Review: Yoshi’s Crafted World

Nintendo zeigt sich abseits des Super-Mario-Franchises oftmals als sehr experimentierfreudig, zumindest was den Grafikstil der Spiele angeht. Nachdem Nintendo den Charakter Yoshi zuletzt in ein wolliges Abenteuer schickte, macht der Dinosaurier nun Papierwelten unsicher.

Für die Yoshis entwickelt sich der Tag anders als erwartet. Anstatt sich faulenzend zu sonnen und von den schönsten Dingen zu träumen, müssen sie sich abermals mit den beiden Plagegeistern Baby Bowser und dessen Lakai Kamek herumschlagen. Diese haben den Weg auf die Insel der Yoshis entdeckt und wollen die ominöse Traumsonne stehlen, die ihre Macht, jeden einzelnen Wunsch zu erfüllen, aus fünf Traumjuwelen bezieht. Beim Versuch den putzigen Dinosauriern die Traumsonne wegzunehmen, entsteht ein heilloses Durcheinander, bei denen die fünf Kleinode quer über die Spielwelt verteilt werden. Damit die Traumsonne wieder lachen kann, beschließen die Yoshis die Juwelen vor Baby Bowser und Kamek zu finden. Wie für ein Jump ’n’ Run aus dem Hause Nintendo üblich, ist die Geschichte von Yoshi’s Crafted World alles andere als erfinderisch. Hier bedient ein Klischee das nächste, doch ist das im Grunde auch gar nicht weiter schlimm. Nach wie vor zeichnen sich die Spiele des japanischen Konzerns durch das Gameplay aus und hier weiß das Spiel durchaus zu begeistern. Serienkenner werden jedoch kaum Neues entdecken, denn weitgehend stecken in Yoshi’s Crafted World dieselben Elemente, die schon in vorherigen Ablegern des Franchises abgehandelt wurden. Einzigartig bleibt lediglich der Grafikstil, in dem hier und da frische Ideen stecken.

Zwei- und dreidimensionales Abenteuer

Grundsätzlich wird das Geschehen in Yoshi’s Crafted World von Entwicklerstudio Good-Feel aus der zweidimensionalen Seitenansicht dargestellt, jedoch um die dritte Dimension bereichert. So geschehen auch im Vorder- und Hintergrund abseits des Weges interessante Dinge, die mit dem Gameplay einhergehen. So hüpfen wir mit dem grünen Dinosaurier oder einem seiner kunterbunten Artgenossen über Abgründe, erklimmen hohe Plattformen oder schnappen uns mit seiner Zunge Gegner, schlucken sie runter und legen Eier. Mit den Yoshi-Eiern können wir wiederum Feinde anvisieren und mit einem gezielten Wurf ausschalten. Auf diesem Wege können auch weit entfernte Objekte eingesammelt oder kleine Wölkchen zum Platzen gebracht werden können, aus denen dann sammelbare Objekte wie Münzen und Grinseblumen fallen oder die Level-Architektur mit Treppen oder neuen Plattformen bereichern. Die grundlegende Spielmechanik ist seit dem Super-Nintendo-Klassiker Super Mario World 2: Yoshi’s Island vom bekannt und funktioniert auch in Yoshi’s Crafted World gut. Durch die vorder- und hintergründigen Ereignisse in den Levels, wie Gegner, die Collectibles herumtragen, wird der Entdeckerdrang mit der dritten Dimension bereichert. Teilweise können wir auch wie im Nintendo-64-Titel Yoshi’s Story die miteinander verbundenen Ebenen wechseln.

Schöne Spielwelt mit zu leichtem Schwierigkeitsgrad

Verbunden sind die über vierzig enthaltenen Levels über eine liebevoll gestaltete Oberweltkarte, die sich mit ansteigender Spielzeit immer weiter ausdehnt. Relativ früh im Spiel teilt sich das lineare Abenteuer in verschiedene Wege auf, die jedoch allesamt abgeschlossen werden müssen, damit das Finale eingeläutet werden darf. Hier hätten die Wege ruhig etwas verschachtelter sein dürfen, denn immer nur eine Blockade zum nächsten Bereich ein bis zwei Levels zu setzen, ist eine etwas unglückliche Designentscheidung. Wer ins nächste Areal vorpreschen möchte, braucht bei den Blockaden zudem eine bestimmte Anzahl an Grinseblumen, die in den Levels mal mehr, mal weniger gut versteckt sind. Wer nur halbwegs mit einem offenen Auge durch die Spielabschnitte läuft, sollte mit dem regelmäßigen Einsammeln der Grinseblumen keinerlei Probleme haben, den flüssigen Fortschritt bis zum Endboss mit unnötigen Wiederholungen zu unterbrechen. Apropos Bossgegner: Von diesen gibt es leider recht wenige, beispielsweise einen Kondor, der uns aus der Luft angreift oder eine riesige Knutschkugel, die Fans aus Yoshis erstem 16-Bit-Abenteuer kennen. Wirklich herausfordernd sind weder ein Großteil der Levels noch die Taktiken der Bossgegner, denn diese sind schnell durchschaut. Ein klein wenig schwieriger hätte Good-Feels Jump ’n’ durchaus sein dürfen.

Gut versteckte Collectibles und repetitive Aufgaben

Dennoch sollte gesagt werden, dass trotz des eher niedrigen Schwierigkeitsgrades viele Objekte gut versteckt sind. So gilt es neben einer unterschiedlichen Anzahl an Grinseblumen auch jeweils zwanzig rote Münzen zu finden. Ein wenig einfacher aufzuspüren sind da schon die kleinen Schnuffels, die sich nach dem Abschluss eines Levels im jeweiligen Abschnitt verirren. Möchten wir auf die rein optionale Suche nach den Hündchen gehen, betreten wir die Levels jeweils vom Ende und kämpfen uns dementsprechend rückwärts bis zum Anfang durch. Interessant ist dabei, dass die Kameraperspektive von der anderen Seite Orte freigibt, die wir so vielleicht noch nicht bemerkt haben. So erhalten wir ein paar Hinweise auf mögliche Verstecke von Grinseblumen oder rote Münzen. Als großes Feature des Spiels auf der Electronic Entertainment Expo 2017 angekündigt, entpuppt sich das umgedrehte Ablaufen der Levels hauptsächlich als ermüdend. Hinzu kommt, dass nach dem ersten Abschluss eines Levels auch noch Suchaufgaben hinzukommen, bei denen wir Objekte im Vorder- oder Hintergrund abschießen müssen. Diese Suchaufgaben müssen, sofern wir uns für sie entscheiden, nacheinander abgearbeitet werden, womit die Spielzeit unnötig gestreckt wird. Wer unbedingt jede einzelne Grinseblumen einheimsen will, kommt um die repetitiven Aufträge nicht herum.

Lustige Ideen und fehlendes Feingefühl

Da auch nach dem Abspann des Spiels neue Elemente in dieses Konstrukt eingeführt werden, ist es beim ersten Durchspielen ohnehin empfohlen, die Levels nicht zu häufig zu spielen. Mit einem Freund, der zwangsweise mit auf der Couch sitzen muss, da es keinen Online-Modus gibt, macht das ganze Spektakel ähnlich wie in Yoshi’s Woolly World aber gleich doppelt so viel Spaß. Insbesondere dann, wenn mit gefundenen Goldmünzen neue Pappkostüme freigeschaltet werden, bleibt gelegentlich kein Auge trocken. Diese Kostüme sind nicht nur rein kosmetischer Natur, sie dienen den Yoshis auch als zusätzliche Rüstung. Wer einmal als Kugel-Willi-Yoshi oder mit einer Mülltonne aus Pappe durch die Levels flitzen will, kommt in Yoshi’s Crafted World voll auf seine Kosten. Auch der eigentliche Aufbau der Spielwelt ist bezaubernd, denn so gut wie alle Objekte sehen aus, als wären sie tatsächlich aus Pappe gefertigt. Hin und wieder kommen aber auch andere Materialien wie Plastik hinzu, um die Welt mit ein wenig Abwechslung zu bereichern. Grafisch sieht das alles toll aus, nur die teils sehr unscharfen Vorder- und Hintergründe fallen unschön auf. Der Soundtrack passt zwar zum Spiel, doch wiederholen sich einzelne Stücke viel zu oft. Hier hätte Komponist Umeda Kazufumi ruhig ein wenig mehr Feingefühl zeigen können. Diese kleineren Defizite mindern den Spielspaß kaum, denn unterm Strich bleibt nach wie vor ein spaßiges Jump ’n’ Run!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Seit der Ankündigung des Spiels auf der Electronic Entertainment Expo 2017 habe ich mich sehr auf Yoshi’s Crafted World gefreut. Das fertige Produkt ist im Grunde genau das, was ich mir ungefähr vorgestellt habe. So ist die Story typischerweise hanebüchen und dient eher als Begründung, warum ich die liebevoll gestalteten Levels aus der zweiten und dritten Dimension erkunden möchte. Vor allem der Grafikstil, bei dem fast alle Objekte aus Pappe bestehen, ist den Entwicklern gut gelungen und verzaubert mich mit vielen Ideen. Das Gameplay selbst ist hingegen seit den letzten Serienteilen kaum verändert, hier darf ich springen, laufen und mit Eiern um mich werfen. Obwohl neue Impulse gerade hier dem Spiel nicht geschadet hätten, macht Yoshi’s Crafted World auch so noch sehr viel Spaß. Wer dringend frischen Jump-’n’-Run-Nachschub braucht, wird mit dem Spiel trotz ein paar Defizite seine wahre Freude haben.

 

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