Review: Resident Evil VIII: Village (Gold Edition)

Nachdem Resident Evil VII: Biohazard der Reihe im Jahr 2017 den nötigen Aufwind gab, den sie unbedingt brauchte, führt Resident Evil VIII: Village die neue Ausrichtung 2021 fort. Anderthalb Jahre nach der Erstveröffentlichung erhielt der Titel seine wohlverdiente Gold Edition.

Ethan Winters und seine Ehefrau Mia haben sich nach den traumatischen Ereignissen aus Resident Evil VII nach Rumänien zurückgezogen, um dort die schrecklichen Geschehnisse zu vergessen. Eines Abends wird Mia vor Ethans Augen in der eigenen Wohnung von niemand geringerem als Resident-Evil-Urgestein Chris Redfield erschossen. Ethan wird bewusst geschlagen und seine frisch geborene Tochter in Gewahrsam genommen. Nach einem mehr oder weniger kurzen Filmriss wacht Ethan mitten im Wald neben einem umgestürzten Transporter auf. Von Chris und seiner Tochter fehlt jede Spur. Er beschließt, auf eigene Faust in die Wildnis vorzustoßen und nach den beiden zu suchen. Schon kurz nach Spielbeginn gelangt er in das titelgebende Dorf, das wie ausgestorben scheint. Die letzten Bewohner zittern vor Angst und verbarrikadieren sich in ihren Hütten. Sie fürchten das Unheil, das vom Schloss ausgeht, das wenig entfernt auf einer Anhöhe über dem Dorf droht. Mehr und mehr verfallen die Dörfler dem Wahnsinn. Kurz darauf macht Ethan Bekanntschaft mit der ominösen Mutter Miranda oder eher gesagt ihren vier Handlangern. Der Kampf ums Überleben beginnt aufs Neue – und diesmal muss sich Ethan ungewohnt für die Resident-Evil-Reihe klapprigen Skeletten, bestialischen Werwölfen, hungrigen Vampiren und anderen mythologischen Kreaturen stellen.

Typischer, aber gut funktionierender Survival-Horror

Schon im Vorfeld wurde Capcom dafür gerügt, plötzlich von der gewohnten Formel mit infizierten Menschen und mutierten Tieren abzuweichen. Wer Resident Evil VIII spielt und dabei aufmerksam alle Notizen verinnerlicht, wird Verbindungen zu den früheren Serienteilen früher oder später entdecken. Das Spiel fügt sich storytechnisch logisch in den Kontext ein, auch wenn Capcom diese wichtigen Fakten ruhig etwas inszenatorischer in das Spiel hätte einbauen können. An der eigentlichen Struktur hat sich aber nichts verändert. Nach wie vor müssen wir im Survival-Horror-Spiel verschiedene Orte wie das Dorf, das Schloss oder eine Fabrik aufsuchen, uns dort Untoten und Mutanten stellen und dabei mit unserem Munitionsvorrat haushalten. Noch dazu gibt es ein paar seichte Rätsel zu lösen, die uns beim Vorankommen hindern. Richtige Kopfnüsse gibt es hierbei allerdings nicht. Alle wichtigen Fakten werden in der Nähe stets genauestens erläutert und oftmals gilt es auch nicht mehr als einen Schlüsselgegenstand an einer richtigen Stelle einzusetzen. Auf der einen Seite hätte es zwar ruhig das eine oder andere kniffligere Puzzle geben können, auf der anderen Seite sorgt aber gerade die leichte Rätselkost passend zu den weitgehend linearen Abschnitten dafür, dass sich das Gameplay in Resident Evil VIII immer flüssig anfühlt. Zielloses Umherirren ist ausgeschlossen.

Zwei Blickwinkel, ein Spiel

Ähnlich wie beim Vorgänger aus dem Jahr 2019 erleben wir auch im nummeriert achten Serienteil das Geschehen aus der Ego-Perspektive – zumindest, wenn wir die normale Edition des Titels angehen. Spielen wir Resident Evil VIII in der Gold Edition, können wir vor jedem einzelnen Spielstart im Optionsmenü festlegen, dass das Abenteuer aus der Third-Person-Perspektive dargestellt wird. Flüssiges Wechseln mittendrin ist bedauerlicherweise nicht möglich. Der Perspektivenwechsel hat maßgeblich Einfluss darauf, wie wir das Geschehen wahrnehmen. Kontrollieren wir Ethan aus der Ego-Perspektive, so ist die Immersion deutlich höher und wir gruseln uns an einigen Stellen wesentlich intensiver. Blicken wir dem Hauptcharakter hingegen über die Schulter, so erinnert das Spiel nicht nur aufgrund von Dorf und Schloss an Resident Evil 4, auch das Gameplay wirkt deutlich actionlastiger, obwohl wir ansonsten ein und dasselbe Survival-Horror-Erlebnis haben. An dieser Stelle möchten wir euch aber, zumindest beim ersten Spieldurchlauf, davon abraten, in die erste Person zu wechseln. Resident Evil VIII wurde als First-Person-Spiel entwickelt und vor allem die Innenbereiche sind darauf ausgelegt, die Umgebungen aus den Augen der Spielfigur zu betrachten. Ihr solltet das Abenteuer wirklich so angehen, wie es ursprünglich gedacht war. Alleine die unfassbar dichte Atmosphäre, die uns ein mulmiges, gar klaustrophobisches Gefühl verleiht, ist es wert.

Geschäfte mit dem Duke

Auch dass wir uns vor allem in den ersten Spielstunden häufig hilflos fühlen, wenn wir jeden Gegner mit knapp bemessener Munition aus dem Weg räumen, spielt dem Gameplay in die Karten. Manchmal ist es einfach besser, einen Gegner nach Möglichkeit zu umgehen. Andersherum hinterlassen besiegte Feinde Geld und kristalline Überreste, die wir beim fettleibigen Duke verkaufen können. Dieser taucht an festen Stellen des Spiels nahe Speicherpunkten in Form von Schreibmaschinen auf und fungiert als nützlicher Händler, bei dem wir verdiente Lei, sprich die Währung Rumäniens, ausgeben können. Einerseits erwerben wir beim Duke Munition, Heilmittel und Bauteile für Waffen, damit der Rückstoß beispielsweise geringer ausfällt. Andererseits bietet der Duke mit seiner Werkstatt auch an, die Waffen persönlich aufzustufen. Mit jedem Upgrade können wir unter anderem die Nachladegeschwindigkeit oder die Kapazität des Magazins erhöhen. Die Upgrades werden im Spielverlauf stufenartig hinzugefügt und werden entsprechend immer teurer. Wir können uns in einem Spieldurchlauf also kaum alles leisten können. Ungefähr ab der zweiten Spielhälfte von Resident Evil VIII bietet der Duke ebenfalls an, verschiedene Köstlichkeiten zu kochen. Dafür müssen wir jedoch einige unschuldige Fische, Hühner und Schweine im Dorf abschlachten, wenn es denn sein muss. Als Boni erhalten wir etwas mehr Lebensenergie oder verbesserte Beweglichkeit.

Hilflosigkeit, Isolation und zunehmende Action

Ob wir Resident Evil VIII schnell oder langsam meistern, hängt ganz davon ab, wie gut wir uns mit den Gegebenheiten arrangieren. Haben wir stets alle Flucht- oder Ausweichmöglichkeiten im Blick, benutzen dann und wann auch schon mal unser Messer, um Munition zu sparen und heben Medizin für Notfälle auf, ist das Abenteuer wesentlich leichter zu überstehen. Im Übrigen bleibt das Spiel in fast allen Fällen fair, denn bevor wir einen tödlichen Treffer erleiden, färbt sich beim vermeintlich vorletzten Feindkontakt das Bild rot. Entweder ziehen wir uns für ein paar Sekunden, die sich durchaus lang anfühlen, zurück, oder wir kippen uns Heilmittel über die Wunden. Nur selten ärgern wir uns über das Geschehen, wenn sich Ethan zu langsam dreht oder wir mehrfach vorbei schießen, wenn sich die Gegner ruckartig bewegen. Diese erwähnten Umstände spielen selbstverständlich der Hilflosigkeit und der Isolation in die Hände und sind dem Spieldesign geschuldet. Eine ruhige Hand hilft hierbei nur bedingt, denn auch wenn wir langsam und sicherer zielen, werden die mal anhumpelnden und mal anstürmenden Gegner natürlich nicht langsamer. Zudem schwankt Resident Evil VIII stark in der Spielgeschwindigkeit. Vor allem die erste Hälfte kommt weitgehend mit wenigen Gegnern aus, während die zweite Hälfte eher wie eine actionorientierte Achterbahnfahrt wirkt.

Weitere Spielmodi

Neben dem circa elf bis zwölf Stunden umfassenden Hauptspiel beinhaltet die Gold Edition die so genannte Winters-Erweiterung. In diesem Add-on schlüpfen wir in die Haut der Spielfigur Rose. Mit ihr können wir in gewisser Weise ein paar Handlungsorte von Resident Evil VIII erneut besuchen. Zu Beginn wirkt die Story recht inspirationslos, mausert sich binnen der kurzen Spielzeit von etwa drei Stunden aber etwas. Wer nach den beiden Horrortrips deutlich mehr Lust auf Action verspürt, kann hingegen die Söldnermissionen absolvieren. Diese lassen die Schauplätze des Spiels wie Arenen erscheinen, in denen wir ganze Gegnerhorden pulverisieren müssen. Getötete Gegner hinterlassen Geld, mit dem wir zwischen den drei Abschnitten pro Level beim Duke Waffen und Upgrades kaufen. Für absolvierte Modi oder Herausforderungen erhalten wir im Übrigen Abschlusspunkte, die wir im Boni-Shop gegen neue Waffen oder im Nachhinein auch wieder abschaltbare unendliche Munitionsvorräte für einzelne Pistolen und Flinten eintauschen können. Diese Boni verleihen uns in weiteren Spieldurchgängen ein gewisses Maß an Übermenschlichkeit, womit wir den Spieß regelrecht umdrehen. Auf diese Art und Weise erleben wir zwar wenig neues, doch auf jeden Fall motivieren uns diese freischaltbaren Inhalte, Resident Evil VIII mehr als nur einmal durchspielen zu wollen.

Atmosphärischer Leckerbissen dank einwandfreier Technik

Bis auf die angesprochenen kleinen Problemchen bei der Steuerung, die spieltechnisch vermutlich so gewollt sind, funktioniert die Bedienung einwandfrei. Lediglich die Unterstützung des DualSense-Controllers hätte ein wenig großzügiger ausfallen dürfen. Mehr als ein ganz passables Gefühl beim Abfeuern von Waffen bietet Resident Evil VIII leider nicht. Obwohl das Spiel weniger eklig wie der direkte Vorgänger ausfällt, der uns in die Sümpfe des US-Bundesstaats Louisiana verschlägt, kann auch der achte Serienteil mit der einen oder anderen schaurigen Kulisse überzeugen, die in technischer Hinsicht nur einmal binnen einer Sekunde lädt. Das zerfallene Dorf ist wenig einladend und wenn wir im Schloss die Fensterscheiben zerschlagen, pfeift ein Wind durch die Gänge, der uns das Blut in den Adern gefrieren lässt. Auch die späteren Areale, zu denen wir lieber kein Wort verlieren wollen, machen einiges her. Die audiovisuelle Kulisse ist einfach fantastisch. Zum einen ist die Grafik auf der PlayStation 5 eine wahre Augenweide. Sowohl die Umgebungen als auch die Charaktermodelle wirken wie aus einem Guss. Wer schon einmal von der 2,90 Meter großen Alcina Dimitrescu durch das Schlossgemäuer verfolgt wurde, weiß genau, was wir meinen. Wenn dabei auch noch die bedrückenden Klänge von Komponist Uchiyama Shusaku ertönen, passiert es in Anbetracht des Horrors selten, dass wir blinzeln. Resident Evil VIII ist für jeden Serienfan ein Muss!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Resident Evil VIII: Village ist ein sehr gutes Survival-Horror-Spiel, das mich vor allem in der ersten Spielhälfte mit seiner dichten Atmosphäre an den Bildschirm fesselt. Vielleicht bin ich inzwischen anfällig für diese Art des Horrors, die sich auf Details stützt, sodass jede Kleinigkeit mich zaudern lässt. Vor allem das Spielen in einem dunklen Raum fördert die Stimmung extrem. Die zweite Spielhälfte kann mich leider nicht mehr ganz so begeistern, da der Fokus mehr und mehr auf Action liegt. Hier haben die Entwickler anscheinend vergessen, worauf es wirklich ankommt. Schlecht ist das Spiel dadurch zwar nicht, doch in meinen Augen geht der Survival-Horror durch übermäßig viel Munition und noch mehr Feinden, denen ich mich stellen muss, aber peu à peu flöten. Wer Actionspiele mag, wird aber auch hier zufrieden sein. Die Story lässt zum Ende hin allerdings etwas nach. Das Ende kommt viel zu plötzlich und bietet eine Lösung, die nicht jedem Fan gefallen dürfte. Auch die integrierte Winters-Erweiterung hilft hierbei nur bedingt. Trotzdem bietet das Spiel mit vielen freischaltbaren Gameplay-Boni mehr als einen Grund, noch einmal in die Spielwelt zurückzukehren. Der beste Serienteil ist der achte Teil sicherlich nicht geworden, aber für Fans, die sich in der Lore der Serie auskennen und noch weiter verlieren wollen, ist der achte Serienteil spätestens mit der Gold Edition unausweichlich geworden.

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Resident Evil VIII (Gold Edition)!

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