Am Ende des achten Bandes der New Edition der Manga-Reihe Ranma ½ fiel der Startschuss zu einem Rennen und damit zu einem neuen Kapitel in der illustren Handlung. Die Charaktere müssen bei einem Wettlauf Paare bilden, um ein Ticket zu den verwunschenen Quellen in China zu gewinnen. Dass vor allem Protagonist Saotome Ranma ein ziemlich großes Interesse an diesem Preis hat, ist nicht verwunderlich – schließlich verwandelt er sich seit Handlungsbeginn bei Berührung mit kaltem Wasser in ein Mädchen. Der Weg auf das Siegertreppchen ist jedoch lang und beschwerlich, da auch seine ärgsten Rivalen Hibiki Ryōga und Mūsu unter der Verwandlung in ein Ferkel respektive in eine Gans leiden. Dadurch, dass Ranma im Rennen an die chinesische Amazone Shanpū, Ryōga an Ranmas Verlobte Tendō Akane und Mūsu an Ranmas andere Verlobte Kuonji Ukyō gebunden ist, und sich diese Konstellationen innerhalb des Wettkampfes teilweise verändern, ist jede Menge Chaos vorprogrammiert. Hier hat Manga-Zeichnerin Takahashi Rumiko wunderbar gezeigt, wie sie Streitigkeiten und Konkurrenzkampf auf humorvolle und actionreiche Art und Weise unter einen Hut bekommt. Schade ist nur, dass sie diese hohe Qualität im Manga vor allem durch den zweiten großen Erzählstrang und kleineren Geschichten gegen Ende des neunten Bandes nicht ganz halten kann.
Schwaches Mittelstück, grandioser Rahmen
Das Mittelstück des neunten Bandes von Ranma ½ füllt das sogenannte Kampfdinner. Es handelt sich hierbei um einen weiteren Wettstreit, in dem sich Ranma mit dem französischen Feinschmecker Picolet Chardin II., welcher in Windeseile aufgrund seines elastischen Mundes Essen verschlingen kann. Um hinter das Geheimnis zu kommen und eine effektive Waffe gegen den schier unbesiegbaren Vielfraß zu finden, verwandelt sich Ranma freiwillig in seine weibliche Gestalt und bietet an, Picolets Verlobte zu werden. Auch das ist hier und da witzig inszeniert, fühlt sich aber trotz des bekannten Motivs der Zeichnerin, einen Konflikt über einen Wettstreit zu schlichten, ein wenig wie ein Fremdkörper an, zumal sich diese Story echt hinzieht. Wesentlich bodenständiger und versöhnlicher ist da schon der dritte und letzte große Handlungsteil. Hier löst sich die Verlobung von Akane und Ranma – und letzterer wird quasi in eine Verlobung mit Akanes Schwester Nabiki geworfen, die aber wohl weniger an Ranmas Gefühlen, sondern mehr am großen Geld interessiert ist. Mittels Herzschmerz bei Akane und zahlreichen Verwechslungen bleibt hier trotz aller Dramatik kein Auge trocken. Genau solch eine Geschichte ist die Kernessenz, die Ranma ½ ausmacht. Trotz eines schwachen Mittelstücks kann gerade diese Abfolge der Ereignisse das Ruder gerade noch so herumreißen.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Dass nicht jede einzelne Geschichte aus Künstlerhand funktioniert und begeistert, dürfte gemeinhin bekannt sind. Ranma ½ hat nach einem wirklich guten Einstieg, der sich über etliche Bände erstreckte, durchaus schon gezeigt, dass die Qualität der Erzählung schwankend ist. Im neunten Band der New Edition kann mich zum Beispiel das Kampfdinner so gar nicht überzeugen. Vielleicht mögen die Kapitel, die sich um das Kampfdinner drehen, Tsukuda Yūto bei dem Jahrzehnte später veröffentlichten Werk Food Wars!: Shokugeki no Sōma inspiriert haben, aber bei Ranma ½ wirkt diese Story fehlplaziert. Im Interview mit Takahashi Rumiko, das am Ende des Bandes abgedruckt ist, gibt sie auch offen zu, dass ihr zu diesem Zeitpunkt ein wenig die Ideen ausgegangen sind. Obwohl das Mittelstück genauso wie die kurzen Geschichten gegen Ende schwach ausfällt, begeistert zumindest die Fortsetzung des Rennens auf den ersten Seiten genauso wie Ranmas temporäre Verlobung mit Nabiki. Hier zeigt Takahashi wunderbar, wie sie Klamauk, Romantik und Action in einen Topf werfen und ein wunderbares Gericht daraus zaubern kann.