Review: Rayman (30th Anniversary Edition)

Im September 2025 feierte die Videospielfigur Rayman ihren inzwischen dreißigsten Geburtstag. Zu diesem Anlass veröffentlichte Herausgeber Ubisoft mit leichter Verspätung die 30th Anniversary Edition. Diese enthält einen Großteil aller Spielversionen des Titels.

Zwischen 1995 und 2016 erschien der Platformer Rayman in insgesamt neun verschiedenen Ausgaben. Diese sind leider nicht allesamt in der im Februar 2026 veröffentlichten Jubiläumsausgabe enthalten, doch bietet diese immerhin einen guten Überblick in den Klassiker und seine Iterationen. Im Seriendebüt aus dem Jahr 1995, das zunächst für die PlayStation und den Atari Jaguar veröffentlicht wurde, wird Raymans Heimatplanet vom großen Protoon beschützt. Dieser wird jedoch vom Antagonisten, dem ominösen Mister Dark, entwendet. Dies führt dazu, dass sich die Electoons auf dem Planeten verteilen, wodurch die Harmonie gestört wird. Da es auch der friedliebenden Fee Betilla nicht gelingt, die Ordnung auf dem Planeten wiederherzustellen und Mister Dark in die Schranken zu weisen, lastet die letzte Hoffnung auf dem noch ungeschriebenen Blatt Rayman. Blöderweise hat dieser weder Arme noch Beine, aber immerhin Hände und Füße. Bis auf über Abgründe und Gegner springen hat er jedoch keine Qualifikationen vorzuweisen. Das macht aber nichts, denn wenn wir mutig genug sind, uns mit ihm ins Abenteuer zu stürzen, treffen wir regelmäßig auf Betilla, welche Rayman neue Fähigkeiten verleiht. Damit wird der Platformer peu à peu einfallsreicher und abwechslungsreicher. Nicht zuletzt entpuppt sich Rayman durchaus als Herausforderung.

Herausfordernder Klassiker

Gespielt wird Rayman durchweg aus der zweidimensionalen Seitenperspektive. Wir hüpfen über Abgründe, klettern an Ranken und instrumentalisieren nicht zuletzt unsere Hände, um zuzuschlagen. Entweder räumen wir so mit ein paar gezielten Treffern die Gegner aus dem Weg oder wir hauen Früchte von Bäumen, die wir anschließend als Sprungplattform oder als Floß im Wasser missbrauchen können. So arbeiten wir uns schrittweise durch die Levels und werden durch neu erlangte Fähigkeiten ebenfalls dazu ermuntert, bereits besuchte Spielabschnitte erneut zu besuchen. Darüber hinaus orientiert sich Rayman stark an den damals dominierenden Genreklassikern wie Super Mario World oder Sonic the Hedgehog. Soll heißen, dass wir im Spiel durch das Sammeln von einhundert blauen Kugeln ein Leben dazu erhalten. Verlieren wir jeden unserer Lebenspunkte, können wir auch schon mal ein Leben verlieren, was im schlimmsten Fall zum Game Over führen kann. Alle paar Levels bekommen wir es auch mit Bossgegnern zu tun, die genauso wie verschiedene Areale durchaus herausfordernd sind und mehrere Anläufe brauchen. Wem das zu stressig ist, kann auch die Rückspulfunktion nutzen. Ist auch das zu nervig, können bei der enthaltenen PlayStation- und der PC-Version per Cheat beispielsweise unendliche Leben oder alle Levels direkt freigeschaltet werden.

Gut dokumentierte Jubiläumsausgabe

Ebenfalls in der 30th Anniversary Edition enthalten ist auch die Game-Boy-Advance-Version von Rayman, die 2001 auf den Markt kam. Bei dieser ist der Bildschirmausschnitt jedoch viel zu klein beziehungsweise Raymans Charaktermodell viel zu groß, sodass schnell der Überblick flöten geht. Auch der Sound ist in dieser Version nicht der allerbeste, weshalb wir klar zu den anderen Versionen raten. Die Game-Boy-Color-Fassung ist in technischer Hinsicht zwar den anderen Ausgaben unterlegen, ist dafür jedoch eine eigenständige Spielumsetzung, die sich in puncto Leveldesign stark vom Rest unterscheidet. Selbiges betrifft auch die spielbare, aber unfertige Super-Nintendo-Version, die niemals veröffentlicht wurde. Diese ist definitiv ein interessanter Schmankerl und dürfte für Fans des Klassikers wohl ein Kaufgrund für die Jubiläumsausgabe sein. Ähnlich wie bei der 20th Anniversary Edition von Beyond Good & Evil hat es sich Ubisoft nicht nehmen lassen, die wichtigsten der an der Produktion beteiligten Akteure zusammenzutrommeln und eine tolle Dokumentation auf die Beine zu stellen. Diese umfasst zahlreiche Konzeptzeichnungen, aus dem Französischen ins Deutsche übersetzte Scripts und nicht zuletzt Videos, in denen unter anderem auch Rayman-Schöpfer Michel Ancel zu Wort kommt. Auch wenn Rayman nicht so wegweisend wie andere Genrevertreter war, begründete das Spiel dennoch ein auch drei Jahrzehnte später noch lebendiges Franchise.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Vermutlich werde ich nie der allergrößte Fan von Rayman werden, denn obwohl ich das Spiel bereits bei seiner Erstveröffentlichung gespielt habe, bin ich nicht unbedingt ein großer Freund davon, wie sich das Spiel zusammensetzt. So verfügt das Spiel weder über eine anständige Lernkurve, noch sind Platzierungen von Gegnern, Abgründen oder anderen Levelarchitekturelementen stets sinnvoll. Das Spiel macht mir, zumindest in seiner PlayStation- oder PC-Umsetzung, dennoch Spaß, wenn auch nicht so viel wie die Konkurrenz. Super finde ich hingegen, dass ich den Titel gleich in mehreren Spielversionen ausprobieren und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausgaben erforschen kann. Die Dokumentation ist darüber hinaus über alle Zweifel erhaben. Sie gibt einen guten Einblick in die damalige Entwicklerszene sowie in die Produktion des Spiels, was für jedweden Interessenten an der europäischen Videospielgeschichte spannend sein dürfte. Wem es also nicht nur ums Spielen geht, sondern auch noch etwas dazu lernen oder in Erinnerungen schwelgen will, kommt hier richtig auf seine Kosten.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rayman (30th Anniversary Edition)!

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