Wirtschaftssimulationen müssen trotz ihrer abschreckenden Bezeichnung keineswegs sperrig sein, wie Transport Fever 3 beweist. Der Ende September 2026 veröffentlichte dritte Teil der Reihe entführt uns unter andrem nach Nordamerika, Europa, Asien und nach Australien.
Fast sieben Jahre liegen zwischen der Veröffentlichung von Transport Fever 2 und der dritten Episode. Zwischenzeitlich erschien der zweite Serienteil im Jahr 2023 noch für die Konsolen. Auf eine weitere Durstrecke zwischen den einzelnen Plattformen verzichtete der Herausgeber Paradox Interactive und schickte die Wirtschaftssimulation am 29. September 2026 auf dem PC, der PlayStation 5 und der Xbox Series X gleichzeitig ins Rennen. An der Prämisse des Spiels hat sich nichts verändert. Nach wie vor ist es unsere Aufgabe, uns um die Logistik zu kümmern – entweder in knackigen Szenarien rund um den Globus oder im freien wie offenen Spiel. Das heißt, dass wir sowohl Güter als auch Personen von einem Ort zum anderen transportieren. Was zunächst trocken klingt, ist zuweilen eine spannende Angelegenheit, wie Kenner des Vorgängers wissen. Im Gegensatz zu Aufbauspielen, in denen wir beispielsweise das Sägewerk direkt neben dem Holzfäller platzieren, um Zeit für den Transport einzusparen, können wir in Transport Fever 3 bis auf wenige Ausnahmen keine Gebäude in der Spielwelt platzieren. Stattdessen nutzen wir das bestehende Verkehrsnetz oder erweitern dieses sinnvoll, um etwa Baumstämme zur Weiterverarbeitung zu Holzbrettern zum Sägewerk zu bringen. Es geht sozusagen direkt an den Feinschliff, um die Infrastruktur zu verbessern, damit bei uns die Kasse klingelt. Das Schweizer Entwicklerstudio Urban Games macht hier erneut viel richtig.
Konsequente Fortsetzung
Wer Transport Fever 2 gespielt hat, dürfte sich im dritten Serienteil wohl schnell zurechtfinden, denn dieser funktioniert wie eine konsequente Fortführung der altbekannten Spielmechaniken. Diese wurden an den richtigen Stellen verfeinert, wodurch die Wirtschaftssimulation tatsächlich etwas komplexer wurde, ohne gleich zu kompliziert zu sein – unabhängig davon, ob wir auf einer vordefinierten oder einer von uns erstellten Karte spielen. Damit wir einen guten Ruf aufbauen, müssen wir durch das Reputationssystem immer wieder kleine Entscheidungen treffen. Unter anderem lässt der aufkommende Lärm unser Ansehen in der Bevölkerung sinken, worunter schließlich auch die Stadtentwicklung leidet. Um den Lärm zu reduzieren, errichten wir Straßen oder Schienen mit Schallschutzwänden. Ähnlich verhält es sich mit der Luftverschmutzung. Damit diverse Gebiete nicht verpestet werden, setzen wir für Lastwagen und Konsorten Wegpunkte, um sie aus Wohngebieten fernzuhalten. Mit zunehmendem Wohlstand einer Stadt wachsen auch die Bedürfnisse der Bevölkerung. So wollen Menschen zur Arbeit gebracht werden, wozu ein funktionierendes Netz öffentlicher Verkehrsmittel notwendig ist. Dementsprechend müssen wir unseren Fuhrpark erweitern und stets im Auge behalten, welche von den von uns erstellten Linien überlastet sind. In solchen Fällen hilft ein Blick ins Depot, von wo aus wir neue Personen- und Gütertransporte erwerben und zuordnen.
Spannung Entspannung
Konsequent fortgeführt wurde in Transport Fever 3 ebenso der Umgang mit Bahnhöfen und Häfen, wodurch wir modular neue Gleise und Anlegestellen an die Strukturen setzen können. Das kommt in der virtuellen Bevölkerung besser an als Abriss von alten Gebäuden mit einem anschließenden Neubau. Ist die Infrastruktur zu einem guten Teil erst einmal ausgebaut, so wird das Spiel zuweilen jedoch zum Selbstläufer, denn das Verladen von Gütern und Personen funktioniert automatisch. Wir müssen nur darauf achten, dass die Linie korrekt angelegt und die Fahrzeuge für den Transport auch geeignet sind. Genau ab diesem Moment macht es zwischendurch aber auch mal Spaß, sich zurückzulehnen und dem fröhlichen Treiben in der Spielwelt bei entspannter Hintergrundmusik zuzuschauen. Obwohl es das Spiel optisch nicht gänzlich mit Anno 117: Pax Romana oder anderen vergleichbaren Titeln aufnehmen kann, ist es dennoch schick anzusehen, was an vielen Details liegt. Damit meinen wir nicht nur den zeitlichen Wechsel von der Dampflok zum Schellzug oder den Wandel vom Pferdewagen zum Truck. Beim bloßen Hinsehen können wir erkennen, wie viele Personen und Güter befördert werden. Ein Blick in Tabellen ist nicht zwingend erforderlich. Zudem läuft das Spiel auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) auf den höchsten Einstellungen in Full-HD absolut flüssig und rundet das Gesamtbild damit gut ab.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Nachdem ich vor ein paar Monaten erstmals den zweiten Teil der Transport-Fever-Reihe spielen konnte, bin ich direkt neugierig auf die Fortsetzung geworden. Viel zu lange habe ich die Serie vernachlässigt, sodass ich froh darüber bin, die dritte Episode schon kurz vor der Veröffentlichung erstmals spielen zu können. Transport Fever 3 erfindet das Rad der Wirtschaftssimulationen nicht neu. Der Titel wirft aber auch nicht gleich das mehr als solide Grundgerüst des Vorgängers über Bord. Stattdessen wird das Gameplay konsequent ausgebaut und verfeinert. Es macht mir sogar ein kleines bisschen mehr Spaß, Transportlinien zu entwerfen, die bestehende Infrastruktur zu überdenken und die Logistik von Gütern und Personen zu organisieren. Dadurch, dass sich im Verlauf der Jahrzehnte der Fuhrpark verändert respektive erweitert und ich auch durch das bloße Hinsehen erkennen kann, wie sehr ein Fahrzeug ausgelastet ist, fühlt sich das Werk fast wie eine interaktive Version des Hamburger Miniaturwunderlands an. Natürlich stellen sich auch beim dritten Teil nach einer gewissen Zeit Ermüdungserscheinungen durch repetitive Spielabläufe ein. Auch dass sich im Gegensatz zu den hübschen Landschaften die Architektur von Region zu Region nicht wesentlich unterscheidet, fällt mir negativ auf. Abgesehen davon ist die Wirtschaftssimulation über alle Zweifel erhaben. In Transport Fever 3 steckt genau der Spielspaß drin, den auch der Vorgänger auszeichnet – für mich sogar noch ein wenig mehr.
Vielen Dank an Paradox Interactive für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Transport Fever 3!