Review: Black Butler: Book of the Atlantic

2017 wurde der Kinofilm Black Butler: Book of the Atlantic, der sich thematisch der dritten Staffel der Anime-Serie zuordnen lässt, in japanischen Lichtspielhäusern uraufgeführt. Erst Ende 2018 schaffte es der Film von Regisseur Abe Noriyuki in den deutschsprachigen Raum.

Im abendfüllenden Film Black Butler: Book of the Atlantic machen sich Ciel Phantomhive und sein Butler Sebastian Michaelis auf eine Reise über den Atlantik. Obwohl das Ziel des Schiffs Campania New York City in den Vereinigten Staaten von Amerika ist, haben sie gar nicht die Absicht, den Kontinent zu erreichen. Stattdessen verfolgt das Duo den ominösen Geheimbund Aurora, der angeblich im so genannten Karnstein-Krankenhaus Verstorbene zurück ins Reich der Lebenden holt. Beweise finden sie dafür zwar keine, doch bringen sie in Erfahrung, dass der Geheimbund am 19. April 1889 eine Versammlung auf der Campania veranstaltet. Unter den Passagieren des Luxusliners befinden sich aber nicht nur zahlreiche Angehörige von Aurora, sondern auch Ciels Verlobte Elizabeth Midford oder der Earl Charles Grey, der Ciels Butler Sebastian schon im vorausgehenden Black Butler: Book of Murder an den Kragen wollte. Auf der Versammlung soll vor den Augen aller Mitglieder die verstorbene Margaret Connor vom dubiosen Wissenschaftler Ryan Stoker wiederbelebt werden. Das Experiment schlägt fehl, denn die Tote verwandelt sich in eine blutrünstige und willenlose Bestie, die Horror-Fans wohl als Zombie bezeichnen würden. Sie tötet ihre Mutter und einen Wachmann, ganz zum Wohlwollen von Shinigami Ronald Knox, der nur auf das Seelensammeln wartet.

Zombies an Bord, Eisberg voraus!

Black Butler: Book of the Atlantic wartet allerdings mit sehr viel mehr Spannung und Action auf, denn in den beiden Frachträumen der Campania schlüpfen auf einmal hunderte Leichen aus ihren Särgen und haben selbstverständlich Hunger. Dadurch, dass Sebastian ständig mit dem Shinigami aneinander gerät, werden Ciel und Elizabeth mehr als nur einmal von ihrem Beschützer getrennt. Immerhin erhalten sie etwas Hilfe von Snake, den Kenner der Serie vor allem aus Black Butler: Book of Circus kennen dürften. Um die Untoten zu bekämpfen, ist eine Enthauptung der einstigen Testobjekte unabwendbar. Im Kinofilm geht es also recht blutig her. Dennoch sind die Zombies nicht das einzige Problem, mit dem sich die Menschen auf der Campania konfrontiert sehen müssen. Das Schiff rammt, wie könnte es auch anders sein, noch einen Eisberg. Blöd nur, dass der Kapitän und Teile des Personals bereits ihr Leben lassen mussten und der Kahn von niemand anderem manövriert werden kann. Um das Leben der Menschen an Bord zu retten, wird auf der einen Seite eine Evakuierung eingeleitet. Auf der anderen Seite behauptet Stoker, dass an Bord eine Maschine existiert, die zumindest die hungrige Horde aufhalten könnte. Auf dieses Gerät hat aber auch der Viscount of Druitt ein Auge geworfen und will sie nicht herausrücken. Es beginnt ein Kampf ums nackte Überleben.

Klaustrophobisches Abenteuer

Mit der Campania hat sich Toboso Yana, die Autorin der Manga-Vorlage, einmal mehr einen düsteren Handlungsort überlegt. Das Schiff auf dem schier endlosen Ozean eignet sich sehr gut als klaustrophobischer Ort, von dem es praktisch kein Entkommen gibt. Das fühlt sich an der einen oder anderen Stelle wie ein Abstecher aufs Schiff in Resident Evil: Revelations an, kann jedoch mit der Anleihe an den Untergang der Titanic seinen eigenen Charme entfalten. Die Anspielung an den gleichnamigen Film, in dem sich Leonardo DiCaprio und Kate Winslet am Bug gegen die Reling pressen und die Arme spreizen, lassen wir an dieser Stelle einfach mal unkommentiert. Fans von Shinigami Grell Sutcliff dürfte es jedoch freuen. Trotz der einen oder anderen humorvollen Eskapade ist Black Butler: Book of the Atlantic im Kern immer noch sehr ernst. So müssen sich die Passagiere nicht nur zu den Rettungsbooten durchkämpfen, sondern sich auch vor den Untoten in Acht nehmen. Dieses Konzept ist gleich doppelt so dynamisch und macht den Film einzigartig. Hinzu kommen ein paar überraschende Wendungen, die vor allem Lady Elizabeth in einem ganz neuen Licht erstrahlen lässt. Hinter der hilflosen Fassade steckt eben mehr, als das Auge des Zuschauers bisher sehen wollte. Ebenfalls kommen über den ulkigen Undertaker ganz neue Erkenntnisse ans Tageslicht.

Atmosphärisches Unglück

Da die meisten Szenen von Black Butler: Book of Atlantic unter Deck spielen, bleibt wenig Platz für Lichtquellen. Die meisten davon sind in Lampen eingesetzte elektrische Glühbirnen. Mit ihrem alten Stil, die die Kabinen und Räumlichkeiten auf dem Schiff nur bedingt erhellen, ziehen sie den Zuschauer vielleicht gerade deshalb so in ihren Bann. Zusammen mit dem sehr bewusst eingesetzten diffusen Licht und dem ständigen Plätschern des Wasser im Hintergrund, das langsam das Schiffsinnere füllt und den Kahn peu à peu neigen lässt, wird das klaustrophobische Gefühl auf die Spitze getrieben. Schön gezeichnete Hintergründe, die das Schiff und vor allem die Innenräume mit ihrem Interieur nachvollziehbar machen, sind ebenso atmosphärisch. Hier zeigt sich einmal mehr, wie stilsicher das beliebte Franchise selbst nach mehreren Fortsetzungen immer noch ist. Lediglich ein paar unschöne Ausreißer bei den animierten 3D-Modellen der Campania und der sich zahlreich am Pier tummelnden Passagiere, die in der Eröffnungssequenz zu sehen sind, reißen aus der dichten Atmosphäre stark heraus. Es ist äußerst fraglich, warum A-1 Pictures sich hierbei nicht mehr Mühe gegeben hat, zumal es die ersten Momente sind, die der Zuschauer im Film erlebt. Am Ende des Tages wird es aber am Budget gelegen haben; der Zuschauer sollte sich dennoch nicht davon abschrecken lassen.

Mutiger Schritt für einen Kinofilm

Ebenso sollte die schöne Musik von Mitsuda Yasunori erwähnt werden, bei der vor allem die Klavierklänge die Atmosphäre von Black Butler: Book of the Atlantic unterstützen. In hitzigen Szenen mit den wandelnden Toten kommen aber vermehrt Blas- und Streichinstrumente zum Einsatz. Für Rückblenden und Zusammenfassungen ist zudem Spieluhrmusik zu vernehmen. Hierbei nimmt sich das rund hundertminütige Abenteuer die Freiheit, eine lange Rückblende, die zu den Anfängen springt, zu inszenieren. In dieser sieht der Zuschauer, wie sich Ciel und sein „teuflisch guter“ Butler Sebastian kennenlernen und wie Ciel von Königin Victoria zu ihrem „Wachhund“ ernannt wird. Obwohl das untypisch für einen Film ist, fügt sich die Rückblende wunderbar in die Story ein, da sie die starke Bindung zwischen den beiden Charakteren unterstreicht. Bei den Synchronsprechern hat sich zum Glück nichts geändert, denn sowohl für die deutsche als auch für die japanische Fassung wurden dieselben Sprecher ausgewählt. So wird Ciel von Sakamoto Māya beziehungsweise Sebastian Fitzner und Sebastian von Ono Daisuke respektive Bernhard Völger gesprochen. Für Elizabeth zeichnen sich Tamura Yukari und Olivia Büschken, für den Undertaker Suwabe Jun’ichi und Michael Pan verantwortlich. Dieser positive Wiedererkennungswert ist auch am 44-seitigen Booklet zu erkennen, in dem Charakterinformationen, Interviews und Artworks das Paket abrunden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Black Butler: Book of the Atlantic erzählt eine spannende Geschichte, die zwar stringent auf ein Ziel hinarbeitet, doch mit zahlreichen Stolpersteinen gepflastert ist. Der Luxusliner Campania eignet sich dabei hervorragend als klaustrophobischer Schauplatz, an dem sich nicht nur die Hauptfiguren Ciel und Sebastian, sondern auch alle anderen Passagiere auf der einen Seite mit Untoten und auf der anderen Seite mit den Auswirkungen eines gerammten Eisbergs auseinandersetzen müssen. Auch der Einsatz der Shinigami passt wie die Faust aufs Auge in den abendfüllenden Film. Es ist unglaublich unterhaltsam, den Charakteren beim Lösen der Probleme zu zusehen und in den vielen brenzligen Situationen regelrecht mitzufiebern. Wer die bisherigen Anime-Werke von Black Butler gemocht hat, kommt auch um Black Butler: Book of Atlantic nicht herum. Der Film ist Pflichtprogramm für alle Fans und ist spannend und packend bis zur letzten Minute.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Black Butler: Book of the Atlantic!

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