Thunderful Publishing veröffentlichte im April 2026 mit Replaced ein Action-Adventure, das mit seiner retrofuturistischen 1980er-Jahre-Cyberpunk-Ästhetik überzeugt, beim Gameplay jedoch mit repetitiven Mechaniken und einem Kampfsystem ohne Feinschliff zu hadern hat.
Stellt euch vor, dass der Trinity-Test einen fatalen Ausgang genommen und die technologische Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika einen anderen Weg eingeschlagen hätte. So geschah es zumindest in der gar nicht so fernen Vergangenheit der Story des Action-Adventures Replaced von den Sad Cat Studios. Angesiedelt im Jahr 1984 erleben wir eine spannende Geschichte in der fiktiven Stadt Phoenix City, die von der namensgebenden Phoenix Corporation erbaut wurde. Auf den Ruinen der Gesellschaft entstand hier eine Metropole, in der Korruption und Organhandel an der Tagesordnung stehen. Innerhalb der Stadtmauern leben nur noch die Menschen, die es sich offenbar leisten können und die totalitäre Überwachung dulden. Wem ein Organ fehlt und damit kein vollwertiger Mensch mehr ist, fristet sein Dasein in der heruntergewirtschafteten Außenwelt. Wir schlüpfen in die Rolle des Wissenschaftlers Warren Marsh oder zumindest in die seiner Hülle, denn bei der Interaktion mit der künstlichen Intelligenz Reach geht alles schief, sodass auf einmal Reach in Marshs Körper steckt und nur auf Bruchstücke von seinen Erinnerungen Zugriff hat. Noch dazu führt der Körperwechsel dazu, dass Marsh respektive Reach von den Behörden gejagt wird. So beginnt die thrillerartige wie fast schon kinoreife Erzählung des etwa elfstündigen Replaced von 2026.
Akrobatisches, aber repetitives Gameplay
Story und Setting des Spiels sind eindeutig von Cyberpunk-Werken wie dem 1982 veröffentlichten Kinofilm Blade Runner, der viel zu kurzlebigen Fernsehserie Altered Carbon und zudem Videospielen wie Deus Ex: Human Revolution oder Cyberpunk 2077 inspiriert. Das sind verdammt gute Vorbilde. Trotzdem gelingt es Replaced, eine eigenständige Welt abzubilden – inklusive retrofuturistischer Ästhetik. In puncto Gameplay orientiert sich das Spiel aber vielmehr an zweidimensionalen Action-Abenteuerspielen wie etwa American Arcadia. Das heißt, wir laufen in Replaced von links nach rechts und von rechts nach links durch die Spielwelt und klettern an Leitern hoch oder erklimmen Felsvorsprünge. Zwischendurch müssen wir immer mal wieder Müllcontainer oder andere transportable Objekte verschieben, um an höhergelegene Stellen zu gelangen. Hinzu kommen akrobatische Einlagen, sodass wir uns auch an Rohren an der Decke festhalten und an diesen entlang hangeln können. Dies klingt im ersten Moment sehr abwechslungsreich. In bestimmten Intervallen kommen darüber hinaus immer wieder neue Fähigkeiten hinzu. Beispielsweise können wir uns mit einem Eispickel an brüchigen Wandstellen festhalten, um dort Halt bei längeren Sprungeinlagen zu finden. All dies nutzt sich leider sehr schnell ab, da sich die repetitiven Aktionen viel zu oft wiederholen.
Actionreiches Kampfsystem mit fehlendem Feinschliff
Spannender sind da schon die Kämpfe in Replaced, denn mit Marsh respektive Reach müssen wir in den insgesamt zehn Kapiteln der Spielwelt nicht nur klettern und uns vor Drohnen verstecken, sondern uns auch mit gefährlichen Gegnern anlegen. Dies geschieht hauptsächlich im Nahkampf. Wir dreschen auf die Gegner ein, weichen feindlichen Angriffsmanövern aus und kontern im richtigen Augenblick. Mit der Zeit kommen auch hier neue Techniken hinzu: So können wir schon relativ früh im Spiel eine Schusswaffe verwenden, die jedoch genauso wie ein Schockwellenangriff erst durch gutes Kampfverhalten aufgeladen werden muss, sodass wir nie zu übermächtig sind. Die actionreichen Kämpfe lassen sich am ehesten mit dem Free-Flow-Kampfsystem wie in Batman: Arkham Origins vergleichen und laufen in der Theorie sehr flüssig. Ungeübte Spieler könnten aufgrund des hohen Tempos jedoch selbst auf der normalen Schwierigkeitsstufe Probleme kriegen, da die Animationen langsam ablaufen und nicht abgebrochen werden können. Reißen wir einem Gegner seine Schutzausrüstung vom Leib, kostet das Zeit. Inzwischen kann ein Scharfschütze aus der Entfernung auf uns zielen. Je nachdem kann das Zeitfenster, indem wir uns umdrehen und den Schuss ablenken oder diesem ausweichen müssen, spürbar zu klein sein. Hier fehlt es Replaced an etwa Feinschliff.
Dystopische und atmende Spielwelt
Um eine Chance gegen die gepanzerten, flinken oder aggressiven Gegner zu haben, die gerade im späteren Spielverlauf gut durchmischt sind, empfehlen wir stets die Augen offenzuhalten. Überall in der Spielwelt verstecken sich kleine Statusverbesserungen, durch die wir mehr Lebensenergie erhalten oder sich die Aufladezeit unserer Spezialfähigkeiten verringert. Darüber hinaus finden wir an allen Ecken und Enden der Spielwelt Dokumente oder Überbleibsel, die wir scannen dürfen. Selbst drei Arcade-Automatenspiele, die an Klassiker wie Frogger oder Space Invaders erinnern, können entdeckt und angegangen werden. Dies sorgt nicht nur für zusätzlichen Abwechslungsreichtum. Wir erhalten zudem ein viel besseres Bild von der dystopischen Welt, in der wir uns befinden. Inszenatorisch wartet diese mit einem schicken Grafikstil auf, der uns an das HD-2D-Design wie zuletzt in Dragon Quest I & II HD-2D Remake erinnert. An manchen Stellen können wir uns daher im Raum nach vorne oder hinten bewegen, was aber nur an bestimmten Punkten klappt. Hier und da ist auch nicht gleich ersichtlich, was wir eigentlich machen müssen. In unseren Augen ist dieser Umstand aber nur der Tropfen auf dem heißen Stein, denn trotz repetitiver Spielmechaniken wie dem Hacking-Minispiel und hakeligen Kämpfen mögen wir das dystopische Szenario des bis zum Schluss spannenden wie spielenswerten und mit grandioser Synthesizer-Musik unterlegten Replaced.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Replaced erzählt eine spannende Geschichte über eine dystopische Welt, in der Organhandel an der Tagesordnung steht. Philosophische Fragen über den Wert eines Menschenlebens werden hier aufgeworfen und lassen mich beim Spielen nicht mehr los. Gemischt mit einer retrofuturistischen Inszenierung des Jahres 1984 kommen Cyberpunk-Fans dank sammelbarer Hintergrunddokumente voll auf ihre Kosten. Spielerisch ist Replaced in meinen Augen jedoch eher mittelmäßig, denn einzelne Gameplay-Mechaniken wiederholen sich für meinen Geschmack zu schnell und zu oft. Es kommen zwar immer mal wieder neue Elemente hinzu, die sich dann aber auch gefühlt dutzende Male wiederholen, bis ich vor neue Herausforderungen gestellt werde. Ebenso sehe ich Verbesserungspotenzial bei den Kämpfen, denn der vor allem aus den Batman-Spielen der 2010er-Jahren bekannte Free-flow-Ansatz funktioniert zwar gut, ist aber aufgrund von Animationen, die nicht abgebrochen werden können, verbesserungswürdig. Hier fehlt der letzte Feinschliff. Auch die Rücksetzpunkte nach dem Tod der Spielfigur sind oft seltsam gesetzt. Anstatt mich direkt wieder in den Kampf zu werfen, muss ich häufig wieder Laufwege oder Kletterpassagen in Kauf nehmen. Grundsätzlich hätte das Action-Adventure ruhig halb so lang sein dürfen, denn mit ein wenig mehr Feingefühl bei den Kämpfen und einer Reduzierung des Gameplays auf das Nötigste hätte aus dem immer noch guten Replaced ein herausragendes Spiel werden können. So bleibt es aber immerhin noch ein spielenswerter Kandidat für alle Genrefans!
Vielen Dank an Thunderful Publishing für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Replaced!