Review: Masters of the Universe

Zunächst 1982 als Spielzeugreihe entstanden, wurde mit Masters of the Universe in den darauffolgenden Jahren ein ganzes Franchise geschaffen. 1987 kam es sogar zu einem Spielfilm, der heute kultverdächtig ist, an den Kinokassen allerdings den Abgesang der Marke befeuerte.

In den frühen 1980er-Jahren war US-amerikanisches Spielzeug, das sich vornehmlich an eine männliche Zielgruppe richtete, voller hargesottener, aber stets dem Guten verschriebener Soldaten und Muskelprotze, die sich gegen finstere Mächte oder das Unrecht auflehnten. Hierzu zählte auch die Spielzeugreihe Masters of the Universe, in der allen voran der muskelbepackte wie strahlende blonde Held He-Man den Kampf gegen Skeletor aufnimmt, einen bösartigen Zauberer mit blauer Haut und Totenkopfgesicht. Hier zeigt sich, dass in Mattels Spielzeugwelt kein Platz für Graustufen blieb, sodass sich der klare Konflikt zwischen Gut und Böse zunächst einmal bis in die frühen 1990er-Jahre zuspitzen konnte, auch wenn die Marke bereits ab Mitte der 1980er-Jahre ins Stottern geriet und darunter auch die Produktion des Films litt. Unter anderem heißt es, dass Mattel zwischenzeitlich Teile des ausgehandelten Budgets nicht zahlte. Auch Cannon Films, das Studio hinter der Verfilmung des Stoffes aus dem Jahr 1987 kam finanziell ins Straucheln und sorgte dafür, dass Teile des Werks erst nicht gedreht werden konnten. Regisseur Gary Goddard, der an Spielfilmen einzig und allein Masters of the Universe zu verantworten hat, musste beispielsweise den Endkampf aus eigener Tasche zahlen. Geholfen hat es nicht viel, denn an den Kinokassen konnte der Film keine Erfolge feiern.

Flucht zur Erde

Zugegebenermaßen macht der Actionfilm, der sich fröhlich an Fantasy- und Science-Fiction-Elementen bedient, schon beim Einstieg einiges falsch. Der Zuschauer erfährt lediglich Einzelheiten über die Ausgangslage, aber keine richtige Einführung in die Story. So hat Skeletor mit seinen Truppen Castle Grayskull erobert und die Sorceress, die Wächterin über das Universum, gefangen genommen. Er zapft ihre Energie ab, was sie in wenigen Stunden altern, die Macht von Skeletor hingegen ansteigen lässt. Dieser Umstand würde dazu führen, dass der Antagonist die politische wie militärische Macht über den fiktiven Planeten Eternia an sich reißen würde. Auf diese Weise würde er ebenso dazu bemächtigt, andere Planeten einzunehmen. Vielleicht ist es ihm gerade deshalb so wichtig, den Zwerg Gwildor in seine Hände zu bekommen, da er als Schlüsselmeister Dimensionstore öffnen kann. Ein Glück sind He-Man und seine Freunde Man-at-Arms und Teela zur Stelle. Ihr Versuch, gemeinsam mit Gwildor Castle Grayskull zu infiltrieren und die Zauberin zu retten, schlägt jedoch fehl und die Gruppe muss durch ein Dimensionstor zur Erde fliehen. Von der Erde aus müssen sie den Weg zurück nach Eternia finden, um das der Sorceress drohende Unheil rechtzeitig abzuwenden. Sie werden jedoch auch von Skeletors Handlangern verfolgt, die ihr Vorhaben sabotieren wollen.

Temporeiches Actionwerk

Wer sich mit den Spielzeugen oder der Hintergrundgeschichte auskennt und vielleicht sogar die von 1983 bis 1985 laufende Zeichentrickserie He-Man and the Masters of the Universe gesehen hat, findet sicherlich schnell einen Einstieg. Ohne dieses Wissen ist es aber schwer, sich mit den Protagonisten zu identifizieren, da sie nicht ausreichend charakterisiert werden. Es sind zwar auch in der Vorlage keine ausgefeilten Helden, aber der Spielfilm erzählt fast schon comicartig eine etwas längere Handlung, die irgendwo in der Serie hätte angesetzt oder zum Teil sogar von Kindern mit den Spielzeugen inszeniert werden könnte. Positiv fällt so aber auf, dass der Streifen durchweg ein hohes Tempo an den Tag legt. Verfolgungsjagden, Schwertkämpfe und Ballerorgien wechseln sich munter ab und machen Masters of the Universe auf diese Weise zu einem schnellen und an keiner Stelle langatmigen Film. Nicht nur aufgrund der holprigen Einleitung für Nichtkenner der Vorlage und der fehlenden Charakterisierung ist dies jedoch mit Problemen behaftet, denn auch manche der Kostüme, Kulissen und Effekte lassen zu wünschen übrig. Mit 22 Millionen US-Dollar stand Cannon Films im Jahr 1987 eine stattliche Summe zur Verfügung, die jedoch für die Ambitionen von Goddards Werk nicht ausgereicht haben. Hier hätte der Film liefern müssen – hat er aber leider nicht.

Prominente Auftritte

Dass Cannon Films ihr Werk als Star Wars der 1980er-Jahre betitelt haben, kommt nicht von ungefähr. So wirken die Szenen um Castle Grayskull fast wie Orte auf Tatooine, Skeletors Truppen waren offenbar von Darth Vader inspiriert und auch die von William „Bill“ Conti komponierte Musik erinnert frappierend an so manche Klänge von John Towner Williams. Das fügt sich kurioserweise alles gut zusammen, doch fehlt es Masters of the Universe auf diese Weise ein wenig an Eigenständigkeit. Für Protagonist He-Man wurde der Schwede Hans „Dolph“ Lundgren gecastet, der hier in seiner ersten Hauptrolle zu sehen ist. Durch sein charismatisches Lächeln und seinem Körperbau verfolgt der Zuschauer sein Treiben, ohne dass er zu stereotypisch wirkt. Sein Gegenspieler Skeletor wird hingegen hervorragend von Frank Alexander Langella Junior gespielt. Obwohl er hinter der Maske eigentlich nie zu sehen ist, verkörpert er auf beeindruckende Weise die Bösartigkeit des Antagonisten. In weiteren Rollen sind unter anderem Margaret Foster als Evil-Lyn, der aus Star Trek: Raumschiff Voyager wohlbekannte Robert Duncan McNeill as Kevin Corrigan, der für seine kurzen Auftritte in Zurück in die Zukunft in Erinnerung bleibende James Stewart Tolkan und die damals noch blutjunge Courteney Bass Cox zu sehen. Das macht die Defizite schon fast wieder wett!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf dem Stream bei Amazon Prime): Masters of the Universe von 1987 habe ich irgendwann einmal als Kind oder Jugendlicher in den frühen 2000er-Jahren in einer Ausstrahlung in den frühen Morgenstunden im linearen Fernsehen gesehen. Sonderlich beeindruckt war ich damals nicht, hatte ich die Zeichentrickserie doch ganz anders in Erinnerung. Jahrzehnte später ist das Franchise gereift – vielleicht nicht unbedingt wie guter Wein, aber es ist zu etlichen neuen Spielzeugen, Comics, Zeichentrickserien und sogar einen weiteren Anlauf im Kino gekommen. Damit kann es Masters of the Universe natürlich nicht ganz aufnehmen, aber inzwischen gilt der Film als Kult und ich kann sehr gut verstehen, warum Gary Goddards Werk diesen Status unter Fans hat. Die Dynamik zwischen He-Man und Skeletor beziehungsweise Dolph Lundgren und Frank Langella ist einfach klasse. Auch die vielen Auftritte von weiteren Talenten wie Courtney Cox, Robert McNeill oder James Tolkan passen hervorragend in das Gesamtwerk, das mit Kulissen, Kostümen und Musik aber stark an Star Wars erinnert. Wer darüber und auch über die schwachen Effekte hinwegsieht und sich aufgrund der holprigen Einführung und der schwachen Charakterisierung vorher hilfreiches Hintergrundwissen aneignet, kann mit Masters of the Universe durchaus seinen Spaß haben!

Hinterlasse einen Kommentar