Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 9)

Obwohl Fans des fünfjährigen Nohara Shinnosuke traditionell zwei Monate auf die nächste Volume der Veröffentlichungsreihe Crayon Shin-chan warten mussten, ging es diesmal schneller: Schon Ende Januar 2026 erschien die inzwischen neunte Ausgabe der Anime-Serie.

Mit Crayon Shin-chan hat der 2009 verstorbene Manga-Künstler Usui Yoshihito in den frühen 1990er-Jahren ein Phänomen geschaffen, das auch dreieinhalb Jahrzehnte später von Belang ist. Zumindest aus dem japanischen Fernsehprogramm ist die Anime-Umsetzung nicht mehr wegzudenken. Hierzulande war der Erfolg nur von kurzer Dauer, doch in den 2020er-Jahren scheint der titelgebende Störenfried wieder an Popularität zu gewinnen. Herausgeber Polyband Anime veröffentlicht die langlebige Serie seit Ende 2024 schrittweise auf DVD, wenn auch nur in der verstückelten Fassung, die Fans noch durch die Fernsehausstrahlungen im deutschsprachigen Raum kennen. Soll heißen, dass Intro und Outro nur bei der Alle-abspielen-Funktion einmalig eingefügt sind und die jeweils dreiteiligen Episoden aufgeteilt aus dem Episodenmenü heraus ausgewählt werden müssen. Inhaltlich tut dies der Anime-Serie jedoch keinen Abbruch, denn diese ist mit ihrem regelrecht irrwitzigen, teils pubertären und teils mit Wortwitzen gespickten Humor über alle Zweifel erhaben. Wer die Serie im linearen Fernsehen regelmäßig verfolgt hat, kommt auch um die DVD-Veröffentlichung nicht herum. Alle anderen sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen, denn Crayon Shin-chan kann mit der Zeit richtig ans Herz wachsen sowie zum Lachen und Fremdschämen bringen.

Satansbraten on Tour

Fans von Shinnosukes kleiner wie quirliger Schwester Himawari beziehungsweise Daisy, wie sie in der deutschen Übersetzung heißt, müssen allerdings stark sein. Durch die kreuz und quer geworfenen Episoden, die auf die nordamerikanische Fassung zurückgehen, taucht diese in den Episoden der neunten Volume lustigerweise gar nicht auf. Das geht sogar soweit, dass in einer Folge nur angedeutet wird, dass Misae beziehungsweise Mitsy schwanger ist. In einer anderen Episode ist sie bezüglich ihrer Periode längst überfällig, was sich jedoch als falscher Alarm entpuppt. Stattdessen liegt der Fokus in den enthaltenen Abenteuern stark auf der noch dreiköpfigen Familie Nohara. Beispielsweise besuchen Shin-chan, seine Mutter und auch sein Vater Hiroshi respektive Harry ein Museum. Dort lassen sich die drei Kunstbanausen über die Werke eines berühmten Künstlers aus, der zufälligerweise an jenem Tag auch im Museum zugegen ist und dadurch einen Wutanfall bekommt. In einer anderen Folge verirrt sich das Trio hingegen in einen Freizeitpark, der ans alte Japan angelehnt ist. Hier erleben sie sowohl die Annehmlichkeiten am Hofe des Shōguns als auch die soziale Kehrseite als verarmte Bauern. Auch ein Ausflug ins Bowlingcenter und ein Besuch im Streichelzoo stehen an der Tagesordnung – und wie könnte es auch anders sein, sorgt Shin-chan an allen Orten für Unruhe.

Absurditäten des Alltags

Egal ob Shinnosuke nun die mal wieder mit Zeichensprache kommunizierenden Verkäuferinnen in der Buchhandlung, die süße Zoowärterin oder die schrulligen Handwerker zu Hause aufmischt – alle bekommen ihr Fett weg und sind meist froh, wenn sie Shin-chan nicht mehr ertragen müssen. Neben den familiären Angelegenheiten gibt es aber auch ein paar Abenteuer, in denen Shinnosukes Freunde zum Dreh- und Angelpunkt werden. In einer Episode verliebt sich Shin-chans Freund Satō Masao (Max) in eine Mitschülerin, weshalb Shinnosuke einen Liebesbrief übergeben soll – nichtsahnend, dass die Geschichte für ihn ganz anders ausgehen wird. In einer anderen Folge spielen die Kinder hingegen das Spiel Vorschule in der Vorschule, wodurch sich ihre Rollen vertauscht haben. Auch ihre Lehrerin Yoshinaga Midori, in der deutschen Fassung Fräulein Dori, wird früher oder später in dieses Szenario hineingeworfen. All diese kleinen und kompakten Geschichten, die um die sechs Minuten lang sind und nur in Ausnahmefällen in den darauffolgenden Episoden aufeinander aufbauen, sind unfassbar lustig, da die Situationen allein schon vom Alter des Protagonisten absurd erscheinen. Die deutsche Übersetzung, in der beispielsweise Shin-chan eine Rassehündin aufgrund ihrer Frisur als „Wolfgang Petry für Arme“ bezeichnet, vervollständigt das humorvolle Gesamtbild.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Obwohl ich bei den ersten der enthaltenen Episoden dachte, dass es in der neunten Volume etwas gesitteter zugeht, wurde ich zwischendurch zum Glück immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich möchte hierbei nicht ins Detail gehen, aber Crayon Shin-chan entpuppt sich abermals als laut, frech, über die Strenge schlagend und nicht zuletzt absurd. Genau diese Kombination macht die Anime-Serie sehenswert. Ich komme beim Ansehen der in dieser Volume deutlich abwechslungsreichen Episoden nicht mehr aus dem Lachen heraus. Die deutsche Synchronisation setzt dem ganzen Spektakel das i-Tüpfelchen auf, da hier auf bekannte Persönlichkeiten des deutschsprachigen Raums oder etwaige Redewendungen Bezug genommen wird. Schade finde ich nur, dass der japanische Originalton abermals abwesend ist und die Serie nicht in der chronologischen Reihenfolge wie in Japan auf den DVDs veröffentlicht wird. Wem das jedoch egal ist, und das dürften wohl die meisten Crayon-Shin-chan-Fans sein, darf aber auch bei der neunten Ausgabe zuschlagen!

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 9)!

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