Review: Ultra Street Fighter II: The Final Challengers

Als Capcom mit dem ersten Teil der Street-Fighter-Reihe kaum Erfolge erzielte, legte man 1991 mit Street Fighter II: The World Warrior die Messlatte für das gesamte Genre hoch. Mit Ultra Street Fighter II: The Final Challengers will man an diese gute alte Zeit erinnern.

Im Kern ist und bleibt auch Ultra Street Fighter II ein waschechtes Beat ’em up. Experimente wollte Capcom mit dem Spiel offensichtlich nicht wagen und so werden auch wieder all jene Fans enttäuscht, die sich diesmal auf eine ausgetüftelte Handlung gefreut haben – schließlich ist das Street-Fighter-Universum größer und ausgefeilter, als man sich vorstellen möchte. Das bricht dem Spiel aber bei Weitem nicht das Genick, denn die Gameplay-Mechaniken funktionieren 1991 wie heute noch sehr gut. Zunächst sei einmal der Arcade-Modus erwähnt. In diesem wählen wir uns einen von 19 Charakteren wie Ryū, Fēi Lóng oder Zangief aus, reisen um die ganze Welt und bekämpfen anschließend hintereinander zwölf Gegner in zwölf verschiedenen Ländern. Unter anderem führt uns unsere Reise nach Japan, nach China, in die Vereinigten Staaten von Amerika oder nach Brasilien. Ziel jedes Kampfes ist es, in einer festgelegten Rundenzahl den Gegner so oft zu besiegen, um zum nächsten Kampf zugelassen zu werden. Sollten wir besiegt werden, heißt das aber nicht, dass wir den Arcade-Modus wieder von vorne beginnen müssen. Stattdessen haben wir die Möglichkeit, die Weltreise ohne Verluste fortzusetzen. Für Anfänger und Fortgeschrittene sicherlich eine Erleichterung. Profis machen es sich schwieriger, in dem sie den Schwierigkeitsgrad der Computergegner einfach erhöhen.

Der Weg des Scheiterns

Neben dem Arcade-Modus gibt es in Ultra Street Fighter II auch den Versus-Modus, in dem wir uns einen Gegner aussuchen können. Entweder kämpfen wir hier gegen Computergegner oder suchen uns im Freundeskreis neue Herausforderer. Im Kumpelkampf können wir hingegen mit einem Freund oder einem Computerverbündeten simultan gegen einen Feind antreten. Warum man sich hier nicht beispielsweise an Tekken Tag Tournament 2 orientiert hat, in dem das Konzept noch ein wenig besser funktioniert, ist uns ein Rätsel. Trotzdem ist dieser Modus eine nette Abwechslung. Noch mehr Abwechslung verspricht der Weg des Hadō. In diesem Spielmodus übernehmen wir ausschließlich die Rolle von Karateka Ryū und bekämpfen aus der Ego-Perspektive Bisons Shadaloo-Truppen. Während das restliche Spiel nur per Knöpfchensteuerung gespielt wird, müssen wir beim Weg des Hadō selbst aktiv werden. Das heißt, dass wir die Joy-Cons in die Hand nehmen und versuchen müssen, Attacken wie das Hadōken oder das Shōryūken auszuführen. Das hat schon bei Dragon Ball Z: Budōkai Tenka’ichi 2 auf der Wii nicht funktioniert und auch Ultra Street Fighter II scheitert an der fast durchweg ungenauen Bewegungserkennung. Glücklicherweise orientiert sich die Steuerung wie das restliche Gameplay in den zweidimensionalen Stages in der Seitenansicht sonst stark am Original.

Nostalgische Gefühle

Über Steuerkreuz, Richtungsknöpfe oder den Analog-Stick bewegen wir unseren Kämpfer nach links oder rechts, lassen ihn ducken, blocken oder springen. Sämtliche Eingaben werden zwar gut erkannt, doch am genauesten fällt die Bedienung per Richtungsknöpfen auf den Joy-Cons oder dem Steuerkreuz des Pro Controllers aus. An dieser Stelle würden wir gerne zu einem für Beat ’em ups ausgelegten Arcade-Stick raten, doch war für die Switch zum Testzeitpunkt eine solche Peripherie nicht erhältlich. Das ist wichtig zu erwähnen, da Ultra Street Fighter II darauf aufbaut, Kombinationsangriffe sowohl schnell zu verinnerlichen, als auch fehlerfrei ohne Beschränkungen durch die Hardware auszuführen. Profis, die den Titel online oder auf Turnieren spielen wollen, sollten mit dem Kauf also vielleicht noch warten, bis Arcade-Sticks verfügbar sind und richtiges Spielhallen-Feeling erzeugt werden kann. Anfänger und Fortgeschrittene, die das Spiel mit einem Freund an einem ruhigen Abend spielen wollen, kommen auch mit der normalen Steuerung bestens zurecht. Wer im Arcade-Modus Erfahrungen gesammelt hat, kann im Online-Modus nach weiteren Herausforderungen suchen. Hier haben wir die Wahl, ob wir uns in ein schnelles Spiel stürzen oder unsere Suche, etwa nach Spielern aus der Region, verfeiern wollen. Im Endeffekt ist die Entfernung zum Gegner aber egal, da in so gut wie allen Kämpfen in unserer Testphase kleine Lags aufgetaucht sind.

Technische Sprünge

Das ist insbesondere deswegen ärgerlich, da über die Internetverbindung grundsätzlich nur zwei Datensätze ausgetauscht werden müssen und vor allem in einem Beat ’em up ist ein flüssiges Spielgeschehen mehr als bloß notwendig. Wir hoffen sehr, dass die leichten Verbindungsprobleme spätestens mit Nintendos kommendem Online-System der Vergangenheit angehören. Abgesehen davon bietet Ultra Street Fighter II ein technisch gut funktionierendes Grundgerüst. Wir können zwischen dem 4:3-Format mit 16-Bit-Optik oder dem fast bildschirmfüllenden 16:9-Format mit HD-Grafiken wählen. Merkbare Unterschiede bei den Effekten und Animationen gibt es zudem kaum, sodass auch im modernen Gewand mit abgehakten Bildern zu rechnen ist. Was im klassischen Modus durchaus als charmant bezeichnet werden kann, wirkt bei den HD-Grafiken altbacken. Ebenfalls schade ist, dass wir die Optik nicht jederzeit auf Knopfdruck wechseln können. Dazu ist der umständliche Weg in die Optionen aus dem Hauptmenü heraus notwendig. Immerhin dürfen wir neben der grafischen Oberfläche auch die musikalische Untermalung auswählen, denn wenn wir die aufpolierten Musikstücke nicht mögen, können wir alternativ auch mit dem alten Soundtrack inklusive betagter Soundeffekte spielen. Ein Mischmasch aus alter Grafik und neuer Musik oder klassischer Musikuntermalung und HD-Grafiken ist auch möglich. Fans kommen definitiv auf ihre Kosten!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Als Ultra Street Fighter II: The Final Challengers angekündigt wurde, war ich als großer Fan der Videospielreihe natürlich direkt Feuer und Flamme für das Spiel, das noch dazu exklusiv für die Switch erschienen ist. So habe ich den Arcade-Modus des Spiels gleich mehrfach durchgespielt und online sowohl ordentlich ausgeteilt, als auch eingesteckt. Sämtliche Charaktere fühlen sich weitgehend wie früher an, sodass ich so gut wie keine Eingewöhnungszeit brauchte, um wieder in die Kombinationsangriffe einsteigen zu können. Schade finde ich, dass man sich beim Spiel weitgehend aufs Nötigste beschränkt hat. Damit konnte man sicherlich in den 1990er Jahren punkten und auch wenn ich mit dem Spiel sehr viel Spaß hatte, liefert Ultra Street Fighter II unterm Strich einfach zu wenig. Ein vernünftiger Story-Modus, abwechslungsreiche Spielmodi, freischaltbare Inhalte und dergleichen vermisse ich sehr. Wer also schon einen Teil der Street-Fighter-II-Reihe besitzt, muss nicht unbedingt zum exklusiven Beat ’em up für die Switch greifen, zumal auch Nachfolger wie Street Fighter IV ein wesentlich besseres Spielgefühl bieten. Wer aber ein Fan des Klassikers ist oder diesen vielleicht noch nachholen möchte, um ihn im modernen Gewand oder online spielen zu können, darf auch gerne bei Ultra Street Fighter II: The Final Challengers zugreifen.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ultra Street Fighter II: The Final Challengers!

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