Review: Silent Hill f

Lange Zeit wehrte sich Konami vehement dagegen, neue Videospiele zu entwickeln. Inzwischen ist der japanische Publisher wieder aktiv auf der Bildfläche unterwegs und hat im September 2025 mit Silent Hill f einen gänzlich neuen Serienteil mit Japan-Setting veröffentlicht.

Angesiedelt ist Silent Hill f im Japan der frühen 1960er-Jahre. Die Gesellschaft ist patriarchalisch geprägt, sodass die Frau in die Rolle der Hausfrau und Mutter gedrängt wird. Während sich viele Damen dieser Zeit diesem Schicksal gefügt haben, regt sich gerade bei den jüngeren Frauen und Mädchen Widerstand. So auch bei Protagonistin Shimizu Hinako, eine Oberschülerin, die ständig in Konflikt mit ihrem Vater gerät. Da ihre Mutter zu ihrem Ehemann hält, ist Hinako den falschen Gesellschaftsansichten schutzlos ausgeliefert. Sie nimmt Reißaus und trifft ihre Freunde im verschlafenen wie fiktiven Ort Ebisugaoka. Die Wiedersehensfreude währt jedoch nicht lange, denn in Ebisugaoka, was ins Deutsche übersetzt so viel wie Hügel des Glücksgottes Ebisu bedeutet, macht sich ein bösartiger Nebel breit und untote Kreaturen mit messerscharfen Klingen stapfen durch die Stadt. Ebenfalls fehlt in Ebisugaoka jegliches Anzeichen anderer Bewohner – und auch Hinakos Freunde verschwinden nach und nach im Nebel. Dieser fungiert mit der Zeit als Trennschwelle zwischen dem weltlichen Ebisugaoka und dem sakralen Raum des dunklen Schreins. Im Handlungsverlauf von Silent Hill f überschreiten wir mit Hinako mehrfach diese Grenze und erleben den serientypisch psychologischen Schrecken mit einer guten Portion Bodyhorror und gelegentlich ein paar Jump-scares.

Survival-Horror in Reinkultur

Dementsprechend lässt sich das Werk vom chinesischen Entwicklerstudio NeoBards Entertainment, das bereits für Capcom zahlreiche Portierungsarbeiten und die Online-Modi von Resident Evil 3 und Resident Evil VIII: Village entwickelt hat, dem Survival-Horror-Genre zuordnen. Obwohl in Anbetracht dessen anzunehmen wäre, dass Silent Hill f dadurch zu actionreich ausfallen würde, ist dies tatsächlich nicht der Fall. Die Entwickler haben sich zwar hier und da an brachialen Angriffsmustern im Kampfsystem orientiert, aber größtenteils sind im Spiel zahlreiche Mechaniken zu erkennen, für die das Genre eigentlich stehen sollte. So jonglieren wir in einem vor allem anfangs arg limitierten Inventar mit einer ebenso begrenzten Item-Anzahl, achten stets auf die Haltbarkeit unserer Nahkampfwaffen und versuchen, Gegner zum Teil zu umgehen, um beim nächsten Konflikt mit größeren Gegnern nicht ohne Waffe dazustehen. Sonderlich schwierig ist das Spiel jedoch nicht, denn wenn wir die Spielwelt bis ins kleinste Detail erkunden, entdecken wir Erste-Hilfe-Kästen, Verbände oder Pillen, mit denen wir uns fröhlich heilen können. Für den Verstand gibt es ebenfalls ein paar Gegenstände, die jedoch auf dem standardmäßig eingestellten Schwierigkeitsgrad jedoch fast obsolet sind. Erst auf den oberen Schwierigkeitsstufen offenbart das Spiel sein echtes Genrepotenzial.

Atmosphärischer Horror-Ausflug

Spieltechnisch macht Silent Hill f darüber hinaus ordentlich Laune, denn überall in der Welt finden wir Notizen, die mehr über die Spielwelt, ihre nicht existenten Bewohner, Hinakos Freunde und schließlich auch über Hinako selbst erfahren. Dabei werden mit Missbrauch, Tablettensucht und Mobbing auch Themen angesprochen, bei denen wir mehr als nur einmal schlucken müssen. Aus Spoiler-Gründen möchten wir nicht ins Detail gehen, aber gerade Hinakos Handlungen im Spiel und das Ende beim ersten Spieldurchlauf nach etwa elf bis zwölf Stunden zeigen deutlich, wie tief der Abgrund ist, in welchen die Protagonistin blickt. Wer wirklich alles verstehen will, sollte einen zweiten Durchlauf einkalkulieren, andere Entscheidungen treffen und währenddessen neue Dokumente sammeln, welche das Bild erst vervollständigen. An dieser Stelle fällt dann auch auf, dass das Kampfsystem zwar deutlich besser funktioniert als in vergleichbaren Titeln wie Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake, aber es fehlt in unseren Augen der letzte Schliff, zumal Angriffe gegen die nicht gänzlich lesbaren Gegner oft schwerfällig sind und nicht abgebrochen werden können. Dafür überzeugt Silent Hill f auf der PlayStation 5 mit einer detaillierten Grafikpracht, einer bis auf Ausnahmen stabilen Framerate und einem grandiosen Sounddesign, das nachhaltig in den Ohren bleibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation 5): Ein wenig verspätet habe ich mich nun auch an Silent Hill f gewagt. Obwohl die Rezensionen um den Release-Zeitpunkt zwar gut, aber nicht überschwänglich ausfielen, hatte ich zunächst mit einem passablen Horror-Spiel gerechnet. Im Endeffekt habe ich jedoch eine der besten Survival-Horror-Erfahrungen der letzten Jahre gemacht. Das Setting beziehungsweise vielmehr die Hintergründe sind relativ unverbraucht und zeigen die Schattenseite einer Gesellschaft, die häufig als fortschrittlich angesehen wurde. Obwohl das Werk in den 1960er-Jahren spielt, sind die behandelten Themen zumindest zum Teil noch aktuell und zeigen, wie mit diesen in einem Survival-Horror-Spiel umgegangen werden kann. Dass ich den Titel zum Verstehen der gesamten Hintergründe noch ein zweites Mal durchspielen muss, halte ich persönlich zwar für keine gute Spieldesignentscheidung, aber aufgrund der eher kurzen Spielzeit werde ich den zweiten Durchgang sicherlich nicht in allzu ferner Zukunft angehen. Das Sammeln der in Ebisugaoka verstreuten Dokumente macht mich neugierig auf die Welt und vor allem auf Hinako, da sie sich als tragische Figur entpuppt. Auch das Kämpfen mit oder das Davonlaufen vor den Gegnern ist unterhaltsam, auch wenn für mich hier noch ein wenig mehr Feingefühl nötig gewesen wäre. Dafür entschädigt mich Silent Hill f mit einer atmosphärischen audiovisuellen Prämisse, an die ich mich noch lange erinnern werde.

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