Nachdem Ende Februar 2026 die erste Ausgabe der Anime-Serie Your Forma veröffentlicht wurde, reichte Herausgeber Polyband Anime das zweite Episodenpaket im April 2026 nach. Dieses führt die Kriminalgeschichte mit Science-Fiction-Einschlag in gewohntem Maße fort.
Mareho Kikuishi dachte sich mit Your Forma ein Science-Fiction-Werk aus, welches seit 2021 als Light Novel erscheint. Nahezu parallel zur Light Novel wurde eine von Kisaragi Yoshinori gezeichnete Manga-Umsetzung in insgesamt drei Bänden veröffentlicht. Das Werk war in Japan ausreichend beliebt, sodass Mitte 2025 auch eine Anime-Serie im japanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Weniger als ein Jahr später war es auch im deutschsprachigen Raum so weit, dass Herausgeber Polyband Anime das Werk aus dem Hause Geno Studio in zwei Volumes in den Handel kam. Das Animationsstudio ist zudem kein unbekanntes, zeigt es sich auch für die ersten drei Staffeln von Golden Kamuy verantwortlich. Nachdem im Februar 2026 bereits die erste Volume in den Handel kam, dauerte es zwei Monate, bis Fans in den Genuss der zweiten Serienhälfte kommen konnten. Obwohl die erste Volume, die aus sechs Episoden besteht, nicht gänzlich als Einleitung in die durchaus leicht dystopisch gezeichnete Welt dient, erhält sie im Nachhinein diesen Eindruck. Das liegt daran, dass die zweite Ausgabe inhaltlich direkt an die Geschehnisse der letzten Episoden anknüpft und zudem die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren an der einen oder anderen Stelle arg vertieft. Wer die ersten Folgen von Your Forma verpasst hat, findet hier wohl keinen Einstieg.
Tragische Charakterentwicklungen
Mit gleich sieben Episoden fällt die zweite Serienhälfte ein wenig umfangreicher aus als das Debüt, was aber nicht der Casus knacksus ist. Nach wie vor muss der Zuschauer verschiedene Sachverhalte zusammen mit der Kriminalbeamtin Hieda Echika und ihrem Kollegen Harold Lucraft richtig zuordnen. Da die Serie weitestgehend recht ruhig und langsam verläuft, ist das auch in den sieben enthaltenen Episoden der zweiten Volume eine hartnäckige Angelegenheit, die nach wie vor Sitzfleisch abverlangt. Wer eine Episode oder gleich die ganze Serie deshalb noch einmal ansehen will, macht zum besseren Verständnis definitiv nichts falsch, zumal Your Forma motiviert, philosophische Fragen über künstliches Leben zu stellen. Angesiedelt im Jahr 2023 konzentriert sich die Serie einerseits auf den Werdegang von Hieda. Aufgrund des Ergebnisses einer psychologischen Untersuchung bleibt es ihr verwehrt, weiterhin in die Gedankenwelt anderer Menschen einzutauchen. Ihr Talent vergeudet sie jedoch nicht, denn sie ist weiterhin in der elektronischen Strafverfolgung tätig. Andererseits rückt in der Handlung Hiedas Kollege Lucraft, ein Androide, in den Mittelpunkt. Dieser scheint entgegen seiner Programmierung auf einmal Schusswaffen benutzen zu können. Somit bleibt es nicht zuletzt auch für den Zuschauer spannend, mehr über ihn und seine tragische Vergangenheit zu erfahren.
Fortführung ohne nennenswerte Besserungen
Nach wie vor schlägt Your Forma einen durchaus ähnlichen Weg wie die ausgeklügelte Anime-Serie Psycho-Pass ein. Sie ahmt jedoch nicht nach und verlässt die bekannten Pfade in der zweiten Serienhälfte, wodurch zwar das eigentliche Setting ein wenig abgeschwächt wird, die Story aber an Eigenständigkeit gewinnt. Die titelgebende Technologie verkommt damit ebenso zur Randerscheinung und lässt Platz für die Charakterentwicklung. Sonderlich schlimm ist das aber nicht, denn die visuelle Umsetzung bleibt in der ersten wie in der zweiten Volume hinter den Erwartungen zurück. So hat die Anime-Serie gegenüber vergleichbaren Werken in vielen Fällen das Nachsehen, denn durch die eher leeren und oft blass gestalteten Umgebungen fehlt es an einprägsamen Handlungsorten, an denen die Spannung richtig aufdrehen kann. Trotzdem wird die Story zu einem angenehmen Ende geführt, das zudem nicht zwingend nach einer zweiten Staffel schreit. Am technischen Grundgerüst wird darüber hinaus an keiner Stelle gerüttelt. Sowohl das Bildformat 1,78:1 als auch das Tonformat DTS-HD 2.0 bleiben zur Bewahrung der Kontinuität unangetastet. Im Gegensatz zum ersten Episodenpaket bietet die zweite Volume jedoch fünf kurze Szenen im Chibi-Look, ein paar Werbeclips für Your Forma und einen fünfzehnminütigen Audioprolog. Physisch liegt der limitierten Ausgabe zudem ein Faltposter bei, welches dasselbe Bild wie das Cover schmückt. Nett, aber auch nicht mehr.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Your Forma verspielt in meinen Augen in der zweiten Serienhälfte reichlich Potenzial. So setzt die Anime-Serie mit dem Eintauchen in die Erinnerungen und Gedanken von Tätern auf ein spannendes Konzept, das aber auch in den Episoden der zweiten Volume nicht wirklich zur Geltung kommt. Auch an der audiovisuellen Umsetzung dürfen von Your Forma keine großen Sprünge erwartet werden, denn hier bleibt alles beim Alten. Statt kräftigen Farben bleibt das Geschehen blass und für meinen Geschmack sogar etwas zu trist, ohne dass es das Szenario oder das Setting aufwerten würde. Lediglich in puncto Charakterentwicklung, die mit der einen oder anderen überraschenden Wendung aufwartet, glänzt die Serie. Wer Science-Fiction und Kriminalgeschichten mag und die verpassten Chancen ignorieren kann, darf bei Your Forma gerne einen Blick riskieren.
Vielen Dank an Polyband Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Your Forma (Vol. 2)!