Review: Sonic Mania

Manchmal wissen die Fans eines Franchises einfach am besten, was sie gerne spielen wollen. So erging es auch Christian Whitehead, der sich an die Entwicklung von Sonic Mania machte und sie Sega-Produzenten Īzuka Takashi vorstellte, der sich gleich in den Prototyp verliebte.

In den letzten zehn Jahren haben sich Fans ständig darüber beschwert, dass die Qualität der Sonic-Videospiele stetig abnimmt. Vor allem die dreidimensionalen Abenteuer des blauen Igels stoßen dem einen oder anderen Fan bitter auf. Spätestens seit 2016 ist sich Sega dieser Kritik bewusst und versprach Besserung. Sonic Mania ist einer der ersten Titel, den sich die Fans des Franchises genau so wünschen. Um ein dreidimensionales Abenteuer handelt es sich bei Sonic Mania allerdings nicht, denn das fertige Spiel ist durchweg ein klassischer Serienteil geworden, der sich stark an den Sega-Mega-Drive-Ablegern orientiert. Das heißt allerdings auch, dass eine durchstrukturierte Geschichte nicht zu spüren ist. Dennoch lässt sich sagen, dass Dr. Eggman keine Ruhe geben will und nach wie vor seine durchtriebenen Pläne verfolgt. So entführt der wahnsinnige Wissenschaftler abermals Tiere, die wir in der Rolle von Sonic, Tails oder Knuckles befreien müssen. Dabei stellen sich uns verschiedene Roboter aus Eggmans Kreativwerkstatt in den Weg, die wir der Reihe nach besiegen müssen, um der Spur des Wissenschaftlers zu folgen. Einen Blumentopf kann die Handlung von Sonic Mania definitiv nicht gewinnen. Das ist aber auch gar nicht schlimm, da wie schon in den Anfängen der Serie in den frühen 1990er Jahren das Gameplay im Vordergrund steht – und hier kann der Titel auf ganzer Linie punkten.

Klassischer Serienteil

Wie schon in den Serienanfängen rasen wir in den zweidimensionalen Levels aus der Seitenperspektive von links nach rechts, von rechts nach links, von oben nach unten und von unten nach oben – kurzum querfeldein. Waren die früheren Abenteuer des blauen Igels bereits in umfangreichen Spielabschnitten angesiedelt, überwältigt uns Sonic Mania mit einer schier unglaublichen Anzahl an verwinkelten Passagen, zahlreichen Geheimverstecken mit Bonus-Items und sogar die eine oder andere Überraschung hat es ins Spiel geschafft. Eine dieser Überraschungen wäre die Stelle, in der wir uns mit Eggman ein Duell á la Dr. Robotnik’s Mean Bean Machine liefern. Im Kern bleibt Sonic Mania allerdings ein waschechtes Jump ’n’ Run, in dem besonderer Wert auf Geschwindigkeit gelegt wird. So düsen wir mit dem blauen Igel beziehungsweise mit Tails oder Knuckles durch die Landschaft und in Loopings, springen über Abgründe und attackieren aus dem Sprung Feinde. Entscheiden wir uns statt für den titelgebenden Helden lieber für den zweischwänzigen Fuchs Tails oder den roten Ameisenigel Knuckles, kommen wir sogar in den Genuss anderer Fähigkeiten, um die Levels zu meistern. Tails kann zum Beispiel durch die Luft fliegen und Knuckles kann sich an Wänden festhalten, um höhere Ebenen zu erklimmen: So fühlt sich der Titel mit jedem Charakter recht frisch an!

Ein Ring, sie zu knechten

Abwechslungsreich fallen auch die zwölf Zonen des Spiels aus. Wir flitzen unter anderem über Grünflächen und durch Fabrikanlagen, Filmstudios oder eine Wüstenlandschaft. Es macht sehr viel Spaß, die verschiedenen Levels zu erkunden, da in jedem Spielabschnitt unterschiedliche Elemente zu dessen Gestaltung eingesetzt wurden. In den Filmstudios können wir beispielsweise in einigen Momenten nur Sonics Silhouette erkennen und können nur an den markanten Formen der Objekte erahnen, was sich hinter dem Scheinwerferlicht verbirgt. In Fabrikanlagen zieht peu á peu schwarzer Rauch auf, der die Sicht vernebelt. Hier müssen wir Hebel betätigen, damit der Qualm wieder abziehen kann. Unterwegs sammeln wir Ringe ein; für jeweils einhundert Ringe erhalten wir einen zusätzlichen Versuch. Diese sind in Sonic Mania – wie schon ihre Farbe vermuten lässt – goldwert. Das liegt daran, dass wir bei einer Kollision mit einem Gegner oder einem anderen Hindernis sämtliche Ringe verlieren und nur ein paar von ihnen wieder aufheben können. Eine kleine Herausforderung beim sehr hohen Spieltempo! Dennoch ist Sonic Mania kein schwieriges Spiel geworden. Wer schon einmal einen der älteren Serienteile gespielt hat, steigt schnell ins Geschehen ein. Neulinge müssen hingegen eine kleine Einstiegshürde nehmen, da Erklärungen zu Objekten, Bonus-Items und Co ausbleiben.

Ein Spiel von Fans für Fans

Wer die Umgebungen gründlich absucht, wird früher oder später oder auch nur zufällig über die Bonus-Stages stolpern. Hier verschiebt sich auf der einen Seite die Ansicht zur Verfolgsperspektive und auf der anderen Seite müssen wir neben Ringen auch Kugeln einsammeln, um einen der begehrten Chaos Emeralds ergattern zu können. In puncto Steuerung finden sich dieselben Fehler, die schon in früheren Teilen der Reihe vorhanden waren. Wollen wir mit Sonic Geschwindigkeit aus dem Stand aufnehmen, müssen wir uns auf der Stelle drehen. Das geht zwar auf Knopfdruck, doch ist es nicht möglich, die Richtung zumindest beim Start zu ändern. Rasen wir in einen Looping und laufen danach hingegen der physikalischen Gesetze an der Decke entlang, müssen wir die Richtungstaste manchmal, aber nicht immer, im richtigen Moment ändern. Hier hätte dem Titel eine Generalüberholung gut getan! Dafür begeistert die optische Gestaltung des Spiels, die klar an der 16-Bit-Ära angelehnt ist und sogar diverse Filter bietet, um ein Gefühl der Spiele aus den 1990er Jahren zu vermitteln. Hinzu kommt ein Soundtrack von Tee Lopes, einem langjährigen Sonic-Fan und bekannt durch diverse Interpretationen von Videospielmusik, der beliebte Tracks aus früheren Ablegern und neue Stücke komponiert hat. Sonic Mania ist und bleibt so wahrhaftig ein tolles Spiel von Fans für Fans!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): In den 1990er Jahren bin ich eher mit Super Mario und weniger mit Sonic the Hedgehog aufgewachsen. Die klassischen Serienableger des blauen Igels habe ich dann Ende der 2000er Jahre auf der Wii beziehungsweise auf der Virtual Console nachgeholt. Sonic Mania hat mich in sämtlichen Punkten an meine Erfahrungen mit der Reihe zurückerinnert, denn das Spiel will nichts anderes, als sich an den klassischen Abenteuer zu orientieren und Erinnerungen wachzurütteln. Leveldesign, Grafiken, Soundtrack, Gameplay und Steuerung – alles erinnert mich an die Sega-Mega-Drive-Spiele. Wer das hohe Spieltempo nicht scheut oder einfach mal wieder ein liebevolles Jump ’n’ Run der alten Schule zocken möchte, muss bei Sonic Mania unbedingt zuschlagen.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sonic Mania!

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