Review: Sackboy: A big Adventure

Letztmals flitzte der titelgebende Charakter Sackboy im Jahr 2014 in Little Big Planet 3 über heimische Fernsehbildschirme. Seither ist es still geworden um den kleinen Weltenretter. In Sackboy: A big Adventure kehrt Sonys Held rechtzeitig zum Launch der PlayStation 5 zurück.

In der kunstvollen Welt, genauer gesagt im anfänglichen Handlungsort Werkstadt, könnte es so idyllisch sein. Sackboy und seine Freunde sind glücklich und lassen ihrer Kreativität beim Basteln freien Lauf. Da macht sich auf einmal der Himmel auf und die böse Zaubererpuppe Vex erscheint. Aus Neid und Zorn entführt er Sackboys Freunde und versklavt sie, um die kunstvolle Welt nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Allerdings entweicht ihm Sackboy, der mit Hilfe einer Rakete entkommen kann. Um Vex und seinen Schergen das Handwerk zu legen, reist er zu fünf nahen Planeten. Dort erhält er tatkräftige Unterstützung von diversen Charakteren, wie etwa der gutmütigen Abenteurerin Scarlet, die in Sackboy einen wahren Helden erkennt. Ebenfalls Freundschaft schließt Sackboy mit dem fleißigen Forscher Gerald Strudleguff, dem geldgierigen Krabbenkönig Bogoff oder der umprogrammierten künstlichen Intelligenz N.A.O.M.I. Daran lässt sich erkennen, dass die Geschichte von Sackboy: A big Adventure bewusst mit Genre-Konventionen spielt, um sie einem jungen als auch breiten Publikum zu öffnen. Auch wenn der Humor des Spiels besonders bei jüngeren Spielern gut ankommen dürfte, bereichert dieser den Charme des Jump ’n’ Runs enorm, zumal sich dieser auch auf die Gestaltung der zahlreichen und vor allem kunterbunten Spielabschnitte auswirkt.

Fortschritt mittels Träumerei

Auswählen dürfen wir die Levels ähnlich wie in Super Mario 3D World über eine Oberwelt, die wir relativ frei erkunden. Bis auf ein paar zu entdeckende Geheimnisse, sprich Abkürzungen zu anderen Welten, gibt es hier aber nichts zu sehen. Ganz anders sieht es wiederum bei den abwechslungsreichen Levels aus. Diese führen uns in freundliche Städte, auf eisige und mit Schnee bedeckte Berge, in tropische Dschungel, unter die Meeresoberfläche oder durch gruselige Fabriken. Hierbei greift das Abenteuer auf typische Jump-’n’-Run-Mechaniken zurück: Wir laufen umher, springen über Abgründe, vermöbeln unsere Feinde und suchen an allen Ecken und Enden nach verborgenen Geheimnissen. Überall in den Spielabschnitten sind so genannte Träumerkugeln versteckt, die wir am Tor am Ende einer Welt benötigen, um zum Bossgegner vorgelassen zu werden. Das erinnert ein wenig an die Sterne aus Super Mario 64, ist aber eine effiziente Möglichkeit, um uns zu motivieren, die Levels gründlich abzusuchen. Dennoch sollte das aber auch für mittelmäßige Spieler keine allzu große Herausforderung sein. Wer in Sackboy: A big Adventure nicht mit geschlossenen Augen durch die Levels flitzt, findet stets genug Kugeln. Erst nach dem Abspann ist es womöglich erforderlich, zurück in bereits abgeschlossenen Levels zu reisen, um wirklich jeden Winkel des Spiels zu entdecken.

Knifflige zweite Spielhälfte

Auch wenn die ersten Abschnitte von Sackboy: A big Adventure vergleichsweise marginal ausfallen, ändert sich dieses Bild zunehmend. Je weiter wir im Spiel vorankommen, desto mehr Mechaniken offenbaren sich uns und setzen sich fast schon symbiotisch zusammen. Damit meinen wir knifflige Geschicklichkeitspassagen, die unser Können herausfordern. Hier und da laufen wir beispielsweise über Fließbänder, springen von dort ab, halten uns an sich um die eigene Achse drehenden Rollen fest und lassen im richtigen Augenblick wieder los, um auf einer anderen Plattform zu landen. Manchmal hantieren wir auch mit Gadgets wie einem Enterhaken, um uns wie in Kirby und das extra magische Garn über weite Abgründe zu schwingen. Mit einem Bumerang greifen wir hingegen gleich ein halbes Dutzend Gegner gleichzeitig an. Zu Beginn ist der Titel in diesen Disziplinen noch sehr einsteigerfreundlich und vielleicht sogar etwas zu leicht. Ab der zweiten Spielhälfte zieht der Schwierigkeitsgrad aber merklich an und setzt uns vor sehr knackige Aufgaben, die wir meistern müssen. Für jedes Level stehen uns dabei vier Versuche zur Verfügung, die wir aber mit speziellen Objekten bis zu diesem Wert aufstocken können. Wer aber dennoch mal den Game-over-Bildschirm sieht, muss nicht verzweifeln. Alle eingesackten Sammelgegenstände bleiben danach erhalten.

Perspektivlosigkeit

In puncto Steuerung funktioniert Sackboy: A big Adventure grundsätzlich gut. Alle Eingaben werden erkannt, auch wenn wir das Gefühl einer leichten Verzögerung nicht ganz loswerden. Dies liegt vermutlich daran, dass Sackboy etwas träge zu manövrieren ist. Für unseren Geschmack könnte der Charakter ruhig etwas schneller laufen oder gar ein paar Zentimeter höher springen. Besonders wenn wir zum Sprung über eine Krabbe ausholen, eigentlich alles richtig machen und dann doch noch ganz leicht an einer ihrer Scheren hängenbleiben, dann hinterlässt das einen bitteren Nachgeschmack. Auch Sprünge lassen sich durch Sackboys Trägheit nicht immer richtig kalkulieren, auch wenn der Held ähnlich wie Dinosaurier Yoshi in Yoshi’s Crafted World noch für eine halbe Sekunde in der Luft flattern kann. Das Gefühl für den richtigen Sprung wird im Verlauf der circa zehnstündigen Story zwar besser, doch macht dem Ganzen immer wieder die Kamera zu schaffen. Wie in Super Mario 3D World sind die starren Blickwinkel dafür verantwortlich, Geheimnisse zu verbergen, doch oft fehlt es uns daher an Genauigkeit, die Entfernungen von Objekten zur Spielfigur richtig einzuschätzen. Die frei schwenkbare Kamera wie in Astro’s Playroom zeigt zum Start der PlayStation 5 doch so gut, wie vorteilhaft eine drehbare Kameraperspektive ist und diese trotzdem noch Raum für Secrets lässt!

Audiovisuelles Vergnügen

Diese Perspektive wird aber zumindest für den Mehrspielermodus die einzige Möglichkeit sein, Sackboy: A big Adventure offline an einer Konsole mit bis zu drei Freunden zu spielen. Auch wenn dadurch wie im eindeutigen Vorbild Super Mario 3D World reichlich Chaos auf dem Bildschirm entsteht, ist es dennoch eine schöne Dreingabe, das Abenteuer auch zu viert zu bestreiten. Es gibt sogar eine Handvoll Levels, die dem kooperativen Mehrspielerpart vorbehalten sind. Für Solisten hätten wir uns hier zumindest einen vom Computer übernommenen Mitspieler gewünscht. Zum Testzeitpunkt am 21. November 2020 ist der Titel im Übrigen nur offline spielbar, ein Online-Modus soll aber noch per Update nachgereicht werden. Dafür entschädigt ein hübscher und vielseitiger Grafikstil, denn die Level-Architektur besteht aus Stoffen, Papier und Metall, Haushaltsgegenständen, Konserven, Röhrenfernsehern und was sonst noch so alles gerade irgendwie in den Spielabschnitt passt. Hinzu kommt ein abwechslungsreicher Soundtrack, der häufig auf Songs zurückgreift und diese mit dem Spieldesign verknüpft. Im Level Rhythmus-Riff läuft beispielsweise David Bowies „Let’s dance“ im Hintergrund, während sich dabei bestimmte Objekte, Plattformen und Gegner im Bild passend zum Beat bewegen. So freuen wir uns immer wieder aufs Neue darauf, von den Levels auditiv verwöhnt zu werden. Ein Gefühl, das selbst nach dem Durchspielen nicht abnimmt. Grandios!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Viel habe ich von Sackboy: A big Adventure im Vorfeld ehrlich gesagt nicht erwartet. Mit den Ablegern der Little-Big-Planet-Reihe habe ich bis zum Testzeitpunkt keinerlei Erfahrung gemacht und auch sonst sah mir das Spiel zu sehr nach einem einfachen Klon von Super Mario 3D World aus. Zum Teil mag das auch stimmen, vor allem was das Gameplay und die Mehrspieler-Erfahrung angeht, aber der Titel von Sumo Digital ist so viel mehr als das. Er bietet derart viele Aspekte von verschiedenen Jump ’n’ Runs, das ich sie schon fast gar nicht mehr mitzählen kann, und kombiniert diese zu einem symbiotischen Vergnügen. Viele Klassiker der jüngeren und älteren Vergangenheit, zum Beispiel Pac-in-Time, Rayman Legends oder Yoshi’s Crafted World kann ich in Sackboy: A big Adventure wiedererkennen. Es ist ein Best-of des Genres! Natürlich hat der Titel dadurch eine geringere Eigenidentifikation, aber das macht mir in diesem Falle nichts aus. Anders sieht es wiederum beim träge zu steuernden Helden und der starren Kamera aus, denn das sind für mich Punkte, die in einem Jump ’n’ Run in dieser Kombination im Jahr 2020 einfach nicht tragbar sind. Dafür entschädigt das Spiel in audiovisueller Hinsicht, denn wenn die Musik ins Spieldesign greift und das auch funktioniert, verbinde ich als Liebhaber von guten Soundtracks nur noch mehr mit dem Spiel. Wer zum Launch der PlayStation 5 ein gutes Jump ’n’ Run für viele spaßige Abende sucht, findet es in Sackboy: A big Adventure!

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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