Anfang Oktober 2026 erschien Silver Pines für die Switch 2. Die Mischung aus Metroidvania, Survival-Horror à la Resident Evil und einer stimmungsvollen Szenerie, die durchweg an den Klassiker Alan Wake oder die Fernsehserie Twin Peaks erinnern, geht nahezu vollständig auf.
Als 1990 die erste Episode der Fernsehserie Twin Peaks im US-amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, wurde die Populärkultur weltweit und vor allem auch nachhaltig geprägt. Bis heute gibt es zahlreiche Anlehnungen an das von David Keith Lynch und Mark Frost erdachte Phänomen – und das nicht nur in Filmen und Serien, sondern auch in Videospielen. Besonders auf Alan Wake hatte Twin Peaks einen immensen Einfluss. Silver Pines unterliegt sowohl dem Einfluss von Twin Peaks als auch von Alan Wake und vielen weiteren Aspekten der Videospielwelt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Privatdetektiv Red Walker, der sich in das titelgebende Silver Pines aufgemacht hat, um den verschwundenen Musiker Eddie Velvet aufzuspüren. Der Weg führt uns an seiner Seite durch die verschiedenen Stadtteile der Kleinstadt. Diese ist inzwischen weitgehend verlassen, denn im Zuge eines drohenden Sturms liegt die Evakuierung von Silver Pines bereits in der Endphase. Es ist jedoch nicht nur alleine das Gefühl des Verlassenseins, das für die dichte Atmosphäre des Survival-Horror-Spiels sorgt. Vielmehr ist es die Spielwelt selbst, die für Unbehagen steht. Ein ständig niederprasselnder Regen, transparente Nebelschwaden und Blätter, die durch den aufkeimenden Wind durchs Bild gefegt werden, definieren das düstere, blasse und schlicht triste Bild der Stadt.
Populärkulturelle Einflüsse
Spieltechnisch bewegen wir Walker durch eine zweidimensionale Spielwelt, wobei Straßenzüge und Innenräume in verschiedene Bereiche aufgeteilt sind. Durch Türen und Wege, die in den Hintergrund oder Vordergrund führen, sind diese Bereiche räumlich miteinander verbunden. Zu Beginn des Abenteuers sind unsere Möglichkeiten noch arg begrenzt. So scheint der Weg durch die Stadt zunächst vordefiniert. Mit der Zeit erhalten wir jedoch weitere Möglichkeiten, sodass sich die Welt ähnlich wie in Metroid oder The Legend of Zelda schrittweise öffnet. Mit einem Teppichmesser schneiden wir uns etwa durch Stoffvorhänge und mit einer Schrotflinte ballern wir Lüftungsgitter weg. Hinzu kommen zahlreiche Schlüssel, mit denen wir bestimmte Türen oder Schränke öffnen können. Auch das Eingeben von Codes, um zum Beispiel Türen zu öffnen, ist in Silver Pines notwendig. Deshalb gehört es ebenfalls zur Spielerfahrung, alle Dokumente und Hinweise genauestens zu lesen, um etwaige Rätsel zu lösen. Hier erinnert das Werk des schwedischen Entwicklerstudios Wych Elm weniger an Werke des Metroidvania-Subgenres, sondern mehr an Survival-Horror-Titel der Marke Resident Evil oder Silent Hill. Das passt unserer Meinung nach hervorragend ins Gesamtwerk, denn so sorgen die Entwickler nicht nur für Unbehagen, sondern auch für ein klaustrophobisches Gefühl.
Überleben mit begrenzten Mitteln
Silver Pines ist jedoch alles andere als ein Spaziergang, denn obwohl das Gameplay nahezu durchweg entschleunigt ist, können wir mit Walker auch die Beine in die Hand nehmen. Das sollten wir zuweilen auch tun, denn schon kurz nach Spielstart bekommen wir es mit den ersten unheimlichen Gegnern zu tun. Wir können zwar auch kämpfen, doch sind Ressourcen im Spiel auf dem vordefinierten Schwierigkeitsgrad nur begrenzt verfügbar. Das heißt, dass wir mit Munition und allen anderen Materialien stets haushalten müssen. Selbst Münzen, die wir zum Speichern an Telefonzellen benötigen, sind rar gesät. Kräuter lassen sich wiederum zusammen mit einer Flasche zu Medizin kombinieren, sodass wir auch unsere größten Wunden im Kampf heilen können. Trotz der wunderbar mulmigen Atmosphäre und dem für Survival-Horror-Abenteuer bekannten Gameplay sind es gerade die teils heftigen Auseinandersetzungen mit den Gegnern, die sich hakelig anfühlen. Besonders wenn wir es mit mehr als einen Feind aufnehmen müssen, sind das Ausweichen und das Angreifen im richtigen Moment alles andere als leicht. Wie gut, dass wir den Schwierigkeitsgrad im Spiel jederzeit senken können, sodass wir im Notfall trotz aller Limitationen nicht die Flinte ins Korn werfen müssen. Auf der Switch 2 läuft Silver Pines zudem sehr flüssig, sodass dem Spielspaß nichts im Weg steht.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-2-Fassung): Die Fernsehserie Twin Peaks habe ich in meinem Leben leider erst recht spät gesehen und schätzen gelernt. Je mehr Episoden ich von diesem Werk jedoch verschlungen habe, desto mehr ist mir ihr Einfluss auf die Populärkultur bewusst geworden. Auch in Silver Pines spüre ich die Atmosphäre, welche die Fernsehserie bereits in den frühen 1990er-Jahren vermittelte. Nichtsdestotrotz bedient sich das Survival-Horror-Abenteuer des schwedischen Entwicklerstudios Wych Elm vielmehr einer eigenen Ästhetik, die sich vornehmlich durch eine verregnete, neblige und stürmische US-amerikanische Kleinstadt identifiziert. Das Gameplay wiederum lehnt sich am Metroidvania-Subgenre an, was in meinen Augen gut funktioniert und mich Silver Pines schrittweise erkunden und seine Geheimnisse aufdecken lässt. In erster Linie versteht sich das Werk jedoch nicht als ein Action-Adventure, sondern als ein waschechtes Horrorspiel. Vor allem durch die begrenzten Ressourcen, kleinere Mikrorätsel, die klaustrophobischen Spielabschnitte und die angsteinflößenden Gegner fühlt sich das Abenteuer meiner Meinung nach fast schon wie ein Spiel aus der Resident-Evil- oder Silent-Hill-Reihe an. Lediglich das Kampfsystem ist für meinen Geschmack etwas zu hakelig . Wer sich mit diesem Problem arrangieren kann, ein Bewunderer des Einflusses von David Lynchs Werken und sowieso dem Survival-Horror-Genre nicht abgeneigt ist, findet in Silver Pines definitiv einen mehr als spielenswerten Titel, der angenehm auf der Switch 2 läuft und wunderbar in die grauen Herbsttage passt.