Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 13)

Ende Juli 2026 erschien die nunmehr dreizehnte Ausgabe der Anime-Serie Crayon Shin-chan im deutschsprachigen Raum im Handel. Nach nur einem Monat legt Herausgeber Polyband Anime nach und präsentiert den Fans den altbekannten Humor – jedoch etwas abgeschwächt.

Es gibt nur wenige Werke, die sich über Jahrzehnte als eine feste Konstante etablieren können. Hierzu zählt auch die Anime-Serie Crayon Shin-chan, die aus der japanischen Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Seit 1992 verzückt der titelgebende Nohara Shinnosuke mit flotten und für sein Alter oftmals ungeeigneten Sprüchen die Zuschauer. Auch fernab Japans ist das Werk des 2009 verstorbenen Manga-Künstlers Usui Yoshihito wohlbekannt, was vor allem am Anime und weniger an der Manga-Reihe liegt. Im deutschsprachigen Raum war der Erfolg zu Beginn der 2000er-Jahre nur von kurzer Dauer. Dies liegt vor allem daran, dass die hiesige Ausstrahlung auf der nordamerikanischen Fassung basiert, welche die Vorlage regelrecht verstückelt hat. Nachdem die Veröffentlichung in den Vereinigten Staaten von Amerika abgebrochen wurde, war kurz darauf auch hierzulande Schluss. Dennoch ist der Rabauke nicht totzukriegen. So veröffentlicht Publisher Polyband Anime seit Ende 2024 genau jene Variante der Anime-Serie aus den frühen 2000er-Jahren, sprich in der albernen, aber unter Fans geliebten deutschen Synchronisation. An der Veröffentlichungstaktik hält Polyband weiter fest. Das heißt, Intro und Outro spielen einmalig ab, wenn die Alle-abspielen-Funktion im DVD-Menü ausgewählt wird. Einzeln lassen sich die aufgeteilten Folgen ebenso wählen.

Konsekutive Stärken und Schwächen

Da Crayon Shin-chan auf DVD auf der nordamerikanischen Version basiert, liegen die Folgen ebenso nicht in einer chronologischen Reihenfolge vor. Sonderlich schlimm ist das bis auf die Tatsache, dass Misaes respektive Mitsys Freundin in einer der ersten Folgen noch schwanger ist und in einer späteren Episode keinen Babybauch mehr hat, ohne dass die Schwangerschaft irgendwie thematisiert wird, aber nicht. Ansonsten gibt es in der dreizehnten Volume jedoch keinerlei Verständnisprobleme, zumal stellenweise auf die chronologischen Abläufe großer Wert gelegt wurde. Zum Beispiel erhält Shinnosuke in einer Episode ein Paket von seinem Großvater. Er schickt ihm drei Wassermelonen. Kurz darauf schleppen aufgrund von Werbeaktionen und Geschenken seine Eltern auch jeweils zwei Melonen an, sodass die recht einseitigen Mahlzeiten für die nächsten Tage feststehen. Der Wassermelonenvorrat kommt auch in der darauffolgenden Geschichte noch einmal zur Geltung, denn angestachelt durch Shin-chans Lieblingsfernsehserie versucht er, mit verbundenen Augen und einem Golfschläger bewaffnet, eine Melone zu zertrümmern – und spaltet dabei fast den Schädel seiner am Boden schlafenden Mutter. In diesem Punkt zeigt sich, dass die Anime-Serie hier und da auch mal über die Strenge schlägt, doch meistens bleibt Crayon Shin-chan diesmal viel harmloser.

Entschärfung der deutschen Synchronisation

Zurückzuführen ist dies auf die Anpassung der Synchronisation, denn da Crayon Shin-chan in den 2000er-Jahren auch im Nachmittagsprogramm lief und dem Fernsehsender RTL 2 massenweise Elternbeschwerden ins Haus flatterten, wurden die Dialogdrehbücher überarbeitet und die Serie damit entschärft. Darüber hinaus wechseln in den vorliegenden Episoden zwei Synchronsprecherinnen. Tanja Schumann, die Shin-chans Mutter Misae gesprochen hat, wurde von Sabine Arnhold abgelöst. Obwohl ihre Stimme gut zur Rolle passt, fehlt ihr ein wenig der gewisse Biss von Schumann. Die 2014 verstorbene Carola Ewert, die in den ersten Folgen Shinnosukes Freund Satō Masao beziehungsweise Max gesprochen hat, wie er in der deutschen Fassung heißt, wurde durch Susanne Geier ersetzt, die den weinerlichen Charakter sehr gut beibehält. Ein Wechsel auf den japanischen Originalton ist im dreizehnten Episodenpaket nicht möglich, da dieser abstinent ist. Nichtsdestotrotz können die abstrusen Situationen, in die Familie Nohara geworfen wird, durchaus unterhalten. Hier wird ein Skiausflug zum Fiasko, da Shin-chan lieber Spielzeug statt Bekleidung mitnehmen will. Ein Routinebesuch beim Tierarzt lässt wiederum den Familienhund durchdrehen und Zufälle machen Shinnosuke zum Helden und Sieger in verschiedenen Sportarten. Somit macht Crayon Shin-chan gute Laune!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Nicht nur durch den Wechsel zweier wichtiger Stammsynchronsprecherinnen fällt auf, dass Crayon Shin-chan ein wenig an Biss verloren hat – auch die Dialoge können nicht an die früheren Abenteuer anknüpfen, da sie damals aufgrund massiver Elternbeschwerden gezwungenermaßen angepasst werden mussten. Dies schmälert nicht unbedingt die Qualität der Serie, doch muss der deutschsprachige Zuschauer, der Crayon Shin-chan vielleicht gerade wegen des Ausnahme-Humors geschaut hat, seine Erwartungen drosseln. Viele Szenen machen nichtsdestotrotz immer noch sehr viel Spaß, da das Werk von Shin’ei Animation mit albernen bis abstrusen Situationen spielt und die Komik somit immer noch zur Geltung kommt. Die dreizehnte Ausgabe enthält zudem eine bunte Mischung aus verschiedenen Szenarien, sodass für reichlich Abwechslung gesorgt ist. Fans von Crayon Shin-chan gewöhnen sich an die Veränderungen schnell, auch wenn mir persönlich der Humor früherer Episoden – ohne den japanischen Originalton zu kennen –, etwas mehr gefallen hat. Zuschauer, die den Humor vorher für grenzwertig hielten, können aber vielleicht ab der dreizehnten Volume vielleicht doch noch Zugang zu Crayon Shin-chan finden.

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 13)!

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