Review: Fire Emblem: Echoes – Shadows of Valentia

Während Europäer auf Fire Emblem: Fates fast ein ganzes Jahr lang warten mussten, erschien Fire Emblem: Echoes – Shadows of Valentia weltweit fast zeitgleich. Das Remake des zweiten Serienteils, Fire Emblem Gaiden, setzt zudem damals wie heute neue Maßstäbe im Genre.

In der Introsequenz von Echoes erhaschen wir einen ersten Blick auf die beiden Protagonisten, Alm und Celica, um die sich das Spiel hauptsächlich dreht. Eingangs wird der Konflikt zweier Götter, Duma und Mila, erwähnt, der im restlichen Spiel aber kaum von Belangen ist. Wichtig ist die Ausgangslage jedoch, um die Differenzen zwischen Alm und Celica, die im Spielverlauf entstehen, anzureißen. Im Prolog und somit in der Kindheit der beiden Helden leben sie noch bei ihrem vermeintlichen Großvater Sir Mycen im beschaulichen Dörfchen Ram im Königreich Zofia. Celica scheint jedoch ein Geheimnis zu umgeben, das von den Truppen der verfeindeten Nation Rigel entdeckt wird. Aus keinem anderen Grund werden die beiden Kinder voneinander getrennt. Im restlichen Spiel erleben wir die Handlung deshalb aus gleich zwei Perspektiven. Während wir uns mit Alm dem Bund der Freien anschließen und in den Krieg gegen Rigel ziehen, machen wir uns mit Celica hingegen zum Tempel der Mila auf, um das Mysterium um die untätige Göttin Mila zu ergründen. Mehr wollen wir über die Handlung an dieser Stelle auch gar nicht verraten. Klassisch wie in vorherigen Titeln der Fire-Emblem-Reihe treffen wir auf unserer Reise viele neue Gesichter, die sich unserer Sache anschließen. Dabei handelt es sich zwar meist um bekannte Stereotypen, doch bleibt es stets unterhaltsam.

Einschneidungen ins Kampfsystem

Hauptaugenmerk des Spiels sind abseits der Handlung, die sich über mehrere Kapitel erstreckt und circa fünfzig Stunden an den Handheld fesselt, die Schlachten zwischen unseren Armeen und den Feinden des Kaiserreichs, Untoten oder Drachen. An dieser Stelle müssen wir aber anmerken, dass die Kämpfe zum Großteil nicht annähernd so ausufernd sind, wie noch in den vorherigen Spielen der Serie. Dafür kommen gehäuft kleinere Gefechte vor, in denen mit ansteigender Spielzeit dennoch Taktik gefordert wird – obwohl es das bekannte Waffendreieck, das im Verlauf der Serie eingeführt und immer mal wieder modifiziert wurde, wie im Original nicht existiert. Stattdessen kämpfen wir nur mit Schwertern, Lanzen, Bögen und Magie. Auch wenn Lanzenträger nicht mehr effektiv gegen Schwertträger vorgehen können, heißt das noch lange nicht, dass diese vor dem Feind gewappnet sind. So müssen wir stets auf den Angriffswert der Gegner und den Verteidigungswert unserer Truppen aufpassen. Dennoch hat man die Rollenspiellogik nicht ganz vergessen. Gut gepanzerte Einheiten können zwar gut physische Angriffe abwehren, sind aber Zaubersprüchen hoffnungslos unterlegen. Fliegende Einheiten müssen sich hingegen vor Pfeilen in Acht nehmen, wenn auch nicht mehr ganz so sehr wie etwa in Fire Emblem: Awakening. Das Taktieren bleibt trotz Einschneidungen anspruchsvoll.

Veränderungen im Spielablauf

Begleitet wird der spielerische Anspruch damit, dass wir einer Figur nur noch einen Gegenstand zuweisen können. Wir müssen uns entscheiden, ob uns ein Heilmittel wichtiger ist, als beispielsweise ein magischer Ring oder eine starke Waffe. Der Vorteil darin liegt, dass sich der Titel quasi wie das Original spielt. Wer frühere Ableger der Fire-Emblem-Reihe gespielt, die Anfänge der Serie jedoch aufgrund der Sprachbarriere verpasst hat, wird in Echoes auch anderweitig überrascht sein. Am auffälligsten ist, dass wir nicht nur von Schlachtfeld zu Schlachtfeld ziehen, uns zwischendurch mit den Charakteren unterhalten und uns mit neuer Ausrüstung versorgen, sondern uns in Städten oder Schlössern verhältnismäßig frei bewegen, Nebenquests annehmen und sogar Dungeons erkunden können. So stoßen wir in den Örtlichkeiten auf Nebenfiguren, die uns bitten, entführte Mädchen zu befreien oder bestimmte Gegenstände aufzuspüren. Das motiviert, trotz einer unzureichenden Quest-Übersicht, abseits der Story die Augen offen zu halten. Besonders das Durchforsten der Dungeons unterhält und wird mit Boni belohnt. Außerdem endet so gut wie jeder Ausflug in einen Dungeon mit der Entdeckung einer Statue der Göttin Mila. Beten wir sie an, können wir bei bestimmten Voraussetzungen die Klasse unserer Charaktere wechseln beziehungsweise mehrstufig aufwerten.

Navigationsmethoden

An der Steuerung lässt sich in Echoes wenig aussetzen. Auf der Weltkarte verschieben wir unsere Armen geschmeidig zum nächsten Ziel und in den Schlachten unterstützen die rundenbasierten Züge die einfache Bedienung. Nur in den dreidimensionalen Dungeons fühlt sich das Bewegen unserer Spielfigur etwas schwammig an, wenn wir Grasbüschel abschneiden, Krüge und Kisten zerstören oder einen Präventivschlag auf herumlaufende Gegner planen. Zum Umschauen empfehlen wir einen New 3DS mit C-Stick. Mit ein wenig Eingewöhnung ist auch das Umschauen per Steuerkreuz gemeistert. Das Untersuchen in Burgen oder Dörfern fällt hingegen schwerfällig aus, da sich das Fadenkreuz zu langsam bewegen lässt und eine Steuerung per Touchpen hier nicht existiert. Grafisch orientiert sich Echoes an seinen beiden 3DS-Vorgängern. Während die Untergründe ein wenig detailarm wirken, können die schönen Animationen und Spezialeffekte begeistern. In den Dialogen erfreuen wir uns zudem an hübschen Manga-Porträts. Diese fallen aufgrund der Standbilder zwar nüchtern aus, doch entschädigen dafür die gelegentlichen Anime-Sequenzen von Animationsstudio Karā, das unter anderem an den Evangelion-Filmen gearbeitet hat. In diesem Punkt der Präsentation dürfen Nintendo und Intelligent Systems bei den nächsten Serienablegern gerne noch mal nachlegen.

Komplettvertontes Stragie-Rollenspiel

In puncto Soundtrack bietet auch Echoes sehr viele stimmige Musikstücke, die uns während der Reise über die Weltkarte, beim Trödeln in den Städten, beim Durchforsten der Dungeons, auf dem Schlachtfeld und in den einzelnen Kämpfen gut unterhalten oder uns sogar mitreißen. Nur wenige andere Strategie-Rollenspiele bieten in dieser Disziplin eine ähnliche Präsentation. Ein relatives Novum für ein Nintendo-Spiel ist die fast vollständige Synchronisation. Fast alle Charaktere unterhalten sich in den Dialogen auf Englisch. Warum jedoch einzelne Figuren, da so gut wie alle Nebencharaktere vertont worden sind, ohne eine Stimme auskommen müssen, ist uns ein Rätsel. Hier würden wir uns freuen, wenn Nintendo zumindest einen Patch nachreichen würde, der diesen Makel behebt. Zwar fallen die wenigen Ausnahmen kaum auf, doch reißen sie uns gerne mal aus der dichten Atmosphäre heraus. Ebenfalls schade ist, dass die Synchronisation in der europäischen Fassung lediglich auf Englisch vorliegt und es nicht einmal einen optionalen Download der unserer Meinung nach sogar besseren japanischen Vertonung gibt. Vor allem da es sich um ein japanisches Strategie-Rollenspiel handelt, verschenkt Nintendo hier unnötiges Potenzial. Wer mit diesem kleinen Manko leben kann, erhält mit der Handlung und dem Gameplay aber immer noch ein nicht weniger fantasievolles Spiel!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der 3DS-Fassung): Mehr als fünfzig Spielstunden habe ich benötigt, um Fire Emblem: Echoes – Shadows of Valentia durchzuspielen. So gut wie jede einzelne Stunde habe ich davon richtig genossen. Das liegt vor allem an der interessanten Handlung und der gut gemischten Charakterriege, die mich mit ihren Dialogen unterhalten wollen. Nur im vierten und fünften Sechstel der Haupthandlung habe ich mich gefragt, warum man in den Kämpfen so viele Bösewichte beziehungsweise Gegenspieler namentlich erwähnen muss, obwohl diese (fast) keine Bedeutung für die Story haben. Namenlose Generäle hätten es hier auch getan. Das Gameplay selbst wirkt in den ersten Momenten abgespeckt, doch trotz fehlendem Waffendreieck ist das Spiel nicht weniger anspruchsvoll. Schließlich muss immer der Verteidigungs- und Resistenzwert der Spielfiguren im Auge behalten und die Helden entsprechend taktisch positioniert werden. Ansonsten bietet das Spiel alles, was sich Fans grundsätzlich wünschen. Spannende Schlachten, illustre Charaktere und eine angenehme Handlung. Wenn Publisher Nintendo und Entwickler Intelligent System jetzt noch an den richtigen Punkten wie Synchronisation, Anime-Sequenzen und der grafischen Gestaltung schrauben, kann der nächste Ausflug ins Franchise noch schöner werden – und so lange darf Echoes herhalten, um jeden Fire-Emblem-Fan dutzende Stunden lang gut bis sehr gut zu unterhalten.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fire Emblem: Echoes – Shadows of Valentia!

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