Review: Nintendo 3DS


Bald ist der Tag da. Am 25. März erscheint der Nintendo 3DS in den Farben Cosmos Black und Aqua Blue in Europa. Wir hatten die Möglichkeit, den Nintendo 3DS vor Launch in Ruhe und ausführlich unter die Lupe zu nehmen. Heute stellen wir euch die Zukunft des Gaming vor: 3D ohne Brille!

Seit über einem Jahr, genauer gesagt seit der Nintendo-Pressekonferenz auf der Electronic Entertainment Expo (kurz E3), warten Nintendo-Fans auf das neue Wunderwerk der Technik. Der Nachfolger zu den populären Handhelds GameBoy und DS soll noch in diesem Geschäftsjahr erscheinen, so Satoru Iwata. Heute können wir mit Fug und Recht behaupten, dass Nintendo dieses Ziel vortrefflich eingehalten hat. In unserem großen Testbericht prüfen wir, ob dieses Versprechen auch die Qualität der Soft- und Hardware rechtfertigt.

The World is 3D

Was bei Sony nur mit einer albernen Brille funktioniert, schafft Nintendo ohne. Sicherlich dürfen wir beide Techniken nicht miteinander vergleichen, sie funktionieren vollkommen anders. Nach dem Startvorgang, in dem wir unter anderem den Benutzernamen, das Datum unserer Geburt und die Interneteinstellungen vornehmen, dürfen wir auch erstmalig am 3D-Regler herumhantieren. Nach der ersten 3D-Justierung wird uns klar, dass die klugen Köpfe bei Nintendo wahre Genies sein müssen. Die räumlichen Tiefenverhältnisse nehmen nicht ab – auch im Menü werden wir im wahrsten Sinne des Wortes von ihnen erschlagen. Das Home-Menü erstrahlt ähnlich wie das Menü von der Wii. Jede Software erhält einen eigenen Platz in der übersichtlichen Ansicht, ähnlich den Wii-Kanälen. Sobald wir eine Software selektieren, springt uns auch schon das 3D-Symbol ins Auge, welches für das Programm oder das Spiel wirbt. Die Drehung des Symbols sieht so fantastisch aus, dass wir am liebsten direkt in den kleinen Kasten hineinspringen würden, doch zunächst möchten wir auf die grundlegenden Funktionen des neuen Handhelds eingehen.

Home Sweet Home

Das Menü erfüllt unserer Meinung nach seinen Zweck so gut, wie wir es bereits damals bei der Wii vor mehr als vier Jahren gewünscht hätten. Sollten wir uns später in einem Spiel oder einem Programm befinden, können wir es einfach mittels Home-Taste unterbrechen. Drücken wir die Home-Taste erneut, landen wir wieder in der zuvor verwendeten Software. Dieses Verfahren ist zwar streng limitiert (maximal darf nur ein Programm im Hintergrund laufen), doch so können wir beispielsweise Notizen anlegen, wenn uns etwas Wichtiges eingefallen ist. Diese Funktion ist auch für zwischendurch eine nette Dreingabe, wenn wir unterwegs sein sollten und plötzlich treffen wir einen Freund, der uns einen neuen Kinofilm empfiehlt. Ruckzuck ist der Filmtitel für die abendliche Internetrecherche notiert. Endlich hat Nintendo auch eingesehen, dass die Freundescodes mehr als nur veraltet sind. Nun müssen wir nicht mehr für jedes Spiel einen einzelnen Code austauschen, sondern unseren Freunden einfach nur unseren 3DS-Freundescode aushändigen. Außerdem sind beide Teilnehmer unmittelbar nach Eingabe des Codes auf beiden Systemen miteinander verbunden. Schneller und besser als bei der Wii und dem DS. Außerdem sehen wir in der Freundesliste (sofern der jeweilige Spieler dem zugestimmt hat), was seine derzeitige Lieblingssoftware ist. Außerdem wir sein Online-Status angezeigt. Bravo Nintendo: Genauso haben wir uns das gewünscht!

Das Konstrukt steht

Zum Launch der Konsole stehen uns allerdings noch nicht alle Funktionen zur Verfügung. Das ist sehr schade, denn so vermittelt uns das japanische Traditionsunternehmen, ein Gefühl der Unsicherheit. Zumal der Konzern genügend Zeit gehabt hätte, alle Funktionen auszubauen und die Firmware vollständig in den Speicher der Konsole zu packen. Aber wie heißt es doch so schön: Gut Ding will Weile haben. Es gibt zwar noch keinen Termin für das Firmware-Update, doch Gerüchten zufolge soll es bereits im Mai soweit sein. Dann dürfen wir uns im eShop Virtual-Console-Spiele in Form von GameBoy-Klassikern, 3DSWare und DSiWare herunterladen. Des Weiteren wird nach dem Systemupdate auch ein Internet Browser zur Verfügung stehen, mit welchem wir über das WLAN im Internet surfen dürfen. Ob es auch möglich sein wird, Daten über den Browser herunterzuladen, steht noch in den Sternen. Wie genau der Transport von DSiWare auf ein Nintendo-3DS-Gerät vonstatten geht, ist ebenfalls noch nicht geregelt. Aber nach dem Update soll alles besser werden, verspricht Nintendo. Die Regionscodesperre spricht wiederum nicht gerade für Nintendo, denn ab sofort wird es nur möglich sein, Spiele auf dem 3DS abzuspielen, die wir im selben Land wie das Gerät gekauft haben. Ein konsequenter und logischer Schritt seitens Nintendo, für Videospieler ärgerlich. Immerhin betrifft das nicht DS-Spiele.

Unscharfe Spiele

Wir können also auch ein amerikanisches Ōkamiden auf einem europäischen 3DS spielen. Ein schwacher Trost, da die Bildschirme in ihrer Auflösung größer ausfallen, als noch auf dem Nintendo DS, werden alte DS-Spiele interpoliert. Das heißt, es findet eine Schärfeverlust statt. Diese Interpolierung kann allerdings mit einem einfachen Trick umgangen werden, indem wir beim Startvorgang eines DS-Spiels die Start- und auch die Select-Taste gleichzeitig gedrückt gehalten lassen. Sobald das Spiel startet bemerken wir, dass das Bild in einer deutlicheren Schärfe dargestellt wird. Allerdings auch einen ganzen Tacken kleiner, als es noch bei den beiden Bildschirmen des Nintendo DS der Fall war. Trotzdem ist es gut, dass Nintendo diese Funktion zumindest eingebaut hat. Die Soundkulisse von DS-Spielen wirkte in unserem Test allerdings sehr blechern, das fühlte sich auf dem DS weitaus frischer an. Keine Sorge: Alle 3DS-Spiele werden in der höchstmöglichen Auflösung wiedergegeben und die Soundqualität erklingt deutlich besser. Weniger gut gefallen uns die Kameras. Diese können zwar Fotos in 3D aufnehmen, doch fallen diese mit 0,3-Megapixeln deutlich schwächer aus, als so mache Handykamera. Des Weiteren kommt bei den Kameras der 3D-Effekt noch lange nicht so gut zur Geltung, wie noch bei den Spielen.

Wie viel 3D hältst du aus?

Befindet sich der 3DS im aufgeklappten Zustand, findet man an der oberen rechten Seite den Regler für den 3D-Effekt. Diesen Regler kann man stufenlos verstellen, da hat Nintendo sehr wohl mitgedacht, denn nicht alle Augen können solche dreidimensionalen Effekte und die dazugehörigen Tiefenverhältnisse gleich verarbeiten. Es genügt, wenn ein Spieler auf einem Auge stark beeinträchtigt ist: Der 3D-Effekt nützt ihm dann überhaupt nichts mehr. Gut, dass man jede Software auch ohne diese Effektspielerei nutzen kann. Zudem werden die Effekte und Tiefenverhältnisse in jedem Spiel anders dargestellt. Da freut es uns sehr, dass man den Schieber auch auf der untersten Stufe (ausgeschaltet) lassen kann und trotzdem ausreichend Spaß mit jedem 3DS-Spiel haben kann. Eine weitere Möglichkeit (wo 3D wieder mehr Sinn ergibt) ist die vorinstallierte Software „Augmented Reality“ (erweiterte Realität). Dem 3DS liegen im Set sechs unterschiedliche Karten bei. Werden die fünf Figurenkarten von den 3DS-Kameras erfasst, so taucht der abgebildete Videospielheld wie Mario oder Link plötzlich bei uns im Wohnzimmer auf: Selbstverständlich nur auf dem Screen, versteht sich. Legen wir die Karte mit dem Fragezeichen-Block auf den Tisch, stehen uns eine geringe Anzahl an Minispielchen zur Verfügung. Wir dürfen Fische angeln, Billardkugeln versenken oder auf Monster feuern. Durchaus eine Möglichkeit, zukünftige Software so zu gestalten.

Überwachungssystem

Interessant ist ebenfalls die vorinstallierte Software Face Raiders. Das Spielprinzip besteht darin, das Gesicht einer (entweder anwesenden oder abgedruckten) Person zu fotografieren, damit es anschließend auf den Propellerköpfen (die Gegner) landet. In unterschiedlichen Stufen müssen wir diese anfliegenden Köpfe mit gezielten Schüssen abwehren. Der Clou dabei ist, dass die Kamera den jeweiligen Ort aufnimmt, an dem wir uns gerade befinden. So müssen wir uns auch oftmals umdrehen, um die Köpfe zu erwischen, da sie von allen Seiten angreifen. Ein kurzweiliger Spaß, der aber schnell monoton wird. Für zwischendurch aber immer wieder für eine Runde gut. Ebenfalls dem System gehört das so genannte Aktivitätslog an. Hier werden alle Vorgänge festgehalten, die wir mit dem Nintendo 3DS getätigt haben. Das heißt, die Spielzeit von jeder Software wird ebenso gespeichert, wie die durchschnittliche Spielzeit und die dazugehörigen Startvorgänge des jeweiligen Spiels beziehungsweise Programms. Ebenfalls vorhanden sind Statistiken, die uns die Entwicklung über Tage hinweg zeigt. Wer sich für Aufzeichnungen dieser Art interessiert, ist mir dem Aktivitätslog gut bedient. Für Erziehungsberechtigte gibt es ebenfalls noch weitere Einstellungsmöglichkeiten. Möchten diese nicht, dass ihr Kind ins Internet geht oder Software, die erst ab einem bestimmten Alter geeignet ist verwendet, können sie in den Systemeinstellungen die jeweilige Software mit einem Code blockieren. Das stößt zwar bei den Kindern nicht unbedingt auf Gegenliebe, doch definitiv ein weiser Schritt aus Nintendos Sicht.

Völkerwanderung

Um zum täglichen Spaziergang zu motivieren, verfügt Nintendos 3DS über einen integrierten Schrittzähler. Je mehr Schritte wir gehen, desto mehr Spielmünzen erhalten wir. Die Anzahl an sammelbaren Münzen ist täglich allerdings auch zehn Stück begrenzt. Sinn dieser Münzen ist es, in diversen Spielen neue Inhalte oder Boni für diese zu erwerben. Dieses System kommt zum Beispiel bei der Augmented-Reality-Software zur Geltung. Wir sind gespannt, wie sich diese Feature in Zukunft entwickeln wird. Nach dem Einzug der Miis in der Welt der Videospiele im Jahr 2006, als die Wii weltweit veröffentlicht wurde, dürfen sie natürlich auch auf dem 3DS nicht mehr fehlen. Neben dem von der Wii bekannten Editor zum Erstellen der Avatare, gibt es auf dem 3DS nun auch die Möglichkeit, nach ein paar grundlegenden Einstellungen, das Gesicht einer Person zu fotografieren und es direkt auf den Mii zu pappen. In der Regel funktioniert das ganz gut, doch ist es hin und wieder merkwürdig, was sich die Kameralinsen beim Aufnehmen des Fotos gedacht haben. Glücklicherweise können nach der Erschaffung Einzelheiten immer noch geändert werden – jeder kommt also zu seinem Traum-Mii. In der Mii-Lobby fängt der Trubel allerdings erst an. Wir dürfen einen Mii auswählen und diese Street-Pass-tauglich machen. Treffen wir unterwegs also auf einen anderen Spieler, der ebenfalls einen Mii im Street-Pass-Modus hat, so werden beide Miis ausgetauscht (keine Sorge, gelöscht werden sie nicht!). Zwei Minispiele sorgen für die nötige Motivation, den regen Austausch von Miis voranzutreiben.

Street Pass & Spot Pass

Vor wenigen Sekunden ist das Zauberwort gefallen: Street Pass. Sofern eine Software dieses Feature unterstützt, solltet ihr es aktivieren. Diese Funktion kann für viele positive Dinge in den jeweiligen Spielen oder Programmen sorgen. In Super Street Fighter IV: 3D Edition sind es Kämpfer, die unmittelbar (und unkontrollierbar) bei einer Street-Pass-Auseinandersetzung gegeneinander kämpfen, um euch Ingame-Figuren zu bescheren. In Pro Evolution Soccer 2011 3D treten zwei vorher zusammengestellte Mannschaften gegeneinander an, um euch zum Ruhm innerhalb einer speziellen Liga zu führen. Für Street Pass müsst ihr einfach nur euren 3DS im Standby-Modus mit euch herumschleppen, fertig. Ansonsten gibt es wohl keine Möglichkeit, noch einfacher an Bonusinhalte zu gelangen. Vorausgesetzt natürlich, dass man auch auf genügend andere Spieler trifft, die Street Pass aktiviert haben. In Japan mag es zwar vielleicht Gang und Gäbe sein, durch die Straßen zu gehen und abends ein ganzes Dutzend Ereignisse auf seinem 3DS-Bildschirm verzeichnet zu sehen. Im deutschsprachigen Raum sieht die ganze Welt wieder ganz anders aus. Wir werden beobachten, ob sich Street Pass durchsetzen wird. Spot Pass funktioniert in ähnlicherweise, ebenfalls im Standby-Modus. Das Feature sucht nach offenen und bestehenden WiFi-Verbindungen und überprüft, ob es neue Updates gibt und aktualisiert eigenständig Ranglisten. Bequemer geht es wirklich nicht.

Wellensittich an Bord!

Ähnlich wie beim Nintendo DSi, existiert auch beim Nintendo 3DS eine Sound-Software, mit der wir kurze Tonaufnahmen tätigen und abspeichern können. Anschließend dürfen wir diese Aufnahmen auch noch durch einen Filter schicken, um lustige Effekte zu erzielen. Diese nette Spielerei für zwischendurch macht zwar durchaus Laune und wird von einem ulkigen Wellensittich, der nie um einen frechen Spruch verlegen ist, nur noch untermauert, doch auf Dauer ist auch diese Spielerei nur eine nette Dreingabe und keine ernstzunehmende Software. Abschließend möchten wir noch etwas zum restlichen Packungsinhalt des Sets sagen. Neben dem Nintendo-3DS-System befindet sich selbstverständlich auch ein Stylus mit im Paket, der im Gegensatz zu früheren Ausgaben in der Länge ausziehbar beziehungsweise variabel ist. Außerdem befindet sich neben den bereits erwähnten sechs Augmented-Reality-Karten auch eine zwei Gigabyte große SD-Karte mit im Set. Um auch dauerhaft mit dem Gerät Spaß zu haben, liegen dem Nintendo 3DS auch noch eine Ladestation, sowie ein Netzteil bei. Derzeit ist noch unklar, wann und ob weitere 3DS-Farben außer Cosmos Black und Aqua Blue ihren Weg in den (europäischen) Handel finden. Eines ist aber sicher: Der Nintendo 3DS wird in den nächsten Monaten ordentlich mit Spielen gefüttert werden, denn namhafte Serien wie The Legend of Zelda, Paper Mario, Starfox, Mario Kart und auch ein neues Kid Icarus sind bereits in der Entwicklung. Spätestens auf der diesjährigen E3 wissen wir, wie es mit dem Nintendo 3DS weitergeht: Exakt ein Jahr, nachdem die Hardware erstmalig der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt wurde.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf dem Nintendo 3DS in Aqua Blue): Was habe ich mich gefreut, als der Nintendo 3DS endlich bei mir zuhause angekommen ist. Sofort war mir alles andere egal, ich musste den Handheld einfach anschmeißen, die Einstellungen vornehmen und direkt eine Runde Super Street Fighter IV: 3D Edition spielen, doch dazu später im entsprechenden Review mehr. Die vorinstallierte Software lässt mich überwiegend kalt. Selbstverständlich ist es mir klar, dass diese Programme und Spiele nur eine nette Dreingabe sind, mit welcher man sich zwischendurch mal die Zeit vertreiben kann. Umso ärgerlicher ist es für mich, dass es Nintendo nicht geschafft hat, den Internet Browser und den eShop rechtzeitig mit in das System einzubauen und hoffe nun, dass dieses Systemupdate noch vor Mai erscheinen wird. Vollkommen überzeugt bin ich jedoch vom 3D-Effekt. Als ich die Konsole das letzte Mal auf der letzten Gamescom in der Hand halte, hatte ich nicht das Gefühl, dass dieser Effekt so intensiv ist. Damals hielt ich den Effekt gar für lächerlich. Nachdem ich aber die fantastische Weitsicht in Pilotwings Resort gesehen habe, bin ich vollkommen aus dem Häuschen. Noch nie habe ich dermaßen grandiose 3D-Effekte erlebt. Doch muss ich zugeben, dass meine Augen diesen Effekt auf Dauer nicht ertragen können. Während ich morgens kein Problem damit habe, den 3D-Regler auf Maximum zu stellen, schmerzen mir besonders in den Abendstunden schon nach kurzer Zeit die Augen. Auch bei schnellen Bewegungen reagieren meine Augen abends anscheinend nicht mehr so gut, wie es noch tagsüber der Fall ist. Aber mir persönlich macht das nichts aus. Auch wenn ich den Regler auf die Hälfte gestellt habe, sieht der Effekt in meinen Augen immer noch sehr, sehr gut aus. Und selbst wenn es den 3D-Effekt nicht geben würde: Es sind immer noch die Spiele, welche eine Konsole ausmachen!

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