Review: Fire Emblem: Awakening

Fire Emblem Awakening (1)Vier Jahre mussten europäische Fans warten, um wieder in den Genuss eines neuen Teils der Fire-Emblem-Reihe zu kommen. Nachdem wir das Spiel dreißig Stunden lang auf Herz und Nieren getestet haben, können wir bestätigen, dass sich das Warten gelohnt hat!

Fire Emblem Awakening (2)Fire Emblem: Awakening beginnt anders, als man es von der Serie eigentlich gewohnt ist. So erstellen wir in einem überschaubaren Baukasten-Editor unseren persönlichen Protagonisten, der Sekunden später schon einen wichtigen Teil der Handlung einnimmt. Vorausblickend erfahren wir, dass unser männlicher oder weiblicher Held, der auf den Namen Robin hört oder auch umgetauft werden darf, für den Tod des Prinzen Chrom verantwortlich ist. Einen kurzen Wimperschlag später wachen wir jedoch auf einer idyllischen Blumenwiese auf und werden von besagtem Prinzen aufgelesen, mit den wir in den nächsten Spielstunden Freundschaft schließen und ihn bei seinem Werdegang helfen. Die Spielwelt von Fire Emblem: Awakening besteht unter anderem aus den drei Königreichen Ylisse, Plegia, Regna Ferox und dem aufstrebenden Imperium Valm. Untereinander sind die verschiedenen Königshäuser sich sehr unähnlich, teilweise sogar stark verfeindet. Politik ist eines der Themen, welche die Handlung des Spiels spannend gestalten. Selbstverständlich dürfen auch im nun mehr vierzehnten Videospielableger Intrigen, Liebesgeschichten und auch Geheimnisse nicht fehlen, welche die Hirten, wie sich Chroms Gefolgsleute bezeichnen, durchleben müssen. Von der ersten bis zur letzten Minute zieht uns die zauberhafte Story regelrecht in ihren Bann.

Taktisches Vorgehen

Fire Emblem Awakening (3)Eine Handlung ohne ein großes Spektrum an facettenreichen Charakteren könnte aber niemals spannend sein, doch auch hier muss sich Fire Emblem: Awakening nicht vor der Konkurrenz verstecken, denn wie in bisherigen Teilen ist jeder Charakter einzigartig und kommentiert das Spiel in diversen Momenten, wie etwa beim Level-Aufstieg nach Ausschalten eines Gegners oder einem Dialog außerhalb der Hauptmissionen anders. Von zynischen Anmerkungen bis wissenschaftlich fundierten Feststellungen ist alles dabei, was man sich als Rollenspieler wünschen kann. Mit dem illustren Trupp ziehen wir, eher untypisch für die Serie, auf einer Weltkarte von Ort zu Ort oder eher gesagt von Schlachtfeld zu Schlachtfeld. Zwar werden in der Regel zunächst freundliche Worte in Zwischensequenzen, die meist in Spielgrafik und nur gelegentlich in Anime-Sequenzen ablaufen, getauscht oder bissige Wortduelle geliefert, doch dann wird zu den Waffen gegriffen. Bevor die Charaktere rundenbasiert gegeneinander antreten, müssen wir bereits vor dem eigentlichen Kampf taktisch vorgehen. So platzieren wir kräftige Nahkämpfer in den vorderen Reihen. Bogenschützen und schwächliche Heiler stellen wir im mittleren Feld auf. Da während einer Schlacht immer wieder gegnerischer Nachschub eintreffen kann, ist es ebenfalls klug, für eine starke und eingespielte Nachhut zu sorgen.

Waffendreieck

Fire Emblem Awakening (4)Jeder Kampf beginnt mit dem Bewegen unserer Figuren. Diese können nur eine bestimmte Anzahl an Schritten voranschreiten und dann eine Aktion ausführen, wie zum Beispiel einen Angriff starten oder einen Heiltrank benutzen. Wenn wir einen Feind aufs Korn nehmen, sollten wir darauf achten, mit der richtigen Waffe anzugreifen. Lanzenträger sind im Vorteil gegen Schwertkämpfer, ein Schwerthieb bringt hingegen einen Axtwerfer aus der Fassung und ein mit einer Axt bewaffneter Kämpfer besiegt wiederum leicht einen Lanzenträger. Da fließen Werte wie Stärke oder Geschwindigkeit natürlich noch in das Kräfteverhältnis mit ein, doch das berühmtberüchtigte Waffendreieck sorgt bei Strategen seit jeher für rauchende Köpfe. Weiterhin gibt es Zaubersprüche oder Bögen, mit denen man aus einer bestimmten Entfernung angreifen kann. Das geht aber nur, wenn der entsprechende Charakter über die Fähigkeit beziehungsweise Klasse verfügt. Für jeden Gegner gibt es Erfahrungspunkte, durch welche unsere Recken aufsteigen und ab dem zehnten Level können wir ein Meistersiegel nutzen und den Charakter verbessern. Dadurch kann er neue Fähigkeiten erlernen und andere Waffen meistern. Gefällt uns die Klasse nicht, verwenden wir einfach ein Zweitsiegel und wechseln die Klasse. Das lässt uns bei der Charakterentwicklung freie Hand. Toll!

Primäre Ziele

Fire Emblem Awakening (5)Ziel einer jeden Schlacht ist es meist, alle feindlichen Einheiten zu besiegen. In seltenen Fällen reicht es auch aus, den Bossgegner auf der Karte im Kampf überlegen zu sein. Leider gibt es nur selten und meist nur in den je nach Spielfortschritt absolvierbaren Nebenquests sekundäre Ziele, wie etwa das Beschützen von Bauern oder das Warnen eines Wüstendorfes vor dem Feind. Hier wäre deutlich mehr möglich gewesen, wie zum Beispiel ein gezieltes Einsetzen eines bestimmten Charakters oder das Eskortieren einer Nichtspielerfigur. Auch das Ausharren über eine bestimmte Rundenanzahl hätte sich durchaus bezahlbar gemacht. Dazu kommt noch, dass sich die künstliche Intelligenz oft gleich verhält. Ein Feind greift in der Regel den Charakter an, der gerade seinen Wirkungskreis betreten hat. Wir fragen uns jedoch, warum auch ein Wyvernritter ausgerechnet auf einen Charakter zufliegen muss, der seinem Angriff zu hoher Wahrscheinlichkeit ausweicht und dann auch noch mit einem sehr effektiven Angriff, der wirkungsvoll gegen Drachen ist, ihm den Gnadenstoß verpasst. Es ist sicherlich nicht schwer, hier alternative Subroutinen zu entwerfen, um Glaubwürdigkeit zu vermitteln. Noch dazu kommt, dass man Gameplay-Elemente aus früheren Ablegern der Serie gestrichen hat, wie zum Beispiel die Artillerie aus Fire Emblem: Shadow Dragon.

Beziehungskrisen

Fire Emblem Awakening (6)Das ist in Anbetracht neuer Features nicht so schlimm, wie man vielleicht befürchtet. In Fire Emblem: Awakening können unsere Helden Beziehungen zueinander aufbauen. Kämpfen und interagieren sie nebeneinander in der Schlacht oder kombinieren sich so, dass zum Beispiel ein starker Kämpfer einen angeschlagenen Heiler in Schutz nimmt, schalten wir Dialoge frei, in denen sich die Charaktere außerhalb des Schlachtfeldes näherkommen. Heterosexuelle Beziehungen können in einer Heirat enden, die Kinder mit sich zieht, welche wir im späteren Spielverlauf ebenfalls in den Kämpfen einsetzen dürfen. Wie genau das funktionieren soll, verraten wir euch aus Spoiler-Gründen jedoch nicht. Der Vorteil der Beziehungen spiegelt sich schlussendlich in Boni auf dem Schlachtfeld wieder. Gleichgeschlechtliche Beziehungen enden übrigens maximal in einer sehr guten Freundschaft. Hier trauen wir Nintendo zu, dass man ruhig einen Schritt weitergehen könnte. Eine weitere Neuerung von Fire Emblem: Awakening ist der Anfänger-Modus. Der wurde zwar schon in Fire Emblem: Heroes of Light and Shadow eingeführt, doch da dieses in Europa nie erschienen ist, wird er für die Fans hierzulande gegebenenfalls eine willkommene Abwechslung sein. Wer die Reihe nämlich kennt, der weiß, dass der Tod eines Charakters in Fire Emblem normalerweise endgültig ist.

Der Fehler liegt im Detail

Fire Emblem Awakening (7)Fällt ein Held im Kampf, kann man im restlichen Abenteuer auf ihn verzichten. Im Anfänger-Modus, der unabhängig vom Schwierigkeitsgrad ausgewählt wird, sind solche permanenten Tode ausgeschaltet. Der Charakter landet dann für den Rest der Schlacht im Lazarett. Wir finden es gut, dass die Entwickler uns die Wahl lassen und uns nichts aufzwingen. Wer auf den Anfänger-Modus verzichten kann, baut dafür umso mehr eine emotionale Bindung zu den Charakteren auf und geht erfahrungsgemäß sehr viel taktischer, klüger, sowie defensiver vor und ertappt sich auch schon mal dabei, wie nach dem Ableben eines Charakters der Spielstand neugeladen wird. Auf der optischen Seite stören die seltsamen Charaktermodelle, denn die haben hufenähnliche Extremitäten anstatt Füße. Akustisch macht der Titel das aber wieder wett, denn wenn auf dem Schlachtfeld im Hintergrund ein Chor singt, ist das unglaublich atmosphärisch. Fire Emblem: Awakening ist ein tolles Spiel, das an Kleinigkeiten krankt. Bei Missionszielen und der künstlichen Intelligenz hätten sich die Entwickler nach mehr als ein Dutzend Serienablegern mehr anstrengen müssen. Einen ausgereiften Mehrspielermodus vermissen wir ebenfalls. Wer jedoch über diese Mankos hinwegsehen kann, der entdeckt in Fire Emblem: Awakening ein sehr gutes Strategie-Rollenspiel für seinen Nintendo 3DS!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Ich habe die Fire-Emblem-Titel, die ich gespielt habe, wirklich sehr gemocht und das obwohl ich sie niemals durchgespielt habe. Fire Emblem: Awakening ist die Ausnahme, denn binnen weniger Tage habe ich schnell über dreißig Stunden in das Spiel gesteckt und ich hätte auch noch sehr viel mehr Zeit an Fire Emblem: Awakening verlieren können, wenn ich denn noch alle Charaktere miteinander verkuppelt hätte. Wohlgemerkt im positiven Sinne, denn die Schlachten und Kämpfe machen unglaublich viel Spaß – zumindest bis zu einem bestimmten Zeitpunkt! Bei mir kam es nämlich nach etwa der Hälfte der Spielzeit vor, dass ich einige Charaktere (unbemerkt) öfters eingesetzt habe und diese dadurch wesentlich mehr an Erfahrung gewonnen haben. Da sich die anderen Charaktere nur mäßig angepasst haben, ist es gegen Ende des Spiels so gewesen, dass mittelstarke Charaktere nicht wirklich auf das Schlachtfeld passten und einfach nur mitgezogen wurden. Dadurch, dass die Beziehungen der Charaktere sich mit der Zeit mehr oder weniger stark vertiefen, habe ich dadurch sehr viele Boni erhalten, die das Spiel weiterhin vereinfacht haben. Beim Finale war es dann so, dass ich das letzte Gefecht nur mit zwei Charakteren innerhalb von vier Zügen überwunden hatte – mit meiner ganzen Gefolgschaft habe ich zuvor zwei Niederlagen erlebt. Eine Niederlage heißt hier übrigens, dass einer meiner Charaktere nicht überlebt hat und ich deshalb den Spielstand neugeladen habe. Wie ihr seht, spiele ich im Klassik-Modus, denn auch wenn mich der Anfänger-Modus weniger Zeit gekostet hätte, brauche ich einfach diese gewisse Portion Nervenkitzel, Anspannung, Logik und Ruhe, die ich im Anfänger-Modus sicherlich so nicht bekommen hätte. Trotzdem finde ich es klasse, dass man so auch allen Spielern die Option lässt, wie man Fire Emblem: Awakening erleben möchte. Schlussendlich hätte ich mir für die Zeit nach dem Abspann einen vernünftigen Mehrspielermodus gewünscht, denn einfach nur einzelne Charaktere lokal gegeneinander antreten zu lassen, ist sowohl für den Entwickler, als auch für den Publisher ein Armutszeugnis. Beim nächsten Fire Emblem hoffe ich deshalb auf spannende Online-Massenschlachten. Trotzdem: Wer dringend Rollenspielfutter für den Nintendo 3DS sucht und nichts gegen Strategie-Elemente hat, wird hier definitiv fündig!

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