Review: Street Fighter: Die entscheidende Schlacht

Mit Street Fighter II aus dem Jahr 1991 setzte das japanische Videospielunternehmen Capcom neue Maßstäbe im Fighting-Game-Genre. Wenige Jahre später führte dies in Street Fighter: Die entscheidende Schlacht zu einer der ersten Videospielverfilmungen auf der Kinoleinwand.

Videospielverfilmungen hatten in den 1990er-Jahre einen zweifelhaften Ruf. So wird den Regisseuren und Produzenten vorgeworfen, die Marke finanziell zu missbrauchen, den Inhalt regelrecht zu verfälschen und das Originalwerk nicht zu verstehen. Auf Street Fighter: Die entscheidende Schlacht von 1994 mag dies durchaus zutreffen. Der Film entpuppt sich als Ballerorgie, Gefängnisdrama, Sprücheklopferei der untersten Schublade und Agententhriller im Stil von James Bond, bedient die Zielgruppe, die einen Martial-Arts-Film erwartet, aber nur am Rande. Als Regisseur und Drehbuchautor war Steven Edward de Souza verantwortlich, der ein halbes Jahr zuvor schon das Drehbuch zu Beverly Hills Cop III verbockt hat. Unfähigkeit ist ihm nicht vorzuwerfen, denn mit Running Man und den ersten beiden Teilen der Stirb-langsam-Reihe gehen immerhin zwei durchaus solide Actionfilme auf sein Konto. Mehr ist von der Street-Fighter-Umsetzung dann aber auch nicht zu erwarten, zumal das Werk als Videospielumsetzung ganz andere Erwartungen geschürt hat. Zu dieser Zeit war dies aber noch Gang und Gäbe und wenig verwunderlich. So auch bei der Videospielverfilmung Double Dragon: Die 5. Generation von Regisseur James Yukich, die wenige Wochen zuvor ihren Weg in die US-amerikanischen Lichtspielhäuser fand und in den Kritiken durchfiel.

Abgefrühstückte große Namen

Grundsätzlich ist die Story in Street Fighter: Die entscheidende Schlacht für einen Actionfilm gar nicht mal so schlecht. Im fiktiven südostasiatischen Land Shadaloo herrscht Krieg, ausgelöst vom megalomanen General M. Bison. Dieser hat sechzig Mitarbeiter der Alliierten Nationen entführt und verlangt für ihre Freilassung zwanzig Milliarden US-Dollar. Dafür stellt er seinen Gegnern ein Ultimatum von drei Tagen. Colonel Guile stellt sich Bison nichtsdestotrotz als einer der wenigen mutig entgegen. Um Bison aufzuspüren und seine Truppen in den Kampf zu ziehen, ist er jedoch auf die Hilfe von zwei Möchtegernwaffenschiebern angewiesen. Hoshi Ryū und Ken Masters sollen sich deshalb durch den Waffenhändler Sagat Zugang zu Bisons geheimen Stützpunkt verschaffen und dort einen Peilsender anbringen. Zur gleichen Zeit will auch die Fernsehreporterin Chūnlì ihren Teil vom Kuchen abbekommen und stellt die Party auf den Kopf, sodass im Endeffekt früher oder später alle Pläne schiefgehen. Mit der Zeit stellt sich heraus, wie grausam Bison ist, der selbst vor der körperlichen Entstellung seiner Gefangenen keinen Halt macht. Hinzu kommt, dass die Alliierten Nationen zwischenzeitlich einknicken, Guile in bester Rambo-Manier dennoch sein Ding durchzieht und auch weitere Charaktere des Street-Fighter-Universums notgedrungen ins Rampenlicht treten.

Verpasste Chancen – abgenickt von Capcom

Problematisch ist, dass beim 101 Minuten umfassenden Street Fighter: Die entscheidende Schlacht nicht genügend Raum bleibt, um sämtliche Charaktere vorzustellen. Zugegebenermaßen geschieht dies auch in den Videospielen kaum, doch fällt ins Gewicht, dass Capcom der größte Geldgeber war und alle Entscheidungen abgenickt hat. Wer denkt, dass dies lediglich der Unerfahrenheit mit dem Filmmedium in den 1990er-Jahren geschuldet ist, sollte sich an die von Fans geahndeten Resident-Evil-Verbrechen von Regisseur Paul William Scott Anderson aus den Jahren 2002 bis 2016 erinnern. Für die Schauspielerriege traten eher unbekannte Gesichter vor die Kamera, doch mit Jean-Claude Van Damme, Kylie Ann Minogue und Raúl Rafael Carlos Juliá y Arcelay besticht der Cast immerhin mit drei Darstellern, die Guile, Cammy und Bison Leben mimen. Es ist jedoch schade, dass die Kämpfe fast durchweg simple Schlägereien bleiben und sich erst zum Ende hin der Videospielvorlage annähern. Dabei fallen aber die zu schnellen Schnitte in manchen Szenen negativ auf, welche die Wirkung der Kampftechniken abschwächen. Für Fans ist der Film historisch sicher wertvoll, erschien mit Street Fighter: The Movie doch tatsächlich eine Videospielumsetzung basierend auf dem Streifen. Eine indirekte Filmfortsetzung erschien 2009 unter dem Titel Street Fighter: The Legend of Chun-Li, die Street Fighter: Die entscheidende Schlacht rückwirkend aufwertet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Es hat über die Jahrzehnte hinweg mehrere Anläufe gebraucht, bis ich Street Fighter: Die entscheidende Schlacht endlich einmal in seiner Gänze gesehen habe. Im linearen Fernsehen lief der Film aus Gründen versteckt und zumeist spät nachts. Ein Glück, dass ich im Laden durch Zufall über die Blu-ray-Ausgabe gestolpert bin. So schlecht, wie der Film häufig geredet wird, finde ich ihn nicht – was aber vor allem daran liegt, dass ich die indirekte und absolut miese Filmfortsetzung aus dem Jahr 2009 gesehen habe, für die ich Jean-Claude Van Damme nachträglich jedweden Filmpreis in die Hand drücken möchte. In meinen Augen ist die Story solide und macht mir beim Anschauen sogar Spaß. Allerdings wird den Charakteren zu wenig Raum eingeräumt, um sich zu entfalten. Es fühlt sich so, als ob jede damals vorhandene Spielfigur auch nur mal kurz ins Rampenlicht gerückt werden muss, bevor es weitergeht. Ebenso kann ich mit den simplen Schlägereien, den Ballerorgien und James-Bond-Anleihen nicht so viel anfangen, wenn dadurch die Kernessenz der Videospiele verloren geht. Dafür gefällt mir das Schauspiel des wenige Wochen vor der Filmpremiere verstorbenen Raúl Juliá. Eine bessere Verkörperung von Bison kann ich mir nicht vorstellen. So hat Street Fighter: Die entscheidende Schlacht definitiv seine Momente, die zwischen Fremdschämen, vergeigten Ideen und verpassten Chancen durchblicken. Street-Fighter-Fans, die De Souzas Werk noch nicht kennen, dürfen den Film vom Grabbeltisch mitnehmen und nachholen, alle anderen suchen sich Alternativen.

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