Einmal mehr wurden Fans der Manga-Reihe Ranma ½ auf die Folter gespannt, denn im Jahr 2023 dauerte es bis zum Mai, bis die fünfte Ausgabe endlich in den Händlerregalen stand. Das Warten hat sich aber sehr wohl gelohnt, denn im fünften Band bricht regelrecht das Chaos aus – und bringt die einzelnen Charaktere in ungewöhnliche und unmögliche Situationen. Storytechnisch knüpft die Erzählung nahtlos an die bisherigen Geschehnisse an. Nach wie vor findet in der Furinkan-Oberschule eine Aufführung von Romeo und Julia statt, welche allerdings zunehmend frei interpretiert wird. Während Tendō Akane die Julia Capulet spielt, tauchen in der Rolle des Romeo Montague gleich mehrere Darsteller auf, die um die Gunst ihrer Schauspielkollegin buhlen. Allen voran Saotome Ranma und Kunō Tatewaki legen sich miteinander an, doch auch der alte Lüstling Happōsai gibt nicht auf, einen Kuss von Akane zu erhalten. In der Aufführung werden tatsächlich Küsse ausgetauscht. Wer hier allerdings wen küsst und ob dabei auch Gefühle im Spiel sind, sollte der Leser lieber selbst herausfinden. Definitiv gehört dieser Handlungsstrang mit zu den absurdesten wie humorvollsten Szenen, welche die Manga-Reihe von Takahashi Rumiko bislang zu bieten hat. Dennoch sorgen auch die vielen weiteren Geschichten im fünften Band der New Edition von Ranma ½ für ausufernde Lachanfälle.
Der Geruch von Okonomiyaki
Unter anderem kommt ans Tageslicht, dass Happōsai und Shanpūs Ugroßmutter Koron schon kennen. In jungen Jahren hat Happōsai wohl ein Familienerbstück entwendet, an dem magische Liebesperlen befestigt sind. Wer auch immer eine Perle verschluckt, verliebt sich sofort in die nächste Person des anderen biologischen Geschlechts, die er oder sie sieht. Auch gibt es im fünften Doppelband von Ranma ½ ein Wiedersehen mit Tatewakis Schwester Kodachi, die den Kampf um Ranmas Herz nicht aufgeben will und mit allen Mitteln versucht, ihn für sich zu gewinnen. Dass das Haus der Familie Kunō mit bösen Fallen und Überraschungen gespickt ist, wird wohl selbst der Leser nicht erahnen können. Am wichtigsten dürfte in dieser Ausgabe jedoch die Einführung eines neuen Charakters sein. Gemeint ist Kuonji Ukyō, die sich als Mann ausgibt und für ihr Leben gerne Okonomiyaki brät. Es soll nicht zu viel vorweggenommen werden, aber auch Ukyō hat eine gemeinsame Vergangenheit mit Ranma und seinem Vater Genma. Dies führt dazu, dass sich die zwischenmenschlichen Beziehungen ein weiteres Mal um ein Vielfaches verkomplizieren. Trotz allem ist im fünften Band der New Edition von Ranma ½ zu bemerken, dass sich Ranma und Akane gegenseitig nicht egal sind, auch wenn sie pausenlos miteinander streiten und nicht das Gespräch suchen. Es bleibt also spannend!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der ersten korrigierten Auflage): Habe ich geglaubt, dass Takahashi Rumiko mit ihrem bisherigen Konzept in dieser Form weitermachen wird, überrascht mich die Manga-Zeichnerin von Ranma ½ diesmal mit eigenständigen Geschichten, die nicht direkt mit Wettkämpfen zu tun haben. Das ist nach den letzten Ausgaben wirklich erfrischend und steigert den Unterhaltungswert zunehmend. Sowohl die Aufführung von Romeo und Julia in der Furinkan-Oberschule als auch die zahlreichen Verstrickungen mit Kunō Kodachi sowie die Einführung von Kuonji Ukyō machen beim Lesen sehr viel Spaß. Gepaart sind die abstrusen Situationen einmal mehr mit sehr viel Humor, bei dem kein Auge trocken bleibt. Fragwürdig finde ich tatsächlich nur eine Stelle, an der Happōsai die Kunstfigur SpongeBob (Schwammkopf) erwähnt, die zur Zeit der Entstehung und ursprünglicher Laufzeit des Mangas überhaupt noch gar nicht existierte. Das schmälert ein klein wenig die sonst sehr dichte Atmosphäre. Trotzdem freue ich mich schon auf den nächsten Doppelband von Ranma ½!