Review: The Friends of Ringo Ishikawa

The Friends of Ringo Ishikawa von Publisher Circle Entertainment mischt das Gameplay verschiedener Videospielserien, steckt es in ein drolliges Retro-Korsett, untermalt das Geschehen mit einem paralysierenden Soundtrack und lässt uns in dieser Form einfach nicht mehr los.

In The Friends of Ringo Ishikawa schlüpfen wir in die Rolle des titelgebenden Oberschülers Ishikawa Ringo, dessen Oberschulabschluss gefährdet ist. Angesiedelt ist die Geschichte dabei in den späten 1980er-Jahren in einer nicht näher definierten japanischen Stadt. Anstatt fleißig für die Aufnahmeprüfungen an der Universität zu lernen, verbringt er die Zeit viel lieber mit seinen Freunden. Zudem ist er Kopf einer Bande, die sich überall in der Stadt Schlägereien mit anderen Gruppierungen liefert. Die Universität als Ziel ist ihm ebenfalls nicht allzu wichtig, da er vor allem eine Karriere als Yakuza anstrebt. Das führt schließlich dazu, dass Ringo kurz vor dem Rauswurf steht. Glücklicherweise gibt es einen Lehrer, der sich für ihn einsetzt und den Direktor beschwichtigt, ihm noch eine letzte Chance zu geben. Unsere Aufgabe ist, jeden Tag in den Unterricht zu gehen, in der Bibliothek in Büchern zu lesen und zu Hause für die wöchentlichen Tests in der Schule zu lernen. Zumindest ist dies ein Teil der Möglichkeiten, die in der offenen Spielwelt von The Friends of Ringo Ishikawa möglich ist. Wir dürfen außerdem mit Freunden ins Café gehen, unseren Körper im Fitnessstudio stählen, Einrichtungsmöbel wie einen Röhrenfernseher samt Famicom für unsere Wohnung erwerben oder mit einer Zigarette im Mund und den Händen in der Hosentasche wie ein verruchter Krimineller durch die Straßen schlendern.

Schlägereien á la Kunio-kun

Es gibt zahlreiche Aktivitäten, denen im Rollenspiel vom russischen Entwicklerstudio Yeo nachgegangen werden kann. Selbst ein Nebenjob oder das Billardspielen mit Freunden ist möglich. Letzteren begegnen wir immer wieder zufällig, wenn wir durch die Nachbarschaft stolzieren und erfahren in Zwischensequenzen Hintergründe über die illustren Charaktere. Gelegentlich dürfen wir uns auch mit unseren Freunden zusammenschließen und mit einer anderen Gang einen Streit provozieren. In diesem Moment stürmen auf einmal alle feindlichen Bandenmitglieder auf uns zu und wir müssen ihnen dann in bester Beat-’em-up-Manier das Fürchten lehren. Nicht nur der 8-Bit-Grafikstil, sondern auch das Gameplay erinnert in diesen Szenen immer wieder an die berühmte Kunio-kun-Reihe. Im Gegensatz zu Kunio-kun ist das Kampfsystem von The Friends of Ringo Ishikawa jedoch viel schwieriger zu meistern. Das liegt daran, dass die Bedienung nicht aus einem einzigen Angriffsknopf besteht: Wir müssen unsere Fäuste sprechen lassen, Kicke ausführen, Gegner packen und werfen, zur Seite springen oder sogar Attacken abwehren. Da die meisten Schlägertypen gefühlt mehr aushalten als wir, braucht die Einarbeitung in die niedlich choreographierten Kämpfe Zeit. Für erledigte Feinde gibt es jedoch Erfahrungspunkte, mit denen sich peu á peu unser Level verbessert.

Angenehm beruhigende Routine

Obwohl die meisten Inhalte von The Friends of Ringo Ishikawa selbsterklärend sind, sollte unbedingt gesagt werden, dass das Spiel nichts erläutert. Es gibt keinerlei Objektbeschreibungen, keine Minimap und keine Hinweise darauf, wo wir die nächste Quest abholen können. Stattdessen sollen wir in den Tag hinein leben und unsere eigenen Erfahrungen mit dem Gameplay, das nicht nur an Kunio-kun, sondern auch an Persona oder Yakuza erinnert, sammeln. Besonders in den ersten Stunden sorgt das dafür, dass wir uns in der Welt verlieren und verloren fühlen. Erst wenn wir die Umgebung und Ringos Freunde genug kennengelernt haben, entwickelt sich so etwas wie ein motivierender Spielfluss. Dieser entwickelt sich ähnlich wie in der Animal-Crossing-Reihe zur Routine, macht aber immer wieder aufs Neue zwischendurch Spaß. Womöglich liegt das auch am charmanten und stets beruhigenden Soundtrack, der mit stimmungsvollen Klängen das Geschehen wunderbar unterlegt und zum Entspannen einlädt. Unter technischen Gesichtspunkten macht das Spiel eine runde Figur, einzig und allein die Position nach dem Betreten eines neuen Bereichs führt häufig dazu, dass wir gleich wieder das Areal verlassen. Wer auf eine wunderbar bunte Genre-Mischung Lust hat und des Englischen mächtig ist, sollte bei The Friends of Ringo Ishikawa einen Blick riskieren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): The Friends of Ringo Ishikawa ist ein wunderbares Spiel, das vor allem Fans von Kuni-kun, Persona und Yakuza anspricht. Die Verknüpfung von Beat-’em-up- mit Rollenspiel-Elementen ist kurios und spaßig zugleich. Es mag anfänglich etwas schwer sein, sich in das Spiel einzuarbeiten. Wer den Titel jedoch regelmäßig spielt, wird sich mit der Spielwelt und Ringos Kumpels schnell anfreunden können. So entwickelt sich flott ein motivierender Spielfluss, bei dem es schwerfällt, sich daraus zu entziehen. Wie bei den Episoden der Animal-Crossing-Reihe ist das ein angenehmer Rhythmus, der zum Entspannen einlädt. Größter Kritikpunkt des Titels dürfte aber zugleich auch die freie Entscheidungsgewalt sein, denn das eigentliche Spielziel wird nur vage umrissen, sodass es dem einen oder anderen Spieler ohne roten Faden schwerfallen wird, lange genug motiviert zu bleiben. Wer darüber jedoch hinwegsehen kann, wird mit The Friends of Ringo Ishikawa immer wieder seine Freude haben, was nicht zuletzt am grandiosen 8-Bit-Grafikstil und vor allem der fantastisch beruhigenden Musikuntermalung liegt.

 

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