Review: Alien: Die Wiedergeburt

Nachdem der dritte Teil der Alien-Filmreihe die Gemüter 1992 gespalten hat, versöhnte Alien: Die Wiedergeburt ein halbes Jahrzehnt später. Der Film vom französischen Regisseur Jean-Pierre Jeunet kann trotz dünnem Handlungsfaden mit Action und Vielfalt überzeugen.

Eigentlich hätte Brandywine Productions, das für die Alien-Filmreihe verantwortliche Produktionsunternehmen, die Arbeiten am Franchise nach Alien 3 ruhen lassen können. Ripleys Geschichte war zu Ende erzählt, die Aliens besiegt und der dubiose Konzern Weyland-Yutani leer ausgegangen. Wirklich zufriedenstellend war all das zwar nicht, aber immerhin hätte die bisherige Trilogie so zu einem runden Abschluss gefunden. Kurz Zeit nach Kinostart kamen schon die ersten Gerüchte auf, dass an einem vierten Film gearbeitet wird. Die Chancen dafür standen allerdings nicht sonderlich gut, denn es musste wieder ein neuer Regisseur gefunden, ein passendes Drehbuch konstruiert und vor allem Hauptdarstellerin Susan Alexandra „Sigourney“ Weaver überzeugt werden, abermals in ihre Rolle zu schlüpfen. Letztere lehnte jedoch zunächst ab, wodurch das Drehbuch ohne sie auskam und deshalb am Ende auch kein Geld fließen sollte – schließlich enttäuschte schon Alien 3 mit den Zuschauerzahlen. Zum Glück konnte Weaver überredet, das Drehbuch angepasst, mit Jean-Pierre Jeunet einen Fan der ersten drei Teile als Regisseur gewonnen und Alien: Die Wiedergeburt schlussendlich realisiert werden. Herauskam ein Science-Fiction-Film mit deftigem Action-Anteil, vielen kreativen Ideen, jedoch abermals ohne viel Horror und einer leider recht dünnen Handlung.

Wackelig konstruierter Handlungsbogen

Letztere siedelt Alien: Die Wiedergeburt ganze zweihundert Jahre nach den Ereignissen des dritten Films an. Wer diesen noch nicht gesehen hat, sollte aus Spoiler-Gründen nicht mehr weiterlesen oder zumindest diesen Absatz überspringen. Alien 3 endet mit Ripleys überaus bitterer Entscheidung, sich mit der letzten verbliebenen außerirdischen Kreatur zum Wohle der gesamten Menschheit selbst zu opfern, indem sie sich in der Gefängniskolonie in einen riesigen Schmelzofen stürzt. Wie auch immer das nun funktionieren soll, haben es Wissenschaftler geschafft, ihre Desoxyribonukleinsäure zu extrahieren und damit begonnen, Klone zu schaffen. Nach mehreren Versuchen gelingt es ihnen endlich, sowohl den menschlichen Wirt in Form von Ripley, als auch eine Alien-Königin als Symbiont zu klonen. Auf dem Raumschiff Auriga züchten die Wissenschaftler munter drauf los neue Aliens, unterschätzen die intelligenten Killerbestien aber. Dementsprechend sind auf dem Schiff weder die Wissenschaftler, noch die Wehrpflichtigen oder die ebenfalls hinzugekommenen Söldner sich ihres Lebens sicher. Ripley beziehungsweise Ripleys Klon, der noch dazu über alle Erinnerungen und Gedanken des Originals verfügt, unterstützt die bunt gemischte Truppe im Kampf gegen die Monster. Die Story ist zwar dünn, überzeugt aber mit einigen spaßigen Action-Einfällen.

Abwechslungsreicher Actionspaß

Unter anderem lässt Ripley ihren Gefühlen mit einem Flammenwerfer freien Lauf. An anderer Stelle von Alien: Die Wiedergeburt werden die Außerirdischen mit Stickstoff gequält – bis sie den Spieß umdrehen. Im weiteren Filmverlauf steht ein Teil der Auriga unter Wasser. Wenn die illustre Gruppe tauchend die Küche durchqueren muss und die Aliens dabei piranhaartig zu Tisch gebeten werden, ist das ziemlich fies. Um sich gegen die Monster zu erwehren, wird auch ordentlich zu den Waffen gegriffen. Ballereien und Explosionen stehen an der Tagesordnung. Dieser Abwechslungsreichtum hört, sobald er einmal angefangen hat, bis zum Ende nicht mehr auf. So überflügelt der Film mit Leichtigkeit Alien 3 und schließt zu Aliens: Die Rückkehr auf. Neben Weaver, die dem Zuschauer ein verständliches Bild eines emotional zurückhaltenden Klons vermittelt, überzeugt auch das restliche Ensemble. So ist zum Beispiel der aus Bunraku bekannte Ronald Francis Perlman zu sehen. Bradford Claude Dourif kennen Fantasy-Fans hingegen aus Der Herr der Ringe. Ebenfalls zu erwähnen sind Gary Dourdan und Winona Ryder. Tiefgründige Charaktere sind hier zwar nicht zu erwarten, doch geben sie den platten Figuren ein paar Ecken und Kanten. Zu guter Letzt verleiht Komponist John Frizzell den engen Gängen des Raumschiffs ein klaustrophobisches Gefühl. Echt sehenswert!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Einen richtigen Zugang zur Alien-Reihe konnte ich nach dem Ansehen der ersten drei Teile noch nicht entwickeln. Einiges an den Filmen gefällt mir, aber bislang kommen sie für mich noch nicht über das Mittelmaß hinaus. Selbiges kann ich auch über den vierten Film, namentlich Alien: Die Wiedergeburt, sagen. Die Story ist selbst für Science-Fiction-Verhältnisse zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Bei den Charakteren kann ich ebenfalls keine tiefgründigen Figuren ausmachen. Was dem Film aber an Tiefgang bei Story und Charakteren fehlt, macht er mit seiner Action wieder wett. Sie wird dosierter und bewusster eingesetzt. Zudem ist sie wirklich mit sehr abwechslungsreichen Szenen gepflastert, in denen die Charaktere auch unterschiedliche Waffen für sich sprechen lassen. In den klaustrophobischen Gängen des Raumschiffs kommt zusammen mit der tollen Soundkulisse und kreativen Ideen wirklich sehr viel Spaß auf. Alien: Die Wiedergeburt ist eine sehenswerte Achterbahnfahrt, die durchweg nicht langweilt.

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