Review: Team Sonic Racing

Seit dem 1994 veröffentlichten Sonic Drift für den Game Gear versucht Segas blauer Igel Nintendos Klempner Super Mario im Rennspielgenre nachzueifern. Das klappt mal und mal weniger gut. Team Sonic Racing pendelt sich irgendwo zwischen toller Idee und teils dreister Kopie ein.

In Team Sonic Racing schlüpft der Spieler in die Haut von Segas rasendem Igel Sonic und seiner Freunde, die an einer Reihe ominöser Rennen von Tanuki Dodon Pa teilnehmen. Mit der Zeit kommen sie dahinter, dass auch der durchtriebene Dr. Eggman seine Finger im Spiel hat. Wie groß sein Einfluss auf das Abenteuer tatsächlich ist, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden. Wirklich tiefgründig wird die Story – wie könnte es auch anders sein – aber nicht. Sie ist lediglich Mittel zum Zweck für den Abenteuermodus und hält den Spieler so zumindest stellenweise bei Laune. Leider wird die Geschichte dabei auch noch mit sehr rudimentären Stilmitteln vorangetrieben. Das heißt, dass zwischen den einzelnen Events ein paar Dialoge eingeblendet werden, die zwar vollständig und auch charmant auf Deutsch synchronisiert sind, aber nur mit Standbildern auskommen. Zwischensequenzen oder gar animierte Charaktermodelle gibt es dabei nicht. Ebenso fragwürdig wirkt die Entscheidung der Entwickler, manche Dialoge doppelt ins Spiel zu integrieren. Es ist zwar durchaus verständlich, dass sich die Gespräche aufgrund verschiedener Routen doppeln, doch warum sie auch dann noch aufpoppen müssen, wenn die Handlung bereits vorangeschritten ist, bleibt ein Rätsel. Nichtsdestotrotz sind die Dialoge mit viel Humor ausgestattet, der vor allem jüngere Spieler anspricht.

Individualisierbares Fahrverhalten

Hauptsächlich dreht sich in Team Sonic Racing alles um Autorennen. Der Spieler nimmt also Platz hinter dem Steuer von flotten Flitzern oder gepanzerten Boliden, die sich jeweils an der Statur und dem Aussehen der ihnen zugeteilten Charakteren orientieren. Während Sonic also in einem blauen Sportwagen um die Kurven driftet, nimmt Big the Cat hinter dem Steuer eines etwas gewichtigeren Vehikels Platz. Alle Charaktere unterscheiden sich zusammen mit ihrem zugewiesenen Fahrzeug in ihren Statuswerten, sodass eine Figur beispielsweise schneller beschleunigen, eine andere Figur jedoch eine höhere Maximalgeschwindigkeit aufnehmen kann. Zusätzlich ist es mit in Rennen und speziellen Events verdienten Credits möglich, zufällig ausgewählte Fahrzeugteile aus dem Automaten zu ziehen und damit die Vehikel leicht bis stark in ihren Attributen anzupassen. Das macht Laune, da so jeder Spieler mit seinem Lieblingscharakter halbwegs genau an das Fahrgefühl gelangen kann, dass er sich vorstellt. Obwohl es teilweise starke Unterschiede gibt, beispielsweise wie ein Fahrzeug auf einen gegnerischen Treffer reagiert, fühlt sich die Steuerung bei allen Figuren recht ähnlich an. Diese funktioniert für ein Rennspiel in vielen Punkten mittelprächtig. Oberflächlich betrachtet funktioniert sie recht gut, allerdings ist vor allem das Driften bei aktiviertem Turbo sehr ungenau.

Zusammenspiel im dreiköpfigen Team

In puncto Gameplay orientiert sich Team Sonic Racing sehr am Fun-Racer-Genre-Standard, den die Mario-Kart-Reihe seit 1992 definiert. So düst der Spieler über kunterbunte Strecken, die sich an Handlungsorte des Sonic-Franchises orientieren. Dabei nimmt er in regelmäßigen Abständen Items auf, die er gegen seine Kontrahenten einsetzen kann. Hier können zum Beispiel Blöcke als Hindernisse auf der Strecke platziert, Raketen auf vorbeirasende Gegner gefeuert, die Sicht der hartnäckigen Rivalen mit Musiknoten kurzfristig vernebelt oder temporäre Unbesiegbarkeit erlangt werden. Im Gegensatz zum großen Vorbild aus dem Hause Nintendo hat sich Entwicklerstudio Sumo Digital hier und da ein paar Kniffe einfallen lassen. So ist es bei den Items möglich, sie auch mit den zwei verbündeten Fahrern im dreiköpfigen Team zu teilen. Landet der Spieler beispielsweise auf dem ersten Platz und hat für gesammelte Raketen keine Verwendung, so kann er sie auf Knopfdruck an seine Kollegen übertragen. Das funktioniert erfreulicherweise mit allen Items und zu jedem Zeitpunkt. Selbst wenn der Fahrer, der das Objekt annimmt, gerade noch ein Item verwendet, wird der hinzukommende Gegenstand einfach hinten angestellt. Vor allem im Mehrspielermodus, der auch lokal im Splitscreen funktioniert, sorgt eine schnelle Absprache für ein zufriedenstellendes Gefühl.

Auf der Überholspur ausgerutscht

Ein wenig seltsam wirkt das Windschatten-Feature in Team Sonic Racing: Normalerweise müsste ein jedes Vehikel im Windschatten eines jeden anderen Fahrzeugs seine Geschwindigkeit erhöhen, doch ist diese Funktion im Spiel nur hinter dem Erstplatzierten des eigenen Teams möglich. Hinter diesem wird ein grüner Streifen hergezogen und solange der Spieler auf diesem Streifen fährt, nimmt er stetig an Tempo zu, bis er seinen Kollegen schließlich überholt. So unrealistisch das Feature auch wirkt, so gut unterstützt es die restlichen Gameplay-Mechaniken. Obwohl der Titel aus dem Hause Sega mit ein paar tollen Ideen aufwartet, so ist Mario Kart 8 als Inspirationsquelle nicht von der Hand zu weisen. Einzelne Streckenabschnitte erinnern dermaßen frappierend an Nintendos Spiel aus dem Jahr 2014, dass Sumo Digital sich den Vorwurf des Abkupferns gefallen lassen muss. Während gerade diese Teilbereiche gefallen, machen andere Bereiche der Rennpisten mit Leerlauf, fehlplazierten Item-Boxen oder seltenen, dafür umso frustreicheren Kameraperspektiven negativ auf sich aufmerksam. Der selten adrenalingeladene Soundtrack und die teils nervigen Sprachsamples beim Einsammeln von Items sorgen ebenso wenig für ein wohliges Gefühl. Team Sonic Racing hätten schlussendlich drei bis vier weitere Monate Entwicklungszeit sicherlich gut getan.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Team Sonic Racing orientiert sich an einigen Punkten an Nintendos Mario-Kart-Reihe, die seit 1992 den Genre-Standard definiert. Insbesondere Mario Kart 8 scheint sich Entwicklerstudio Sumo Digital angenommen zu haben. In einigen Punkten wurde das Gameplay gut übernommen und sogar mit eigenen und richtig tollen Ideen erweitert. So macht das Austauschen von Items mit den verbündeten Fahrern Spaß und verbessert das Zusammenspiel im Mehrspielermodus enorm. Ebenso gelungen ist die Umsetzung des Windschatten-Features, das von der Norm herkömmlicher Rennspiele abweicht, die Gameplay-Mechaniken jedoch stark aufwertet. Leider weiß nur eine Handvoll Rennstrecken wirklich zu gefallen, womit vor allem die Abschnitte gemeint sind, die sich offensichtlich an Mario Kart 8 orientieren. An anderen Stellen können die Pisten unglaublich monoton und mit Leerlauf behaftet sein. Auch warum manche Spezial-Events so unfassbar schwierig respektive knapp mit der Zeit bemessen sind, dass selbst nach zwanzig Anläufen beim Sammeln von Ringen oder Driften durch Tore kein Land in Sicht ist, bleibt ein Rätsel. Das Spiel ist trotz aller Unkrenrufe bei Weitem nicht schlecht, es macht auch mit seinen Macken immer noch sehr viel Spaß. Wer keine Wii U oder Switch sein Eigen nennt und somit den Genre-Primus Mario Kart 8 in all seiner Pracht erleben kann, bekommt mit Team Sonic Racing jedoch eine verhältnismäßig gute Alternative im Fun-Racer-Bereich.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Team Sonic Racing!

 

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