Im Jahr 2015 überraschte Nintendo mit dem Third-Person-Shooter Splatoon auf der Wii U, der bis 2022 gleich zwei Fortsetzungen nach sich zog. Mit Splatoon Raiders erschien Ende Juli 2026 das erste Spin-off der Reihe, das sich auf eine Einzelspieler-Erfahrung konzentriert.
Während die Splatoon-Hauptreihe zumindest langfristig den Fokus auf den Mehrspielermodus legt, gab es im zweiten und dritten Serienteil bereits eine umfangreiche Einzelspielerkampagne. In Splatoon 2 musste diese noch als kostenpflichtiger Download-Inhalt zusätzlich erworben werden, doch da die sogenannte Octo Expansion allgemein positiv von den Spielern angenommen wurde, war ein auf Solisten ausgelegter Teil des Spiels von Beginn an integraler Bestandteil von Splatoon 3. Mit Splatoon Raiders versucht sich Nintendos Entertainment-Planning-&-Development-Abteilung direkt an einem Spiel, das den Spieß umdreht, die Team-Matches aus der Hauptreihe gänzlich entfernt und Mehrspielermodi sogar nur eine Randerscheinung darstellen. Im ebenso dem Third-Person-Shooter-Subgenre angehörenden Spiel schlüpfen wir in die Rolle eines nicht näher charakterisierten und geschlechtsneutralen Inklings oder Oktolings, der oder die sich als Mechaniker(in) für das Surimi Syndicate genannte Trio eine goldene Nase verdient. Das Dreigespann ist auf der Suche nach wertvollen Schätzen auf den ominösen Spiralit-Inseln, wo es sich nach einem Helikopterabsturz eine kleine Basis errichtet und auf die Suche nach Artefakten und Juwelen geht. Dabei fällt auf, dass die Inseln mit den persönlichen Hintergrundgeschichten von Surimi Syndicate verwoben sind – klar, dass genau wir als fünftes Rad am Wagen zum Lösen des Rätsels instrumentalisiert werden!
Actiongeladener Kampf gegen die Salmoniden
Als Zentrale in Splatoon Raiders dient besagter Basiskutter. In dieser Hubwelt können wir unsere Schusstechniken üben, unsere mit Farbe geladenen Wummen verbessern, Modifikationen für die Schießeisen entwickeln, diese für Baumaterialien auseinandernehmen, die weiteren Teile der Basis ausbauen, im Archiv schmökern, in seichten Arcade-Spielen neue Bestleistungen aufstellen oder unsere Spielfigur verbessern. Damit dies möglich ist, benötigen wir jedoch Rohstoffe und Erfahrungspunkte, die wir außerhalb des Basiskutters finden oder verdienen respektive erlangen. Über eine größtenteils lineare Übersichtskarte wählen wir den nächsten Einsatzort aus und finden uns prompt im Kampf gegen die Salmoniden wieder, welche die Spiralit-Inseln bewohnen. Für abgeschossene Kreaturen erhalten wir nicht nur Erfahrungspunkte, womit wir rollenspielartig nach und nach im Level steigen und unsere Energie und Angriffskraft erhöhen. Außerdem sammeln wir Fischeier ein, die mit der Zeit unseren Farbtank auf dem Rücken verbessern. Haben wir in einem Areal genug Fischeier gesammelt, können wir auch die Spezialfähigkeit von Surimi Syndicate aktivieren, denn stets werden wir von Mako, Muri oder Mantarō begleitet. Im Gameplay nutzten wir übrigens nicht nur Fernkampfwaffen, sondern können je nach ausgerüstetem Farbtank nach vorne preschen oder einen Rundumschlag ausführen. So bleibt Splatoon Raiders durchweg sehr actiongeladen. Toll!
Spaß trotz spielerischen Einschränkungen
Obwohl sich der Titel wunderbar steuert, kann es in brenzligen Situationen auch unübersichtlich werden. Etwas negativ fällt hierbei die Waffenauswahl auf, denn wie in Splatoon 3 können wir diverse Waffen im Kampf verwenden – nur eignet sich dabei nicht jeder Waffentyp für das Spiel. Die überdimensionalen Farbroller schränken beispielsweise unsere Bewegung ein, während Distanzwaffen häufig zu lange brauchen, um aufzuladen. Gerade jene Levels, die wir unter Zeitdruck bewältigen müssen, zeigen deutlich, dass Splatoon Raiders auf schnelle, einfache und präzise Schusswaffen ausgelegt ist. Hier hätten wir etwas mehr Feingefühl von Nintendo erwartet. Kommen wir in einem Gebiet nicht voran, können wir alle dreißig Minuten auch einen Hilferuf starten und das Areal an Seite von unbekannten Spielern online angehen. Im Team macht der Titel gleich viel mehr Freude. Die zeitliche Beschränkung nervt jedoch gerade dann, wenn wir bei einer Mission nicht weiterkommen und Aufleveln zu lange dauert. Mit Freunden können wir zum Glück jederzeit online spielen, aber dennoch wirkt diese Einschränkung befremdlich. Grafisch bleibt der Titel auf dem Stand der letzten Generation, läuft aber durchweg flüssig mit sechzig Bildern pro Sekunde. Musikalisch bleibt der Titel eher durchschnittlich. Splatoon Raiders macht zwar viel Spaß, bleibt aber bis auf die tollen Bossgegner und etwaige Geschicklichkeitspassagen bis zum Ende hin jedoch sehr repetitiv.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Mit der Splatoon-Hauptreihe konnte ich in der Vergangenheit leider nicht so viel anfangen. Die Mehrspielergefechte machen kurzzeitig immer mal wieder Spaß, haben für meinen Geschmack jedoch zu viele Defizite. Dennoch gefallen mir die Einzelspieler-Aspekte der Reihe, die Nintendo mit Splatoon Raiders in einem eigenständigen Spin-off ausgebaut hat, das in unter zwanzig Stunden durchgespielt ist. Es macht Spaß, die Salmoniden abzuschießen, Schätze zu sammeln und meine Spielfigur zu verbessern. Das motiviert auch noch nach dem Abspann, ist aber selbst dann noch sehr repetitiv, da ich im Grunde nichts anderes mache. Abwechslung bieten mir nur die fulminanten Bosskämpfe und verschiedene Geschicklichkeitsanlagen, die ich jedoch mit sammelbaren Kompassen erst einmal freischalten und suchen muss. Zudem finde ich es schade, dass die Übersicht im Nahkampf nicht mehr gegeben ist und bis auf die standardmäßigen Schießeisen das Experimentieren mit den anderen Waffentypen keinen großen Sinn ergibt, da das Spiel einfach nicht auf diese ausgelegt ist. Ärgerlich ist in meinen Augen auch die Einschränkung der Mehrspielermodi, denn gerade das kooperative Online-Spielen im Team kann sehr viel Freude machen, was mit unbekannten Spielern aber nur alle dreißig Minuten funktioniert. Mit Freunden ist das zum Glück jederzeit möglich, doch erfordert dies erst einmal die Muße, sich außerhalb des Spiels zu verabreden. So bleibt Splatoon Raiders ein spaßiges Spiel mit Defiziten, die allesamt vermeidbar gewesen wären.
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Splatoon Raiders!