Regisseur James Ashcroft ist als Macher von vollwertigen Filmen noch gar nicht so lange im Geschäft. Nachdem er mit dem 2021 veröffentlichten Coming Home in the Dark seinen Einstand als Filmregisseur feierte, folgte 2024 mit The Rule of Jenny Pen der nächste Streich.
Dem 1978 geborenen Neuseeländer ist es kaum anzumerken, dass es sich bei The Rule of Jenny Pen tatsächlich erst um sein zweites großes Filmprojekt handelt. Zusammen mit Eli Kent hat Ashcroft einen Film zusammengeschrieben, den es in dieser Form zuvor noch nicht gab. Ein abstoßender Antagonist und ein unverbrauchtes Setting sorgen trotz abscheuerregender Inhalte dafür, dass der Zuschauer angehalten wird, die Handlung bis zur letzten Minute auszukosten. Inhaltlich dreht sich der Film um den ehemaligen Richter Stefan Mortensen, der nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim untergebracht wurde. Da er wohl wie die meisten Bewohner die Hoffnung hegt, nicht sehr viel Zeit in der Einrichtung verbringen zu müssen, muss der gealterte wie geschwächte Protagonist der Realität ins Auge sehen. Vermutlich handelt es sich bei seinem neuen Zuhause um die Endstation in seinem Leben. Durch seine komatösen oder verwirrten Mitbewohner geprägt, möchte er in der Gruppe auch keinen Anschluss finden. Selbst seinen Zimmergenossen, den früheren Rugbyspieler Tony Garfield, will er nicht näher kennenlernen. Er zieht sich in sein Schneckenhaus zurück. In der Nacht macht er jedoch Bekanntschaft mit dem unsympathischen Dave Crealy und dessen Handpuppe Jenny Pen, welche die Bewohner des Altenstifts Nacht für Nacht aufs Schlimmste terrorisieren.
Terrorherrschaft im Pflegeheim
Was zunächst nach einem gestörten Verhaltensmuster von Dave aussieht, entpuppt sich mit der Zeit als bitterer Ernst. The Rule of Jenny Pen dreht sich um das Ausspielen von Macht über Schwächere. Es ist Mobbing auf hohem Niveau, das sich immer weiter steigert und zuweilen in schlimmeren Straftaten wie Vergewaltigung und sogar mehrfachen Mord gipfelt. Dave ist gefährlich, unberechenbar und hinterhältig. Wer sich weigert, anzuerkennen, dass Jenny Pen die Regeln aufstellt, macht er auf jede erdenkliche Art und Weise fertig, bis er oder sie seiner Handpuppe gehorcht. Da Stefan jedoch jahrelang als Richter gearbeitet hat, lässt er sich lange Zeit nicht vom Antagonisten einschüchtern und setzt sich sogar zur Wehr, was Daves Zorn auf ihn zieht. Noch dazu wird im Altenheim von der Belegschaft alles heruntergespielt. Stefan wird kein Glauben geschenkt, zumal auch Tony aus Angst die Wahrheit für sich behält. Es ist wahrlich ein ungutes Gefühl, welches den Zuschauer die ganzen 104 Minuten begleitet. Die Taten, zu denen Dave fähig ist, versetzen dem Zuschauer wahrhaftig einen Schlag in die Magengrube, der sich nachhaltig mulmig anfühlt – selbst nach dem Abspann. Damit verleiht Ashcroft seinem Werk eine sozialkritische Note. Es ist schlimm, dass Unrecht geschieht – und noch schlimmer, dass dem Opfer in der Sache kein Glauben geschenkt wird.
Drama voller Abscheulichkeiten
Nicht unschuldig daran, dass der Film so düster wirkt, sind auch die drei Hauptdarsteller. So spielt allen voran John Arthur Lithgow seinen Dave mit absolut abartiger Brillanz, die sich der Schauspieler im Vorfeld selbst nicht zugetraut hätte. Auch George Winiata Henare, dem als Tony die Angst vor Dave ins Gesicht geschrieben steht, überzeugt auf ganzer Linie. Ebenso ist der unter anderem aus Der Flucht der Karibik bekannte Geoffrey Roy Rush zu erwähnen, der den Schlaganfallpatienten nachvollziehbar inszeniert. Wer mehr über die Hintergründe der Produktion und zu den Schauspielern und ihre Motivation erfahren will, wirft einen Blick in das gelungene Bonusmaterial, das über eine weitere Dreiviertelstunde den wissbegierigen Filmfan begeistert. Inszenatorisch kann der Film gleich mehrfach als Horrorfilm punkten, denn sowohl der Antagonist und seine Abscheulichkeiten können überzeugen, als auch die Hilflosigkeit des Protagonisten und nicht zuletzt das Altersheim als mögliche letzte Station im Leben. Hier kommt auch der passende Soundtrack, der mit gestellter Fröhlichkeit den düsteren Alltag der Altenheimbewohner kaschiert. The Rule of Jenny Pen entwickelt sich im Verlauf des Films mehr und mehr zu einem Drama, das den Zuschauer nicht mehr loslässt. Selbst nach dem Abspann bleibt das Werk von Ashcroft weiterhin in prägender Erinnerung.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): The Rule of Jenny Pen ist ein Drama, das aufgrund seines ungewöhnlichen Settings und des von bösen Gedanken getriebenen Antagonisten über die gesamte Laufzeit nicht loslässt. Obwohl Mobbing eher an Handlungsorten wie einer Schule oder am Arbeitsplatz vermutet wird, transferiert Regisseur James Ashcroft die Tatsache in ein Pflegeheim. Hier terrorisiert Dave Crealy mit seiner Handpuppe Jenny Pen Nacht für Nacht mit Erfolg seine Mitmenschen. Auch den Neuzugang Stefan Mortensen will er brechen, doch als das nicht gelingt, macht es die Sache für alle Beteiligten und Unbeteiligten nur noch schlimmer. Selbst vor Mord und Vergewaltigung macht Dave keinen Halt mehr. Das ist bedrückend und beängstigend zugleich. Selbst Dave-Darsteller John Lithgow hatte Probleme damit, seine Rolle anzugehen. Am Ende ist es ihm aber genauso gelungen wie seinen Kollegen Geoffrey Rush und George Henare. Auch wenn der Film zuweilen ein paar kleinere Längen aufweist, sollte über diese einfach hinweggesehen werden. Das Horror-Drama spricht sozialkritische Themen an, die häufig viel zu kurz kommen. So hält The Rule of Jenny Pen der Gesellschaft einen Spiegel vor, was sich niemand entgehen lassen sollte.
Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Rule of Jenny Pen!