Review: Scream 2

Mit Scream – Schrei! aus dem Jahr 1996 überraschte der legendäre Regisseur Wesley Earl „Wes“ Craven mit einem Horrorfilm, der zwar teils blutig ausfällt, sich von der Grundstimmung aber nicht sonderlich ernst nimmt. Ein Jahr später folgte bereits die erste Fortsetzung.

Obwohl weniger als ein Jahr zwischen der Erstveröffentlichung von Scream – Schrei! und der Filmfortsetzung Scream 2 liegt, vergeht innerhalb der Handlung gleich doppelt so viel Zeit. Zwei Jahre nach den traumatischen Geschehnissen in ihrer Heimatstadt Woodsboro hat Sidney Prescott inzwischen die Highschool abgeschlossen und geht aufs College. Sie will nicht mehr an die grausamen Ereignisse von damals in ihrer Heimatstadt, die sie hinter sich gelassen hat, erinnert werden. Das ist aber gar nicht so leicht, denn die sich im Rampenlicht suhlende wie geldgierige Boulevardreporterin Gale Weathers hat über das Treiben der Serienkiller ein Buch verfasst, welcher innerhalb der Filmwelt sogar auf die Leinwand gebannt wurde. Stab, so der Name des fiktiven Streifens im fiktionalen Werk, lockt scharenweise Zuschauer in die Lichtspielhäuser. Diese sind so aufgedreht, dass sie im Kino wie Wahnsinnige herumtollen, sich alle zwei Sekunden mit Messerattrappen versuchen abzustechen und noch dazu wie wild durch den Saal schreien. Auch ein afroamerikanisches Pärchen, das sich zugleich lustig darüber macht als auch kritisiert, dass in Horrorfilmen kein Platz für People of Color sei, nutzt der Nachahmungstäter als erstes Opfer. Daher fängt Scream 2 sehr stark an, nimmt danach jedoch schrittweise ab und ordnet sich zwischen Belanglosigkeit und Beliebigkeit ein.

Nonstop Nonsens

Hauptsächlich dreht sich der Film, den Wes Craven als Regisseur inszeniert hat, jedoch um Sidney und ihre neuen Freunde vom College. So wird sie von ihrer Zimmergenossin Hallie McDaniel dazu gedrängt, einer Studentenverbindung beizutreten. Derek Feldman stellt hingegen den verlässlichen Lebensgefährten dar. Mickey Altieri und der noch aus dem ersten Teil mit in Scream 2 geschliffene Randy Meeks streiten sich hingegen darüber, ob es überhaupt eine Filmfortsetzung gibt, die das Debüt in den Schatten stellt. Durch zahlreiche Zitate und Querverweise an das Horrorkino und andere Genres kommt zu Beginn richtig Laune auf, sich auf den Film einzulassen. Durch den Wechsel des Handlungsortes gibt es auch frischen Wind und der Zuschauer will stets herausfinden, wie die am College stattfindenden Morde in Zusammenhang mit den Geschehnissen im ersten Teil stehen. Es gibt auch eine mehr oder weniger plausible Erklärung gegen Ende des circa zweistündigen Films, die aber teils so absurd in Szene gesetzt ist wie viele Stellen im Film auch. Zudem erkauft sich die immerhin halbwegs zufriedenstellende Auflösung ihre Daseinsberechtigung mit einem langwierigen Prozess an Albernheiten, die selbst ein nicht ganz so ernster Horrorfilm nicht in diesem Ausmaß benötigt hätte. Statt die Story voranzutreiben verliert sich Scream 2 im Nonsens des Studentenalltags.

Prominente Besetzung ohne Zugkraft

Es ist nach dem guten, wenn vielleicht auch nicht überragenden Seriendebüt wirklich schade, dass der zweite Teil derart nachlässt – und das trotz einer prominenten Besetzung an Schauspielern. Zu sehen ist zum Beispiel Sarah Michelle Gellar als Casey Cici Cooper, welche als treue wie der Nüchternheit frönende Freundin, die ihre betrunkenen Freunde von Partys abholt, charakterisiert wird. Jerry O’Connell, der in den 1990er-Jahren vor allem aus der Serie Sliders – Das Tor in eine fremde Dimension bekannt war, muss der Zuschauer in Scream 2 als singenden wie liebestollen Partner von Sidney ertragen. Diese wird erneut von Neve Adrianne Campbell verkörpert, die aber auch nicht vielmehr tut als vor dem Killer wegzulaufen und hier und da ein paar Schalter und Hebel betätigt. Isaac Liev Schreiber und Courteney Bass Cox können dem Ensemble ebenfalls keinen ernsthaften Anstrich verleihen. An allen Ecken und Enden ist Cravens Werk anzumerken, dass es zu hastig produziert wurde, nur um rechtzeitig vor Weihnachten 1997 als Horrorfilm ein Kontrastprogramm im Kino anbieten zu können. Das Einzige, was der Film wirklich gut macht, ist den Zuschauer bis zum Ende respektive bis zum Fallenlassen der Maske des Serienmörders zappeln zu lassen. Ansonsten handelt es sich bei Scream 2 aber um eine müde Fortsetzung, die es wohl eher nicht gebraucht hätte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Obwohl ich Scream – Schrei! höchstens als mittelmäßigen Horrorfilm bezeichnen würde, habe ich mich nach dem Ansehen dennoch auf die erste Filmfortsetzung gefreut. Hin und wieder kann der zweite Teil den Vorgänger in manchen oder sogar allen Punkten überflügeln. Halloween II – Das Grauen kehrt zurück aus dem Jahr 1981 ist beispielsweise so ein Film. Von diesem Klassiker ist Scream 2 aber meilenweit entfernt. Dies ist in meinen Augen gerade deshalb so ärgerlich, da der Film unfassbar stark anfängt, den Auftakt des Debüts auf den Arm nimmt und schonungslos die ersten Morde inszeniert. Auch ein paar der Debatten über Filme tragen zur dichten Atmosphäre innerhalb der Story bei. Der Clique rund um Protagonistin Sidney kann ich aber bis auf Randy nichts abgewinnen – und das ist in Anbetracht prominenter Schauspieler wie Timothy Olyphant, Sarah Michelle Gellar und Jerry O’Connell echt enttäuschend. Hinzu kommt, dass sich der Film über weite Strecken mit Nonsens beschäftigt und sich zu stark vom Horrorfilm wegbewegt. Auch wenn der Film mit dem neuen Handlungsort frischen Wind in das Rätsel bringt, wer denn nun der Mörder sein könnte, und auch die Auflösung durchaus interessant inszeniert ist, lässt mich Scream 2 als Ganzes nach zwei Stunden dann aber doch ermüdet zurück.

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