Fast acht Jahre nach dem vierten Serienteil geht es für die Reihe mit Sudden Strike 5 zurück in den Zweiten Weltkrieg. Entwicklerstudio Kite Games hat für Herausgeber Kalypso Media ein ordentliches Echtzeitstrategiespiel auf die Beine gestellt – mit viel Sandkastenpotenzial!
In Sudden Strike 5 stehen uns drei Kampagnen zur Verfügung. So dürfen wir von Beginn an frei entscheiden, ob wir auf Seiten der Achsenmächte oder für die Alliierten, aufgeteilt auf Amerikaner und Sowjets, kämpfen möchten. Als historische Kriegsschauplätze halten Europa und Nordafrika her. Soll heißen, dass der Zweite Weltkrieg im Echtzeitstrategiespiel nicht im Pazifikraum stattfindet. Das ist zwar schade, doch gibt es mit Schlachtfeldern in Mittel-, Ost- und Südeuropa sowie Nordafrika genügend Abwechslung. Beispielsweise nehmen wir an den Unternehmen Merkur und Barbarossa teil, wenn wir uns für die Achsenmächte entscheiden. Ebenso können wir die Ardennenoffensive aus Sicht der Alliierten oder die Schlacht um die Krim aus Sicht der Sowjetunion erleben. Hobbyhistoriker dürfte die Vielzahl an abwechslungsreichen Schlachten und Scharmützel sicherlich freuen, auch wenn manche Szenarien so schon aus den Vorgängern bekannt sind – gut, die Geschichte lässt sich schlecht umschreiben. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit, denn obwohl uns das Spiel klare Zielvorgaben gibt, die sich zuweilen an der historischen Realität orientieren, entpuppt sich Sudden Strike 5 als ein Sandkasten für experimentierfreudige Spieler. Wir haben meist freie Hand und können unsere Truppen nach eigenem Gutdünken befehligen, wodurch sich der Wiederspielwert arg erhöht.
Sandkasten mit Kriegsspielzeug
Letzteres heißt aber nicht, dass jeder Weg zum Sieg führt. Wer denkt, schnurstracks auf den Feind vorzurücken, sei Erfolg versprechend, irrt gewaltig. Mit unserer aus Panzern bestehenden Artillerie mag dies in Sudden Strike 5 möglicherweise noch funktionieren, aber ungeschützte Einheiten werden so zum Kanonenfutter. Die Umgebung will zunächst von uns unter die Lupe genommen und erst danach für unseren Lösungsansatz instrumentalisiert werden. Wälder verbergen beispielsweise unsere Infanteristen vor dem Feind und lassen sie so Schritt für Schritt vorrücken. Gelingt es uns, Stützpunkte einzunehmen, steigt unser Prestige. Damit ist uns der Nachschub an Einheiten sicher. Wer also lieber erst die Karte, die den Kriegsschauplatz miniaturisiert darstellt, absuchen will, um seine Armee aufzustocken, kann dies dank Sandbox-Gameplay machen. Hier zeigt sich das wahre Potenzial des Spiels, denn die Karten sind so aufgebaut, dass sie eben nicht für die eine Lösung ausgelegt sind, was über Wochen hinweg zum Tüfteln anregt. Experten und Genrefans finden sich in Sudden Strike 5 sicherlich schnell zurecht und werden sich darauf prompt einlassen. Habt ihr aber noch keinen Serienteil gespielt oder wart ihr der Echtzeitstrategie bislang abstinent, müsst ihr euch viele Mechaniken durch Nachlesen im Menü selbst beibringen. Die Tutorials sind unzureichend.
Atmosphärisches Kriegsgeschehen
Audiovisuell macht Sudden Strike 5 so gut wie alles richtig. So begeistert das Spiel mit seiner verspielten Optik, die sich zwischen realistischer Grafik und Miniaturbaustil einpendelt. Sowohl die teils zerstörte Architektur als auch die dichte Vegetation wirken gleichermaßen steif und lebendig, was dem Gameplay förderlich ist. Alles ist klar zu erkennen. Ebenso stechen die Effekte, wenn geballert und gesprengt wird, positiv ins Auge. Auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) läuft das in Full-HD flüssig. Akustisch überzeugt das Spiel mit einer angenehmen, wenn den Krieg auch leicht romantisierenden Musik. Das Schlachtengeschehen selbst wird mit ordentlichen Soundeffekten der Ballistik unterlegt, sodass wir das Grauen des Kriegs auditiv jederzeit vermittelt bekommen. Für Immersion sorgen die Synchronsprecher in ihrer jeweiligen Landessprache. Es ist allerdings sehr schade, dass das Spiel keine Geschichte erzählt. Nach Auswählen des Szenarios, das mit einem Missionsbriefing immerhin stimmungsvoll eingeleitet wird, landen wir direkt auf dem Schlachtfeld. Mit Spielen wie Commandos: Origins, in denen die Story zumindest alibihaft enthalten ist, lässt sich Sudden Strike 5 also nicht vergleichen. Das muss es auch nicht, denn das Spiel konzentriert sich aufs Wesentliche, das Serienfans sicherlich zufriedenstellen wird.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Aus historischer Sicht finde ich Sudden Strike 5 sehr spannend. Der Titel vermittelt mir spielerisch einige der wichtigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Dennoch muss ich nicht blind Befehlen folgen, sondern kann meine ganz eigenen Lösungsansätze kreieren. Somit kann ich meine Strategie austüfteln, sie verfeinern und beim nächsten Anlauf möglicherweise sogar perfektionieren. Das treibt die Spielzeit angenehm in die Höhe und gerade Spieler, die sich wochenlang nur auf ein einziges Werk einlassen möchten, werden hier ihre wahre Freude haben. Zudem sieht das Spiel mit seiner Modellbauoptik schick aus und funktioniert für meinen Geschmack ebenso auditiv. Ich finde es jedoch schade, dass die historischen Hintergründe kaum beleuchtet werden und auch eine Story völlig fehlt. Ebenso wäre mehr möglich bei der Spielerführung, denn bei einem komplexen Spiel wie Sudden Strike 5 den Spieler einfach in die Kampagne zu werfen, ohne ihm die wichtigsten Kniffe verständlich beizubringen und ihn somit dazu ermuntern, im digitalen Handbuch nachzulesen, ist in meinen Augen schlicht falsch. Wer damit kein Problem hat oder zumindest gewillt ist, diese Hürde zu nehmen, kommt in den Genuss eines ordentlichen Echtzeitstrategiespiels, das Wochen und Monate an den Bildschirm fesseln kann!
Vielen Dank an Kalypso Media für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sudden Strike 5!