Review: Demon’s Souls

Entwicklerlegende Miyazaki Hidetaka erschuf 2009 mit dem PlayStation-3-Titel Demon’s Souls ein Spiel, das zu den einflussreichsten Werken der Videospielindustrie zählt, da es den Grundstein einer ganzen Strömung legte. 2020 ließ Lizenzinhaber Sony Interactive Entertainment zum Launch der PlayStation 5 ein Remake von Bluepoint Games entwickeln.

Bluepoint Games sind kein ungeschriebenes Blatt in der Videospielindustrie. Die Texaner haben im letzten Jahrzehnt überwiegend an Remasters und Remakes gewerkelt. Unter anderem zeichnen sie sich für die fantastische PlayStation-4-Umsetzung von Shadow of the Colossus verantwortlich. Ebenfalls auf ihre Kappe geht die Portierung der Uncharted: The Nathan Drake Collection. Da verwundert es kaum, dass sich Bluepoint Games einem weiteren großen Sony-Spiel widmen darf. Den Entwicklern war es während der Entwicklung wichtig, sich weitgehend am Original aus dem Hause From Software zu orientieren und nur wenig Neues zu wagen. So bleibt auch die Story weitgehend unangetastet, über die es aber ohnehin nicht so viel zu erzählen gibt. Demon’s Souls spielt im untergegangenen Königreich Boletaria, das von Dämonen heimgesucht wurde. Es gibt jedoch Hoffnung, denn ein Held wird kommen und die Dämonen allesamt vernichten. Schlicht und einfach heißt das: Wir gegen abertausende Kreaturen der Finsternis. Obwohl die Story nicht nach viel klingt, entwickelt sich beiläufig eine immer dichter werdende Hintergrundgeschichte. Die Erzählung setzt sich wie ein Mosaik über Hinweise, nebensächliche Dialoge oder Item-Beschreibungen peu à peu zusammen. Daran lässt sich erkennen, dass das Action-Rollenspiel nicht für jeden Genre-Fan geeignet ist.

Abgrundtief düsteres Szenario

Wenn wir in Demon’s Souls etwas Spannendes oder Interessantes über das Reich Boletaria, seinem König oder die Umstände erfahren, die zum Untergang geführt haben, dann legen wir diese Informationshäppchen gleich auf die Goldwaage. Auf dem Silbertablett wird uns nichts serviert. Es gilt also stets, alle Texte zu lesen und keinem der spärlichen Dialoge aus dem Weg zu gehen. Dennoch können auch all jene Spaß mit dem Titel haben, denen die Hintergründe einfach nicht interessieren. Schließlich konzentriert sich das Spiel vor allem auf sein Gameplay – und auch hier unterscheidet sich Demon’s Souls von anderen Genre-Vertretern. Nachdem wir uns über einen umfangreichen Charaktereditor unseren Helden erstellt haben, reisen wir über den so genannten Nexus, einer Zwischenwelt, in die fünf Welten des Spiels. In diesen erkunden wir alte Burggemäuer, modrige Kerker, von der Zeit vergessene Türme und dunkle Höhlen; eigentlich so ziemlich alles, was irgendwie düster ist und ins Setting passt. Haben wir einen der Orte erreicht, die wir kurz nach Spielstart in freier Reihenfolge erkunden dürfen, geht es darum, uns durch die Dungeons zu arbeiten. Dabei freuen wir uns stets wie ein Schnitzel, wenn wir eine der wenigen Abkürzungen freischalten. Zu Demon’s Souls gehören leider lange Laufwege, auf denen überall Dämonen auf uns lauern, die uns an das Licht ausknipsen wollen. Dementsprechend gehören auch harte und hitzige Kämpfe zu Demon’s Souls.

Seelenlose Seelenernte

In den ersten Spielstunden sind wir noch erbärmlich schwach und selbst langsame Gegner können mit plötzlichen Angriffen überraschen und jede Menge Schaden anrichten. Mit der Zeit gibt sich das aber, denn besiegte Dämonen hinterlassen Seelen, die unter anderem als Erfahrungspunkte-Ersatz herhalten. In Demon’s Souls sind Seelen aber wesentlich wertvoller als in anderen Ablegern der Strömung. Während wir beispielsweise in Nioh noch mit Münzen zahlen können, halten die Seelen in Demon’s Souls zugleich als Zahlungsmittel her. Um einen Stufenaufstieg durchzuführen und damit einhergehend verschiedene Attribute zu erhöhen, Rüstungen und Heilkräuter zu erwerben, um Magie und Wunder zu erlernen, Waffen reparieren oder schmieden zu lassen, müssen wir jedes Mal von einem in der Welt verstreuten Keilsteine zurück in den Nexus reisen und sie dort schleunigst ausgeben. Es bringt überhaupt nichts, Seelen aufzusparen. Wer noch keinen Souls-like-Titel gespielt hat, wird jetzt wohl schlucken: Bei jedem Tod verlieren wir all unsere Seelen. Zudem wird unsere Lebensenergie bis zum nächsten Besiegen eines Bossgegners verringert. Nach dem Tod haben wir zwar die Möglichkeit, zur Position unseres Ablebens zurückzulaufen und die Seelen wieder einzusammeln, aber wenn wir ein weiteres Mal sterben, sind die Seelen unwiderruflich verloren. Ein wenig merkwürdig ist hierbei, dass dieser Punkt nicht immer hundertprozentig übereinstimmt.

Hart, härter, Demon’s Souls

Besonders heftig kann solch ein Tod in der Auseinandersetzung mit einem Bossgegner sein, da uns für den zweiten Versuch gleich weniger Lebensenergie zur Verfügung steht und wir entsprechend deutlich häufiger Heilkräuter einsetzen müssen. Hinzu kommt, dass Bossgegner wie riesige Ritter, Spinnen oder Flammenspeier nur mit einer speziellen Taktik zu besiegen sind, sodass wir erst einmal dessen Angriffsmanöver durchschauen müssen. Demon’s Souls will, dass wir versagen! Der hohe Schwierigkeitsgrad ist elementarer Bestandteil der Erfahrung, die wir machen müssen. Alleine schon die ersten vier bis fünf Stunden, in denen der Spieler noch ohne die Möglichkeit auskommen muss, seinen Charakter aufstufen zu können, entscheiden darüber, ob er mehr Zeit in Demon’s Souls investiert. Allerdings nimmt der Schwierigkeitsgrad danach nicht ab. Auch wenn uns das Spiel die Wahl lässt, jederzeit in ein anderes Gebiet zu wechseln, werden wir auch dort vor zunächst unlösbare Aufgaben wie einen unaufhörlichen Pfeilhagel respektive knackige Gegner gestellt. Da werden wir von Magiern mit Feuerbällen gebrutzelt oder von Tentakelmonstern unter Strom gesetzt. All das regt zunächst wahnsinnig auf, aber mit jedem kleinen Erfolg oder Teilerfolg macht Demon’s Souls so etwas wie mehr Spaß. Alleine schon, wenn wir feststellen, wie viel mehr Schaden ein nur leicht verbessertes Langschwert anrichtet, sorgt das für große und vor allem glänzende Augen.

Anfänger bleiben außen vor

Dennoch ist es schade, dass es keinen leichten Schwierigkeitsgrad für Anfänger gibt. So richtet sich Demon’s Souls nur an hartgesottene Spieler, die den Titel womöglich noch von der PlayStation 3 kennen. Mit dem Remake hätten Bluepoint Games und Sony Interactive Entertainment eine neue Zielgruppe erschließen können, die Interesse am Spiel haben, aber nicht jeden Fortschritt mit stundenlangen Grind-Sessions erkaufen möchten. Auch wenn das Gameplay langsam ist und gute Reflexe kaum benötigt werden, hätten die beiden Unternehmen vor allem nach der Kritik an den immer schwieriger werdenden Souls-like-Titeln wie Nioh 2 durchaus reagieren können. In puncto Steuerung funktioniert Demon’s Souls aber grundsätzlich super. So geht das Durchschalten von Waffen und Items locker über die Richtungstasten von der Hand. Lediglich im Detail wünschen wir uns, dass sich die Kamera besser dem Geschehen anpasst, das Anvisieren von Feinden früher möglich wäre und unser Charakter etwas schneller reagieren würde. Zum Beispiel sind die Bewegungsabläufe des Ritters sehr träge. Besonders das Abrollen zur Seite, um einem Angriff auszuweichen, stellt für unseren Recken eine fast unüberwindbare Hürde dar. Trotz allem ist das Spieldesign schlüssig, denn wir können die Rüstung einfach ausziehen, damit aber einen Großteil unserer Verteidigung verlieren – oder wir investieren in Stärke, um eine schwere Waffe nur in einer Hand führen zu können.

Stilistischer Augenschmaus und Hörgenuss

In optischer Hinsicht ist im Remake von Demon’s Souls natürlich ein großer Sprung nach vorne zu erkennen. Nicht nur die Auflösung ist höher, auch die Texturen beeindrucken an allen Ecken und Enden, vor allem wenn Bruchstücke von Steinen aus den Mauern herausragen oder in der Ferne kleine Details zu erkennen sind. Selbiges gilt für Spezialeffekte wie Wasserpfützen, Lichtstrahlen und Flammen, die regelrecht für offene Münder sorgen. Da wird uns einmal mehr klar, dass das Spiel auf die übernächste Generation von der PlayStation 3 zur PlayStation 5 übertragen wurde. Stilistisch ist das Spiel etwas bunter als das Original, wenn natürlich immer noch düster und atmosphärisch. Kennern des Originals könnten sich daran stören, freuen sich aber über spezielle Grafikfilter, mit denen das Geschehen auch einen anderen Look annehmen kann. Dennoch gefällt uns die Grafik des Remakes richtig gut. Hinzu kommen sehr kurze Ladezeiten, die auch den tausendsten Tod unseres Helden halbwegs erträglich machen. Ebenso beeindruckend ist die Klangkulisse des Spiels, denn der Soundtrack sorgt mit seinen ernsten, melancholischen und auch schon mal ruhigen Tönen für die genau richtige Atmosphäre. Hinzu kommt, dass der Lautsprecher und die Vibration des DualSense-Wirless-Controllers gut genutzt wird und Effekte wie das Klirren von Schwertern oder eine zugezogene Vergiftung hervorragend wiedergibt. So ist Demon’s Souls am Ende nicht nur ein knallhartes, sondern vor allem auch ein audiovisuell ansprechendes Action-Rollenspiel!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Demon’s Souls ist ein sehr gutes japanisches Action-Rollenspiel, das aber auch mit seinem US-amerikanischen Remake nicht jeden Nerv treffen wird. So ist die Erzählung stark fragmentiert und jeden Informationsfetzen muss ich mir über Item-Beschreibungen oder Hinweise in nebensächlichen Dialogen selbst zusammenreimen. Viel schwerwiegender dürfte aber der sehr hohe Schwierigkeitsgrad sein, bei dem sich die Meinungen scheiden. Selbstverständlich ist mein Erfolgerlebnis umso größer, wenn ich eine Stelle im Spiel erst beim fünften oder sechsten Mal schaffe oder endlich unter größter Anstrengung eine Abkürzung freischalte. Oft muss ich dafür jedoch viele Wege mehrfach abgrasen oder mich in Grind-Sessions mit hunderten Gegnern anlegen, damit der nächste Stufenaufstieg wieder entscheidende Boni in die Werte meines Charakters bringt. All das ist schlechtes Spieldesign und dieses war bereits 2009 antiquiert. Wären die Steuerungsmechaniken nicht so eingehend, die Gebiete nicht so faszinierend und der Soundtrack nicht so episch, hätte ich den Controller schon längst an die Wand geworfen. So reizt es mich allerdings über Tage und sicherlich auch Wochen hinweg, Demon’s Souls immer mal wieder für ein paar Stunden anzuschmeißen. Ein optionaler und vor allem leichter Schwierigkeitsgrad und ein paar Level-Abkürzungen mehr hätten dem Remake meiner Meinung nach aber sehr gut getan.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Demon’s Souls!

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