Magie ermöglichen. Dann können wir auch wunderbar aus der Ferne Feuerbälle schmettern, mit unserem Schwert Wirbelangriffe ausführen oder mit Karacho auf die Feinde losstürmen. In regelmäßigen Abständen erwarten uns darüber hinaus Bosskämpfe, die deutlich knackiger sind und je nach Übung auch mal drei oder vier Anläufe brauchen. Unfair sind sie aber eher nicht.

Spaßiges Erkunden der Spielwelt

Letzteres liegt daran, dass jedes Level-up in Ys: The Oath in Felghana spürbare Auswirkung auf unsere Angriffs- und Verteidigungswerte hat. Darüber hinaus können wir mit in Schatztruhen erbeuteten Erzen beim Schmied in Redmont unsere Ausrüstung härten, was uns einen zusätzlichen Bonus bringt. Zudem stellt sich in gewisser Weise ein Lerneffekt wie etwa in Demon’s Souls ein. Wir lernen die Bewegungsmuster schrittweise kennen und reagieren im richtigen Augenblick. Irgendwann wissen wir einfach, wann wir einem Drachen ins Schienbein treten oder fliegenden Schwertern ausweichen, noch bevor sie auf dem Bildschirm erscheinen. Hinzu kommt, dass es äußerst viel Spaß macht, die Areale wie eine dunkle Mine, eine altertümliche Tempelanlage oder verschneite Bergketten zu erkunden. Um kein Geheimnis zu verpassen, kehren wir später an bereits besuchte Orte zurück, um mit neuen Fähigkeiten wie einem Doppelsprung versteckte Pfade einzuschlagen. Technisch ist das Spiel inzwischen zwar arg veraltet, doch haben die knuffigen Charaktere und die teils isometrische Perspektive immer noch ihren Charme. Akustisch können wir je nach Nostalgie-Anflug zwischen einem modernen und zwei älteren Versionen des Soundtracks wechseln. Wem Ys: The Oath in Felghana zu langsam sein sollte, kann in den aktuellen Versionen des Titels auch die Spielgeschwindigkeit erhöhen – gerade für Grinding-Enthusiasten eine willkommene Wohltat!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Sonderlich viele Spiele der Ys-Reihe habe ich bislang noch nicht gespielt, doch wurde ich bislang bei keinem Serienteil so richtig enttäuscht. Gerade die hervorragende Spielbarkeit, das hohe Spieltempo, die befriedigenden Auseinandersetzungen mit kleineren Gegnern, die dafür umso nervenaufreibenderen Bosskämpfe und das motivierende Absuchen der Spielwelt nach Geheimnissen machen auch bei Ys Memoire: The Oath in Felghana wieder jede Menge Spaß. Zudem ist das Spiel mit einer Einmalspielzeit von circa zehn bis zwölf Stunden kurz und knackig und lässt sich daher wunderbar als Intermezzo genießen. Allerdings gerät dadurch die Story ein wenig in den Hintergrund. Diese geht zwar leicht über das Retten der Welt hinaus, bietet aber für mich keine sonderlich erinnerungswürdigen Elemente, über die ich noch in Jahren mit Genre-Freunden fachsimpeln würde. Dennoch kann ich das Spiel jedem Fan der Reihe empfehlen. Auch als Einstiegspunkt in die Reihe bietet sich der Titel aufgrund der kurzen Spielzeit wunderbar an.

Review: Ranma ½ – New Edition (Band 5)

Einmal mehr wurden Fans der Manga-Reihe Ranma ½ auf die Folter gespannt, denn im Jahr 2023 dauerte es bis zum Mai, bis die fünfte Ausgabe endlich in den Händlerregalen stand. Das Warten hat sich aber sehr wohl gelohnt, denn im fünften Band bricht regelrecht das Chaos aus – und bringt die einzelnen Charaktere in ungewöhnliche und unmögliche Situationen. Storytechnisch knüpft die Erzählung nahtlos an die bisherigen Geschehnisse an. Nach wie vor findet in der Furinkan-Oberschule eine Aufführung von Romeo und Julia statt, welche allerdings zunehmend frei interpretiert wird. Während Tendō Akane die Julia Capulet spielt, tauchen in der Rolle des Romeo Montague gleich mehrere Darsteller auf, die um die Gunst ihrer Schauspielkollegin buhlen. Allen voran Saotome Ranma und Kunō Tatewaki legen sich miteinander an, doch auch der alte Lüstling Happōsai gibt nicht auf, einen Kuss von Akane zu erhalten. In der Aufführung werden tatsächlich Küsse ausgetauscht. Wer hier allerdings wen küsst und ob dabei auch Gefühle im Spiel sind, sollte der Leser lieber selbst herausfinden. Definitiv gehört dieser Handlungsstrang mit zu den absurdesten wie humorvollsten Szenen, welche die Manga-Reihe von Takahashi Rumiko bislang zu bieten hat. Dennoch sorgen auch die vielen weiteren Geschichten im fünften Band der New Edition von Ranma ½ für ausufernde Lachanfälle.

Der Geruch von Okonomiyaki

Unter anderem kommt ans Tageslicht, dass Happōsai und Shanpūs Ugroßmutter Koron schon kennen. In jungen Jahren hat Happōsai wohl ein Familienerbstück entwendet, an dem magische Liebesperlen befestigt sind. Wer auch immer eine Perle verschluckt, verliebt sich sofort in die nächste Person des anderen biologischen Geschlechts, die er oder sie sieht. Auch gibt es im fünften Doppelband von Ranma ½ ein Wiedersehen mit Tatewakis Schwester Kodachi, die den Kampf um Ranmas Herz nicht aufgeben will und mit allen Mitteln versucht, ihn für sich zu gewinnen. Dass das Haus der Familie Kunō mit bösen Fallen und Überraschungen gespickt ist, wird wohl selbst der Leser nicht erahnen können. Am wichtigsten dürfte in dieser Ausgabe jedoch die Einführung eines neuen Charakters sein. Gemeint ist Kuonji Ukyō, die sich als Mann ausgibt und für ihr Leben gerne Okonomiyaki brät. Es soll nicht zu viel vorweggenommen werden, aber auch Ukyō hat eine gemeinsame Vergangenheit mit Ranma und seinem Vater Genma. Dies führt dazu, dass sich die zwischenmenschlichen Beziehungen ein weiteres Mal um ein Vielfaches verkomplizieren. Trotz allem ist im fünften Band der New Edition von Ranma ½ zu bemerken, dass sich Ranma und Akane gegenseitig nicht egal sind, auch wenn sie pausenlos miteinander streiten und nicht das Gespräch suchen. Es bleibt also spannend!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten korrigierten Auflage): Habe ich geglaubt, dass Takahashi Rumiko mit ihrem bisherigen Konzept in dieser Form weitermachen wird, überrascht mich die Manga-Zeichnerin von Ranma ½ diesmal mit eigenständigen Geschichten, die nicht direkt mit Wettkämpfen zu tun haben. Das ist nach den letzten Ausgaben wirklich erfrischend und steigert den Unterhaltungswert zunehmend. Sowohl die Aufführung von Romeo und Julia in der Furinkan-Oberschule als auch die zahlreichen Verstrickungen mit Kunō Kodachi sowie die Einführung von Kuonji Ukyō machen beim Lesen sehr viel Spaß. Gepaart sind die abstrusen Situationen einmal mehr mit sehr viel Humor, bei dem kein Auge trocken bleibt. Fragwürdig finde ich tatsächlich nur eine Stelle, an der Happōsai die Kunstfigur SpongeBob (Schwammkopf) erwähnt, die zur Zeit der Entstehung und ursprünglicher Laufzeit des Mangas überhaupt noch gar nicht existierte. Das schmälert ein klein wenig die sonst sehr dichte Atmosphäre. Trotzdem freue ich mich schon auf den nächsten Doppelband von Ranma ½!

Review: Your Forma (Vol. 2)

Nachdem Ende Februar 2026 die erste Ausgabe der Anime-Serie Your Forma veröffentlicht wurde, reichte Herausgeber Polyband Anime das zweite Episodenpaket im April 2026 nach. Dieses führt die Kriminalgeschichte mit Science-Fiction-Einschlag in gewohntem Maße fort.

Mareho Kikuishi dachte sich mit Your Forma ein Science-Fiction-Werk aus, welches seit 2021 als Light Novel erscheint. Nahezu parallel zur Light Novel wurde eine von Kisaragi Yoshinori gezeichnete Manga-Umsetzung in insgesamt drei Bänden veröffentlicht. Das Werk war in Japan ausreichend beliebt, sodass Mitte 2025 auch eine Anime-Serie im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Weniger als ein Jahr später war es auch im deutschsprachigen Raum so weit, dass Herausgeber Polyband Anime das Werk aus dem Hause Geno Studio in zwei Volumes in den Handel kam. Das Animationsstudio ist zudem kein unbekanntes, zeigt es sich auch für die ersten drei Staffeln von Golden Kamuy verantwortlich. Nachdem im Februar 2026 bereits die erste Volume in den Handel kam, dauerte es zwei Monate, bis Fans in den Genuss der zweiten Serienhälfte kommen konnten. Obwohl die erste Volume, die aus sechs Episoden besteht, nicht gänzlich als Einleitung in die durchaus leicht dystopisch gezeichnete Welt dient, erhält sie im Nachhinein diesen Eindruck. Das liegt daran, dass die zweite Ausgabe inhaltlich direkt an die Geschehnisse der letzten Episoden anknüpft und zudem die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren an der einen oder anderen Stelle arg vertieft. Wer die ersten Folgen von Your Forma verpasst hat, findet hier wohl keinen Einstieg.

Tragische Charakterentwicklungen

Mit gleich sieben Episoden fällt die zweite Serienhälfte ein wenig umfangreicher aus als das Debüt, was aber nicht der Casus knacksus ist. Nach wie vor muss der Zuschauer verschiedene Sachverhalte zusammen mit der Kriminalbeamtin Hieda Echika und ihrem Kollegen Harold Lucraft richtig zuordnen. Da die Serie weitestgehend recht ruhig und langsam verläuft, ist das auch in den sieben enthaltenen Episoden der zweiten Volume eine hartnäckige Angelegenheit, die nach wie vor Sitzfleisch abverlangt. Wer eine Episode oder gleich die ganze Serie deshalb noch einmal ansehen will, macht zum besseren Verständnis definitiv nichts falsch, zumal Your Forma motiviert, philosophische Fragen über künstliches Leben zu stellen. Angesiedelt im Jahr 2023 konzentriert sich die Serie einerseits auf den Werdegang von Hieda. Aufgrund des Ergebnisses einer psychologischen Untersuchung bleibt es ihr verwehrt, weiterhin in die Gedankenwelt anderer Menschen einzutauchen. Ihr Talent vergeudet sie jedoch nicht, denn sie ist weiterhin in der elektronischen Strafverfolgung tätig. Andererseits rückt in der Handlung Hiedas Kollege Lucraft, ein Androide, in den Mittelpunkt. Dieser scheint entgegen seiner Programmierung auf einmal Schusswaffen benutzen zu können. Somit bleibt es nicht zuletzt auch für den Zuschauer spannend, mehr über ihn und seine tragische Vergangenheit zu erfahren.

Fortführung ohne nennenswerte Besserungen

Nach wie vor schlägt Your Forma einen durchaus ähnlichen Weg wie die ausgeklügelte Anime-Serie Psycho-Pass ein. Sie ahmt jedoch nicht nach und verlässt die bekannten Pfade in der zweiten Serienhälfte, wodurch zwar das eigentliche Setting ein wenig abgeschwächt wird, die Story aber an Eigenständigkeit gewinnt. Die titelgebende Technologie verkommt damit ebenso zur Randerscheinung und lässt Platz für die Charakterentwicklung. Sonderlich schlimm ist das aber nicht, denn die visuelle Umsetzung bleibt in der ersten wie in der zweiten Volume hinter den Erwartungen zurück. So hat die Anime-Serie gegenüber vergleichbaren Werken in vielen Fällen das Nachsehen, denn durch die eher leeren und oft blass gestalteten Umgebungen fehlt es an einprägsamen Handlungsorten, an denen die Spannung richtig aufdrehen kann. Trotzdem wird die Story zu einem angenehmen Ende geführt, das zudem nicht zwingend nach einer zweiten Staffel schreit. Am technischen Grundgerüst wird darüber hinaus an keiner Stelle gerüttelt. Sowohl das Bildformat 1,78:1 als auch das Tonformat DTS-HD 2.0 bleiben zur Bewahrung der Kontinuität unangetastet. Im Gegensatz zum ersten Episodenpaket bietet die zweite Volume jedoch fünf kurze Szenen im Chibi-Look, ein paar Werbeclips für Your Forma und einen fünfzehnminütigen Audioprolog. Physisch liegt der limitierten Ausgabe zudem ein Faltposter bei, welches dasselbe Bild wie das Cover schmückt. Nett, aber auch nicht mehr.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Your Forma verspielt in meinen Augen in der zweiten Serienhälfte reichlich Potenzial. So setzt die Anime-Serie mit dem Eintauchen in die Erinnerungen und Gedanken von Tätern auf ein spannendes Konzept, das aber auch in den Episoden der zweiten Volume nicht wirklich zur Geltung kommt. Auch an der audiovisuellen Umsetzung dürfen von Your Forma keine großen Sprünge erwartet werden, denn hier bleibt alles beim Alten. Statt kräftigen Farben bleibt das Geschehen blass und für meinen Geschmack sogar etwas zu trist, ohne dass es das Szenario oder das Setting aufwerten würde. Lediglich in puncto Charakterentwicklung, die mit der einen oder anderen überraschenden Wendung aufwartet, glänzt die Serie. Wer Science-Fiction und Kriminalgeschichten mag und die verpassten Chancen ignorieren kann, darf bei Your Forma gerne einen Blick riskieren.

Vielen Dank an Polyband Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Your Forma (Vol. 2)!

Kolumne: Late to the Party #10: Assassin’s Creed: Syndicate

Am 23. Oktober 2015 erschien fast ein Jahr nach dem letzten Serienteil mit Assassin’s Creed: Syndicate für die PlayStation 4, die Xbox One und den PC die Episode des Franchises, welche für mehr als acht Jahre letztmals das klassische Gameplay bot – damals ahnte das keiner.

Ende des Jahres 2015 hatten selbst die größten Fans die Schnauze voll von der Eintönigkeit, welche Ubisoft Jahr ein, Jahr aus den Spielern serviert hat. So habe ich erst kürzlich von einem treuen Serienanhänger gehört, dass er damals so übersättigt von Assassin’s Creed war, dass er Syndicate nicht lange gespielt und sogar abgebrochen hat. Eine solche Anekdote hat mich doch tatsächlich verwundert, nachdem ich das Spiel zu dem Zeitpunkt bereits fast beendet hatte, doch dazu gleich mehr. Selbst habe ich an diese Zeit leider nur wenige Erinnerungen. Nachdem Radio Television Luxemburg, der Fernsehsender mit den drei bösen Buchstaben, im Jahr 2011 über die Gamescom berichtet und Videospieler als stinkende Lumpen unglücklich oder vielleicht doch gezielt beschrieben hat, wandelte sich die voreingenommene Berichterstattung in den folgenden Jahren. Videospiele waren auf einmal gesellschaftlich wesentlich akzeptierter, auch wenn ich immer noch verbohrte Menschen kenne, die einem diesen Spaß nicht gönnen wollen. Ab mit euch in die stille Ecke, konsumiert doch lieber weiter unnütze RTL-Formate! Dunkel kann ich mich an Fernsehbeiträge erinnern, in denen Trailer- oder Gameplay-Material von Assassin’s Creed: Syndicate über die Mattscheibe flimmerten – in Bezug zur Gamescom 2015. Dort habe ich mich nicht mit dem Spiel befasst, doch wenigstens hat Kollege Axel in seinem Sony-Beitrag kurz, knackig und positiv darüber berichtet.

Größenwahn im viktorianischen England

Hätte ich Assassin’s Creed: Syndicate damals gespielt, wäre ich sicherlich aus dem Häuschen gewesen. Tatsächlich hatte ich seit Langem das erste Mal wieder so etwas wie Spaß mit der Reihe, was nicht nur am viktorianischen Setting liegt. Auf dieses möchte ich aber zuerst eingehen. Angesiedelt ist das Spiel in den 1860er-Jahren in London. Erstmals schlüpfe ich in die Rolle von zwei Charakteren, die ich größtenteils nach Lust und Laune abwechselnd spielen darf: Jacob und Evie Frye. Die Zwillinge kommen in die Hauptstadt Englands, um dem kriminellen Großindustriellen Crawford Starrick das Handwerk zu legen. Dieser ist auf der Suche nach einem Edensplitter, der ihm unfassbare Macht beziehungsweise Unsterblichkeit verleiht. So ist das eben mit Größenwahnsinnigen der Marke Donald John Trump! Ich kann jedoch nicht einfach mit dem Haudrauf Jacob oder der wendigen wie diplomatischen Evie in sein Haus spazieren und ihm die Birne einschlagen. Stattdessen muss ich mühselig über konsekutive Kapitel seine Handlanger besiegen und ihm erst die Geschäfte ruinieren. Mit der Logik hat es die Reihe ja nie so gehabt. Die jahrelange Inspirationslosigkeit der Autoren ist in Assassin’s Creed: Syndicate einfach mehr nicht auszuhalten. Nichtsdestotrotz habe ich fleißig alle im Spiel enthaltenen Aufgaben abgearbeitet, denn im Gegensatz zur Story macht der Titel in puncto Gameplay eine derart gute Figur, dass er bis dato mein Lieblingsteil geworden ist.

Temporeiches Gameplay

Endlich muss ich nicht mehr mühselig die Häuserfassaden erstürmen. Stattdessen kann ich im Spiel einen Seilwerfer verwenden, mit dem ich in zwei bis drei Sekunden zwischen fünf und sechs Stockwerke im Nu erklimmen kann. Ebenfalls muss ich nicht etliche Kilometer zu Fuß durch die Londoner Innenstadt laufen – ich kann ganz im Stile von Grand Theft Auto eine Kutsche stibitzen und durch die Straßen düsen und sogar driften! Fortbewegung ist das A und O in Assassin’s Creed: Syndicate. So spare ich wertvolle Lebenszeit, in der ich mich nicht über das Spiel, seine ideenlose Story oder seine stumpfen Figuren aufregen muss. Gerade was die einzelnen Missionen im Spiel angeht, könnte ich im Sekundentakt ausrasten. Da lerne ich schon spannende historische Figuren wie zum Beispiel den Naturforscher Charles Robert Darwin, die Schriftsteller Charles John Huffam Dickens und Arthur Ignatius Conan Doyle und nicht zuletzt ihre Majestät, Königin Victoria, kennen, und dann inszenieren die Entwickler von Ubisoft Québec das alles so einfallslos. The Queen is not amused! Da liegt doch so viel Potenzial auf der Straße und die Entwickler heben nicht einmal ein Staubkorn davon auf. Ich kann schon gut verstehen, warum das den Leuten keinen Spaß macht. Tut es mir ja auch nicht, aber das Gameplay ist immerhin besser als noch in Assassin’s Creed: Unity. Das hat mich sogar dazu verleitet, mir im Sale den Season Pass zuzulegen, um noch mehr zu meucheln.

Der Ripper hat wieder zugeschlagen

Von einem Großteil der Download-Inhalte möchte ich jedoch abraten, denn die meisten Missionen sind langweilig und thematisieren nur das Leben der blassen Nebencharaktere, denen ich irgendwann gar nicht mehr zuhöre. Um es einmal mit den Worten von Sebastian Kurz zu sagen: „Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich halte das alles nicht mehr aus!“ Auch der permanente Erfahrungspunkte-Bonus, den ich im Season Pass von Assassin’s Creed: Syndicate obendrein erhalte, ergibt für mich keinen Sinn. Bereits im ersten Drittel des Spiels erhalte ich derart viel Erfahrung, dass ich früh alle Fähigkeiten für Evie und Jacob freischalten kann. Lediglich die Download-Erweiterung um Jack the Ripper, die zwanzig Jahre später aus der Sicht einer gealterten Evie erzählt wird, ist für einen Ripperstreet-Fan wie mich durchaus einen Blick wert. Hier kommt eine weitere Spielmechanik hinzu, durch welche ich mit der Angst der Gegner spielen und sie regelrecht in Panik versetzen kann, indem ich Dämpfe aus Angstbomben entfessle oder Gegner auf den Boden nagle. Warum Evie das tun sollte, leuchtet mir zwar nicht ein, aber es macht die Auseinandersetzungen mit den Gegnern abwechslungsreicher. Schade ist aber, dass diese Kampagne vollkommen losgelöst vom Hauptspiel ist. Ich hätte es super gefunden, wenn ich diese neuen Möglichkeiten auch im eigentlichen Spiel hätte ausschöpfen können. Das Mysterium um Jack the Ripper wird zwar nur halbgar aufgelöst, verleiht der übergreifenden Serienhandlung aber zumindest einen neuen Anstrich.

Zurück in die Zukunft – oder doch nicht?

Apropos übergreifende Handlung: Die Autoren von Assassin’s Creed: Syndicate – entschuldigt bitte den Ausdruck –, scheißen einmal mehr auf die Gegenwartshandlung und fahren dieselbe Schiene weiter, die Assassin’s Creed: Unity begonnen hat. Mit dem Ende von Assassin’s Creed III haben sich die Autoren derart selbst in die Ecke gedrängt, dass mein Herz für die eigentliche Story nur noch bluten kann. Es gibt keine spielbaren Gegenwartsszenen mehr. Stattdessen gibt es Rebecca Crane, Shaun Hastings und ein paar weitere Figuren in ein paar Videosequenzen zu sehen und zu hören, denn auch hier wird nach dem Edensplitter gesucht, den Starrick in den 1860er-Jahren so sehr begehrt hat. Viele dieser Szenen sind aus der Sicht von Video- oder Drohnenkameras eingefangen, extra verwackelt und im Endeffekt unübersichtlich und wirr. Ich hoffe sehr, dass die Reihe in diesem Punkt noch einmal die Kurve bekommt und sich den Konsequenzen nochmals bewusst wird, die mit dem nummeriert dritten Teil aufgekommen sind. Warum es übrigens auch eine Dekade nach dem Release noch Bugs wie verschwundene Bildschirmanzeigen, unsichtbare Charaktere in Zwischensequenzen oder sogar fehlende Interaktionssymbole gibt, ist mir schleierhaft. Dafür ist das Spiel seit Ende 2024 für die PlayStation 5 und die Xbox Series X mit sechzig Bildern endlich flüssig spielbar. So zündet bei mir immerhin das Gameplay von Assassin’s Creed: Syndicate wie es soll!

Geschrieben von Eric Ebelt

Review: The Rule of Jenny Pen

Regisseur James Ashcroft ist als Macher von vollwertigen Filmen noch gar nicht so lange im Geschäft. Nachdem er mit dem 2021 veröffentlichten Coming Home in the Dark seinen Einstand als Filmregisseur feierte, folgte 2024 mit The Rule of Jenny Pen der nächste Streich.

Dem 1978 geborenen Neuseeländer ist es kaum anzumerken, dass es sich bei The Rule of Jenny Pen tatsächlich erst um sein zweites großes Filmprojekt handelt. Zusammen mit Eli Kent hat Ashcroft einen Film zusammengeschrieben, den es in dieser Form zuvor noch nicht gab. Ein abstoßender Antagonist und ein unverbrauchtes Setting sorgen trotz abscheuerregender Inhalte dafür, dass der Zuschauer angehalten wird, die Handlung bis zur letzten Minute auszukosten. Inhaltlich dreht sich der Film um den ehemaligen Richter Stefan Mortensen, der nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim untergebracht wurde. Da er wohl wie die meisten Bewohner die Hoffnung hegt, nicht sehr viel Zeit in der Einrichtung verbringen zu müssen, muss der gealterte wie geschwächte Protagonist der Realität ins Auge sehen. Vermutlich handelt es sich bei seinem neuen Zuhause um die Endstation in seinem Leben. Durch seine komatösen oder verwirrten Mitbewohner geprägt, möchte er in der Gruppe auch keinen Anschluss finden. Selbst seinen Zimmergenossen, den früheren Rugbyspieler Tony Garfield, will er nicht näher kennenlernen. Er zieht sich in sein Schneckenhaus zurück. In der Nacht macht er jedoch Bekanntschaft mit dem unsympathischen Dave Crealy und dessen Handpuppe Jenny Pen, welche die Bewohner des Altenstifts Nacht für Nacht aufs Schlimmste terrorisieren.

Terrorherrschaft im Pflegeheim

Was zunächst nach einem gestörten Verhaltensmuster von Dave aussieht, entpuppt sich mit der Zeit als bitterer Ernst. The Rule of Jenny Pen dreht sich um das Ausspielen von Macht über Schwächere. Es ist Mobbing auf hohem Niveau, das sich immer weiter steigert und zuweilen in schlimmeren Straftaten wie Vergewaltigung und sogar mehrfachen Mord gipfelt. Dave ist gefährlich, unberechenbar und hinterhältig. Wer sich weigert, anzuerkennen, dass Jenny Pen die Regeln aufstellt, macht er auf jede erdenkliche Art und Weise fertig, bis er oder sie seiner Handpuppe gehorcht. Da Stefan jedoch jahrelang als Richter gearbeitet hat, lässt er sich lange Zeit nicht vom Antagonisten einschüchtern und setzt sich sogar zur Wehr, was Daves Zorn auf ihn zieht. Noch dazu wird im Altenheim von der Belegschaft alles heruntergespielt. Stefan wird kein Glauben geschenkt, zumal auch Tony aus Angst die Wahrheit für sich behält. Es ist wahrlich ein ungutes Gefühl, welches den Zuschauer die ganzen 104 Minuten begleitet. Die Taten, zu denen Dave fähig ist, versetzen dem Zuschauer wahrhaftig einen Schlag in die Magengrube, der sich nachhaltig mulmig anfühlt – selbst nach dem Abspann. Damit verleiht Ashcroft seinem Werk eine sozialkritische Note. Es ist schlimm, dass Unrecht geschieht – und noch schlimmer, dass dem Opfer in der Sache kein Glauben geschenkt wird.

Drama voller Abscheulichkeiten

Nicht unschuldig daran, dass der Film so düster wirkt, sind auch die drei Hauptdarsteller. So spielt allen voran John Arthur Lithgow seinen Dave mit absolut abartiger Brillanz, die sich der Schauspieler im Vorfeld selbst nicht zugetraut hätte. Auch George Winiata Henare, dem als Tony die Angst vor Dave ins Gesicht geschrieben steht, überzeugt auf ganzer Linie. Ebenso ist der unter anderem aus Der Flucht der Karibik bekannte Geoffrey Roy Rush zu erwähnen, der den Schlaganfallpatienten nachvollziehbar inszeniert. Wer mehr über die Hintergründe der Produktion und zu den Schauspielern und ihre Motivation erfahren will, wirft einen Blick in das gelungene Bonusmaterial, das über eine weitere Dreiviertelstunde den wissbegierigen Filmfan begeistert. Inszenatorisch kann der Film gleich mehrfach als Horrorfilm punkten, denn sowohl der Antagonist und seine Abscheulichkeiten können überzeugen, als auch die Hilflosigkeit des Protagonisten und nicht zuletzt das Altersheim als mögliche letzte Station im Leben. Hier kommt auch der passende Soundtrack, der mit gestellter Fröhlichkeit den düsteren Alltag der Altenheimbewohner kaschiert. The Rule of Jenny Pen entwickelt sich im Verlauf des Films mehr und mehr zu einem Drama, das den Zuschauer nicht mehr loslässt. Selbst nach dem Abspann bleibt das Werk von Ashcroft weiterhin in prägender Erinnerung.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): The Rule of Jenny Pen ist ein Drama, das aufgrund seines ungewöhnlichen Settings und des von bösen Gedanken getriebenen Antagonisten über die gesamte Laufzeit nicht loslässt. Obwohl Mobbing eher an Handlungsorten wie einer Schule oder am Arbeitsplatz vermutet wird, transferiert Regisseur James Ashcroft die Tatsache in ein Pflegeheim. Hier terrorisiert Dave Crealy mit seiner Handpuppe Jenny Pen Nacht für Nacht mit Erfolg seine Mitmenschen. Auch den Neuzugang Stefan Mortensen will er brechen, doch als das nicht gelingt, macht es die Sache für alle Beteiligten und Unbeteiligten nur noch schlimmer. Selbst vor Mord und Vergewaltigung macht Dave keinen Halt mehr. Das ist bedrückend und beängstigend zugleich. Selbst Dave-Darsteller John Lithgow hatte Probleme damit, seine Rolle anzugehen. Am Ende ist es ihm aber genauso gelungen wie seinen Kollegen Geoffrey Rush und George Henare. Auch wenn der Film zuweilen ein paar kleinere Längen aufweist, sollte über diese einfach hinweggesehen werden. Das Horror-Drama spricht sozialkritische Themen an, die häufig viel zu kurz kommen. So hält The Rule of Jenny Pen der Gesellschaft einen Spiegel vor, was sich niemand entgehen lassen sollte.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Rule of Jenny Pen!

Review: Rayman (30th Anniversary Edition)

Im September 2025 feierte die Videospielfigur Rayman ihren inzwischen dreißigsten Geburtstag. Zu diesem Anlass veröffentlichte Herausgeber Ubisoft mit leichter Verspätung die 30th Anniversary Edition. Diese enthält einen Großteil aller Spielversionen des Titels.

Zwischen 1995 und 2016 erschien der Platformer Rayman in insgesamt neun verschiedenen Ausgaben. Diese sind leider nicht allesamt in der im Februar 2026 veröffentlichten Jubiläumsausgabe enthalten, doch bietet diese immerhin einen guten Überblick in den Klassiker und seine Iterationen. Im Seriendebüt aus dem Jahr 1995, das zunächst für die PlayStation und den Atari Jaguar veröffentlicht wurde, wird Raymans Heimatplanet vom großen Protoon beschützt. Dieser wird jedoch vom Antagonisten, dem ominösen Mister Dark, entwendet. Dies führt dazu, dass sich die Electoons auf dem Planeten verteilen, wodurch die Harmonie gestört wird. Da es auch der friedliebenden Fee Betilla nicht gelingt, die Ordnung auf dem Planeten wiederherzustellen und Mister Dark in die Schranken zu weisen, lastet die letzte Hoffnung auf dem noch ungeschriebenen Blatt Rayman. Blöderweise hat dieser weder Arme noch Beine, aber immerhin Hände und Füße. Bis auf über Abgründe und Gegner springen hat er jedoch keine Qualifikationen vorzuweisen. Das macht aber nichts, denn wenn wir mutig genug sind, uns mit ihm ins Abenteuer zu stürzen, treffen wir regelmäßig auf Betilla, welche Rayman neue Fähigkeiten verleiht. Damit wird der Platformer peu à peu einfallsreicher und abwechslungsreicher. Nicht zuletzt entpuppt sich Rayman durchaus als Herausforderung.

Herausfordernder Klassiker

Gespielt wird Rayman durchweg aus der zweidimensionalen Seitenperspektive. Wir hüpfen über Abgründe, klettern an Ranken und instrumentalisieren nicht zuletzt unsere Hände, um zuzuschlagen. Entweder räumen wir so mit ein paar gezielten Treffern die Gegner aus dem Weg oder wir hauen Früchte von Bäumen, die wir anschließend als Sprungplattform oder als Floß im Wasser missbrauchen können. So arbeiten wir uns schrittweise durch die Levels und werden durch neu erlangte Fähigkeiten ebenfalls dazu ermuntert, bereits besuchte Spielabschnitte erneut zu besuchen. Darüber hinaus orientiert sich Rayman stark an den damals dominierenden Genreklassikern wie Super Mario World oder Sonic the Hedgehog. Soll heißen, dass wir im Spiel durch das Sammeln von einhundert blauen Kugeln ein Leben dazu erhalten. Verlieren wir jeden unserer Lebenspunkte, können wir auch schon mal ein Leben verlieren, was im schlimmsten Fall zum Game Over führen kann. Alle paar Levels bekommen wir es auch mit Bossgegnern zu tun, die genauso wie verschiedene Areale durchaus herausfordernd sind und mehrere Anläufe brauchen. Wem das zu stressig ist, kann auch die Rückspulfunktion nutzen. Ist auch das zu nervig, können bei der enthaltenen PlayStation- und der PC-Version per Cheat beispielsweise unendliche Leben oder alle Levels direkt freigeschaltet werden.

Gut dokumentierte Jubiläumsausgabe

Ebenfalls in der 30th Anniversary Edition enthalten ist auch die Game-Boy-Advance-Version von Rayman, die 2001 auf den Markt kam. Bei dieser ist der Bildschirmausschnitt jedoch viel zu klein beziehungsweise Raymans Charaktermodell viel zu groß, sodass schnell der Überblick flöten geht. Auch der Sound ist in dieser Version nicht der allerbeste, weshalb wir klar zu den anderen Versionen raten. Die Game-Boy-Color-Fassung ist in technischer Hinsicht zwar den anderen Ausgaben unterlegen, ist dafür jedoch eine eigenständige Spielumsetzung, die sich in puncto Leveldesign stark vom Rest unterscheidet. Selbiges betrifft auch die spielbare, aber unfertige Super-Nintendo-Version, die niemals veröffentlicht wurde. Diese ist definitiv ein interessanter Schmankerl und dürfte für Fans des Klassikers wohl ein Kaufgrund für die Jubiläumsausgabe sein. Ähnlich wie bei der 20th Anniversary Edition von Beyond Good & Evil hat es sich Ubisoft nicht nehmen lassen, die wichtigsten der an der Produktion beteiligten Akteure zusammenzutrommeln und eine tolle Dokumentation auf die Beine zu stellen. Diese umfasst zahlreiche Konzeptzeichnungen, aus dem Französischen ins Deutsche übersetzte Scripts und nicht zuletzt Videos, in denen unter anderem auch Rayman-Schöpfer Michel Ancel zu Wort kommt. Auch wenn Rayman nicht so wegweisend wie andere Genrevertreter war, begründete das Spiel dennoch ein auch drei Jahrzehnte später noch lebendiges Franchise.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Vermutlich werde ich nie der allergrößte Fan von Rayman werden, denn obwohl ich das Spiel bereits bei seiner Erstveröffentlichung gespielt habe, bin ich nicht unbedingt ein großer Freund davon, wie sich das Spiel zusammensetzt. So verfügt das Spiel weder über eine anständige Lernkurve, noch sind Platzierungen von Gegnern, Abgründen oder anderen Levelarchitekturelementen stets sinnvoll. Das Spiel macht mir, zumindest in seiner PlayStation- oder PC-Umsetzung, dennoch Spaß, wenn auch nicht so viel wie die Konkurrenz. Super finde ich hingegen, dass ich den Titel gleich in mehreren Spielversionen ausprobieren und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausgaben erforschen kann. Die Dokumentation ist darüber hinaus über alle Zweifel erhaben. Sie gibt einen guten Einblick in die damalige Entwicklerszene sowie in die Produktion des Spiels, was für jedweden Interessenten an der europäischen Videospielgeschichte spannend sein dürfte. Wem es also nicht nur ums Spielen geht, sondern auch noch etwas dazu lernen oder in Erinnerungen schwelgen will, kommt hier richtig auf seine Kosten.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rayman (30th Anniversary Edition)!

Review: Shadow Chase: Im Netz der Diebe

Seit den 1960er-Jahren ist Martial-Arts-Legende Jackie Chan in der chinesischen Filmwelt aktiv – und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Im als Kriminalfilm und Thriller ausgelegten Shadow Chase: Im Netz der Diebe ist Chan als gewiefter polizeilicher Ermittler zu sehen.

Schauspieler aus dem ostasiatischen Raum, die vor allem für ihre Martial-Arts-Szenen bekannt sind, haben mit zunehmendem Alter das Problem, die von ihnen erwarteten Leistungen vollumfänglich auszuführen. Obwohl sich die Kampfszenen in Shadow Chase: Im Netz der Diebe, in denen Jackie Chan eingreift, sich an einer Hand abzählen lassen, ist es erstaunlich, wie fit und beweglich der bei Drehbeginn siebzigjährige Künstler noch war. Sämtliche Situationen, in denen Arm- und Beinkraft notwendig wurden, hat Chan selbst inszeniert. Vor diesen Szenen kann sich der geneigte Zuschauer nur verbeugen. Für den Rest des Films ist dies aber nicht unbedingt gänzlich der Fall, denn obwohl dieser mit seiner grundlegenden Story-Idee und zahlreichen Actionsequenzen durchaus zu überzeugen weiß, verliert der Streifen mit zunehmender Laufzeit an Biss. Vielleicht sind 142 Minuten für Diebstahl, Ermittlungsarbeit, Familiendrama, Ballereien und Explosionen etwas zu viel und womöglich auch zu bunt. Zuweilen wirkt der Film so, als sei er mit Inhalten nur so vollgestopft worden, um den Zuschauer möglichst lange seiner Freizeit zu berauben. Dabei ist gerade die erste Filmhälfte von Shadow Chase: Im Netz der Diebe richtig spannend inszeniert, durchaus gut geschrieben und mit ein paar herzerwärmenden Szenen genauso wie mit einem gesunden Actionanteil austariert.

Packende erste Filmhälfte

Regisseur und Drehbuchautor Yáng Zǐ, außerhalb Chinas wohl besser bekannt unter seinem englischen Pseudonym Larry Yang, hat durchaus Fingerspitzengefühl bewiesen, wie er die Handlung filmisch umsetzt. Zumindest für die erste Filmhälfte ist dies der Fall. Hier werden die Fronten geklärt und die Figuren porträtiert. Angesiedelt im Macau des Jahres 2025 stehen den Gesetzeshütern hocheffiziente Kamerasysteme und selbstverständlich auch künstliche Intelligenz bei der Verbrecherjagd zur Verfügung. Als bei einem Raub mit einem neunstelligen Betrag diese offenbar hochintelligenten Systeme versagen, muss die Polizei mit Huáng Dézhōng einen Ermittler aus dem Ruhestand zurückholen, der Jagd auf die Verbrecher macht. Ihm wird schnell klar, dass hinter dem Kopf der ominösen Diebesbande ein gewisser Shadow steckt, der bereits in den 1990er-Jahren aktiv war, dann aber von der Bildfläche verschwand. Huáng beginnt damit, ein Team von Polizisten zusammenzustellen, die Shadow finden und observieren sollen. Darunter fällt auch seine Nichte Hé Qiūguǒ, die mit ihrem Onkel aufgrund des von diesem verschuldeten Tod ihres Vaters nichts mehr zu tun haben will. Während sich die beiden mit der Zeit zusammenraufen, arbeiten Shadow und sein Team daran, nicht aufzufliegen und verdeckt zu bleiben, doch dann versucht das Team seinen Chef loszuwerden.

Mit Action durchzogene zweite Hälfte

Kaum sind jedoch die Masken in Shadow Chase: Im Netz der Diebe gefallen, verliert auch die bis dahin spannende Story an Zugkraft. Auf einmal nimmt der Actionanteil bis zum Finale exponentiell zu. Sowohl Huáng als auch sein Gegenspieler Shadow verlieren sich in zahlreichen Schlägereien mit der Gegenseite und Feinden aus den eigenen Reihen. Diese Szenen sind zudem so lapidar schnell geschnitten, sodass der Zuschauer kaum hinterherkommt und ihm irgendwann sogar egal ist, wer mit wem und warum überhaupt kämpft. Hier hätte sehr viel gekürzt oder zumindest besser geschnitten werden können. Der Soundtrack aus der Feder des französischen Komponisten Nicolas Errèra geht derweil in Ordnung und hält den Adrenalinspiegel in der zweiten Filmhälfte oben. Auch die Schauspieler, allen voran Jacke Chan als Huáng und Schauspiellegende Liáng Jiāhuī respektive Tony Leung als Shadow mimen ihre Rollen großartig. Ebenfalls überzeugend ist Zhāng Zǐfēng als Hé. Darüber hinaus wird der Film für Jackie-Chan-Fans des deutschsprachigen Raums auf alle Zeit einen melancholischen Nachgeschmack beibehalten, denn Chans Stammsynchronsprecher seit Mitte der 1990er-Jahre, Stefan Gossler, verstarb am 19. Januar 2026, womit Shadow Chase: Im Netz der Diebe leider der letzte Film ist, in dem Gossler Chan seine absolut charismatische Stimme lieh.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Jackie Chan hat in den letzten Jahren für mich immer mehr an Zugkraft verloren, konnten die meisten seiner Filme bei mir nicht so viel Anklang finden. Ich mag mehr die Filme der 1980er- und 1990er-Jahre mit ihm. Trotzdem ist es immer wieder ein kleines Erlebnis für mich, den inzwischen gealterten Chan in neuen Filmen erleben zu können. Shadow Chase: Im Netz der Diebe fängt für meinen Geschmack auch sehr stark an. Der Film setzt in der ersten Hälfte genau die richtigen Töne, stellt Charaktere und Handlungsorte vor und erklärt die Ausgangslage verständlich. Danach verliert sich der Film für meinen Geschmack aber viel zu sehr in hastig geschnittenen Actionszenen, bei denen zuweilen wild durcheinander geworfene Kämpfe an zwei Handlungsorten überlappend gezeigt werden, wodurch der eine oder andere Zuschauer sicher ganz kirre wird. Regisseur Yáng Zǐ gelingt zwar ein halbwegs runder Abschluss, der aber gerne eine halbe Stunde früher hätte einsetzen dürfen. Für mich ist der Film gefühlt zu lang. Als Befürworter deutscher Synchronisationen wird der Film für mich aber dennoch in Erinnerung bleiben, da hier Stefan Gossler ein letztes Mal seine berühmte Stimme für Jackie Chan erklingen ließ. Beinharte Fans des Martial-Arts-Schauspielkünstlers greifen zu, alle anderen sind mit früheren Filmen aber mindestens genauso gut beraten.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shadow Chase: Im Netz der Diebe!

Prime Time: Games-Einkäufe #15 (April 2026)

Zwischen Anfang Februar und Anfang April 2026 hat unser Chefredakteur wieder ein paar Neuzugänge in seiner Videospielsammlung zu verzeichnen. Diesmal liegt der Fokus ganz klar auf Survival-Horror-Videospielen, wobei Spiele der Resident-Evil-Reihe im Mittelpunkt stehen. Auch Rollenspielfans und Nintendo-Anhänger bekommen ein paar spannende Titel präsentiert. Wir wünschen euch viel Spaß beim Anschauen!

Review: Ranma ½ – New Edition (Band 4)

Bis zur Veröffentlichung des vierten Bandes der New Edition der Manga-Reihe Ranma ½ hat es im Jahr 2023 ein wenig länger als bei den bisherigen Ausgaben gedauert. Von Mitte Januar bis Mitte April mussten sich Fans des illustren Werks von Manga-Zeichnerin Takahashi Rumiko gedulden. Wer die Reihe zuvor noch nicht kannte, wird sich womöglich ein wenig über den Cliffhanger geärgert haben. So knüpft die vierte Ausgabe nahtlos an die Geschehnisse des dritten Bandes an. Titelfigur Saotome Ranma steht seinem Kontrahenten Hibiki Ryōga immer noch im Kampf gegenüber – ein kritischer Augenblick. Zuletzt kündigte Ranma die ominöse Saotome-Geheimtechnik an, ließ dabei jedoch offen, um was es sich dabei handelt. Die Auflösung ist gleichermaßen logisch wie absurd. In der Flucht denkt sich Ranma eine neue Strategie aus, um seinen Rivalen aus dem Weg zu räumen, der ja ohnehin nur gegen ihn kämpft, damit er freie Bahn hat und sich Ranmas Verlobte Tendō Akane schnappen kann. Im Gegenzug kann Ranma ja Shanpū ehelichen, die nach chinesischem Amazonenrecht angeblich ohnehin Anspruch auf ihn hätte. Nach der Plänkelei stürzen sich die Charaktere gleich ins nächste Abenteuer. Daimonji Sentarō ist unglücklich an jemanden gebunden und braucht dazu eine Dame, die für ihn gegen seine Verlobte kämpfen kann. Dazu ist Ranma bestens prädestiniert!

Alter Lüstling Happōsai

Einen Großteil des vierten Bandes beschäftigt sich jedoch mit dem Kampflieferdienstwettbewerb. In diesem Wettkampf geht es darum, dass ein Gericht eines Restaurants sowohl schnell als auch genießbar beim Empfänger ankommen soll. Außerdem sind nur Frauen zugelassen – durch einen Zufall kann Kunō Tatewaki dies ausnutzen, um entweder Akane oder Ranmas weibliche Form in seinem Haus zu begrüßen. Auch Shanpū mischt beim Wettstreit ordentlich mit. Trotzdem bleibt in der zweiten Hälfte des vierten Bandes von Ranma ½ Platz für eine weitere wichtige Hauptfigur. So führt die Autorin mit Happōsai überraschend den einstigen Lehrmeister von Tendō Sōun und Saotome Genma ein. Akanes und Ranmas Väter sind sichtlich überrascht, den alten Greis plötzlich in ihrem Wohnzimmer vorzufinden – schließlich waren sie im festen Glauben, ihren Meister vor zehn Jahren eigenhändig umgebracht zu haben. Obwohl anzunehmen wäre, dass sich eine blutige Rachegeschichte abspielen könnte, ist er seinen beiden Schülern nicht böse. Stattdessen macht er sich lieber auf, den Damen der Nachbarschaft nachzustellen und deren Unterwäsche von der Leine zu reißen. Es folgen Versuche, den alten Lüstling loszuwerden, doch Happōsai entpuppt sich schnell als übermächtiger Gegner, der den auch schon recht chaotischen Manga um eine weitere Note ergänzt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Langsam aber sicher scheint sich Autorin und Zeichnerin Takahashi Rumiko im vierten Band der Manga-Reihe ein Konzept zurechtgelegt zu haben. Es kommt zu unterschiedlichen Wettbewerben, die eigentlich gar nichts mit Kämpfen zu tun haben, aber doch irgendwie damit in Verbindung gebracht werden müssen. In meinen Augen ist das ein gewagtes Konzept, kann dies doch schnell ermüden. So richtig weiß ich auch nicht, was ich von der Kampfteezeremonie und dem Kampflieferdienst halten soll. Trotzdem gelingt es der Künstlerin, den Humor durchweg aufrechtzuerhalten und mit absurden Situationen aufzuwerten, die nach wie vor mit Verwechslungen und Missverständnissen spielen, die eigentlich sehr leicht aufzuklären wären. Mit Happōsai kommt zudem ein weiterer Charakter hinzu, mit dem ich mich nicht so ganz anfreunden kann, da ich ihn persönlich recht unsympathisch finde. Ob sich diese Meinung in den folgenden Bänden ändert, wird sich zeigen müssen. Mit ein paar kleineren Abstrichen ist aber auch der vierte Band für Fans von Kämpfen, Humor und falscher Romantik empfehlenswert.

Review: Telefon

Mit dem unscheinbaren Namen Telefon sollte der Thriller mit Charles Bronson in der Hauptrolle 1977 in den Kinos für Furore sorgen, musste sich aber Filmen wie Krieg der Sterne oder Unheimliche Begegnung der dritten Art geschlagen geben. Der Kalte Krieg war out.

Gerade im Spionagefilm, wie es zum Beispiel an verschiedenen Serienteilen der James-Bond-Filmreihe abzulesen ist, war der Kalte Krieg ein beliebtes und funktionierendes Thema. Wenn sich Geheimagenten aus Zentraleuropa oder Nordamerika mit den Spionen des sowjetischen Komitees für Staatssicherheit einen Wettlauf um Geheiminformationen oder dem Verschaffen von Vorteilen geliefert haben, war das im Alltag erdrückend, im Film aber bis heute unfassbar faszinierend. Selbst in Videospielen, die nach dem Kalten Krieg auf Computern oder Konsolen veröffentlicht wurden, ist dieser düsteren Epoche des 20. Jahrhunderts dramaturgisch stets etwas abzugewinnen. Command & Conquer: Alarmstufe Rot von 1996 und das 2020 veröffentlichte Call of Duty: Black Ops – Cold War sind die besten Beispiele dafür, dass auch mit einer ordentlichen Prise Fiktion das Konzept immer noch funktioniert. Telefon aus dem Jahr 1977 ist zudem Fiktion in zweiter Instanz, denn trotz ein paar entschlackter Änderungen basiert das Werk grundsätzlich immer noch auf Walter Herman Wagers Roman Krieg per Telefon aus dem Jahr 1975. Trotz der US-amerikanischen Grundlage, in gleich zweifacher Hinsicht, ist der Thriller von Regisseur Donald „Don“ Siegel weder ein Lobgesang auf das Federal Bureau of Investigation noch eine Brüskierung des seinerzeit sowjetischen Pendants.

Bei Anruf Mord

Im Mittelpunkt des 103-minütigen Streifens Telefon steht Major Grigori Borzow, der von seinen Vorgesetzten in Moskau den Auftrag erhält, in die Vereinigten Staaten von Amerika zu reisen. Dort soll er Jagd auf den abtrünnigen Agenten Nicolai Dalchimsky machen. Dieser ist in Besitz einer 51 Namen umfassenden Liste von Schläferagenten gelangt, die er reihenweise reaktivieren will. Ertönt ein Anruf und nimmt einer der jeweiligen Agenten ab, hört er sanft von Dalchimsky vorgetragen ein paar Zeilen aus dem Gedicht Stopping by Woods on a Snowy Evening von Robert Frost. Kaum sind die Informationen im Ohr angelangt, sieht der Schläferagent rot und nimmt in hypnotischem Wahn alles auf sich, um Angst und Terror unter der US-amerikanischen Bevölkerung zu scheren, indem er oder sie militärische Anlagen sabotiert. Auch das Bureau wird peu à peu auf die merkwürdigen Fälle aufmerksam, wenn plötzlich ein Automechaniker oder ein Pfarrer zu Terroristen mutieren. Unterdessen erhält Borzow, der eine Kopie der Liste mit seinem lückenlosen fotografischen Gedächtnis in seinem Oberstübchen abgespeichert hat, Unterstützung von einer ominösen Agentin unter ihrem Decknamen Barbara. Borzows Auftrag führt die beiden quer durch die Vereinigten Staaten, wobei sie allerdings schnell lernen müssen, dass der Terror erst aufhört, wenn sie Dalchimsky töten.

Nationale Zerreißprobe

Obwohl es den Anschein haben könnte, wurden die in Moskau spielenden Szenen des Films nicht in der Sowjetunion gedreht. Stattdessen hielt 1977 Finnland für Telefon her, was die vorbelasteten finnisch-russischen Beziehungen ein wenig verschlechterte. Selbst Hauptdarsteller Bronson sah sich genötigt, den Film zu verteidigen und stellte klar, dass er kein Abziehbildchen dümmlicher Sowjetagenten verkörpere. Selbiges betrifft auch die anderen Figuren. Für Barbara stand Lee Ann Remick vor der Kamera, die genauso wie ihre Schauspielkollegin Ellen Tyne Daly in der Rolle von Dr. Dorothy Putterman als starke Frauenfiguren porträtiert werden, auch wenn der Chauvinismus der Zeit entsprechend die Oberhand gewinnt. Donald Pleasence ist hingegen als Dalchimsky zu sehen, erreicht aber kaum die schauspielerischen Höhen, wie er sie ein Jahr später als Dr. Samuel Loomis in Halloween – Die Nacht des Grauens aufs Parkett legte. Für die Musik zeichnet sich der 2025 verstorbene Lalo Schifrin aus, den manche vielleicht vom Soundtrack von Die große Keilerei kennen. Fast fünf Jahrzehnte nach der Uraufführung von Telefon würdigt Plaion Pictures den Thriller mit einem Mediabook, in dem sich neben dem Film auf Blu-ray-Disc und DVD auch ein Booklet von Christoph Kellerbach mit interessanten Fakten zur Entstehungsgeschichte lockt. Trotz der mittelmäßigen Bildqualität ist Telefon als zeitgenössischer Thriller definitiv einen Blick wert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Es ist schade, dass dem Film kein größerer Erfolg beschert war, aber in einer Zeit, in der Krieg der Sterne ein halbes Jahr nach Veröffentlichung im Kino nicht einfach auf einem Datenträger erworben und zuhause unendlich oft angeschaut werden konnte, gingen die Menschen deswegen halt mehrfach ins Kino. Krieg verlagerte sich in den Weltraum, auf der Erde war der Kalte Krieg im wahrten Sinne des Wortes abgekühlt. Trotzdem würde ich mich zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich behaupte, dass Telefon von Don Siegel langweilig oder uninteressant wäre. Das Gegenteil ist der Fall! So erzählt mir der Thriller eine spannende Geschichte mit einer zumindest damals unverbrauchten Idee, dass das Telefon als Sprachrohr für Hypnose mit darauffolgenden Attentaten diente. Charles Bronson spielt die Rolle als sowjetischer Major hervorragend, da er das Ziel niemals aus den Augen verliert – da kann selbst die toughe wie schöne Barbara bis kurz vor Schluss nichts ausrichten. Ein wenig überraschend ist jedoch der durchschnittliche Auftritt von Donald Pleasence, von dem ich in der wenige Jahre später gestarteten Halloween-Filmreihe ein wirklich großer Bewunderer seines Schaffens bin. Während die Tonqualität der Zeit geschuldet in DTS-HD Master Audio 2.0 noch in Ordnung geht, finde ich es jedoch schade, dass das Bild nicht mit mehr Aufwand restauriert wurde. Da gibt es ältere Filme in weitaus besserer Bildqualität. Nichtsdestotrotz kann ich Telefon allen Filmliebhabern empfehlen, die der Thematik des Kalten Kriegs nicht müde oder gar überdrüssig werden.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Telefon!

Review: Tamagotchi Plaza

Putzige Kreaturen, eine farbenfrohe Welt und Minispiele scheinen in Tamagotchi Plaza auf den ersten Blick seichten Spielspaß zu versprechen. Allerdings kann die Minispielsammlung von Bandai Namco nicht einmal die minimalistischen Erwartungen erfüllen, die wir hatten.

Falls ihr euch zufällig noch an die drolligen Wesen erinnert, die ihr auf einem tragbaren Gerät mit euch herumgeschleppt und in regelmäßigen Abständen gefüttert oder gesäubert habt, dann dürftet ihr schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel haben. 1996 erfand der Japaner Yokoi Akihiro mit den Tamagotchi ein zumindest damals geniales Konzept, das die Welt ein wenig aus den Fugen gerissen haben dürfte. Auch in Europa machten sich die Tamagotchi auf den Siegeszug. Bis heute ist die Marke weltbekannt, auch wenn der Hype zumindest in Europa längst erloschen ist. Trotzdem nahmen die Tamagotchi vor allem in Japan verschiedene Züge an. Unter anderem eroberten sie auch traditionelle Videospielkonsolen. So erschienen zwischen 2005 und 2017 für den Nintendo DS und den Nintendo 3DS gleich acht Episoden der Tamagotchi-Connection-Corner-Shop-Reihe. Während Europa davon lediglich den ersten Serienteil gesehen hat, kamen die Fans in Nordamerika immerhin noch in den „Genuss“ der zweiten und dritten Episode. Schon damals erhielten die Spiele durchschnittliche Kritiken – und die Rückkehr mit Tamagotchi Plaza für die Switch und die Switch 2 in Gefilde außerhalb Japans zeigt sehr gut, dass die Entwickler echt nichts gelernt haben. Ein langweiligeres Spiel als Tamagotchi Plaza ist uns schon seit Längerem nicht mehr unter die Augen gekommen!

Eine Stadt im Aufschwung

Zu Beginn des Spiels legen wir Namen und Geburtsdatum fest. Anschließend entscheiden wir uns für eines der Tamagotchi genannten Wesen, der als unsere Vertretung respektive als unser Avatar auftritt. Mit Mametchi, Memetchi, Mimitchi und Co ist es unsere Aufgabe, die Läden des idyllischen Städtchen Tamahiko auf dem Planeten Tamagotchi zu neuem Glanz zu verhelfen. Erst dann können in Tamahiko die Korken knallen und ein großes Fest steigen. So bewegen wir uns über die titelgebende Plaza und betreten die einzelnen Läden wie einen Zahnarzt, eine Boutique oder ein Schwimmbad mit Cocktail-Bar. Haben wir einen Laden aufgesucht, absolvieren wir ein Minispiel. Beim Zahnarzt müssen wir beispielsweise verdreckte Zähne reinigen oder den Bohrer anlegen – die junge Zielgruppe dürfte beim Ertönen des Bohrgeräusches richtig in Freudentränen ausbrechen! Je nachdem wie gut wir uns angestellt haben, erhalten wir Geld. Dieses investieren wir wiederum in die Läden, wodurch wir uns allerdings nur weitere Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen aufhalsen. Wir erweitern also lediglich die Optionsmöglichkeiten der ohnehin schon viel zu drögen Minispiele. Diese ziehen sich zudem wie Kaugummi und sind unfassbar repetitiv. Sobald wir ein Minispiel auch nur einmal gespielt haben, verlassen wir den Laden auf Knopfdruck lieber schnell durch den Notausgang.

Altbackenes und langweiliges Gameplay

Ebenso problematisch ist die Tatsache, dass die Minispiele nicht wirklich erklärt werden. Es gibt keinerlei Hilfstexte oder Beschreibungen. Während manche Minispiele wie der Battle-Rap durchaus logisch erscheinen, da hier nur die angezeigten Knöpfe im richtigen Moment gedrückt werden müssen, fällt dies bei anderen Minispielen wie dem Zahnarztbesuch etwas kniffliger aus. Hier müssen wir die Symbolik direkt richtig verstehen. Nebenher können wir uns auf der Plaza frei bewegen und ein paar Nebenaufgaben erfüllen, die aber in Form von Botengängen viel zu simpel sind. Auch die Dialoge sind derart einfach und ohne Tiefgang eines Animal Crossing geschrieben, sodass wir auch keine Motivation haben, die aberdutzenden Charaktere kennenlernen zu wollen. Tamagotchi Plaza dürfte daher selbst jüngere Spieler wahnsinnig ermüden. Da hilft es auch nicht, dass die Version für die Nintendo Switch 2 über drei weitere Läden inklusive Minispiele verfügt, die zudem zwangsweise mit den Joy-Cons gespielt werden müssen. Während die Musik den Umständen entsprechend gerade noch in Ordnung geht, enttäuscht der Titel zu guter Letzt auch grafisch. Er wirkt, abgesehen von der höheren Auflösung und etwaiger Kantenglättung, schlicht wie ein Spiel, das selbst die Wii aus dem Jahr 2006 noch stemmen könnte. Tamagotchi Plaza braucht daher nun wirklich niemand.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-2-Fassung): Als Kind habe ich in den späten 1990er-Jahren natürlich das eine oder andere Tamagotchi verschlissen. Vor allem Nintendos Klon Pokémon Pikachu Color habe ich dank der Kompatibilität zu den Game-Boy-Color-Spielen der Reihe sogar zu Beginn der 2000er-Jahre häufig mit mir herumgetragen. Tamagotchi Plaza hat mit dem ursprünglichen wie minimalistischen Konzept aber überhaupt nichts zu tun. Stattdessen muss ich mich hier in langweiligen, drögen und repetitiven Minispielen zurechtfinden, Geld verdienen und dann noch mehr langweilige, dröge und repetitive Minispiele absolvieren. Hinzu kommen ein paar Nebenaufgaben, die aber ebenfalls keinen Spaß machen. Auch die Dialoge zwischen den drolligen Tamagotchi sind ermüdend. Es findet einfach keine Charakterisierung statt. Zu guter Letzt sieht das Spiel aus, als könnte es selbst die Wii noch unterfordern. Aus der einst großen Marke hätte so viel gezaubert werden können. Was die Entwickler den lieben Tag lang gemacht haben oder warum spätestens die Qualitätskontrolle von Bandai Namco nicht Alarm geschlagen hat, bleibt mir ein großes Rätsel. Vermutlich wollten diese sich aber auch schlicht und einfach nicht mehr mit Tamagotchi Plaza beschäftigen. Ich kann es bedauerlicherweise nur allzu gut verstehen!

Review: Die Goonies

In vielerlei Hinsicht waren die 1980er-Jahre prägend, insbesondere für die Populärkultur. So gewannen Kinder und Jugendliche im Rahmen von Abenteuerfilmen rasant an Bedeutung. Eines der bedeutendsten Werke dieser Zeit ist zweifelsohne Die Goonies aus dem Jahr 1985.

Dass die 1980er-Jahre das wohl kultverdächtigste Jahrzehnt aller Zeiten sind, wissen wir nicht erst seit der von 2016 bis 2025 produzierten Fernsehserie Stranger Things. Die Netflix-Produktion bildet die Epoche in vielerlei Hinsicht hervorragend ab und stellt das Schicksal von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt der Erzählung. Filme und Serien dieser Machart lassen sich häufig auf einen einzigen Film zurückverfolgen: Die Goonies aus dem Jahr 1985 ist einer der ersten Abenteuerfilme, die sich vollumfänglich mit jungen Protagonisten beschäftigen. Wenn July Garland als Dorothy Gale tanzend und singend durch das Szenenbild von Der Zauberer von Oz aus dem Jahr 1939 hüpft oder Barret Oliver als Bastian Bux sein Abenteuer in Die unendliche Geschichte von 1984 erlebt, geht das zwar in eine ähnliche Richtung, klammert die jugendliche Dynamik innerhalb einer Gruppe aber vollkommen aus. Regisseur Richard Donner, der sich für Die Goonies verantwortlich zeigt, überrascht insofern, dass er sich zuvor von Drama, Komödie, Science-Fiction bis hin zum Horrorfilm in unterschiedlichen Genres ausgetobt hat. Auf Anhieb gelingt es ihm, das auf Steven Allan Spielberg und Christopher Joseph Columbus zurückgehende Drehbuch mit Feingefühl auf die Leinwand zu zaubern und 114 Minuten lang mit der Zeit geschuldeter Situationskomik zu überzeugen.

Spannende Schatzsuche

Angesiedelt in der US-amerikanischen Kleinstadt Astoria im Bundesstaat Oregon, berichtet der Film vom Schicksal der beiden Brüder Michael „Mickey“ und Brandon Walsh. Elgin Perkins will auf dem Land, auf dem auch das Haus von Familie Walsh steht, einen Country Club errichten. Da die Eltern von Mickey und Brandon nicht das Geld auftreiben können, um der Zwangsvollstreckung zu entgehen, müssen sie für den bevorstehenden Umzug packen. Beim Durchstöbern der Sachen auf dem Dachboden entdecken sie zusammen mit ihren Freunden Lawrence „Chunk“ Cohen, Clark „Mouth“ Devereaux und Richard „Data“ Wang eine ominöse Karte, die angeblich den Fundort des Piratenschatzes des einäugigen Willie zeigen soll. In ihrer Verzweiflung, dass der Bund der Goonies genannten Freunde zerbricht, beschließen sie, nach dem Schatz zu suchen. Ihre Suche beginnt bei einem Sommerrestaurant oberhalb einer Klippe. Mitten im Herbst sollte das Restaurant eigentlich geschlossen sein, doch haben sich dort die Fratellis eingenistet, eine vierköpfige Verbrecherfamilie auf der Flucht vor dem Gesetz. Beide Parteien stehen sich somit gegenseitig im Weg, denn weder wollen die Fratellis auffliegen, noch wollen die Kids den Schatz mit den Kriminellen teilen. Es kommt jedoch wie es kommen muss und am Ende ist jeder von ihnen auf der Suche nach Willies Piratenschatz.

Abenteuerfilm für Jung und Alt

Donners Werk hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber früheren Abenteuerfilmen, denn mit Jäger des verlorenen Schatzes erschien 1981 bereits die Blaupause schlechthin, wie ein Abenteuerfilm inzwischen auszusehen hat. Da Steven Spielberg bei jenem Film die Regie übernahm, ist es kaum verwunderlich, dass manche Elemente auch in Die Goonies auffallen. Unter anderem müssen die Freunde verschiedene Rätsel lösen, Fallen überwinden und den Mut finden, weiterzugehen. Im Großen und Ganzen funktioniert das ordentlich, zumal die Gruppe sehr divers ausfällt. Chunk ist ein begnadeter Märchenerzähler, Mouth dient als Übersetzer aus dem Spanischen und bei Data handelt es sich um einen Tüftler, dessen Erfindungen aber noch nicht ganz marktreif sind. Mit Andrea „Andy“ Carmichael und Stefanie „Stef“ Steinbrenner kommen noch zwei Mädels hinzu, die mit ihrer Art Zündstoff für Romantik und Kreischanfälle liefern. All das spielt vor dem Hintergrund der nebligen wie windigen Atmosphäre des pazifischen Nordwestens und dem stimmungsvollen Soundtrack von David „Dave“ Grusin. Als kommerziell durchaus erfolgreicher Film diente das Werk 1985 rückblickend vor allem den beiden Darstellern Sean Astin und Josh James Brolin als Karrieresprungbrett. Bis auf den manchmal etwas flachen Humor ist Die Goonies damit wirklich ein großer Spaß!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Jahrzehntelang war Die Goonies für mich ein Film, den ich nur bruchstückhaft gesehen habe. Dass ich diesen Umstand unbedingt ändern musste, war mir schon länger bewusst, doch dass es mich dann mitten in der Nacht überkommt, hat mich dann doch selbst überrascht. Jedenfalls bin ich froh darüber, dass ich den Film inzwischen vollständig und an einem Stück angeschaut habe. Für den Abenteuerfilm markiert das Werk einen entscheidenden Wendepunkt, sind die wesentlichen Protagonisten doch allesamt Kinder beziehungsweise Jugendliche. Die jungen Schauspieler verkörpern ihre Rollen derart glaubwürdig, dass eine richtige Gruppendynamik bei Mickey, Brandon, Chunk und Co entsteht, die so schnell nicht langweilig wird. Jeder Charakter ist einzigartig geschrieben und selbst die Antagonisten, so hilflos sie gegenüber den Helden erscheinen, haben alle ihre eigenen Macken. Im Film werden Werte wie Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt vermittelt, was auf ganzer Linie geglückt ist. Aus heutiger Sicht mag allerhöchstens der Humor nicht immer zünden, da er manchmal einfach zu flach ist und dann nicht einmal ein Schmunzeln hervorbringt. Auch die klischeebehaftete Darstellung des geistig behinderten und im Gesicht entstellten Lotney „Sloth“ Fratelli war schon 1985 nicht in Ordnung und sollte heute kritischer denn je betrachtet werden. Nichtsdestotrotz sind dies auch die einzigen beiden Punkte, die ich dem Film negativ ankreiden kann. Wer Abenteuerfilme mag, ein Faible für Filme der 1980er-Jahre mitbringt und zwei Stunden gute Unterhaltung sucht, schlägt zu!

Review: Super Mario Bros. Wonder (Nintendo Switch 2 Edition) + Gemeinsam im Bellabel-Park

Erstmals erschien Super Mario Bros. Wonder im Oktober 2023 für die Nintendo Switch. Wie bereits andere große Marken des japanischen Konzerns hat auch dieser Platformer ein Update erhalten. Die im März 2026 veröffentlichte Nintendo Switch 2 Edition bietet ein paar neue Singleplayer-Inhalte und etliche Multiplayer-Minispiele – mit einem großen Haken.

Nach wie vor gilt: Wer den Ankündigungstrailer während der Nintendo-Direct-Ausgabe im Juni 2023 gesehen hat, hat sich wohl gefragt, welche illegalen Substanzen die Entwickler bei Nintendo konsumiert haben. Auch Jahre nach dem ursprünglichen Release können wir euch versichern, dass dem vermutlich nicht so war, denn Super Mario Bros. Wonder ist im Kern ein bodenständiger Serienteil. Dieser ist aber in so gut wie jedem Level zumindest stellenweise derart abgedreht, dass es sich bei diesem Super-Mario-Spiel wohl um den kreativsten Orgasmus seit Super Mario Odyssey handelt. An diesem Umstand hat sich auf der Switch 2 nichts geändert. Das fängt bei der irrwitzigen Story an, die so auch in einem Ableger der Mario-&-Luigi-Reihe gut aufgehoben wäre. Klempner Mario, sein Bruder Luigi, die Monarchin Peach und ihre Freunde werden von Prinz Florian eingeladen, der über das gar nicht mal so weit entfernte Blumenkönigreich herrscht. Dort angelangt können die Festlichkeiten aber nicht beginnen, denn Obermotz Bowser ist Mario und Co gefolgt. Als dieser die Wunderblume berührt und für sich beanspruchen will, sorgt das Heiligste des Blumenkönigreichs dafür, dass Bowser mit Florians Schloss verschmilzt. Ab sofort leben die Poplins, die Bewohner des Blumenkönigreichs, unter der Herrschaft von Bowser. Da kann Team Mario natürlich nicht tatenlos zusehen und greift dem hilflosen Prinzen unter die Arme, um Bowser zu bekämpfen.

Altbekannte Struktur im frischen Gewand

Obwohl die ersten gezeigten Spielszenen im Trailer anno dazumal noch den Anschein erweckten, dass es sich bei Super Mario Bros. Wonder um ein eigenes und eigenartiges Spiel handeln könnte, folgt schon im ersten der dutzenden enthaltenen Levels Entwarnung. Im Kern handelt es sich immer noch um ein waschechtes Jump ’n’ Run mit dem typischen Super-Mario-Gameplay. Aus der zweidimensionalen Seitenansicht erkunden wir mit Mario und seinen Freunden die abwechslungsreich aufgebauten Levels. Wir laufen über weite Ebenen, hüpfen auf Plattformen und legen uns mit alten wie neuen Gegnern an, die sich organisch ergänzen. Beispielsweise gibt es jetzt schneckenartige Gegner, deren Schneckenhaus wir ähnlich zweckentfremden können wie den Schildkrötenpanzer der Koopas. Während der Erkundung sammeln wir goldene Münzen, von denen einhundert Stück einen weiteren Versuch bescheren. Diese sind bei manchen Levels auch bitter nötig, denn während der stringente Weg durchs Spiel weitestgehend zugänglich ausfällt, gibt es nebenher auch einige Speziallevels, die uns einiges abverlangen. Schon lange sind wir nicht mehr solchen Herausforderungen in einem Spiel der Reihe begegnet, wofür wir Nintendo loben. Super Mario Bros. Wonder richtet sich sowohl an blutige Anfänger als auch an beinharte Profis, die richtig gefordert werden wollen. Auch bei den neuen Herausforderungen der Switch-2-Fassung ist dies der Fall.

Abgefahrene Trips mit den Wunderblumen

Unfair wird es im Jump ’n’ Run aber nie. Wenn wir tatsächlich mal an einer Stelle nicht weiterkommen, da wir immer wieder in denselben Abgrund stürzen, geben wir uns stets selbst die Schuld. Es ist unglaublich, mit welcher Balance Nintendo dieses Kunststück geglückt ist. Hinzu kommt die schiere Kreativität, die in jeden einzelnen Level geflossen ist. Ständig erleben wir in Super Mario Bros. Wonder etwas neues, was vor allem an den Wunderblumen liegt. Sobald wir diese in einem Level berühren, passiert etwas, womit wir im ersten Moment gar nicht rechnen. Auf einmal müssen wir zum Beispiel auf einem ständig größer werdenden Schneeball balancieren, im Takt auf schnell sich auflösende Plattformen springen oder erleben, wie Röhren zum Leben erwachen und sich krümmen – passend zu unserer Körperhaltung. Das Geschehen sorgt, meist inklusive einer kunterbunten Lichtershow, die einem leichten psychedelischen Trip gleicht, für wirklich gute Laune. All das hört bis zum Finale nicht auf. Wir können davon nicht genug kriegen und freuen uns auf jeden neuen Abschnitt. Hierbei geht das Spiel aber nur wenige Risiken ein und präsentiert uns Blumenwiesen, Bergketten, schneebedeckte Wipfel, giftige Sümpfe, dunkle Höhlen und mit Dornenranken durchzogene Burgen. Durch die Wunderblumen wird meist die zweite Level-Hälfte stark aufgewertet, sodass Puristen der Super-Mario-Klassiker wie Innovationsgierige gleichermaßen Spaß haben.

Neue Möglichkeiten für den Klempner

Darüber hinaus bietet Super Mario Bros. Wonder neue Verwandlungsmöglichkeiten für das Allround-Talent und seine Freunde. Mit der Elefantenfrucht können wir Mario in Benjamin Blümchen verwandeln, per Rüssel Wasser aufnehmen oder mit diesem horizontal liegende Blöcke aus dem Weg räumen. Die Seifenblasenblume lässt Mario statt Feuerbällen Seifenblasen in einem kürzeren Radius schießen und aufsteigen. Besonders gefällt uns, dass wir mit den Seifenblasen auch Objekte berühren können, die hinter Wänden verborgen liegen und sonst nicht erreichbar wären. Mit dem Bohrerpilz können wir Mario hingegen in der Erde bohren lassen. Neu in der aufgewerteten Version für die Switch 2 ist darüber hinaus der Superblumentopf, mit dem wir Mario in ein Blumenkostüm zwängen. In dieser Form kann er Blüten in die Luft werfen, um Gegner zu attackieren. Mit Feuerblumen und Supersterne gibt es aber auch ältere Power-ups, die für reichlich Abwechslung sorgen. Neu hinzugekommen sind Abzeichen, die wir in Läden kaufen und für absolvierte Prüfungen erhalten können. Damit dürfen wir beispielsweise länger durch die Luft gleiten oder sind ständig in Bewegung und rennen sofort wie wild los. Auch Sprungfedersprünge mit dem ganzen Körper sind so dauerhaft möglich. Andere Abzeichen lassen wiederum Ausrufezeichenblöcke in den Levels erscheinen, sodass wir bei verschiednen Gruben noch sicheren Halt finden können. Genial!

Unterschiedliche Spielmöglichkeiten

Auch bei den Abzeichen muss gesagt werden, dass diese nicht zu mächtig ausfallen, da wir jeweils nur ein Abzeichen gleichzeitig nutzen und zu Beginn jedes Levels wechseln können. Wie bei New Super Mario Bros. Wii und New Super Mario Bros. U können wir das Jump ’n’ Run auch zu viert angehen. Befinden wir uns auf der Oberwelt können sich Freunde lokal nicht nur in das Spiel einklinken. Wir können auch jederzeit den Charakter wechseln. Eine zumindest nette Idee, wenn wir beispielsweise mit jüngeren Spielern loslegen wollen, ist die Unverwundbarkeit der verschiedenfarbigen Yoshis und von Mopsie. Während die Gegner ihnen nichts anhaben können, sind sie aber nicht vor Abgründen gefeit. Ein wenig schade ist, dass diese Unverwundbarkeit bei den Yoshis und Mopsie nicht abschaltbar ist. In der Switch 2 Edition können wir auf dem Titelbildschirm immerhin auswählen, ob wir lieber im Einfach-Modus spielen wollen. In diesem sind alle Figuren unverwundbar. Falls unerfahrene Spieler aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen mit den Yoshis und Mopsie nichts anfangen können, zumal sie sich anders wie Mario, Luigi, Peach und Toad spielen, können diese jetzt den maximalen Spaß aus dem Jump ’n’ Run herausholen. Warum die Unverwundbarkeit bei den Yoshis und Mopise aber nicht abstellbar ist, bleibt uns in dieser Edition jedoch ein Rätsel.

Fantastisches Spiel mit vernachlässigbaren Online-Modi

Neben der Möglichkeit, abgeschlossene Levels mit Freunden auch online spielen zu können, bietet Super Mario Bros. Wonder darüber hinaus einen Online-Modus mit weiteren Features. Ist dieser aktiv, laufen neben uns schemenhaft Geister von anderen Spielern durchs Bild. So sehen wir, wie andere Spieler in den jeweiligen Situationen reagieren. Noch dazu dürfen wir Aufsteller, die wir in den Läden des Spiels kaufen können, frei im Level positionieren, um zum Beispiel auf eine Stelle hinzuweisen, die besonders interessant ist. Werden wir beim Online-Spielen besiegt oder fallen in einen Abgrund, verlieren wir nicht direkt ein Leben. Stattdessen bleiben wir für etwa fünf Sekunden in einer Blase gefangen. Berührt uns ein Spieler oder erreichen wir einen Aufsteller, kehren wir unmittelbar ins Spiel zurück. Letzteres wäre in unseren Augen ein gutes Feature, aber die Geister der anderen Spieler verwirren eher als dass sie eine Hilfe wären. Tatsächlich spielen wir den Titel deshalb lieber komplett offline und haben dennoch ein tolles Erlebnis. Dies liegt nicht zuletzt an der farbenprächtigen Spielwelt mit hochaufgelösten Texturen und dem bekannten Soundtrack, der verstärkt auf Remixes älterer Melodien setzt. Es ist schlicht ein fantastisches Jump ’n’ Run, mit dem Nintendo die Messlatte einmal mehr höher legt und an der sich noch viele Konkurrenten die Zähne ausbeißen werden. Neben Pikmin 4 gehört Super Mario Bros. Wonder zu den besten Titeln 2023!

Unzugängliche Mehrspieler-Erweiterung

Für die Switch 2 Edition hat sich Nintendo gedacht, das Hauptspiel ähnlich wie bei Kirby und das vergessene Land inhaltlich zu erweitern. Haben wir den titelgebenden Bellabel-Park zum ersten Mal aufgesucht, tauschen im Anschluss in den einzelnen Spielwelten zusätzliche Levels auf. Diese bestehen aus einem Hüpfabschnitt und einen anschließenden Bosskampf gegen Bowsers Kinder. In puncto Schwierigkeitsgrad sind die Levels anspruchsvoll und bieten zumindest ganz nette wie abwechslungsreiche Bosskämpfe. Hinzu kommen Einzelspieler-Herausforderungen im Bellabel-Park, in denen wir beispielsweise alle Gegner eines Levels besiegen oder alle Goldmünzen unter Zeitdruck einsammeln müssen. Im Angesicht dessen, dass hin und wieder Spezialeffekte bei der Charaktersteuerung wirken, bietet Super Mario Bros. Wonder auch hier Anspruch. Darüber hinaus können wir den Freizeitpark mit Blumen schmücken und ihm so ein freundlicheres Erscheinungsbild zuweisen. Zu guter Letzt gibt es noch den erweiterten Minispiel-Mehrspielerpart. Dieser funktioniert im Gegensatz zu hauseigenen Titeln wie Super Mario Party Jamboree allerdings nur mit menschlichen Mitspielern – entweder lokal mit mehreren Konsolen oder online nur mit Freunden. Nintendo hat alles dafür getan, um den Modus so unzugänglich wie nur möglich zu gestalten. Wer den vollen Spielspaß erleben will, sollte sich dieser fragwürdigen wie unüberlegten Designentscheidung bewusst sein.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Super Mario Bros. Wonder ist ein fast rundum gelungenes Jump ’n’ Run. Das gilt auch für die Switch 2 Edition, wobei diese in Anbetracht des Gesamtpakets schwächer ausfällt als das Originalspiel. Obwohl ich die Befürchtung hatte, dass das Spiel für Super-Mario-Verhältnisse viel zu abgedreht sein könnte, wurde ich glücklicherweise eines Besseren belehrt. Lediglich die weniger gelungenen Online-Modi sind mir ein Dorn im Auge. Ein Umstand, der sich in der Switch 2 Edition verstärkt hat. Darüber hinaus ist das Spiel über alle Zweifel erhaben. So legt jeder einzelne Level einen anderen Schwerpunkt. Weniger visuell, aber vor allem spieltechnisch bekomme ich hier sehr viel Abwechslung geboten. Alleine deshalb wäre das Spiel schon eine Wucht für sich, doch dann gibt es noch die Wunderblumen, die die Level-Architektur aufbrechen und mit derart verrückten Ideen begeistern, die ich vorher nicht absehen kann. Super Mario Bros. Wonder überrascht mich im Minutentakt. Aus dem Staunen komme ich so schnell nicht mehr heraus – und dabei steht der Titel im Kern in der Tradition der Reihe und bietet mir weitestgehend genau die Jump-’n’-Run-Kost, die ich kenne und mag. Nintendo ist der Spagat gelungen, traditionelles Gameplay mit neuen Ideen zu mischen. Herausgekommen ist ein großartiges Spiel, das mich sowohl vom Umfang als auch mit seiner Kreativität überzeugt. Was Lewis Carrolls Roman Alice im Wunderland für den literarischen Nonsens ist, ist Nintendos Super Mario Bros. Wonder für die Videospielszene. Ein Spiel, über das noch in Jahren gesprochen wird, wenn vielleicht auch nicht über die Switch 2 Edition!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Super Mario Bros. Wonder!

Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 8)

Traditionell mussten Fans der fünfjährigen Rotznase Nohara Shinnosuke ganze zwei Monate auf die Fortführung der Anime-Reihe Crayon Shin-chan warten. Im Dezember 2025 erschien die Publikation erneut durch Publisher Polyband Anime im unveränderten alten Gewand.

Obwohl die Anime-Serie Crayon Shin-chan hierzulande seit den frühen 2000er-Jahren in aller Munde war, ist das japanische Werk bereits etwas älter. Im japanischen Fernsehen flimmerte die Serie erstmals 1992 über die Mattscheibe. Die Manga-Vorlage aus der Feder des im Jahr 2009 leider verstorbenen Usui Yoshihito erschien sogar schon 1990. Hierzulande gewann die Serie rasch an Popularität, die aber genauso schnell wieder abebbte, da die verstückelte Umsetzung des Stoffes aus Nordamerika hierzulande als Vorbild galt und diese nicht fortgeführt wurde. Entsprechend mussten Fans der Anime-Serie auf sporadische Wiederholungen hoffen, die aber zumeist im Pay-TV versteckt blieben. Ein Glück, dass der hiesige Herausgeber Polyband Anime seit Ende 2024 Erbarmen zeigt und die Serie hierzulande schrittweise auf DVD zugänglich macht. Kurios erscheint auch in der inzwischen achten Volume der Umstand, dass die Anime-Serie relativ zerstückelt auf dem Datenträger vorliegt. So kann der Zuschauer aus dem Menü heraus einzelne Teile der ursprünglichen Episoden auswählen und verzichtet dabei auf Intro und Outro. Wählt er jedoch die Alle-abspielen-Funktion, so werden diese Inhalte vor und nach dem letzten Teil wie bei einem Film abgespielt. Zudem liegt die Serie auf DVD nur auf Deutsch vor. Wer den japanischen Originalton hören will, hat hierbei also das Nachsehen.

Doppel- und Dreifachfolgen

Wer sich an diesen Umständen jedoch nicht stört, bekommt in Crayon Shin-chan einmal mehr den nackten Wahnsinn vorgesetzt. Inhaltlich erzählt jeder Teil für sich selbst eine kleine Geschichte. Manche Folgen sind jedoch geschickt miteinander verzahnt und bilden dementsprechend eine Einheit. Zu diesen Folgen zählt beispielsweise ein Skiausflug der Familie Nohara. Mutter Misae beziehungsweise Mitsy, wie sie in der deutschen Version heißt, Vater Hiroshi respektive Harry und die beiden Kinder, sprich Himawari beziehungsweise Daisy und der titelgebende Shinnosuke machen einen Ausflug in die Berge. In der ersten Episode der dreiteiligen Geschichte verschläft die Familie, da Shin-chan versehentlich den Wecker ausstellt. In der Folge darauf meldet ihn seine Mutter bei einem Skikurs an, wo er auf die Vorschullehrerin Matsuzaka Ume respektive Uma trifft und sie in den Wahnsinn treibt. Zu guter Letzt ist die Familie in einer heruntergekommenen Spielhalle im Skiort angelangt, in der sie jedoch nie etwas gewinnen, da die Maschinen zu ramponiert sind oder sie sich zu ungeschickt anstellen. An späterer Stelle gibt es ebenfalls noch eine Doppelfolge. In dieser erhofft sich Shin-chans Vorschullehrerin Yoshinaga Midori beziehungsweise Fräulein Dori, wie sie hierzulande umbenannt wurde, auf einen Heiratsantrag ihres Freundes, der sich aber einfach nicht traut.

Kurze und knackige Episoden

Abgesehen von diesen Doppel- und Dreifachfolgen steht jede Episode losgelöst voneinander. Diese können also problemlos ohne Vorwissen angeschaut werden, da zumeist der Status quo aufrechterhalten wird. Unter anderem laden sich Shin-chan und seine Freunde selbst bei Dori ein und lassen sich mit Süßigkeiten bestechen. An anderer Stelle müssen die Kids an einem Schwimmwettbewerb teilnehmen, bei dem es Shinnosuke mit unkonventionellen Mitteln gelingt, seinen Kontrahenten auszustechen und seinen besten Freund zu motivieren. Auch Daisy bekommt in der achten Volume von Crayon Shin-chan genügend Bildschirmzeit, denn einmal ist sie stets an der Seite ihres Bruders zu sehen, der ein Massagegerät als Strahlenpistole missbraucht. In einer anderen Folge verlangt ihre Mutter von ihr, dass sie das Krabbeln lernt, um an einer Spielshow ums große Geld für Babys im Fernsehen teilnehmen zu können. Dann hat Shin-chan in einer anderen Episode wiederum Angst, dass seine kleine Schwester krank wird und versucht alles, um aus der Vorschule auszubrechen, damit er wieder an ihrer Seite ist. In der letzten enthaltenen Folge ist Daisy im Übrigen mal wieder gar nicht geboren. Dieser Fehler ist derart verrückt, dass er sich schon seit mehreren Episodenpaketen durch die Veröffentlichung der Anime-Serie zieht. Wer jetzt noch dabei ist, wird dies Polyband Anime verzeihen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Für mich gehört die Anime-Serie Crayon Shin-chan zu den lustigsten japanischen Werken überhaupt. Dies liegt vor allem an den absurden Situationen, in die sich Shin-chan – verschuldet oder unverschuldet –, hineinbugsiert. Hinzu kommt die deutsche Synchronisation, die an manchen Stellen an Schnodderdeutsch erinnert und gerade deshalb so viel Spaß macht. An die seltsame Struktur mit den einzelnen Teilen der Episoden habe ich mich inzwischen auch gewöhnt. Schade finde ich jedoch, dass einmal mehr nicht der japanische Originalton mit an Bord ist. Wer über diesen Umstand hinwegsehen kann, bekommt aber einige tolle Geschichten auf DVD vorgesetzt, die absurd, humorvoll, spannend und mitfühlend sein können. Wenn zum Beispiel ein dreijähriges Kind auf der Straße verloren geht und Shin-chan dem Rabauken helfen will, ihn aber anstatt zur Polizei zum Fundbüro im Kaufhaus bringt, ist das einfach genau der Humor, für den ich die Serie so sehr mag. Gerade jene, die Crayon Shin-chan schon damals im Fernsehen verfolgt haben, kommen auch in der inzwischen achten Volume der Serie voll auf ihre Kosten!

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 8)!

Review: Super Mario Bros.

Obwohl Super Mario Bros. aus dem Jahr 1993 tatsächlich nicht die allererste Videospielverfilmung ist, wird das Werk häufig als solche bezeichnet. Ende 2022 erschien der Kinofilm im deutschsprachigen Raum auf Blu-ray Disc – und überzeugt auch drei Jahrzehnte später noch.

2023 erschien mit Der Super Mario Bros. Film ein zumindest kommerziell unfassbar erfolgreicher Animationsfilm zu Nintendos wohl wichtigster Marke. Was jüngere Spieler nicht wissen und das japanische Traditionsunternehmen am liebsten aus dem kollektiven Gedächtnis aller Videospieler streichen will, ist die Tatsache, dass es drei Jahrzehnte zuvor bereits einen Kinofilm zum Super-Mario-Franchise gab – und zwar nicht in animierter Form, sondern mit echten Menschen. Der Film aus dem Jahr 1993 gilt zwar als Videospielverfilmung, lehnt sich im Grunde aber nur vage an der Vorlage an und nimmt sich mindestens genauso viele Freiheiten. Auch wenn dies den einen oder anderen Fan stören könnte, war dies damals beabsichtigt, um das in den frühen 1990er-Jahren in US-amerikanischen Medien negativ konnotierte Videospielmedium einem breiteren Publikum näherzubringen. Ob das funktioniert hat, ist eine andere Frage. Es war mutig von den beiden Regisseuren Annabel Jankel und Rocky Morton, diesen Weg einzuschlagen, um das Drehbuch aus den Federn von Parker Bennett, Terry Runté und Edward James Solomon auf die Leinwand zu bannen. Durchaus problematisch war jedoch, dass das Drehbuch wohl mehrfach überarbeitet, beim Dreh improvisiert, zeitweise Mitarbeiter ab- und wieder aufgesprungen und sich Gerüchten zufolge auch betrunken haben.

Dystopische Parallelwelt

Nun stellt sich die Frage, ob dies in Super Mario Bros. überhaupt auffällt. Die Antwort darauf ist nicht ganz einfach, denn grundsätzlich funktioniert der Spielfilm, der sich am ehesten dem Science-Fantasy-Genre zuordnen lässt und Merkmale des Abenteuerfilms aufweist, inhaltlich überraschend gut. Mario und Luigi, die titelgebenden Gebrüder Mario, betreiben im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn eine Klempnerei, die allerdings alles andere als gut läuft. Durch einen Zufall lernt Luigi die Archäologiestudentin Daisy kennen. Kurz darauf tauchen die beiden Möchtegernganoven Iggy und Spike auf, welche Daisy durch ein ominöses Portal in eine Parallelwelt entführen. Mario und Luigi nehmen sogleich die Verfolgung auf und landen in einer dystopischen Version von Manhattan, in der die Kriminalitätsrate längst den maximalen Pegel gesprengt hat. Kaum angekommen, landen sie auf der Fahndungsliste vom regierenden Präsidenten Koopa – dieser ist auf der Suche nach einem ominösen Meteoritensplitter, den Luigi während Daisys Entführung an sich nehmen konnte. Sein Ziel ist es, die beiden Welten wieder zu vereinen und am Ende über alles und jeden zu regieren. Dementsprechend entwickelt sich die Rettungsaktion weiter und nimmt größere Züge an, bei denen sich Mario und Luigi mit dem Polizeiapparat anlegen und der angedrohten Devolution entkommen müssen.

Ausgefeilte Handlungsstrukturen

Zeitgenössische Rezensionen kritisierten in den 1990er-Jahren vor allem die plumpe Handlung des Streifens. Diese Kritiker haben vermutlich niemals auch nur irgendeines der damals erhältlichen Videospiele gespielt, denn ansonsten wären ihnen unzweifelhaft die Tiefe der Charaktere und die Tragweite ihrer Handlungen aufgefallen. Das soll nicht heißen, dass die Story bis ins letzte Detail ausgearbeitet ist, was alleine schon aufgrund der turbulenten Arbeiten am Drehbuch absurd erscheinen würde, aber die sozialkritisch dargestellte Dystopie, der Thronraub durch Koopa, das verzweifelte Aufbegehren des alten Königs, der als Pilz in der ganzen Stadt vor sich hin vegetiert, der Versklavung von unschuldigen Personen, die in der Devolutionskammer zu echsenähnlichen Humanoiden, genannt Gumbas, gemacht werden, und nicht zuletzt Daisys unaufhörliche Suche nach ihrer eigenen Identität sind alles Themen, die so keinesfalls in irgendeinem der Videospiele angesprochen wurden. Anstatt einfach nur die Prinzessin zu retten und den Bösewicht in die Schranken zu weisen, steht in Super Mario Bros. so viel mehr auf dem Spiel. Der Film ist storytechnisch durchaus ausgefeilt, auch wenn gerade die visuelle Inszenierung hier und da stark von den Spielen abweist. Der Zuschauer muss einfach nur in Metaphern lesen und die Symbole richtig identifizieren und einordnen.

Verständliche Symbolik

Mario und Luigis Gegner erwehren sich beispielsweise mit Flammenwerfern, die aber Feuerbälle durch die Gegend spucken können. Anstatt durch die Einnahme eines Pilzes zu wachsen, bläht sich dieser im entscheidenden Moment zu einem Schutzschild auf, um Mario einmalig vor einem Geschoss zu retten. Auch Sprungstiefel tauchen auf, lassen Mario und Luigi meterweit durch das Areal hüpfen und brauchen hin und wieder eine Energieladung, die wie ein Kugelwilli geformt ist. Das sind schlicht und einfach clevere Ideen, welche die Funktionen aus den Spielen aufgreifen, sie aber in das Science-Fantasy-Korsett zwängen, um Authentizität im Rahmen der Filmwelt zu erlangen. Fans der Vorlage verstehen das – und wer die Spiele nicht kennt, erlebt trotz allem einen großen Spaß. Die beteiligten Schauspieler sahen das, vor allem aufgrund des Chaos am Filmset, aber anders. Vor der Kamera standen mit dem 2014 verstorbenen Robert William Hoskins für Mario und dem 2010 verschiedenen Dennis Lee Hopper als Koopa gleich zwei große Namen vor der Kamera. Für Luigi-Darsteller John Alberto Leguizamo Peláez war es zudem der Durchbruch im Filmgeschäft und auch Samantha Mathis, die in der Rolle der Daisy zu sehen ist, ist heute auch keine Unbekannte mehr. Der 104-minütige Film, der auch im Full-HD-Format glänzt, ist mutig, zuweilen kreationistisch, wild, düster, turbulent, unterhaltsam – und tatsächlich alles andere als langweilig oder platt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Warum es Menschen auf der Welt gibt, die den Film Super Mario Bros. aus dem Jahr 1993 nicht mögen, als platten und schlechten Film abstempeln und gleichzeitig den sterilen, eintönigen und mit müden Gags gefüllten Der Super Mario Bros. Film von 2023 in den Himmel loben, will mir nicht in den Kopf gehen. Beide Filme haben sicherlich ihre Stärken wie ihre Schwächen, aber im direkten Vergleich ist mir die mutige Leinwandadaption tausendmal lieber, selbst wenn die Schauspieler die Dreharbeiten als anstrengend empfanden und ihre Teilnahme bis an ihr Lebensende bereut haben. Ich finde den düsteren Anstrich super, denn vor dem Hintergrund der dystopischen Welt gelingt es dem Film Themen anzusprechen, die sich Nintendo zumindest in den Hauptteilen nicht trauen würde. Gerade für einen Film aus den 1990er-Jahren, bei dem das zugrunde liegende Franchise, ausgehend von Donkey Kong, noch nicht einmal anderthalb Jahrzehnte alt ist, finde ich die Umsetzung bemerkenswert. Die Handlung gibt den Figuren eine Bedeutung und lässt durch sie Sozialkritik in Form von Ungleichheit und Ungerechtigkeit sprechen. Zudem ist der Film näher an den Videospielen dran als es zunächst den Anschein hat, denn durch Metaphern und eine bewusste Symbolsprache tauchen einige Themen auf, um dem Streifen den nötigen Status einer Videospielverfilmung zu verleihen. Super Mario Bros. ist für mich seit den 1990er-Jahren ein Kultfilm, den Nintendo nicht leugnen, sondern feiern sollte!

Review: Ranma ½ – New Edition (Band 3)

Zwei Monate nach der zweiten Ausgabe erschien Mitte Januar 2023 der dritte Band der Manga-Reihe Ranma ½ von Autorin und Zeichnerin Takahashi Rumiko. Diese versetzt ihre Charaktere abermals in abstruse Situationen, die zu zahlreichen Verwirrungen und Verwechslungen führen und den Leser erheitern. Nachdem die aus China stammende Shanpū am Ende des zweiten Bandes ihren ersten Auftritt hatte und für ordentlich Wirbel sorgte, geht sie im weiteren Handlungsbogen über sich hinaus. Tendō Akane scheint für sie ein Problem zu sein, das sie unter allen Umständen aus dem Weg räumen muss – schließlich ist sie mit Saotome Ranma verlobt. Dieser soll nach Amazonenbrauch jedoch Shanpū heiraten, da er sie im Wettstreit besiegt hat. Dementsprechend nutzt sie ein besonderes Haarwaschmittel und schmiert es Akane während eines Kampfes in die Haare, um sämtliche Erinnerungen an Ranma auszulöschen. Zuhause sind alle besorgt und unterstützen, zumindest weitestgehend, Ranma dabei, Akanes Erinnerungen zurückzuholen. Wie Akane ihr Gedächtnis jedoch wiedererlangt, soll an dieser Stelle unkommentiert bleiben. Takahashi zeigt mit Bravour, dass sie für sämtliche von ihr geschaffenen Situationen eine einfache wie humorvolle Lösung findet. Trotz allem ist dies nicht der einzige Handlungsstrang, den sie im dritten Band von Ranma ½ aufschlägt.

Neue Figuren und Herausforderungen

Als Kampfkünstler scheint Ranma über alle Zweifel erhaben – offenbar hat er auch keine einzige Schwachstelle. Gosunkugi Hikaru, ein Mitschüler von Ranma, ist unsterblich in Akane verliebt und versucht deshalb, Ranma aus dem Verkehr zu ziehen. Im Kampf hätte er allerdings keine Chance, weshalb er zusammen mit Kunō Tatewaki Informationen über Ranmas Schwäche herausfinden will. Tatsächlich gibt es diese auch, doch kann Ranma unbewusst aus dieser Schwäche eine große Stärke machen. An neuen Charakteren mangelt es in der dritten Ausgabe von Ranma ½ ebenfalls nicht. Kurz hintereinander tauchen mit Shanpūs Urgroßmutter Koron und ihrem selbsternannten Verlobten Mūsu gleich zwei neue Figuren ins Rampenlicht, die das Chaos intensivieren. Das alte Mütterchen will Ranma unter allem Umständen dazu bringen, Shanpū zu ehelichen – und sorgt dafür, dass sich der Protagonist von seiner weiblichen Form nicht mehr in sein männliches Erscheinungsbild zurückverwandeln kann. Gegen Mūsu, der mit hinterhältigen Tricks kämpft, hat er so keine Chance. Um sich wieder in einen Mann zurückverwandeln zu können, muss er Shanpūs Urgrußmutter die ominöse Phönixpille abknöpfen. Koron ist jedoch mit allen Wassern gewaschen und macht es Ranma nicht leicht, wodurch sich dieser fast den ganzen dritten Band hindurch wirklich abrackern muss.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Es wird wirklich nicht langweilig in Ranma ½! Kaum denke ich, dass die gröbsten Hürden überwunden sind, verknüpft Manga-Zeichnerin Takahashi Rumiko die von ihr geschaffenen und nicht selten abstrusen Situationen derart gut, dass sich ein richtiger Lesefluss einstellt. So stolpere ich von einem Kapitel ins nächste und vergessene dabei wirklich die Zeit. Das liegt aber nicht nur an der Erzählweise, sondern auch an den gut geschriebenen Charakteren. Es kommen immer mal wieder neue Figuren hinzu, die das Ensemble erweitern und noch witziger machen. Vor allem Koron, die Ranma ständig als „alte Hexe“ bezeichnet, sorgt für neue Probleme, welche die Charaktere lösen müssen. Häufig kommt es zu verschiedenen Konstellationen unter den Figuren, sodass sich der Leser nie sicher sein kann, wie sich die Situationen entfalten. Wer gegen tolle Kampfkunst, erheiternde Comedy und ein wenig Romantik nichts hat, greift auch beim dritten Band wieder zu!

Review: Pokémon Pokopia

Während die Pokémon-Hauptreihe zwar solide Spiele hervorbringt, kann sie aufgrund veralteter Grafik bei vielen Fans kaum Anklang finden. Das im März 2026 veröffentlichte Pokémon Pokopia ist technisch zwar ebenfalls veraltet, bietet dafür jedoch ein kreativeres Gameplay.

Am ehesten lässt sich Pokémon Pokopia als eine Mischung aus Animal Crossing, Minecraft und Pokémon beschreiben. Dass dieser Spagat grundsätzlich gelingt, verwundert uns nicht, denn neben Game Freak steckt hinter dem Projekt auch Entwicklerstudio Omega Force, das mit Dragon Quest Builders II im Jahr 2018 ein recht ähnliches Spiel auf die Beine gestellt hat. Damit beschert uns der Titel zwar kein völlig neues Gameplay, aber ein buntes wie aus namhaften Marken bestehendes Gesamtbild. Im Gegensatz zu fast allen anderen Pokémon-Spielen schlüpfen wir dieses Mal nicht in die Haut eines menschlichen Charakters. Stattdessen dürfen wir zu Beginn das verwandlungsfähige Taschenmonster Ditto in einem überschaubaren Baukasten nach dem Abbild seines Trainers beziehungsweise seiner Trainerin gestalten. Wir wachen in einer Höhle auf und erfahren vom schlingpflanzenähnlichen Tangoloss, welches in den Wissenschaften der Menschen wie der Pokémon bewandert ist, dass die Menschen allesamt verschwunden sind. Wann und wohin ist ihm unklar. Genauso wenig wird die blockartig aufgebaute Spielwelt von Pokémon bevölkert. Nichtsdestotrotz retten die beiden kurz darauf das schildkrötenartige Schiggy. Wenig später gesellen sich weitere Pokémon zu ihnen. Gemeinsam beschließen die Pokémon, dem Verschwinden der Menschheit nachzugehen.

Spielwelt voller Habitate

Im Gegensatz zu den Rollenspielen der Reihe ist Pokémon wesentlich friedvoller ausgelegt, da es keine Kämpfe zu bestreiten gilt. Stattdessen erschaffen wir in der Spielwelt neue Habitate, indem wir beispielsweise Wiesen und Blumenfelder auf Feldern, unter Bäumen oder an Wasserstellen errichten. Mit der Zeit kommen diesbezüglich komplexere Strukturen hinzu, indem wir auch Bänke oder Tische konstruieren, Sandsäcke aufhängen oder Essen in Form von Beeren auslegen, um neue Pokémon anzulocken. Hat sich ein Pokémon in sein neues Habitat verirrt, schließen wir Freundschaft mit ihm. Durch das Erfüllen verschiedener Aufgaben bringen die anderen Taschenmonster unserem Ditto neue Fähigkeiten bei, welche wir vor allem beim Errichten weiterer Habitate, aber auch beim Umgestalten der Spielwelt einsetzen können. Mit der Attacke Zerschneider können wir beispielsweise Efeu abschneiden oder Holz verkleinern. Zertrümmerer setzen wir hingegen ein, um Steine oder Blöcke, in welche die Spielwelt wie gesagt unterteilt ist, abzubauen. Hinzu kommen Fähigkeiten wie Stärke, mit denen wir Objekte verschieben können, oder eigentlich nutzlose Angriffe wie Platscher, mit denen unsere Spielfigur hingegen über Abgründe hüpfen kann. Wer auch nur irgendeine Episode der Pokémon-Reihe gespielt hat, findet sich sofort zurecht. Alle anderen aber auch!

Kreativer Schaffensprozess

Pokémon Pokopia begeistert von der ersten Minute mit einer motivierenden Aufwärtsspirale. Soll heißen, dass wir stets etwas zu tun haben. Die Aufgaben führen meist zu einem nächsten Zielpunkt in der Spielwelt, lassen uns nebenher aber viel Raum, diese zu erkunden. Überall klauben wir Äste und Steine auf, bewässern ausgedorrte Bäume, bringen Blumenwiesen zum Blühen und entdecken zahlreiche Geheimnisse, die trotz der wenig verschachtelten Struktur der Höhlensysteme gut hinter Wänden versteckt sind. Selbst einfache Physikspielereien sind möglich. Bricht zum Beispiel hinter einer Wand Wasser hindurch, so können wir den Fluss nach unserem Gutdünken leiten. Erdblöcke, die sich direkt am Wasser befinden, werden so direkt bewässert. Zwar lässt die Physik ähnlich wie in Donkey Kong Bananza zu wünschen übrig, funktioniert aber zumindest in den entscheidenden Momenten. Auch wenn es in vielen Momenten unerheblich ist, wie wir die Spielwelt gestalten, macht es im Gegensatz zum Spiel mit dem Gorilla in der Hauptrolle Spaß, Veränderungen in den einzelnen Arealen von Pokémon Pokopia zu bewirken. Jeder Eingriff ist permanent und bleibt gespeichert, bis wir ihn wieder händisch rückgängig machen. Das alles ist selbstverständlich zeitaufwendig, aber wer sich gerne kreativ in einem Spiel austobt, kann am Ende stolz auf seine Arbeit zurückblicken.

Pokémon Crossing

Neben den offensichtlichen Ähnlichkeiten zu Minecraft ist jedoch auch der gravierende Einfluss von Animal Crossing: New Horizons nicht von der Hand zu weisen. So erhalten wir im Verlauf des Spiels peu à peu Bauanleitungen, mit denen wir uns an Werkbänke begeben können, um neue Möbelstücke zu zimmern. Diese können wir entweder frei in der Welt platzieren, um die Habitate der Pokémon zu verschönern, oder wir richten unser Eigenheim damit ein. Letzteres ist zwar nicht ganz so spannend wie im Vorbild, aber der schiere Umfang an Gegenständen, zu denen auch Treppenaufgänge und Leitern gehören, ist wirklich beeindruckend und langfristig motivierend. Wir haben stets das Gefühl, dass das Gestalten der Spielwelt einen Sinn ergibt. Erfüllen wir primäre wie sekundäre Aufgaben und bescheren den Pokémon ein schönes Zuhause und damit Zufriedenheit, steigt auch der Umgebungslevel und das Sortiment im Laden. Parallel dazu steigt auch unser sogenannter Trainer-Rang, mit dem wir, sofern er hoch genug ist, in den nächsten Abschnitt der Spielwelt vordringen können. Somit verfügt Pokémon Pokopia leider nicht über eine große zusammenhängende Spielwelt, aber immerhin eine Skybox nach der anderen, die wir ziemlich frei gestalten dürfen. Zudem bauen wir in jedem Spielabschnitt unser Pokémon-Netzwerk mit neuen Monstern auf.

Kleinere technische Macken

In puncto Steuerung macht der Titel einen soliden Eindruck. Das Bewegen und das Umsehen in der Spielwelt funktioniert bestens, doch wollen wir mit der Spielwelt interagieren, fällt die Bedienung fummelig aus. Nicht immer gelingt es auf Anhieb, genau den Block anzuschauen, den wir auch bearbeiten wollen. Pokémon Pokopia unterstützt jedoch die Mausfunktion, womit das Anvisieren präziser funktioniert, die Reaktion des Cursors aber zu wünschen übrig lässt. Darüber hinaus könnte es gerade Enthusiasten nerven, dass das Inventar trotz Erweiterungsmöglichkeiten eher klein ausfällt, sodass wir ständig mit unabhängigen Kisten zum Lagern und Abholen von Items arbeiten müssen. Grafisch reißt der in kunterbunter Comicgrafik gehaltene Titel keine Bäume aus, läuft dafür aber weitgehend flüssig auf der Switch 2. Kleinere Framerate-Einbrüche kommen selten vor, schmälern in unseren Augen aber auch nicht das Gesamtbild. Musikalisch pendelt sich das Spiel zwischen beruhigenden und nervigen Klängen ein. Hier wäre mehr möglich gewesen. Zu guter Letzt bietet der Titel lokal als auch online einen Mehrspielermodus, der den Spielspaß des auch so schon umfangreichen Spiels verlängert. Ein Wermutstropfen zum Schluss: Physisch gibt es Pokémon Pokopia nur als Game Key Card, was das Spiel gerade für Sammler oder Menschen mit schlechter Internetanbindung unattraktiv macht. An der sonstigen Qualität des Spiels ändert dies aber nur wenig.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Mit den Spin-offs der Pokémon-Reihe habe ich in den letzten Jahren deutlich mehr Freude gehabt als mit den Hauptteilen, die von mir ohnehin kaum mehr beachtet werden. Sowohl New Pokémon Snap als auch Pokémon-Legenden: Arceus haben gezeigt, welches Potenzial in der Marke steckt. Pokémon Pokopia reiht sich wunderbar in diese Riege ein, obwohl das Gameplay vor allem von Minecraft und Animal Crossing abgekupfert ist. Dies ändert aber nichts daran, dass das Werk voller kreativer Möglichkeiten steckt und mich auf dieser Ebene überzeugt. Es macht mir sehr viel Spaß, die Spielwelt umzugestalten und Habitate für die Pokémon anzulegen. Auch das Erledigen der Aufträge macht mir Spaß, da mich die Aufgaben kreuz und quer durch die Spielwelt jagen und ich diese quasi im Vorbeigehen erkunden kann. Mit neuen Fähigkeiten öffnet sich die Spielwelt fast schon wie in einem Spiel des Metroidvania-Subgenres schrittweise, sodass ich auch nie überfordert werde. Ich hätte es zwar begrüßt, wenn die gesamte Spielwelt zusammengehörig wäre, doch auch die einzelnen Areale bieten genügend Anreize, sie zu erkunden und neue Pokémon kennenzulernen. Lediglich in technischer Hinsicht hätte ich auf der Switch 2 mehr erwartet, denn die Grafik lockt mir nur ein müdes Lächeln hervor und die Musik wirkt häufig uninspiriert. Am sonstigen Gameplay ändert dieser Umstand aber nichts. Falls ihr kein Problem damit habt, dass das Spiel im Handel nur als Game Key Card verfügbar ist, solltet ihr sofort zuschlagen. Ich kann aber auch sehr gut verstehen, wenn ihr aus diesem Grund dem Spiel keine Chance geben wollt. Dann verpasst ihr jedoch eines der schönsten Wohlfühlspiele der letzten Jahre – eine Konsequenz, die sich Nintendo in diesem Falle aber ganz alleine zuzuschreiben hat.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pokémon Pokopia!

Review: Bravely Default: Flying Fairy – HD Remaster

Zunächst erschien Bravely Default im Jahr 2012 für den 3DS. 2025 kam es zu einer Neuauflage für die Switch 2. Im März 2026 gab Square Enix dem grafisch angepassten HD Remaster mit einer weiteren Umsetzung für den PC und die Xbox Series X eine weitere Chance.

Von der Fachpresse erhielt das klassische japanische Rollenspiel für den Nintendo 3DS zum Release traumhafte Wertungen. Wer den Titel jedoch einmal durchgespielt hat, dürfte in den letzten Spielstunden regelrecht genervt gewesen sein. Ins Detail möchten wir an dieser Stelle nicht gehen, doch die letzten Stunden von Bravely Default: Flying Fairy ziehen sich auch im HD Remaster wie Kaugummi. Bis zu diesem Zeitpunkt kann das Abenteuer aber durchaus mit vielen Überraschungen und Wendungen sowie einem tollen Heldenquartett punkten. Im Spiel schlüpfen wir in die Rolle des Schafshirten Tiz Arrior, dessen Dorf mitsamt aller Einwohner und seiner Familie dem Erdboden gleichgemacht wird. Als einziger Überlebender will er den Grund für sein Überleben herausfinden. Schon während des Prologs treffen wir mit ihm auf die Vestalin des Windes, Agnès Oblige, welche die vier Kristalle in der Luxendarc genannten Welt erwecken will. Aufhalten will sie hingegen die Himmesritterin Edea Lee, die mit dem Gedankengut aufgewachsen ist, dass die Lehren der Kristallorthodoxie falsch sind. Trotzdem schließen sie sich zusammen und nehmen auch den an Amnesie leidenden Ringabel mit, der mit einem mysteriösen Tagebuch über noch nicht geschehene Ereignisse bestens im Bilde ist. Ebenfalls im Schlepptau ist die Fee Airy, welche Agnès bei ihrem Vorhaben weiter antreibt.

Spannende Heldenreise mit Einschränkungen

Schon nach kurzer Zeit schließen wir die illustren Helden ins Herz. Insbesondere die zwischenmenschliche Dynamik, die sich zwischen Edea und Ringabel entwickelt, gehört in unseren Augen mit zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Voraussetzung hierfür ist, dass wir uns ähnlich wie in Tales of Graces f und Co auf die optionalen Gruppengespräche einlassen, in denen sich das Verhältnis der Figuren zueinander vertieft. Auch gefallen uns die zahlreichen Nebencharaktere, die uns im Verlauf des auf dutzende Stunden ausgelegten Abenteuers unterstützen oder uns behindern. So bleibt es dank sowohl humorvoller als auch tragischer Momente immer spannend, unterhaltsam oder mitreißend. Während der Heldenreise erkunden wir verschiedene Ortschaften, die beispielsweise in einem Blumenmeer aufblühen, mitten in der Wüste in den Himmel ragen oder unter einer massiven Schneedecke begraben sind. Auch die umliegenden Gebiete wie Ruinen oder Höhlen passen sich den klimatischen Verhältnissen an, wodurch ein stimmiges Gesamtbild der Welt Luxendarc entsteht. Schade ist lediglich, dass in den Städten nahezu alle Türen der Häuser verschlossen bleiben und die Architektur der Dungeons im Gegensatz zum Gameplay noch weiter in die Vergangenheit reicht. Gerade für das HD Remaster von Bravely Default hätten wir uns hier über ein paar neue Inhalte gefreut.

Titelgebende Kampfmechanik

Spannende Ideen lassen sich hingegen im klassisch rundenbasierten Kampfsystem des Rollenspiels finden. Beispielsweise haben wir in diesem die Möglichkeit, mit dem titelgebenden Default-Befehl Aktionen aufzusparen und in der Zwischenzeit mit den Figuren eine Verteidigungsstellung einzunehmen. Ein paar Runden später können wir dann mittels des ebenfalls titelgebenden Brave-Befehls mehrere Aktionen wie einfache Angriffe oder mächtige Zaubersprüche zielgerichtet auf die Gegner entfesseln. Auch mehrere Gegenstände können wir so verwenden, falls uns danach sein sollte. Selbstverständlich können wir auch direkt zu Kampfbeginn mehrere Aktionen hintereinander befehligen, doch sollten wir die Feinde dann nicht innerhalb einer Runde ausgeschaltet haben, sind wir den Gegnern gleich über mehrere Runden hinweg schutzlos ausgeliefert. Taktisches Abwägen ist hier also durchweg angesagt, das zudem mit prozentualen Boni auf Erfahrungspunkte und Co belohnt wird. Das ist insofern relevant, da schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad gegen Ende von Bravely Default relativ viel Grind von uns abverlangt wird, wenn wir die vier Recken für die durchaus harten Bossgegner aufleveln wollen. Auch die zahlreichen Berufe, die wir erlernen können, wollen auf diese Art und Weise über etliche Stunden hinweg aufs Maximum gebracht werden.

Tiefgreifendes Jobsystem

Besagte Jobs erinnern uns stark an den Super-Nintendo-Klassiker Final Fantasy V aus dem  Jahr 1992. Sobald wir bestimmte Bossgegner besiegt haben, nehmen wir diesen ihre edelsteinförmigen Asterisken ab, die Zugriff auf neue Berufe geben, welche Agnès, Edea, Tiz und Ringabel ausüben können. Steigern wir in Bravely Default die Stufe eines erlernten Jobs, erhalten wir Zugriff auf eine neue Fähigkeit oder Attributsverbesserungen. So verbessern wir beispielsweise unsere Fähigkeiten im waffenlosen Kampf, der hilfreichen Weißmagie oder der destruktiven Schwarzmagie. Ein ausgewogenes Verhältnis in der Gruppe kann zudem hilfreich sein, um die Schwächen etwaiger Gegner gekonnt auszunutzen. Da kommt es uns nur gelegen, dass wir ausgewählte erlernte Fähigkeiten in bereits ausgeübten Jobs in unseren aktiven Beruf übertragen können. So dürfen auch mächtige Krieger im Notfall kleinere Wunden heilen oder Schwarzmagier auf die Abenteuerfähigkeiten des Freiberuflers setzen. Die Möglichkeiten sind denkbar groß, wobei es mit genügend Durchhaltevermögen beim Leveln und ein wenig Überlegung sogar Kombinationen gibt, welche die Spielmechanik derart heftig aushebeln, sodass selbst die stärksten Bossgegner am Ende keinerlei Bedrohungen mehr sind. Eine Korrektur des Schwierigkeitsgrades von Bravely Default hätte dem Spiel gut getan.

Gutes, aber nicht perfektes Remaster

In puncto Bedienung lässt sich der Titel wunderbar spielen, denn die Menüführung ist leicht verständlich. Auch die Orientierung ist bis auf den einen oder anderen verschachtelten Dungeon wenig kompliziert. Selbst die Kämpfe gehen leicht von der Hand und laufen schon nach wenigen Auseinandersetzungen fast automatisiert ab. Falls wir bestimmte Informationen über die Mechaniken oder die Welt an sich vergessen sollten, können wir auch im umfangreichen Kompendium nachschlagen, das sich regelmäßig mit neuen Inhalten füllt. Eine der wenigen Neuerungen sind zwei Minispiele, die sich im Hauptmenü verstecken – und auch nur bedingt Spaß machen. Unserer Meinung nach wurden die Entwicklungsressourcen beim verantwortlichen Entwicklerstudio Cattle Call hier falsch eingesetzt. Am ehesten ist der neue Anstrich an den verbesserten Grafiken zu sehen, die nun viel eleganter wirken. Gerade die Umgebungsgrafiken in den Städten erinnern entfernt an Titel wie SaGa Frontier 2. Lediglich in den Dungeons ist die 3DS-Herkunft genauso wenig zu leugnen wie bei den für PC-Verhältnisse zu groben Charaktermodellen. Immerhin entschädigt dafür ein genialer Soundtrack von Komponist Revo der japanischen Gruppe Sound Horizon. Auch die einstigen StreetPass-Elemente vom 3DS funktionieren nun deutlich angenehmer, weshalb es sich bei Bravely Default: Flying Fairy – HD Remaster wahrhaftig um die beste Version des Rollenspielklassikers handelt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch-2- und 3DS-Fassung): Tatsächlich habe ich Bravely Default erst vor wenigen Jahren auf dem 3DS nachgeholt, obwohl das Spiel seit Release im Jahr 2013 bei mir im Regal steht. Ein sonderlich großer Fan des Spiels bin ich leider nicht, da mich gerade die Story in den letzten Spielstunden massiv enttäuscht. Repetitiv und gefühlt unendlich in die Länge gezogen fühlt sich das Finale an, was storytechnisch vielleicht Sinn ergibt, aber wenig Spaß bietet. Trotzdem handelt es sich bei dem Werk von Herausgeber Square Enix bis zu diesem Zeitpunkt um ein ordentliches japanisches Rollenspiel, das sich wunderbar an alten Tugenden orientiert und mit den Brave- und Default-Befehlen ein wenig Eigenständigkeit mit sich bringt, die sich später auch in Spielen wie Octopath Traveler manifestieren sollte. Die Story ist interessant wie motivierend und die Charaktere gut geschrieben und immer wieder für Überraschungen gut. Auch das Kampfsystem fluppt und unterhält mich dank des vielschichtigen Jobsystems über lange Zeit hinweg, auch wenn ich dafür auf dem normalen Schwierigkeitsgrad viel Zeit ins Aufleveln investieren muss, da einige Bosskämpfe gegen Ende echt knallhart sind. Weniger gut gefallen mir die recht linearen und teils schon schlauchartigen Dungeons und dass das HD Remaster vor allem an diesen Orten bei den Charaktermodellen auch auf dem PC die 3DS-Herkunft nicht ganz kaschieren kann. Die neuen Minispiele hätten sich die Entwickler in meinen Augen zudem echt schenken können, aber da diese sich gut im Hauptmenü verstecken und rein optional sind, lenken sie mich auch gar nicht vom Hauptspiel ab, das ja bis auf besagte Defizite durchaus einen Blick wert ist.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bravely Default: Flying Fairy – HD Remaster!

Review: Flucht in die Zukunft

Zeitreisen faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten, vermehrt jedoch erst im Rahmen der Populärkultur des 19. bis 21. Jahrhunderts. Flucht in die Zukunft aus dem Jahr 1979 spielt mit der Thematik derart bedingt, dass andere Genres über die Fiktion die Oberhand gewinnen.

Flucht in die Zukunft von Regisseur Nicholas Meyer verbindet viele Filmgenres miteinander. Unter anderem fungiert der Streifen als Science-Fiction, Liebesfilm und Sozialkritik. Böse Zungen würden behaupten, dass der Film auf zu vielen Hochzeiten tanze. Durchs Marketing wurde dieser Umstand sogar verkompliziert, indem der Zuschauer beim Sehen des originalen Trailers der Auffassung sein könnte, im Film ginge es um wilde Verfolgungsjagden im Stile eines Kriminalfilms oder Thrillers. Tatsächlich bedient sich Meyers Werk aus dem Jahr 1979 auch diesen Genres. Die Struktur klarer Genregrenzen sind aufgebrochen und existieren in Flucht in die Zukunft nicht, sodass zu guter Letzt auch Platz für komödiantische Einlagen bleibt, die aber nicht nur aufgrund des Entstehungszeitpunkt auch heute noch mehr als charmant auf den Zuschauer wirken. Wer sich den Film einmal angesehen hat, wird aber sehr gut wissen, dass diese wilde Mischung aus verschiedenen Genres aber außerordentlich gut funktioniert. Diesen Ruck haben sich die Kinozuschauer in den späten 1970er-Jahren aber nicht gegeben. Obwohl sich der Film nicht zu einem finanziellen Flop mauserte, blieb er hinter den Erwartungen zurück, wofür wiederum das Marketing verantwortlich gemacht wurde. Da stellt sich auch uns eingehend die Frage, was für eine Art Film Flucht in die Zukunft eigentlich ist.

Reise durch Raum und Zeit

Direkt in der ersten Szene erfährt der Zuschauer die Identität des wohl berühmtesten Serienmörders der Welt: Jack the Ripper. Obwohl John Stevenson, so der bürgerliche Name des Killers, 1888 seinen vermutlich letzten Mord begangen hat, ersticht er 1893 eine Prostituierte – und geht danach in Seelenruhe zum Herrenabend bei Herbert George Wells. Diesmal ist die Polizei dem Killer jedoch dicht auf den Fersen. Als Wells seinen Freunden seine selbst konstruierte Zeitmaschine vorstellt, nutzt Stevenson die Gunst der Stunde und flieht, wie es der Titel des Films verrät, in die Zukunft. Da Stevenson jedoch nicht über einen speziellen Zeitreiseschlüssel verfügt, kehrt die Maschine nach seiner Ankunft im Jahr 1979 automatisch wieder ins Jahr 1893 zurück. Wells, der nicht von ungefähr den gleichen Namen wie der berühmte Schriftsteller trägt, sieht sich in der Verpflichtung und reist mit der Zeitmaschine hinterher. Durch Raum und Zeit gereist landet er in San Francisco und macht sich auf die Suche nach seinem Gegenspieler. Die damalige Gegenwart ist jedoch keineswegs die glänzende Zukunftsutopie, die er sich in seinen Gedanken immer ausgemalt hat. Um Stevenson aufzuhalten, geht er auf Spurensuche und hält überraschend Hilfe von der Bankangestellten Amy Robbins, die ihn in die ach so kleinen Feinheiten des Lebens des 20. Jahrhunderts einführt.

Liebesglück im Zeitreisestoff

Handlungstechnisch entwickelt sich der Film trotz der überschaubaren Anzahl an Haupt- und Nebencharakteren eher langsam. Der entschleunigte Stil ist jedoch gerade für die Romantik, die sich zwischen Wells und Robbins entwickelt, maßgebend. Gespielt werden die beiden von dem aus Uhrwerk Orange bekannten Malcolm McDowell und Mary Steenburgen, die hier in einer ihrer ersten Filmrollen zu sehen ist und lustigerweise ein Jahrzehnt später noch einmal im Zeitreisefilm Zurück in die Zukunft III eine tragende Rolle einnehmen sollte. Für Stevenson stand hingegen der 2022 verstorbene David Hattersley Warner vor der Kamera. Obwohl Warner seine Rolle mit krimineller Versiertheit spielt, glänzen vor allem McDowell und Steenburgen, die auch in der Realität eine Zeit lang ein Liebespaar werden sollten. Trotz aller Schauspielkünste ist dem Film anzumerken, dass es Meyers Regiedebüt war. Auch das Drehbuch stammt aus seiner Feder – und vielleicht hat er sich ein wenig übernommen. Trotzdem ist es lobenswert, wie kausal die Zusammenhänge in der Zeitreisegeschichte funktionieren. Im Mediabook findet sich der Streifen sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD. Als digitale Boni winken ein Audiokommentar vom Regisseur, ein Einspieler von Alan Spencer, Trailer und eine prallgefüllte Bildergalerie. Physisch gibt es ein Booklet von Buchautor Tobias Hohmann obendrauf, das mitreißend geschrieben ist und tiefere Einblicke in Flucht in die Zukunft gibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Warum ich bis vor Kurzem noch nichts von dem Film Flucht in die Zukunft gehört habe, ist mir ein Rätsel. Ich mag Zeitreisen in allen erdenklichen Medien, da sie unfassbar großes Potenzial bieten, Fehlentscheidungen zu treffen und wieder zu korrigieren. Auch eine meiner, wenn nicht sogar meine allerliebste Filmreihe Zurück in die Zukunft hat sich von Flucht in die Zukunft an verschiedenen Stellen Inhalte frech abgeguckt. Wie Zurück in die Zukunft ist auch Flucht in die Zukunft eine wilde Mischung aus verschiedenen Filmgenres, die aber bestens harmoniert, sobald ich mich darauf einmal einlasse. So wird die Zeitmaschine im Film kaum angerührt. Stattdessen konzentriert sich der Film auf die Liebesgeschichte zwischen Wells und Robbins. Auch ein Fingerzeig auf die Sozialkritik, sprich dass sich die Menschheit eher zurück- statt weiterentwickelt hat, ist an einer Stelle klar gekennzeichnet. Daneben gibt es Elemente des Thrillers und der Komödie, welche gleichermaßen für Spannung als auch für Auflockerung sorgen. So bleibt Nicholas Meyers Flucht in die Zukunft durchgehend unterhaltsam, spannend und faszinierend, auch wenn der Film in handwerklicher Hinsicht und Tricktechnik heute etwas altbacken wirkt.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Flucht in die Zukunft!

Review: Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition

Zu Beginn der 2000er-Jahre waren Remakes in der Videospielwelt noch eine Seltenheit. Mit Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition gingen Nintendo und Game Freak 2004 erstmals den Neuauflagenweg und veröffentlichten die Remakes zur allerersten Pokémon-Generation.

Ursprünglich erschienen Pokémon: Rote & Grüne Edition für den Game Boy schon 1996 im Land der aufgehenden Sonne. Außerhalb Japans hat vom Erfolg der Taschenmonster zu diesem Zeitpunkt kaum jemand etwas geahnt. Wenige Monate nach der Erstveröffentlichung kam es auch noch zu Pokémon: Blaue Edition, bei der es sich um eine verbesserte Version der ursprünglichen Spiele handelt, in der Bugs behoben und neue Sprites für die titelgebenden Kreaturen integriert wurden. Diese Edition wurde auch als Grundlage für die außerhalb Japans veröffentlichten Spiele Pokémon: Rote & Blaue Edition gewählt. Beim Remake haben sich die an der Entwicklung beteiligten Unternehmen wieder den Originaltiteln zugewandt – einen ähnlichen Fall hat es im gesamten Franchise danach nie mehr gegeben. Nach welchen Farben die Editionen aber nun benannt wurden, ist uns eigentlich schnuppe. Es kommt auf die inneren Werte an und die sind in jeder Edition deutlich zu spüren. Dabei ist die Prämisse ziemlich simpel. Wir schlüpfen in die Rolle eines männlichen oder weiblichen Protagonisten. Ziel ist es, Pokémon-Meister zu werden, indem wir in der ganzen Kantō-Region Pokémon suchen, gegen sie mit unseren Monstern kämpfen, sie einfangen und schließlich gegen andere Trainer und die acht Arenaleiter des Landes antreten, um in der berühmten Liga zu kämpfen.

Remakes zweier Klassiker

Bei Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition handelt es sich wie schon beim Original um japanische Rollenspiele, die vor allem mit der großen Varianz an Gruppenzusammenstellungen punkten. So stellen wir unser maximal aus sechs Pokémon bestehendes Team nach und nach aus verschiedenen Typen zusammen. Mit jedem Sieg in den rundenbasierten Kämpfen sammeln die eingesetzten Taschenmonster Erfahrungspunkte, mit denen sie im Level aufsteigen. Die meisten Pokémon verfügen zudem über mehrere Evolutionsstufen, sodass sie ab einem bestimmten Level ihr Äußeres verändern und stärker werden. Andere Entwicklungen lösen wir aus, indem wir bestimmte Steine einsetzen. Es ist nie verkehrt, ein bunt gemischtes Team mit sich zu führen, denn selbst die einsetzbaren Attacken sind verschiedenen Typen zugeteilt. Wasserattacken sind beispielsweise effektiv gegen Feuer-Pokémon, die wiederum mit ihren Flammen Monsters der Typen Pflanze und Insekten das Fürchten lehren. So entsteht ein wunderbarer Kreislauf, der zum Experimentieren und Taktieren einlädt. Auch wenn spätere Editionen der Pokémon-Reihe mit einem größeren Umfang aufwarten, weiß das Konzept der ursprünglich für den Game Boy Advance veröffentlichten Remakes der beiden Game-Boy-Klassiker auch heute noch zu überzeugen. Allenfalls die Story ist nur zweckdienlich.

Gelungenes Update mit erweitertem Umfang

Unterschiede zwischen den beiden Versionen sind marginal, denn diese beschränken sich auf das Auftreten von verschiedenen Pokémon. Beispielsweise können wir in Pokémon: Feuerrote Edition das hundeartige Fukano fangen. Dafür können wir in Pokémon: Blattgrüne Edition Bekanntschaft mit dem fuchsartigen Vulpix schließen. Ist euch also ein Pokémon aus der ersten Generation besonders ans Herz gewachsen, solltet ihr im Vorfeld abklären, für welche Version ihr euch entscheiden solltet. Im besten Fall habt ihr aber Freunde im Umreis, die über die jeweils andere Version verfügen, sodass ihr die Pokémon lokal über die Drahtlosverbindung von Switch, Switch 2 oder im Falle dessen, dass ihr das Originalspiel ergattern könnt, auf dem Game Boy Advance tauschen könnt. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Spielen auf dem Game Boy sind Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition um weitere Inhalte ergänzt, wozu auch die Sevii-Eilande gehören, auf denen ihr Pokémon aus der zweiten und der dritten Generation treffen könnt. Somit sind die Spiele auch für jene Spieler interessant, die möglicherweise die Remakes damals ausgelassen haben und jetzt nachholen möchten. Für uns sind die beiden Spiele jedenfalls die definitiven Versionen der ursprünglichen Vision. Wer nichts gegen Retro-Optik und Chiptune-Sounds hat, kommt definitiv voll auf seine Kosten!

Geschrieben von Eric Ebelt

Eric Fazit (basierend auf der Switch-Fassung): Glücklicherweise bin ich alt genug, um die ersten Videospiele des Pokémon-Franchises auf dem Game Boy miterlebt zu haben. Leider ist die dritte Generation ein fast genauso ungeschriebenes Blatt wie die Remakes der ersten Generation, die ich damals leider verpasst habe. Die Grafik ist aufpoliert und der Soundtrack ein wenig stimmiger. Ansonsten ist jedoch alles beim Alten – und das ist durchaus positiv gemeint. Obwohl das Gameplay verglichen mit späteren Generationen deutlich umfangreicher und abwechslungsreicher wurde, wissen auch Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition zu überzeugen. Es macht Spaß, die Welt zu bereisen, die titelgebenden Taschenmonster zu sammeln, Kämpfe auszutragen und am Ende ein Team zusammenzustellen, auf das ich stolz sein kann. Trotz aller Qualitäten ist nur die Story nur zweckdienlich, aber das haben selbst spätere Spiele der Reihe nicht viel besser hinbekommen. Bei der Neuveröffentlichung auf der Switch finde es jedoch schade, dass die Spiele über keine Online-Modi verfügen. Gerne hätte ich meine Pokémon auch online mit Freunden getauscht. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, ein Herz für Retro-Spiele hat und sowieso Pokémon-Fan ist, kommt mit Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition in den Genuss der definitiven Ausgaben der beiden Klassiker!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pokémon: Blattgrüne Edition!

Review: Reflection in a dead Diamond

Im Spionagefilm Reflection in a dead Diamond aus dem Jahr 2025 wird ein gealterter Agent mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Peu à peu verschwimmen für ihn in dieser Hommage an das europäische Agentenfilmkino die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Wer heutzutage an das Genre des Spionagefilms denkt, dem wird vermutlich zunächst die seit 1962 laufende James-Bond-Filmreihe in den Sinn kommen. Als nächstes in der Rangliste stehen dann mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit die Mission-Impossible-Streifen an, die aber eh die konsequente Filmfortführung der Fernsehserie Kobra, übernehmen Sie von 1966 bis 1973 beziehungsweise deren Serienfortsetzung In geheimer Mission aus den Jahren 1988 bis 1990 ist. Darüber hinaus gab es zumindest in den letzten Jahrzehnten mehr Klamauk als eine ernstzunehmende Bedrohung für die beiden erwähnten Franchises. Reflection in a dead Diamond setzt sich von diesen aber bewusst ab, zumindest weitgehend. Stattdessen interpretiert der Film des Ehepaars Hélène Cattet and Bruno Forzani den europäischen Agentenfilm, dessen Werke vornehmlich in den 1960er-Jahren zu verankern sind. Bereits wenige Jahre nach der Veröffentlichung der ersten vier James-Bond-Filme explodierte das Genre der ernsten Nachahmer und der parodistischen Imitate. Die beiden Regisseure, die auch das Drehbuch ihres Werks zu verantwortlichen haben, setzen sich mit Reflection in a dead Diamond zwischen die Stühle dieser beiden Extreme und lassen ihren gealterten Helden seine Vergangenheit zwischen spannenden Rückblenden und melancholischem Wahnsinn erneut durchleben.

Agenten im Alter

Im Mittelpunkt der Erzählung steht der vermutlich ehemalige, seiner tragischen Vergangenheit aber nach wie vor verbundene John Diman, gespielt von Fabio Testi. Seinen Lebensabend verbringt er zurückgezogen an der Côte d’Azur in einem Luxushotel. Eines Tages verschwindet seine Zimmernachbarin spurlos, wodurch er sich an die Abenteuer vergangener Tage erinnert. So erfährt der Zuschauer von einem Auftrag, der ihn in just dieses Luxushotel geführt hat, und eine Verbindung zum mysteriösen Markus Strand, der wiederum mit dem Verschwinden seiner damaligen Kollegin zu tun hat. Noch dazu steht der jüngere und von Yannick Renier verkörperte Diman vor neuen Herausforderungen, denn während ältere Kollegen aus dem Dienst ausscheiden, muss er weitermachen – bis auch er irgendwann ersetzt wird. Einen nicht unwesentlichen Aspekt des Films macht die ominöse Erscheinung der Serpentik aus, bei der es sich um eine in Leder gehüllte Killerin handelt, die ihre Gegner mit einem giftigen Stich in den Nacken tötet. Ihre Identität ist geheim und auch Diman wird vorgehalten, es niemals zu schaffen, hinter ihre Maske zu blicken. All das klingt äußerst spannend und könnte Reflection in a dead Diamond zu einem handlungsträchtigen Agentenfilm machen, aber Cattet and Forzani hatten andere Pläne und erzählen die Story eher über eine ausgetüftelte Bildsprache denn aus auktorialer Sicht über tiefsinnige Dialoge.

Filme sind Kunst

So reihen sich im Film dicht an dicht exquisite Kamerafahrten und abenteuerliche Tricktechniken, die in manchen Fällen durch den Gebrauch von unsinnigen Gadgets von Diman in Erscheinung treten. Beispielsweise kann er mit einem bestimmten Ring durch Wände oder sogar in das Gehirn seiner Zielpersonen blicken, um an Informationen zu gelangen. An anderer Stelle wird auf kleinen Spiegeln das Gesicht seiner Kollegin projiziert, sodass er Hinweise durch das Ablesen ihrer Lippen aufnehmen kann. Absurder wird es nur, indem sich Vergangenheit und Gegenwart für ihn weiter vermischen und der Zuschauer zuweilen das Gefühl hat, einen gealterten Schauspieler zu erleben, der neben seiner Leinwandheldenkarriere zusätzlich noch als Comicbuchfigur verwurstet wurde. So albern das erscheint, so wenig langweilig wird der Film trotz ordentlichem Handlungsaufbau. 87 Minuten gelingt es dem Film mit Tragik, einer möglicherweise ungewollten Prise Humor, aus zeitgenössischen Filmen zusammengeklaute Musik und herausragender Bildtechnik zu überzeugen. In erster Linie dürften aber wohl nur eine Handvoll Kunststudenten angesprochen sein, die sich wochenlang über die Machart des Films unterhalten dürften. Ansonsten richtet sich Reflection in a dead Diamond vornehmlich an Filmliebhaber mit einem erlesenen Geschmack, die den Film aber sicher lieben werden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Herausgeber Plaion Pictures hat im Vorfeld mit dem Trailer ein ganz falsches Bild vom Film vermittelt – insofern kann ich gut verstehen, dass so mancher Zuschauer nach dem Ansehen enttäuscht sein könnte. Reflection in a dead Diamond ist definitiv kein Film für jedermann, denn dazu ist er zu speziell. Das liegt in erster Linie nicht einmal an der Handlung, die melancholische, gar tragische Züge annimmt und eigentlich genug Zündstoff für einen spannenden Agentenfilm liefert. Stattdessen setzt der Film auf eine Bildsprache, die es sonst womöglich nur in Werken wie Sin City gibt. Mit zahlreichen Anspielungen auf James Bond und vor allem den europäischen Spionagefilm, fließenden Übergängen zwischen Gegenwartsszenen und Rückblenden, die Wahrheit und fast schon fiebertraumähnliche Sequenzen vermischen, entpuppt sich Reflection in a dead Diamond mit jeder Minute mehr und mehr als intelligenter Film, der mit der Norm bricht und dadurch einzigartige Züge annimmt. Wer Experimente mag, sich intensiv mit filmischen Kunstwerken beschäftigt oder auch einfach nur dem europäischen Agentenfilm etwas abgewinnen kann, ist mit Cattets and Forzanis Reflection in a dead Diamond bestens bedient!

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Reflection of a dead Diamond!

Review: Mario Tennis Fever

Nintendos Allzweckwaffe Super Mario hat schon etliche Sportarten erobert. Für Tennis ist der schnauzbärtige Klempner immer wieder zu begeistern – und so steckt ihn der Konzern bereits im ersten Jahr der Nintendo Switch 2 in Mario Tennis Fever abermals in die Tenniskleidung.

Ursprünglich war Entwicklerstudio Camelot Software Planning vor allem für seine Rollenspiele bekannt. Böse Zungen würden sogar behaupten, dass die Entwickler ihr Talent heutzutage mit Sportspielen verschwenden. Mit Everybody’s Golf für die PlayStation aus dem Jahr 1997 müssen die Japaner trotz aller Unkenrufe bei Nintendo jedoch einen Nerv getroffen haben, denn seit 1999 entwickeln sie für das japanische Traditionsunternehmen aus Kyōto fast ausschließlich Sportspiele mit Super Mario als Maskottchen. Mit der Mario-Tennis-Reihe war es in den letzten Jahren jedoch ein ständiges Auf und Ab – gerade Mario Tennis: Ultra Smash für die Wii U enttäuschte auf ganzer Linie. Auf der Switch haben sich die Entwickler jedoch wieder gefangen und führen die Reihe zurück zu altem Glanz. Mario Tennis Fever, das im Februar 2026 für die Switch 2 veröffentlicht wurde, bietet einen ordentlichen und zum Großteil auch freispielbaren Inhalt, sodass wir wirklich motiviert sind, unsere Freizeit im Sportspiel zu versenken. Unter anderem bietet das Spiel einen kurzweiligen Story-Modus, verschiedene Turniere, das freie Spiel mit leicht anpassbaren Regeln, abwechslungsreiche Schläger mit Spezialeffekten, unterschiedliche Tennisplätze mit spielerischen Besonderheiten, Bonusmissionen mit Herausforderungen und Online-Modi. Nicht alles, aber vieles funktioniert.

Alberner Abenteuermodus

Schauen wir uns zunächst einmal den irrwitzigen Abenteuermodus von Mario Tennis Fever an. Wario und Waluigi überreden Mario, Luigi und Peach dazu, auf die Suche nach einer goldenen Heilfrucht zu gehen, denn Daisy ist krank und muss bis zum nächsten Tennisturnier wieder fit sein. Nur die Heilfrucht kann sie noch retten, doch dann kommt alles anders. Während der Expedition werden sie von Monstern aufgelauert, welche sie und sogar die beiden Übeltäter in Babys verwandeln. Um die Monster zu besiegen, müssen wir Mario und Luigi auf dem Trainingsgelände wieder auf Vordermann bringen und anschließend gegen die Antagonisten ausziehen. Das ist selbst für Nintendo-Verhältnisse zu albern, motiviert aber immerhin für vier bis fünf Stunden. Viel wichtiger ist dabei, dass wir die verschiedenen Schläge und auch einige Spielmechaniken im Abenteuermodus deutlich charmanter erlernen als in schnöden Tutorials, die wir sonst nur abfrühstücken würden. So lernen wir Topspins, Slices, gerade Schläge, Lobs und Stoppbälle schrittweise kennen – und vor allem im richtigen Moment einzusetzen. Der Schwierigkeitsgrad im Abenteuermodus ist bis auf ein bis zwei Ausnahmen allerdings als gering einzustufen, sodass wir über den Modus hinaus ermuntert werden, uns anzustrengen. Dank einer wirklich guten und direkten Steuerung werden wir so immer besser.

Mehr Geschick als Glück

Gespickt ist das Sportspiel mit dem typischen Wahnsinn. Beispielsweise gibt es Tennisplätze, die sich zur Rutschpartie entwickeln, da der Boden gefroren ist. Im Walddickicht werden wir hingegen abgebremst. Spannender sind da schon Tennisplätze, die etwa an einen Flippertisch erinnern und bei Aktivierung aller Bumper auch noch weitere Bälle ausspucken, die wir dann im richtigen Moment kontern müssen. Hinzu kommen Tennisschläger, die verschiedene Effekte auf dem Platz auslösen. Beispielsweise können Mini-Pilze auf dem Platz erscheinen, die unseren Gegner schrumpfen lassen. Auch springen schon mal Flammen aus den Bällen, die dann für eine gewisse Zeit an unserer Lebensenergie zerren, wenn wir mit ihnen in Berührung kommen. So kann jeder gespielte Ball sowohl bei unseren Gegnern als auch bei uns Konsequenzen haben, wodurch Mario Tennis Fever überaus fair gestaltet ist und vor allem auf Können und weniger auf Glück setzt. Sobald unsere Lebensenergie erloschen ist, werden wir im Einzelspiel temporär langsamer – im Doppel werden wir hingegen für kurze Zeit an die Seitenlinie gesetzt, wodurch die Motivation durchweg erhalten bleibt, möglichst keine Fehler zu machen. Nach dem von den Bandai Namco Studios und Sora entwickelten Kirby Air Riders ist Mario Tennis Fever erneut ein Spiel geworden, bei dem es auf Geschickt ankommt. Super!

Spiel, Satz, Sieg!

Wer den Abenteuermodus durchgespielt, alle Missionen bewältigt und die restlichen Inhalte freigeschaltet hat, kann anschließend oder auch schon davor im Online-Modus durchstarten. Die Suche nach neuen Gegnern funktioniert selbst Wochen nach Release zum Testzeitpunkt am 11. März 2026 blitzschnell. Auch mit Freunden lässt sich Mario Tennis Fever spielen – und zwar online, lokal auf einer Konsole oder via GameShare, wobei hier sogar zur ersten Switch gegriffen werden darf. Etwas unsinnig ist hingegen die Integration des Realmodus. In diesem können wir einfache Matches absolvieren, wobei sich unsere Spielfigur automatisch bewegt. Wir müssen lediglich mit einem Joy-Con 2 bewaffnet die Controller-Einheit im richtigen Moment bewegen. Das erinnert zunächst an die Tennisvariante aus Wii Sports, funktioniert aber bei Weitem nicht so intuitiv. Im Gegensatz zur präzisen Knöpfchensteuerung in den anderen Modi werden die Schläge weder simultan zu unseren Handbewegungen ausgeführt, noch erzielen sie das gewünschte Ergebnis. Abgesehen von diesem Fauxpas ist das Spiel in technischer Hinsicht aber absolut gelungen, was sich in einer knackigen Grafik und einer passenden Soundkulisse widerspiegelt. Wer ein Faible für den Tennissport hat und diesen im typisch überdrehten Super-Mario-Gewand erleben will, greift bei Mario Tennis Fever zu!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Da mich Mario Kart World zum Launch der Switch 2 durchaus enttäuscht hat, bin ich im Vorfeld skeptisch an Mario Tennis Fever herangehen. Auch hier befürchtete ich einmal mehr durchschnittliche Kost, wurde aber zum Glück eines Besseren belehrt. So lerne ich im Abenteuermodus sowohl die Steuerung als auch die Spielmechaniken in einem angenehmen Tempo kennen und bereite mich so auf die anderen Spielmodi und Matches mit stärkeren Computergegnern oder echten Spielern vor. Auch hier bietet das Spiel einen angemessenen Umfang inklusive abwechslungsreicher Schläger mit Spezialfähigkeiten und Tennisplätzen, welche die Matches in waschechte Herausforderungen verwandeln. Besonders gut ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass das Spiel durchweg fair gestaltet ist, da es stets auf Können und weniger auf Glück ankommt. So vertiefe ich mich gerne in ein Sportspiel, da ich mit den Herausforderungen wachse und immer besser werden kann. Lediglich die Integration des Realmodus kann ich nicht verstehen, denn wenn die Bewegungssteuerung, die nur in diesem Modus vorkommt, nicht einmal so gut wie das fast zwanzig Jahre alte Wii Sports funktioniert, ist das zum Kopfschütteln. Ansonsten macht Mario Tennis Fever aber sowohl gegen Computergegner, lokal gegen Freunde als auch online gegen unbekannte Spieler viel Spaß!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mario Tennis Fever!

Review: Your Forma (Vol. 1)

Ende Februar 2026 hatte das Warten für Fans des ursprünglich als Light Novel veröffentlichten Werks Your Forma ein Ende. An diesem Tag veröffentlichte Publisher Polyband Anime die erste von zwei Volumes zur gleichnamigen und durchaus interessanten Anime-Serie.

Seit dem Jahr 2021 erscheint das von Mareho Kikuishi stammende Science-Fiction-Werk Your Forma als Light Novel. Fast schon parallel erschien bis zum Jahr 2023 auch eine von Kisaragi Yoshinori gezeichnete Manga-Umsetzung in insgesamt drei Bänden. Aufgrund der in Japan anhaltenden Beliebtheit der Light Novel kam es auch zu einer Anime-Serie, die Mitte 2025 über die japanischen Mattscheiben flimmerte. Fast ein Jahr später hat es der Anime auch in den deutschsprachigen Raum geschafft. Herausgeber Polyband Anime veröffentlicht die Serie aus dem Hause Geno Studio, das sich auch für die ersten drei Staffeln von Golden Kamuy verantwortlich zeigt, in zwei Ausgaben. In der ersten Volume sind die ersten sechs Episoden enthalten, welche weniger als Einführung in die dystopische Welt von Your Forma dienen, sondern direkt tief in die Handlung einsteigen. Soll heißen, dass von Beginn an mit Fachbegriffen um sich geworfen wird, die der Zuschauer erst einmal verstehen und richtig zuordnen muss. Der Einstieg verlangt einem dadurch etwas Sitzfleisch ab, was vielleicht sogar ein zweites Anschauen der enthaltenen Episoden rechtfertigen könnte. Wer sich aber einmal auf Your Forma einlässt, wird sich nicht nur mit der mitreißenden Kriminalgeschichte befassen, sondern sich womöglich auch philosophische Fragen über künstliches Leben stellen.

Elektronische Verbrechensbekämpfung

Im Mittelpunkt der im Jahr 2023 angesiedelten Geschichte von Your Forma steht die Kriminalbeamtin Hieda Echika, bei der es sich um ein wahres Wunderkind handelt. Mit Cleverness und Spürsinn kommt sie den Tätern schnell auf die Schliche. Sie ist sogar so pfiffig, dass sie weitaus arbeitsfähiger als ihre Androidenkollegen ist, die sie bei ihrem Job eigentlich unterstützten sollen. Erst als sie den Androiden Harold W. Lucraft an die Seite gestellt bekommt, ist sie erstmals mit ihrem Partner zufrieden. Die Verbrechensbekämpfung der elektronischen Strafverfolgungsbehörde funktioniert jedoch anders, als es der Zuschauer von anderen Kriminalgeschichten jeglicher Form gewohnt ist. Hier ist ähnlich wie bei der Anime-Serie Psycho-Pass deutlich die Verortung im Science-Fiction-Genre zu erkennen. Mit der titelgebenden Technologie Your Forma ist es den Ermittlern möglich, tiefsitzende Erinnerungen und Gedanken einer Person digital zu erfassen und zu verwerten. Um die Wahrheit herauszubekommen, reicht eine Kabelverbindung zum Innenleben des Täters. Das ist definitiv eine spannende Idee, die in den ersten sechs Episoden der Serie auch mehrfach aufgegriffen wird. Allerdings scheint das Konzept zumindest im Anime nicht sonderlich gut ausgearbeitet. Hier hapert es ein wenig an der visuellen Umsetzung, die hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Von Beginn an ungenutztes Potenzial

Inszenatorisch hat Your Forma gegenüber anderen Anime ohnehin das Nachsehen, denn die meist sehr blass gestalteten Umgebungen im Bildformat 1,78:1 schwächen die dramaturgische Wirkung. Hinzu kommt, dass viele Szenen häufig leer bleiben, obwohl mit London und Moskau zwei große Metropolen prädestiniert für einen Menschenauflauf wären. Beide Großstädte werden als Kulissen genutzt, in denen zum einen ein offenbar mordslustiger Android gegen seine friedliche Programmierung verstößt. Zum anderen muss auch Echika einen neuen Weg in ihrem Arbeitsleben finden. Aus Spoiler-Gründen möchten wir dazu aber nicht mehr verraten. Definitiv funktioniert die Story, auch wenn die Dialoge durchaus etwas verständlicher geschrieben oder kräftiger formuliert sein könnten. So bleibt auch die deutsche Synchronisation im Tonformat DTS-HD 2.0 recht ruhig. All das kann sich in den letzten sieben Folgen, für welche der für Goblin Slayer bekannte Ozaki Takaharu auf dem Regiestuhl wieder Platz genommen hat, aber noch ändern. Digitale Boni sind bei der ersten Volume vergeblich zu suchen. Neben einer Produktbroschüre haben es in physischer Form aber immerhin zwei Art Cards in die Amaray-Blu-ray-Box geschafft. Die limitierte Edition kommt zudem mit einem Papierschuber daher, der allerdings sehr dünn ausfällt und daher beschädigungsanfällig ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Allgemein mag ich die Verbrechensbekämpfung in Film und Fernsehen. Wenn pfiffige wie charmante Ermittler daran beteiligt sind, schaue ich mir Kriminalgeschichten noch sehr viel lieber an. Your Forma setzt in meinen Augen auf ein interessantes Konzept, das bei der Ermittlung in die Erinnerungen und Gedanken der Täter eintauchen lässt. Das ist spannend, kommt in der ersten Hälfte der Anime-Serie aber noch nicht so richtig zur Geltung. Vor allem ist dies der visuellen Umsetzung geschuldet, bei der ich mir einfach mehr erhofft habe. Auch in weiteren Belangen hätte Your Forma mit deutlich kräftigeren Farben auftreten können, da viele Szenen für meinen Geschmack viel zu blass bleiben. Es muss ja nicht gleich so düster wie Psycho-Pass sein, aber in Verbindung mit der eher ruhigen Erzählweise ist das manchmal fast schon einschläfernd. Trotzdem möchte ich auch der zweiten Serienhälfte eine Chance geben, da hier noch viel ungenutztes Potenzial schlummert. Wer Science-Fiction und Kriminalgeschichten mag, darf einen Blick riskieren.

Vielen Dank an Polyband Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Your Forma (Vol. 1)!

Review: Scott Pilgrim EX

Im Jahr 2010 erschien passend zum Film Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt die passende Videospielumsetzung. Obwohl es diesmal keine Filmvorlage gibt, kann auch das im März 2026 veröffentlichte Scott Pilgrim EX mit fast all seinen markanten Merkmalen überzeugen.

Dass es keine Filmvorlage zu Scott Pilgrim EX gibt, ist so nicht ganz richtig. Im Jahr 2023 erschien beim Streaming-Anbieter Netflix die Zeichentrickserie Scott Pilgrim hebt ab. Bei dieser handelt es sich um eine Neuinterpretation der Graphic Novels. In diesem sozusagen neu geschaffenen beziehungsweise alternativen Universum ist auch Scott Pilgrim EX angesiedelt, erzählt das Spiel doch von den Erlebnissen nach Scott Pilgrims Zeichentrickabenteuer. Dementsprechend ist Scott Pilgrim EX noch etwas abgedrehter wie die der erste Teil der Videospielreihe, der ursprünglich 2010 erschien, und über eine Dekade später respektive im Jahr 2021 noch einmal in einer vollständigen und überarbeiteten Version veröffentlicht wurde. Angesiedelt im Jahr 20XX ist der Handlungsort Toronto in großem Aufruhr. Davon wollen der titelgebende Scott Pilgrim und seine Freunde, die zusammen die Band Sex Bob-omb gegründet haben, allerdings nichts wissen. Sie üben erbittert an ihrem nächsten Auftritt. Diesen Umstand macht sich der ominöse Metal Scott zunutze, der in einem Augenblick der Unaufmerksamkeit Scotts Bandkollegen mitsamt Equipment entführt. Um gegen die bösen Mächte zu bestehen, die aus Veganern, Robotern und Dämonen bestehen, erhält Scott unter anderem Unterstützung von seiner Freundin Ramona Flowers und sogar dessen Exfreund Gideon Gordon Graves, mit denen er das nun zwischen Raum und Zeit befindliche Toronto aufmischt.

River City Scott

Damit der Gig am Ende steigen kann, müssen wir uns entweder alleine oder an der Seite von Freunden durch tausende Gegner in bester Beat-’em-up-Manier kämpfen. Während der Vorgänger noch auf hintereinander zu absolvierende Levelabschnitte setzte, entpuppt sich Scott Pilgrim EX in seiner Struktur als ein Open-World-Spiel. Diese offene Spielweltkonstruktion ist jedoch überschaubar, zieht das Spiel aber trotzdem mit repetitiven Laufwegen zu bereits besuchten Orten in die Länge. Bis zu einem gewissen Grad fällt das nicht auf. Wer das circa fünfstündige Spiel aber gleich mehrfach beziehungsweise mit allen Charakteren durchspielen will, wird sich trotz versteckter Geheimnisse irgendwann sattgesehen haben. So wirkt das Beat ’em up weniger wie ein Streets of Rage, sondern deutlich mehr wie ein River City Girls. Das fühlen wir auch im Gameplay. Mit Schlägen und Tritten sowie aufzuklaubenden Waffen und Wurfgegenständen schlagen wir den Gegnern comichaft die Köpfe ein und knüpfen ihnen dadurch überlebenswichtiges Geld ab. Dieses investieren wir in neue Ausrüstung, um unsere Attribute zu steigern. Letzteres ist jedoch gerade zu Beginn effektiver, wenn wir in Restaurants Nahrung konsumieren, die ebenfalls unsere Attribute beziehungsweise das Level der Spielfigur steigern. Diesbezüglich ist Scott Pilgrim EX übrigens nicht ausgewogen: Schon früh im Spiel können wir leicht Agilität, Stärke, Vitalität und Willenskraft maximieren.

Spaß im Retro-Gewand

Da wir auch danach noch etliche Power-ups erhalten, die dann aber nichts mehr bringen, ist das ein wenig schade. Ärgerlich ist jedoch das Speichersystem, denn dieses greift nur an den dafür vorgesehenen Speicherpunkten. Sterben wir also während oder kurz nach einem Bosskampf, müssen wir die Auseinandersetzung wiederholen. Etwas mehr Feingefühl hätten wir den Entwicklern von Tribute Games, die zuletzt Marvel Cosmic Invasion fabriziert haben, da schon zugetraut. Nichtsdestotrotz spielt sich Scott Pilgrim EX weitestgehend eingängig. Fast jede Eingabe wird problemlos erkannt. Lediglich das Aktivieren von Spezialfähigkeiten, bei denen wir Unterstützung von befreunden Charakteren im Kampf anfordern können, fühlt sich ein wenig unbeholfen an, da wir nur in jenen Momenten auf die Schultertaste des Controllers hämmern können, wenn wir gerade nicht von den Gegnern malträtiert werden. Grafisch setzt das Beat ’em up wie sein Vorgänger auf einen sympathischen 8-Bit-Pixel-Look. Für die Musik zeichnet sich ebenfalls wieder die US-amerikanische Chiptune-Band Anamanaguchi verantwortlich, die das Geschehen mit passenden Klängen fantastisch einfängt. Fans von älteren Videospielen werden darüber hinaus einige Anspielungen auf Klassiker wie Streets of Rage, Street Fighter II, The Legend of Zelda: A Link to the Past oder F-Zero erkennen. So macht das mehrfache Durchspielen von Scott Pilgrim EX vor allem mit Freunden noch mehr Spaß!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Mehr und mehr entwickle ich mich zu einem großen Fan des Franchises, denn sowohl den Kinofilm als auch das erste Spiel habe ich inzwischen in mein Herz geschlossen. Scott Pilgrim EX reiht sich in diese Riege ein. Zwar ist die Story verglichen mit der Absurdität des ersten Serienteils recht dünn, aber abgesehen davon kann das Beat ’em up überzeugen. Die Kämpfe gegen die Hundertschaften an Gegnern krachen, das Ausführen von Spezialfähigkeiten sitzt und auch die audiovisuelle Prämisse kann mich vollends begeistern. Gerade mit Freunden auf der Couch oder online bereitet das Spiel aufgrund seiner Einfachheit sehr viel Freude. Abstriche gibt es höchstens beim zweckdienlichen Speichersystem und der Tatsache, dass sich die Attribute viel zu früh im Spiel maximieren lassen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Komfort oder Feingefühl von den Entwicklern erhofft. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, Beat ’em ups im Stile von Spielen wie River City Girls mag und sowieso ein Herz für Retro-Titel hat, sollte sich Scott Pilgrim EX wirklich nicht entgehen lassen!

Vielen Dank an Tribute Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Scott Pilgrim EX!

Review: God of War: Sons of Sparta

Neben der Ankündigung, dass die ursprüngliche God-of-War-Trilogie einer Generalüberholung in Form eines Remakes spendiert wird, veröffentlichte Sony im Zuge der State of Play am 12. Februar 2026 überraschend das Action-Adventure God of War: Sons of Sparta.

Seit den 2000er-Jahren ist die God-of-War-Reihe von den PlayStation-Konsolen nicht mehr wegzudenken. Ursprünglich als Hack and Slay gestartet, erhielt das Franchise mit dem Reboot God of War von 2018 und dessen Nachfolger God of War: Ragnarök neuen Aufwind, indem es sich deutlich näher an Action-Adventures orientierte respektive sich dem Metroidvania-Subgenre annäherte. Bei God of War: Sons of Sparta handelt es sich um den nächsten logischen Schritt in dieser Evolution. So wechselt das Geschehen aus dem dreidimensionalen Raum in die zweidimensionale Seitenperspektive, hat aber ansonsten nichts vom Charme der Vorgänger eingebüßt. Lediglich an der Optik haben Serienfans möglicherweise zu knabbern, denn statt opulenter Grafik kommt in Sons of Sparta ein Retro-Pixel-Look zum Tragen, der an Spiele der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre erinnert. Wen das nicht stört, womöglich sogar gefällt und wer obendrauf vielleicht noch gar keinen Serienteil der God-of-War-Reihe gespielt hat, hat doppelten Grund zur Freude. Das Action-Adventure ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung chronologisch als erste Episode einzuordnen. Genau genommen geht es in die Jugend von Hauptfigur Kratos, der mit seinem Bruder Deimos während ihrer Zeit in der Agoge, dem spartanischen Erziehungssystem, ein Abenteuer nach dem anderen erlebt.

Das ist Sparta!

Da das Spiel im griechischen Kulturraum angesiedelt ist, durchstreifen wir in der Rolle von Kratos unter anderem weite Ebenen, einen Wald, dunkle Höhlensysteme, ein Weingut und nicht zuletzt Tempel. Gespickt sind die Landschaften mit Säulen, Statuen und zeitgenössischer Architektur, sodass wir uns stets ins alte Griechenland zurückversetzt fühlen. Bewaffnet sind wir mit Speer und Schild. Beides lässt sich darüber hinaus mit den richtigen Materialien aufrüsten, was jedoch einerseits ein gutes Auge beim Erkunden der Spielwelt und andererseits auch gute Skills in den Kämpfen voraussetzt. Besonders wertvolle und damit selten Materialien wachsen nicht auf Bäumen und sind häufig gut bewacht. Sons of Sparta schenkt uns also nichts, was sich auch in einem anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad widerspiegelt. Spießen wir mit dem Speer die Gegner auf und blocken im richtigen Moment mit dem Schild, ergibt sich ein regelrechter Flow im Kampf gegen Skelette, Legionäre, Geister, Minotauren, Harpyien und anderes Getier der griechischen Mythologie. Hinzu kommt, dass wir gerade in den unverzeihlichen Bosskämpfen Ausweichrollen und Sprünge zu rechten Zeit ausführen sollten, um selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad eine Chance zu haben. Wer sich aber einmal in die Kampfmechaniken eingearbeitet hat, kommt so schnell nicht mehr vom Spiel los.

Spaßig, aber unfertig

Haben wir in Sons of Sparta genügend Gegner getötet, können wir unsere offensiven wie defensiven Manöver verbessern. Regelmäßig kommen neue Fähigkeiten hinzu, mit welchen wir zum Beispiel laufen und weiter springen können. Auch Projektile lassen sich abfeuern – oder giftige Substanzen einsaugen. Je weiter wir im Spiel kommen, desto häufiger müssen wir diese Fähigkeiten in gewisser Abfolge miteinander kombinieren. Auf der Karte, welche stark an Super Metroid oder Castlevania: Symphony of the Night erinnert, werden optional wichtige Punkte markiert. So kehren wir auch in späteren Spielstunden gestärkt und mit neuen Fähigkeiten an bereits besuchte Orte zurück. Grundsätzlich funktioniert Sons of Sparta gut. Mit anderen Metroidvania-Vertretern oder gar der eigenen Reihe kann es der Titel aber nicht aufnehmen. Allem voran fehlt hierbei der nötige Feinschliff im Gameplay. Es spielt sich viel zu generisch. Hinzu kommt, dass das Spiel an manchen Stellen unfertig ist. Dialoge werden nicht abgespielt, Ton und Bild passen nicht zueinander oder Bildschirmtexte werden in einer anderen Sprache angezeigt. Gravierender ist, dass das Geschehen kurzzeitig auch schon mal ruckelt, wenn viel auf dem Bildschirm passiert. Unverzeihlich hingegen ist, dass sich Kratos an manchen Stellen verkeilen kann, sodass die Gegner gleich mehrfach auf ihn eindreschen. Bei einer gründlichen Qualitätskontrolle hätte dies unseres Erachtens vermieden werden können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Mit God of War: Sons of Sparta habe ich durchaus meinen Spaß, denn bis es einen weiteren Serienteil in der Größenordnung von God of War: Ragnarök geben wird, dürften noch einige Jahre ins Land ziehen. So freut es mich, dass ich mich mit Kratos erneut im Metroidvania-Stil durch die Lande schnetzeln kann. Das griechische Setting ist angenehm umgesetzt, zumal mir der stimmungsvolle Grafikstil und die atmosphärische Musik gefallen. Auch an den Kämpfen habe ich einen Narren gefressen, denn diese sind durchweg anspruchsvoll und können je nach Spielertyp selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad herausfordernd sein. Beim restlichen Gameplay sieht es jedoch ein wenig anders aus. Grundsätzlich funktioniert dieses ordentlich, fällt verglichen mit anderen Titeln des Subgenres oder sogar den letzten beiden Serienteilen aber recht generisch aus. Es fehlt mir hier deutlich an Abwechslung, zumal das Wechseln der Spezialfähigkeiten für mich zu fummelig ist. Auch dass sich meine Spielfigur in wenigen Momenten verkeilen kann und dann für die Gegner wie auf dem Präsentierteller liegt, ist wirklich ärgerlich. So wirkt das Spiel kurz nach Release noch sehr unfertig und ruckelt in wenigen Ausnahmen für ein paar Sekunden heftig. Auch dass die für meine Augen viel zu kleinen Bildschirmtexte manchmal nicht zum gesprochenen Text passen oder dieser falsch oder auch gar nicht eingespielt wird, hätte einem großen Publisher wie Sony nicht passieren dürfen. So bleibt das Spiel am Ende nichts weiter als ein Appetithappen, der schneller verdaut ist als ein kleines Gyros zum Mitnehmen.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von God of War: Sons of Sparta!

Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 7)

Nach einer zweimonatigen Pause erschien im Oktober 2025 die inzwischen siebte Ausgabe der Anime-Serie Crayon Shin-chan auf DVD. Auch bei dieser Publikation hat sich Polyband Anime kaum bis gar nicht bemüht, etwas an der Veröffentlichungstaktik zu verändern.

Im Land der aufgehenden Sonne ist der fünfjährige Nohara Shinnosuke aus der Anime-Serie Crayon Shin-chan seit dem Jahr 1992 bekannt. Außerhalb Japans ist der Dreikäsehoch ebenfalls kein Unbekannter mehr. Gerade im deutschsprachigen Raum gewann Shin-chan zu Beginn der 2000er-Jahre an Popularität, giert aber komischerweise schnell wieder in der Versenkung. Erst durch den hiesigen Herausgeber Polyband Anime hat sich daran etwas verändert, sodass sowohl neue Folgen als auch die alten Episoden von früher wieder zugänglich gemacht wurden. Das Tolle an dieser Anime-Serie ist, dass es keinen richtigen oder falschen Einstiegspunkt gibt. Bis auf sehr wenige Veränderungen beim Charakterensemble bleibt in jeder Episode eigentlich alles beim Alten und der blanke Wahnsinn regiert. Eine dieser Veränderungen ist definitiv die Geburt von Himawari respektive Daisy, wie sie in der deutschen Übersetzung heißt. Misaes beziehungsweise Mitsys zweites Kind entwickelt sich langsam, aber sicher zu einem genauso großen Satansbraten wie ihr titelgebender Bruder Shin-chan. Allerdings hat sie den Niedlichkeitsfaktor auf ihrer Seite, sodass ihre Eltern ihr mehr durchgehen lassen als Shinnosuke. Dieses Faktum führt in den Episoden der siebten Volume gleich mehrfach zu einem heftigen, aber nicht unlösbaren Konflikt zwischen den beiden Geschwisterchen.

Geschwisterliebe und Seitenhiebe

Unter anderem schnappt Daisy in einer der etwa sechseinhalbminütigen Mini-Episoden ihrem Bruder die Fernbedienung weg, um Zeichentrickserien im Fernsehen zu schauen. Shin-chan möchte aber viel lieber Seifenopern konsumieren, bekommt dafür aber von seiner Mutter die Schelte. Als er dann auch noch zum Abwischen der Tischplatte verdonnert wird, möchte Daisy unbedingt selbst saubermachen und lässt ihn keine Ruhe. Mitsy interpretiert die Situation aber so, als hätte Shinnosuke sie dazu gezwungen und bekommt sofort die Schuld zugeschoben. Dies führt in einer anderen Episode wiederum soweit, dass Shin Reißaus nimmt, da seine Eltern offenbar nur noch Augen für seine kleine Schwester haben. Es kommt zu einer Suchaktion und Schuldvorwürfen, doch eigentlich hat Shin die kleine Heulsuse die ganze Zeit über im Blick. Ein wenig schade ist jedoch mal wieder in diesem Zusammenhang, dass Polyband die Episoden nicht nummeriert und wie damals bei der Fernsehausstrahlung in derselben Reihenfolge wild durcheinandergewürfelt hat. Dementsprechend kommt es auch in den Folgen der siebten Volume vor, dass Mitsy noch schwanger ist, obwohl Daisy in früheren Episoden bereits auf der Welt war. Abgesehen davon tut dies dem eigentlichen Spaß beim Zusehen keinen Abbruch, denn wenn Shin-chan seine Mitmenschen zur Weißglut treibt, dann so richtig!

Altbekanntes Gesamtbild

Unter anderem erhält Vater Hiroshi beziehungsweise Harry eine Prämie von seiner Firma ausgezahlt, sodass die Familie Nohara beschließt, Fugu essen zu gehen. Sobald die überaus teure Delikatesse allerdings auf dem Tisch liegt, beginnt Shin-chan, sich frech in großem Maße zu bedienen, wodurch für alle eine unangenehme Situation im Restaurant entsteht. In einer anderen Folge geht es wiederum ins Kaufhaus, wo Shinnosuke seine Mutter in den Wahnsinn treibt, da er unbedingt die allerneueste Actionfigur in die Finger bekommen will. Zuhause kann der neunmalkluge Rabauke ebenso terrorisieren, indem er allerhand Sachen versteckt, weil er aus einer Laune heraus Pirat spielen will. Auch Nachbarin Kitamoto-san beziehungsweise in der deutschen Variante Frau Goober verliert irgendwann den Verstand, da Shin-chan ihr einfach nicht zuhört. Zusammen mit seinen Freunden aus der Vorschule erlebt der kleine Protagonist aber auch das eine oder andere Abenteuer, indem sie beispielsweise beschließen, ihre Vorschullehrerin zuhause zu besuchen, die daraufhin krank spielen muss, um die Kinder wieder loszuwerden. Omnipräsent sind in der siebten Volume auch ein paar Traumsequenzen, die noch abstruser ausfallen. An der Gestaltung des Episodenpakets hat sich seit den vorherigen Ausgaben übrigens nichts getan. Intro und Outro gibt es lediglich bei der Alle-abspielen-Funktion und die japanische Synchronisation fehlt abermals vollständig – äußerst schade.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Zu Beginn der 2000er-Jahre habe ich Crayon Shin-chan im linearen Fernsehen rauf und runter geschaut. Langweilig wird es mit dem Rabauken niemals, zumal so gut wie jede Episode für sich alleine steht und starke Veränderungen innerhalb der Erzählstruktur eine absolute Ausnahme sind. Daher ist es auch ganz einfach möglich, erst mit der siebten Volume in die Anime-Serie einzusteigen. Obwohl es in den Folgen der siebten Ausgabe einen Hang zu verschiedenen Traumsequenzen gibt, in denen beispielsweise die altbekannte Geschichte vom Hasen und dem Igel neu interpretiert wird, ist das Geschehen mannigfaltig. Ständig begegnen Shin-chan und seinen Mitmenschen zunächst überaus simple Situationen, die durch Shinnosukes Eingreifen allerdings unnötig verkompliziert, ins Lächerliche oder sogar Abstruse gezogen werden. So schnell wird es also auch in der siebten Ausgabe nicht eintönig. Bemängeln muss ich abermals die Struktur der DVD, bei denen die Episoden wie schon in der verhunzten Ausstrahlungsreihenfolge im Fernsehen wild durcheinander geworfen sind. Wer darüber hinwegsehen kann oder ohnehin nur die damalige Ausstrahlungsreihenfolge kennt, wird aber ganz bestimmt auf seine Kosten kommen!

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 7)!