Seit 1987 lässt sich die Ys-Reihe nicht unterkriegen. Bei aller Langlebigkeit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Entwickler der japanischen Rollenspielserie gelegentlich auf Remakes setzen. Ys Memoire: The Oath in Felghana krempelt den dritten Serienteil ordentlich um.
Ursprünglich im Jahr 1989 für japanische Heimcomputer veröffentlicht, trat das Rollenspiel Ys III: Wanderers from Ys daraufhin eine unaufhaltsame Reise auf etliche Computer- und Videospielsysteme an. Unter anderem erblickte der Titel auf der PC-Engine, dem Super Nintendo oder dem Sega Mega Drive das Licht der Welt. Im Jahr 2005 erreichte das Spiel schließlich auch moderne PC-Gefilde in Form eines Remakes. Ys Memoire: The Oath in Felghana scheint den Entwicklern besonders am Herzen zu liegen, denn anders ist es wohl kaum zu erklären, dass diese Version in der darauffolgenden Zeit auch noch für die PlayStation Portable, für die Nintendo Switch und im Mai 2024 schließlich auch für die PlayStation 5 veröffentlicht wurde. In Europa war es im Januar 2025 soweit. An der grundlegenden Prämisse hat sich in keiner der Versionen etwas geändert. Der um die Welt reisende Abenteurer Adol Christin erreicht mit seinem Kumpanen Dogi die Küste des Reiches Felghana. Zuvor haben sie von Händlern erfahren, dass es um Dogis Heimat schlecht bestellt ist. Plötzlich und unerwartet tauchen Monster im Land auf, der Erzhandel kommt zum Erliegen und die Moral der Bewohner der Stadt Redmont liegt am Boden. Mutig und selbstlos wie Adol ist, bietet er in Ys Memoire: The Oath in Felghana den Einheimischen selbstverständlich seine Hilfe an.
Schnelles Kampfsystem für Ungeduldige
Um dem titelgebenden Fluch in Felghana auf die Schliche zu kommen, müssen wir mit Adol in bester Dungeon-Crawl-Manier mehrere Schauplätze abgrasen. Zu Beginn nur mit Schwert und Schild bewaffnet, preschen wir im actionorientierten Echtzeitkampfsystem in die Gegnerhorden vor. Obwohl das im Grunde nichts weiter als Button Mashing ist, spielt sich auch das Remake des dritten Serienteils sehr flott. Das Spieltempo ist derart hoch, dass wir in Windeseile von einem Gegner zum nächsten flitzen. In späteren Spielabschnitten von Ys Memoire: The Oath in Felghana leisten die Gegner wie Riesenspinnen, mordlustige Schlingpflanzen, untote Krieger und Co zwar auch mehr Widerstand, doch wer mit der Zeit langsam, aber stetig lernt, Angriffen auch mal auszuweichen und das Zeitfenster zum Kontern auszunutzen, wird das Ausbremsen der Spielgeschwindigkeit gar nicht erst merken. Zudem erhalten wir im Verlauf des Spiels Zugriff auf drei verschiedene Armbänder, die uns den Einsatz von Magie ermöglichen. Dann können wir auch wunderbar aus der Ferne Feuerbälle schmettern, mit unserem Schwert Wirbelangriffe ausführen oder mit Karacho auf die Feinde losstürmen. In regelmäßigen Abständen erwarten uns darüber hinaus Bosskämpfe, die deutlich knackiger sind und je nach Übung auch mal drei oder vier Anläufe brauchen. Unfair sind sie aber eher nicht.
Spaßiges Erkunden der Spielwelt
Letzteres liegt daran, dass jedes Level-up in Ys: The Oath in Felghana spürbare Auswirkung auf unsere Angriffs- und Verteidigungswerte hat. Darüber hinaus können wir mit in Schatztruhen erbeuteten Erzen beim Schmied in Redmont unsere Ausrüstung härten, was uns einen zusätzlichen Bonus bringt. Zudem stellt sich in gewisser Weise ein Lerneffekt wie etwa in Demon’s Souls ein. Wir lernen die Bewegungsmuster schrittweise kennen und reagieren im richtigen Augenblick. Irgendwann wissen wir einfach, wann wir einem Drachen ins Schienbein treten oder fliegenden Schwertern ausweichen, noch bevor sie auf dem Bildschirm erscheinen. Hinzu kommt, dass es äußerst viel Spaß macht, die Areale wie eine dunkle Mine, eine altertümliche Tempelanlage oder verschneite Bergketten zu erkunden. Um kein Geheimnis zu verpassen, kehren wir später an bereits besuchte Orte zurück, um mit neuen Fähigkeiten wie einem Doppelsprung versteckte Pfade einzuschlagen. Technisch ist das Spiel inzwischen zwar arg veraltet, doch haben die knuffigen Charaktere und die teils isometrische Perspektive immer noch ihren Charme. Akustisch können wir je nach Nostalgie-Anflug zwischen einem modernen und zwei älteren Versionen des Soundtracks wechseln. Wem Ys: The Oath in Felghana zu langsam sein sollte, kann in den aktuellen Versionen des Titels auch die Spielgeschwindigkeit erhöhen – gerade für Grinding-Enthusiasten eine willkommene Wohltat!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Sonderlich viele Spiele der Ys-Reihe habe ich bislang noch nicht gespielt, doch wurde ich bislang bei keinem Serienteil so richtig enttäuscht. Gerade die hervorragende Spielbarkeit, das hohe Spieltempo, die befriedigenden Auseinandersetzungen mit kleineren Gegnern, die dafür umso nervenaufreibenderen Bosskämpfe und das motivierende Absuchen der Spielwelt nach Geheimnissen machen auch bei Ys Memoire: The Oath in Felghana wieder jede Menge Spaß. Zudem ist das Spiel mit einer Einmalspielzeit von circa zehn bis zwölf Stunden kurz und knackig und lässt sich daher wunderbar als Intermezzo genießen. Allerdings gerät dadurch die Story ein wenig in den Hintergrund. Diese geht zwar leicht über das Retten der Welt hinaus, bietet aber für mich keine sonderlich erinnerungswürdigen Elemente, über die ich noch in Jahren mit Genre-Freunden fachsimpeln würde. Dennoch kann ich das Spiel jedem Fan der Reihe empfehlen. Auch als Einstiegspunkt in die Reihe bietet sich der Titel aufgrund der kurzen Spielzeit wunderbar an.