Review: Tōkyō Underground Killer

Spätestens seit dem Videospiel Cyberpunk 2077 oder des Kinofilms Blade Runner 2049 ist das Cyberpunkgenre wieder im Kommen. Auch das japanische Entwicklerstudio Phoenix Game Productions hat die Zeichen der Zeit erkannt und Tōkyō Underground Killer entworfen.

Im Videospiel Tōkyō Underground Killer drehen in Japans titelgebender Hauptstadt alle noch so kleinen Kriminellen plötzlich durch. Obwohl unsere Spielfigur Kobayashi, der im Cyberpunk-Tōkyō als Vampir von Shinjuku bekannt ist, schon längst mit dem Gangster Gokuraku abrechnen wollte, ist es ihm bisher nicht gelungen, seinen Gegenspieler ausfindig zu machen. Stattdessen kämpfen wir uns ein wenig im Stil von No More Heroes die Rangliste der Verbrecher hinauf, um Gokuraku das Handwerk zu legen. Dieser hat aber überall seine Finger im Spiel und kontrolliert unter anderem das Bahnnetz. Kobayashi, der seine Aufträge stilecht in Form von Videokassetten erhält, ist auf den Zug angewiesen. Entsprechend muss er zwischen den Mordaufträgen auch kleineren Jobs nachgehen – beispielsweise als Türsteher vor einem Club. Auch das erinnert ein wenig an besagten Klassiker von Entwicklerlegende Suda Gōichi – und das ist als großes Kompliment gemeint. Obwohl das Vorbild eindeutig ist, setzen die Entwickler von Phoenix Game Productions ganz andere Akzente mit ihrem eigenen Werk. Beispielsweise läuft das Geschehen durchweg aus der First-Person-Perspektive ab und ist zudem ein gutes Stück schneller, was wiederum zunehmend nach guten Reflexen schreit. Tōkyō Underground Killer ist durchaus fordernd und noch dazu kompromisslos umgesetzt.

Blutige Aufträge

Hauptsächlich schwingen wir im Actionspiel ein Katana, um kriminelle wie dämonische Gegner zu bekämpfen. Hierzu stehen uns einfache wie schwere Angriffe zur Auswahl. Letztere eignen sich besonders dann an, wenn der Feind über einen Schutzschild verfügt. Treffen wir auf Gegner, die mit Pistolen auf uns feuern, sollten wir möglichst schnell agieren und einen Durchbohrungsangriff starten. Aufgrund der hohen Spielgeschwindigkeit von Tōkyō Underground Killer fühlt sich auch Protagonist Kobayashi sehr wendig an. Ausweichmanöver und Sprünge hat er somit ebenfalls in petto. Eine Besonderheit des Spiels ist, dass Gegner beim Bekämpfen Blutkonserven fallen lassen. Diese füllen sowohl unsere Lebensenergie leicht als auch unsere Spezialangriffsleiste etwas stärker wieder auf. Mit der Zeit lernen wir nämlich verschiedene Blutattacken, die verheerenden Schaden anrichten können. Unter anderem ist es uns möglich, unsere Faust derart kräftig aufzuladen, dass die rote Suppe beim Pulverisieren des Gegners nur so spritzt. Später ist es auch möglich, einen Feind mittels einer Spezialfähigkeit heranzuziehen. Regelmäßig stolpern wir im Spiel über Waffenschränke, aus denen wir eine Schusswaffe entnehmen können. Pistolen und Schrotflinten abzufeuern macht ebenfalls ordentlich Laune, doch sind die Magazine und Patronen der Schusswaffen stark begrenzt.

Cyberpunk-Ästhetik mit kleinen Mängeln

Obwohl Kobayashi sicherlich nichts lieber tun würde, als jeden Tag die Welt ein klein wenig besser zu machen, haben auch Auftragskiller ein Privatleben. So können wir unser virtuelles Apartment in Tōkyō Underground Killer mit verschiedenen Trophäen und Postern verschönern. Mit der Zeit fühlen wir uns dort richtig wohl. Mitunter könnte dies auch am kunterbunten Grafikstil liegen, denn der setzt auf eine neonfarbene Präsentation und hübsche Lichteffekte, welche das Cyberpunkgenre unterstreichen. Sonderlich detailliert ist der Grafikstil nicht und auch die Darstellung der flach dargestellten Nicht-Spieler-Charaktere lässt genauso wie die Animationsqualität hier und da zu wünschen übrig. Für Abwechslung sorgen Zwischensequenzen im Comicstil, die aus der Feder des deutschen Künstlers Hans Steinbach stammen. Passend dazu gibt es elektronische Musik des Amerikaners Andrew Hulshult. Bedientechnisch haben wir mit einem Controller nur wenig zu meckern, doch erwartet das Spiel von uns stets gute Reflexe. Verfehlen wir einen Gegner auch nur einmal, nutzt dieser entstandene Lücken im Kampf meist sofort aus. Wem das zu hart oder zu lasch ist, kann den Schwierigkeitsgrad anpassen, was leider nur vor dem Start eines neuen Spiels möglich ist. Diesen Fauxpas hätten sich die Entwickler bei Tōkyō Underground Killer nun wirklich nicht leisten müssen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Die Ästhetik von Werken aus dem Cyberpunkgenre lässt meine Augen zumeist erstrahlen. Entsprechend habe ich mich im Vorfeld auch sehr auf Tōkyō Underground Killer gefreut, denn hier bekomme ich Neonfarben noch und nöcher vorgesetzt. Auch kommen beim Spielen wohlige Erinnerungen an Titel wie No More Heroes hoch, wenn auch nicht ganz dessen inszenatorisches Meisterstück erreicht wird. Stattdessen bekomme ich es im Werk von Phoenix Game Productions mit einem wesentlich temporeicheren Gameplay zu tun, schnetzle mich durch Horden von Gegnern, sammle Blutkonserven zur Heilung und löse früher oder später eine Komposition von Spezialfähigkeiten aus. Das funktioniert solange anständig, bis ich auch nur einmal einen Gegner verfehle. Umdrehen und den Gegner sofort anzuvisieren ist zumindest für mich bei First-Person-Spielen ein Graus. Trotzdem macht mir das Spiel auch über diesen Umstand hinaus sehr viel Spaß. Lediglich bei der technischen Gestaltung, so flüssig der Titel zum Glück auch läuft, hätte ich mir ein paar mehr Details und Feinschliff gewünscht. Abseits dessen ist Tōkyō Underground Killer aber durchaus gelungen, weshalb Fans von Actionspielen im Cyberpunk-Gewand auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.

Vielen Dank an Phoenix Game Productions für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Underground Killer!

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