Special: Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System

Kaum startete der Vorverkauf vom Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System, war er wenige Minuten später schon vorbei. Aus vergangenen Fehlern hat Nintendo offensichtlich nicht gelernt, denn beim Miniatur-NES hat sich im Jahr 2016 ein sehr ähnliches Bild abgezeichnet.

Am 26. Juni 2017 und damit nur kurze Zeit nach der Electronic Entertainment Expo kündigte Nintendo – nachdem die Gerüchte über Monate brodelten – endlich das Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System an. Dabei handelt es sich ähnlich wie beim Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System um eine Miniaturvariante einer bereits vor Jahrzehnten veröffentlichten Nintendo-Konsole. Nach dem einschlagenden Erfolg des NES Mini ist es wenig überrascht, dass auch das Super Nintendo im Miniaturformat nach wenigen Minuten restlos ausverkauft war und die Preise im Internet für das begehrte Objekt in die Höhe sprießen. An diesem Punkt muss man sich auf der einen Seite fragen, warum wie aus dem Nichts wieder ein großes Interesse am Super Nintendo besteht und auf der anderen Seite, wieso Nintendo nicht aus dem Fehler des Vorjahres gelernt hat und keine größere Charge in Auftrag gegeben hat. In den Weiten des Internets machte schnell eine Verschwörungstheorie die Runde. So bezichtigten einige enttäuschte Fans, die keine Konsole mehr ergattern konnten, Nintendo der künstlichen Knappheit. Soll heißen, dass Nintendo das Angebot bewusst geringer als die tatsächlich vorhandene Nachfrage hält. Nach dem Debakel von 2016 ist das Misstrauen zwar nachzuvollziehen, doch zumindest für den nordamerikanischen Raum hat Chief Operating Officer von Nintendo of America, Reginald Fils-Aime, diese Vorwürfe entkräftet.

Zugang zur Nostalgie

Seiner Aussage zufolge soll es für die Miniaturfassung des Super Nintendos noch 2017 mindestens eine weitere Auslieferungswelle geben. 2018 soll sogar das Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System aufgrund der hohen Nachfrage seinen Weg zurück in die Kaufhausregale finden. Das knappe Angebot rechtfertigt jedoch noch lange nicht die plötzlich so hohe Beliebt einer Konsole, die ursprünglich im Jahr 1990 erschienen ist. Selbstverständlich wird niemanden entgangen sein, dass unter anderem durch das Auftreten von Independent-Spielen in den 2000er Jahren die Rückbesinnung an alte Werte und somit ein Interesse an Retro-Spielen losgetreten worden ist. Es wäre jedoch vollkommen falsch, den Grund einzig und allein in der Nostalgie zu suchen. Während das auf ältere Spieler, die in den 1980er Jahren geboren und somit in den 1990er Jahren womöglich mit der 16-Bit-Konsole aufgewachsen sind, durchaus zutreffen mag, haben jüngere Nintendo-Fans die Spiele dieser Epoche vermutlich eher durch die Virtual Console von Wii, Wii U und New 3DS kennengelernt. Abgesehen davon wurde die Virtual Console in den letzten Jahren kaum mehr von Nintendo unterstützt. Da die Produktion von Wii und Wii U eingestellt wurde, bleibt unter allen aktuellen Konsolen nur der New 3DS mit dem exklusiven Virtual-Console-Feature in Bezug die 16-Bit-Ära übrig. Für die Switch sind zwar auch Super-Nintendo-Spiele geplant, doch konkretisiert hat Nintendo diese Pläne kaum.

Gesunde Videospielsammlung

Wer nicht die Möglichkeit hat, auf seine Originalkonsole oder auf den Online-Katalog des eShops beziehungsweise des Wii-Shop-Kanals zugreifen zu können und auf einen Schlag – und zudem verhältnismäßig günstig – in den Genuss von einer gesunden Mischung bestehend aus Super-Nintendo-Klassikern kommen möchte, kommt um das Miniatur-Super-Nintendo nicht herum. Waren auf der Vorgängerkonsole noch dreißig Spiele installiert, müssen sich Super-Nintendo-Fans hingegen mit zwanzig beziehungsweise einundzwanzig Spielen begnügen. Zu den Top-Titeln gehören unter anderem Donkey Kong Country, F-Zero, Kirby’s Fun Pak, Starwing, Super Mario Kart, Super Mario World, Super Mario World 2: Yoshi’s Island, Super Metroid und The Legend of Zelda: A Link to the Past. Neben den genannten Titeln haben sich aber auch ein paar Rollenspiele in die Sammlung gemischt. So dürfen wir unter anderem in EarthBound, Final Fantasy VI und Super Mario RPG: Legend of the Seven Stars rundenbasierte Kämpfe bestreiten und in Secret of Mana auch in Echtzeit auf die Monster eindreschen. Neben den drei von Square Enix entwickelten Rollenspielen haben auch Capcom und Konami Spiele wie Mega Man X, Street Fighter II: Turbo – Hyper Fighting, Super Castlevania IV, Super Ghouls’n Ghosts und Super Probotector: Alien Rebels beigesteuert.

Hit-Dichte und exklusiver Titel

Nach dieser Aufzählung, bei der wir uns für die Titel der deutschen beziehungsweise japanischen Fassung entschieden haben, sind noch nicht einmal alle Spiele genannt, die auf der kleinen Konsole vorinstalliert sind. Dennoch reicht diese Auswahl bereits aus, um die hohe Hit-Dichte festzustellen. Ein genauerer Blick auf die Übersicht zeigt, dass Nintendo of Europe allerdings zu faul war, um die deutschen Lokalisationen auf der Konsole unterzubringen. Es sind durchgehend nur die US-Fassungen enthalten. Diese laufen zwar mit ein paar Bildern mehr pro Sekunde und wirken dadurch sehr viel flüssiger, doch wer des Englischen nicht mächtig ist, wird bei Secret of Mana oder The Legend of Zelda: A Link to the Past eventuell ein paar Wegfindungsprobleme bekommen. Während zu den Rollenspielen EarthBound, Final Fantasy VI und Super Mario RPG ohnehin keine offizielle deutsche Übersetzung vorliegt und man dies dem Publisher nicht vorwerfen darf, wird es bei den anderen Spielen hingegen keine oder höchstens nur leichte Probleme geben, da der dortige Texteinsatz minimal und somit die fehlende deutsche Übersetzung nicht sonderlich schmerzlich ausfällt. Bei den Spielen hat sich Nintendo allerdings einen besonderen Leckerbissen ausgedacht. Wer den ersten Level von Starwing beendet, schaltet auf der Konsole den 21. Titel frei, der weltweit zum ersten Mal offiziell spielbar ist: Star Fox 2. Sollte der Titel exklusiv auf dem Miniatur-Super-Nintendo vorhanden sein, dürfte er ein unschlagbarer Kaufgrund für Fans des Weltraumfuchses sein.

Neidische Blicke nach Fernost

Trotz der wirklich sehr guten Auswahl an Spielen auf der Konsole ist die eine oder andere Entscheidung seitens Nintendo für manchen Fan sicherlich nicht ganz nachvollziehbar. Donkey Kong Country ist unter technischen Gesichtspunkten zwar unumstritten ein Meilenstein in der Geschichte der Videospielgrafik, doch der inhaltlich wesentlich bessere zweite Teil fehlt in der Sammlung. Rollenspieler dürften unter anderem Chrono Trigger, Lufia II: Rise of the Sinistrals, Secret of Evermore oder Terranigma vermissen. Ebenfalls wichtige Spiele wie Harvest Moon, Pilotwings, SimCity oder Tetris & Dr. Mario, die noch ein wenig mehr Abwechslung gebracht hätten, suchen wir vergebens. Während Europäer – bis auf Konsolen- und Controller-Design – keinen Unterschied zur Konsole und zur nordamerikanischen Videospielauswahl entdecken, dürfen diese jedoch ein wenig neidisch auf die japanische Ausgabe schielen. Die Super-Famicom-Miniatur fällt mit den exklusiven Titeln Fire Emblem: Monshō no Nazo, The Legend of the Mystical Ninja, Tetris Attack und Super Soccer noch ein wenig abwechslungsreicher aus. Mit Street Fighter II: Turbo – Hyper Fighting hat die europäische Version aber die Nase vorn, denn Super Street Fighter II: The New Challengers ist in den Augen mancher Prügelspielfans die etwas weniger gelungene Version des Beat ’em ups. Warum abermals ein Fußballspiel in der europäischen Variante allerdings fehlt, dürfte im fußballverliebten Europa erneut ein ewiges Rätsel bleiben.

Problematischer Lieferumfang

Im Lieferumfang der Konsole sind zwar ein HDMI-Kabel und ein USB-Stromkabel enthalten, doch fehlt abermals der AC-Adapter, der von Nintendo einzeln vertrieben wird. Wer also über keinen Fernseher mit einem USB-Anschluss, der noch dazu ausreichend Strom liefern sollte, nicht verfügt, wird wie schon bei der Miniaturausgabe des NES noch einmal extra zur Kasse gebeten. Das ist vor allem vor dem Hintergrund, dass Nintendo im selben Erscheinungsjahr den New Nintendo 2DS mit Netzteil ausgeliefert hat, nicht nur ärgerlich, sondern auch unverständlich. Dennoch funktioniert die Installation an jedem Flachbildfernseher mit den nötigen Peripherien problemlos. Besitzer eines älteren Röhrenfernsehers werden die Konsole hingegen nicht ohne Weiteres an ihr Gerät anschließen können. Immerhin hat Nintendo aus einem weiteren Fehler gelernt und der Konsole gleich einen zweiten Controller beigelegt. Bei der Vorgängerkonsole war es nämlich nach der ersten Vorbestellaktion ebenfalls schwierig, eine zweite Steuerungseinheit in die Finger zu bekommen. Wer darauf gehofft hat, dass die Kabellänge der Super-Nintendo-Controller ein wenig länger ausfallen, wird halbwegs enttäuscht. So sind die Kabel zwar ein wenig länger, doch immer noch zu kurz. Wer Monitorbräune verhindern möchte, muss abermals auf Verlängerungskabel von Drittherstellern zurückgreifen. Wir empfehlen die Classic Extension von Capcy, die auch beim NES Mini mühelos funktioniert.

(K)eine Liebe zum Detail

Haben wir das Gerät erst einmal zum Laufen gebracht, landen wir direkt im recht übersichtlichen Menü, das wir noch dazu in verschiedenen Sprachen anzeigen lassen dürfen. Im Menü sind sämtliche enthaltenen Spiele ähnlich wie bei der Vorgängerkonsole mit dem US-amerikanischen Cover horizontal aufgelistet. Diese Liste dürfen wir nach verschiedenen Kriterien ordnen, beispielsweise alphabetisch, nach Publisher, Release-Datum oder Spieleranzahl. Bei der überschaubaren Anzahl an Titeln oder Publisher dürfte diese Funktion für viele Nutzer aber obsolet sein. Digitale Anleitungen zu den Titeln sind wie beim Nintendo Classic Mini: NES jedoch nicht vorhanden. Über einen QR-Code beziehungsweise einen angezeigten Link kommen wir allerdings auf eine Unterseite von Nintendos Homepage, auf der wir alle wichtigen Informationen zu den einzelnen Spielen abrufen können. Das ist umständlich und alles andere als liebevoll gelöst. Speicherplatzmangel dürfte es auf der Konsole nicht geben. Abseits des Videospielkatalogs stehen diverse Einstellungsmöglichkeiten für die Darstellung auf der Mattscheibe zur Verfügung. So können wir die Klassiker im originalen Seitenverhältnis oder im 4:3-Format spielen und wahlweise die Kathodenstrahlröhre auf unserem Flachbildfernseher simulieren. Hinzu kommen verschiedene Rahmen, um den Rest der Bildschirmfläche zu füllen. Im Optionsmenü dürfen wir zum einen die Konsole auf den Werkszustand zurücksetzen und zum anderen bestimmte Funktionen aktivieren beziehungsweise deaktivieren.

Vorspulen in der Zurückspulfunktion

Dazu gehört beispielsweise die Zurückspulfunktion. Fallen wir bei Super Mario World in einen Abgrund und verspielen unser letztes Leben oder werden in Secret of Mana von einem Bossgegner pulverisiert, ist diese Funktion zwar durchaus nützlich, doch umständlich zu nutzen. So müssen wir uns aus unserem gemütlichen Sessel erheben, den Reset-Knopf an der Konsole betätigen und dann über das Gamepad die Funktion aktivieren und in größeren Intervallen an die besagte Stelle unserer Spielsession vorspulen (anstatt vom aktuellen Augenblick zurückzuspulen). Ebenfalls enthalten ist die Funktion, in der wir mitten im Spiel abspeichern können, wenn wir plötzlich ein längeres Telefongespräch tätigen müssen, einen Termin haben oder der nächste klassische Savepoint mehr als fünf Minuten Spielzeit entfernt ist. Unterm Strich bietet das Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System zwar einen ähnlich angenehmen Umfang wie die Vorgängerkonsole, doch Verbesserungen innerhalb einer logischen Entwicklung bei Konsolen beschränken sich auf ein Minimum. Einen Modulschacht für Originalmodule gibt es zum Beispiel nicht und auch an einer eShop-Anbindung hat Publisher Nintendo nicht gedacht. Wer kein Retro-Einsteigermodell benötigt und mehr als die 21 vorinstallierten Titel spielen möchte, kommt um die Anschaffung einer gebrauchten Originalkonsole oder Alternativen von Drittherstellern nicht herum. Als Sammlerstück hat sich das Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System ein Platz in der Vitrine aber redlich verdient.

Geschrieben von Eric Ebelt

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