Review: Todesstille

Die Weiten des Meeres können klaustrophobische Züge annehmen, wenn der einzige Bewegungsspielraum auf den wenigen Quadratmetern eines Schiffs existiert. Phillip Roger Noyces Thriller Todesstille aus dem Jahr 1989 fängt diese Thematik mit Angst und Schrecken ein.

Todesstille basiert auf der 1963 veröffentlichten Novelle Tödliche Flaute von Schriftsteller Charles Williams, die im Zuge der Verfilmung von Philip Noyce auch unter dem Filmtitel abermals erschienen ist. Dead Calm, wie das Werk im Original heißt, sollte jedoch bereits Ende der 1960er- beziehungsweise in den frühen 1970er-Jahren verfilmt werden. Niemand geringeres als Orson Welles hat sich bereiterklärt, die Novelle filmisch umzusetzen. Wie so oft mangelte es am Geld, denn Welles war es nicht möglich, den Film zu finanzieren. Als dann auch noch Laurence Harvey starb, der für die Rolle des Antagonisten vorgesehen war, wurden die Arbeiten am Projekt eingestellt. In den 1980er-Jahren sorgte der australische Regisseur Noyce dafür, dass Kennedy Miller Productions die Rechte am Buch erwarb – so stand der Verfilmung nichts mehr im Wege. 1987 wurde ein halbes Jahr lang an und vor der Ostküste Australiens gedreht. Herausgekommen ist ein in Teilen vorhersehbarer, aber nichtsdestotrotz von der ersten bis zur letzten Minute spannender Thriller um ein Ehepaar, das getrennt voneinander auf offener See ums Überleben kämpfen muss. Auch die Kritiken bezüglich des Settings und der gewählten Schauspieler waren durchaus zufriedenstellend. Todesstille gewann 1989 und 1990 verdient sogar ein paar australische und US-amerikanische Filmpreise.

Psychopath an Bord

Im Mittelpunkt des Films steht das Ehepaar Ingram, bestehend aus dem Marineoffizier John und seiner Frau Rae. Zu Beginn der Handlung wird der Zuschauer darüber in Kenntnis gesetzt, dass Rae einen Autounfall verursacht hat und dabei ihr kleiner Sohn lebensgefährlich verletzt wurde. Um das Trauma zu überwinden, entfliehen die beiden auf einer Yacht aufs offene Meer. Dort ist es, wie es der Titel des Films andeutet, unfassbar still. Es weht kein Wind und weit und breit ist nichts zu hören als das Wasser, das gegen das Boot platscht. Eines Tages machen sie jedoch eine folgenschwere Entdeckung. Ein Schoner scheint havariert zu sein. John gelingt es jedoch nicht, Funkkontakt zur Besatzung herzustellen. Plötzlich erkennen sie, dass auf einem Rettungsboot ein Mann heranrudert. Hughie Warriner, so der Name des unbekannten Mannes in Todesstille, schildert von einer Lebensmittelvergiftung und dass die ganze Crew dahingerafft wurde. Während er sich schlafend ausruht, will John seine Geschichte überprüfen und rudert zum Schoner hinüber. Dort erkennt er, was wirklich auf dem Schiff geschah. Noch während er den Rückweg antritt, erwacht Hughie aus seinen Träumen und sorgt dafür, dass John die Yacht nicht mehr erreichen kann. Noch dazu setzt er Rae außer Gefecht und entkommt in Richtung Sonnenuntergang – ein großartig inszenierter Auftakt.

Mörderische Spannung

Daraufhin spaltet sich Todesstille in zwei Handlungsstränge auf. Auf der einen Seite muss John den havarierten Schoner wieder auf Vordermann bringen, denn dieser ist im Begriff unterzugehen. Wasser abpumpen, den Motor anschmeißen und die Verfolgung aufnehmen – so lautet für ihn die Devise. Auf der anderen Seite ist Rae auf ihrer eigenen Yacht gefangen und sieht sich Hughie schutzlos ausgeliefert. Auch wenn es nicht sein Ziel ist, sie umzubringen, fürchtet sie sich vor dem Psychopathen. So kämpft auch sie ums Überleben, um rechtzeitig die Kontrolle über das Boot zurückzuerlangen und ihren Mann John zu retten. In den drei Hauptrollen zu sehen sind Nigel John Dermot „Sam“ Neill als John, William „Billy“ George Zane Junior als Hughie und Nicole Mary Kidman als Rae. Während Neill etwas blass bleibt, was mitunter der Situation geschuldet ist, dass er die meisten Szenen isoliert spielt, kann Zane als unberechenbarer Antagonist punkten. Herausragend gespielt ist Rae, denn Kidman gelingt es, eine wirklich starke Frauenfigur zu zeigen, die über den Schrecken auf der Yacht einfach triumphieren muss. Zwar sind nicht alle Entscheidungen der Charaktere nachvollziehbar, aber der klaustrophobische Rahmen wird dennoch bestens gefüllt. Albern ist höchstens der Abgang des Antagonisten von Todesstille. Das können sich auch echt nur Moralapostel ausdenken!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Todesstille ist Drama, Thriller, Kammerspiel und Katastrophenfilm in einem. Es ist eine Mischung, die zu meiner Überraschung auf ganzer Linie aufgeht. Ein großes Vorspiel braucht es nicht, denn in wenigen Szenen sind die Beweggründe, die zu dem Ausflug aufs offene Meer geführt haben, erklärt. So schnell diese im Film auf einmal vergessen sind, so sehr zieht der Film mit seinem hohen Tempo in den Bann. Sobald mit Hughie der Antagonist aufs Boot gelangt, geht alles ganz schnell. Aufgeteilt auf zwei voneinander unabhängige Handlungsbögen, die sich am Ende wieder vereinen, geht es dem Ehepaar Ingram ums nackte Überleben, dem Willen zum Leben und das Triumphieren über jedweden Schrecken. Der Zuschauer fiebert anderthalb Stunden bis zum Abspann mit, auch wenn nicht alle Entscheidungen der Charaktere logisch erscheinen mögen. Wären sie dies, so wäre der Film nach einer halben Stunde schon vorbei – und dann würde auch ein ansonsten absolut zufriedenstellender Thriller in der Filmlandschaft fehlen.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Todesstille!

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