Review: Resident Evil VII: Biohazard (Gold Edition)

Nachdem die Resident-Evil-Reihe in den letzten Jahren immer mehr zu einer Action-Orgie verkam anstatt den Survival-Horror-Wurzeln treu zu bleiben, kehrte Resident Evil VII: Biohazard im Jahr 2017 genau zu diesen zurück. Ein Jahr nach Release veröffentlichte Publisher Capcom eine Gold Edition.

Mit dem siebten Serienteil der Resident-Evil-Hauptreihe werden neue Charaktere eingeführt. Protagonist des Spiels ist Ethan Winters, der sich auf die Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau Mia macht. Diese ist vor einiger Zeit in die fiktive Stadt Dulvey im US-Bundesstaat Louisiana aufgebrochen und landete schließlich bei der Familie Baker, die in einem heruntergekommenen Haus ihr Dasein fristet. Ethans letzte Spur ist ein von Mia gesendetes Video, in dem sie ihm darum bat, fernzubleiben, sie nicht zu suchen und sie zu vergessen. Was es mit dieser mysteriösen Nachricht auf sich hat, wird an dieser Stelle zwar nicht verraten, doch jeder Fan des Franchises kann ahnen, dass sich Mia wohl in einer nahezu ausweglosen Situation befindet, aus der sie gerettet werden muss. Beim ersten Durchspielen des Hauptspiels beträgt die Spielzeit circa zehn bis fünfzehn Stunden, bei weiteren Durchgängen kann diese jedoch noch arg nach unten korrigiert werden. Käufer der Gold Edition kommen in den Genuss von sämtlichen Download-Inhalten, die Capcom in den Monaten vor Release der Spezialausgabe peu á peu veröffentlicht hat. Ins Detail kann aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle nicht gegangen werden, da Figuren auftreten, die erst im letzten Drittel des Hauptspiels Erwähnung finden oder sich ihre Motive auf die Geschehnisse im Baker-Anwesen beziehen. Dennoch ist das Hauptspiel bis auf den Verbleib einer Hauptfigur nahezu abgeschlossen und verständlich: Die Zusatzinhalte erweitern die Story mit kleineren Szenarien einerseits sinnvoll und andererseits können die ebenso enthaltenen Minispiele das Horror-Spektakel ein wenig „auflockern“.

Altbekanntes Gameplay

In puncto Gameplay ähnelt das Hauptspiel von Resident Evil VII vor allem den ersten Serienablegern. In der Rolle von Ethan ist es die Aufgabe des Spielers, dessen Ehefrau Mia im vermoderten Herrenhaus der Bakers aufzuspüren und das Geheimnis hinter dem Wahnsinn der Familie zu lüften. Um durch die verschiedenen Räumlichkeiten voranzukommen, müssen verschiedene Schlüsselgegenstände gesammelt und an der richtigen Stelle eingesetzt werden. So lassen sich die Türen mit Skorpionsymbol mit dem dazugehörigen Skorpionschlüssel öffnen und wenn es nötig ist, einen Schatten auf eine Wand zu werfen, muss zunächst ein Bildnis gefunden werden, dass es dann vor einem laufenden Projektor noch richtig zu positionieren gilt. Manche Durchgänge lassen sich auch nur öffnen, wenn bestimmte Objekte in Einkerbungen gesteckt werden. Diese Rätsel sind zwar nicht immer glaubwürdig (das waren sie auch im ersten Teil aus dem Jahr 1996 nicht), doch motivieren sie, die Räumlichkeiten genauestens abzusuchen. Manchmal hilft es auch, eine gefundene Videokassette in einen Rekorder zu stecken und das (spielbare!) Video nach Hinweisen abzusuchen. Gegner sind im Übrigen zu Beginn des Spiels Mangelware, denn erst mit ansteigender Spielzeit tauchen mehr und mehr Gefahren auf, die mit Waffengewalt aus dem Weg geräumt werden wollen. Die kluge Rationierung von Munition ist goldwert, denn Kugeln für Pistole und Gewehr sind sparsam in der Spielwelt verteilt, wenn auch mit begrenzten Mitteln jederzeit selbst herzustellen. Notfalls stehen Nahkampfwaffen wie ein Messer zur Verfügung, mit denen es aber umso schwieriger ist, den Gegenangriffen auszuweichen.

Ekelfaktor und Gruselerlebnis

Wer Horror-Filme mag oder das Genre in Videospielform genießen kann, wird in Resident Evil VII überrascht sein, dass es der Titel durch die Altersprüfung geschafft hat. Beispielsweise verliert der Held zeitweise Hand und Fuß, sodass das Blut nur so aus Arm und Bein sprießen kann. Zwar wird der Schaden auf wundersame Art und Weise behoben, doch ist der Anblick schon etwas eklig. Auch in anderen Bereichen des Spiels kann der Ekligkeitsfaktor mit Badewannen voller Fäkalien oder mit unappetitlichen menschlichen Überresten auf den gedeckten Tischen auf dem Anwesen der Bakers aufrechterhalten werden. Der Titel ist in diesem Bereich ohne Brecheimer wirklich nur hartgesottenen Naturen zu empfehlen und vor allem jene Spieler, die sich das Spektakel mit der PlayStation-Virtual-Reality-Brille ansehen wollen, sollten sich zweimal überlegen, ob sie bereit für diese Achterbahnfahrt widerlicher Anblicke ist. Ein weiterer Aspekt von Resident Evil VII ist, dass das Spiel an vielen Stellen dank einer gelungenen Atmosphäre, für die vor allem die illustre Baker-Familie verantwortlich ist, sehr gruselig ausfällt. Wenn Familienvater Jack mit seiner Axt durchs Haus schlendert und uns beim Verstecken erwischt oder Jacks Ehefrau Marguerite mit ihrer kreischenden Stimme wieder in ihren Wahn verfällt, dann kann einem schon ganz schön mulmig in der Magengrube werden. In dieser Kategorie kann Resident Evil VII voll und ganz überzeugen, während die Vorgänger aufgrund des Action-Anteils hier deutliche Abstriche machten.

Atmosphärischer Ausflug in den Wahnsinn

Besonders auffällig ist bei diesem Serienableger, dass die Kamera von der Verfolgeransicht in die Ego-Perspektive gewechselt ist. So sieht der Spieler das Geschehen jederzeit aus der Sicht des jeweiligen Protagonisten und fühlt sich unmittelbar mitten ins Grauen versetzt. Das heißt allerdings auch, dass Konsolenspieler sich mit der weniger für „Ego-Shooter“ geeigneten Controller-Steuerung auseinandersetzen müssen. Zudem muss aufgrund der schmalen Gänge der Spielwelt öfters rückwärts gegangen werden, was zusammen mit dem genauen Zielen auf die Gegner und des doch recht kleinen Bildausschnitts erst nach vielen Spielstunden gemeistert ist. Dafür entschädigt das Spiel mit einer angenehmen optischen Oberfläche, die durch dreckige Umgebungen einen Grünstich erleidet und durch elektronisches Licht auch mal kühl wirken kann. Der Soundtrack bleibt die meiste Zeit über im Hintergrund, was der akustischen Untermalung durch die Soundeffekte aber sehr zugute kommt. Zusammen mit der richtig guten deutschen Synchronisation bietet Resident Evil VII ein sehr atmosphärisches Gesamtbild. Schon lange hat es die Reihe nicht mehr geschafft, den Spieler mit gefräßigen Monstern, einer wahnsinnigen Familie und spannenden Geschichten zu unterhalten. An diesem Grundgerüst darf Capcom mit einem Nachfolger gerne ansetzen, sofern denn Defizite wie das gelegentliche Überschreiten der Geschmacklosigkeit, repetitives Gegnerdesign und eine Verbesserung der Steuerung ausgemerzt werden. So könnte aus einem schon jetzt sehr guten Spiel auch ein richtig tolles Spiel werden!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Resident Evil VII: Biohazard verhält sich zu seinen drei Vorgängern so ähnlich wie der vierte Teil zum Serienauftakt. Im Kern bleibt das Gameplay-Grundgerüst zwar erhalten, kriegt jedoch einen ganz neuen Anstrich. Dies ist vor allem an der Ego-Perspektive zu erkennen, in der das Spiel jetzt bestritten werden muss. Diese Unmittelbarkeit im Geschehen sorgt dafür, dass Resident Evil VII ein ganz neues Erlebnis für Serienfans ist. Capcom hat die Zeichen der Zeit erkannt und an der Serie gewerkelt: Ein Vorhaben, das schon Konami mit Silent Hills verwirklichen wollte, die Entwicklung unverständlicherweise jedoch abbrach. Die düstere Atmosphäre des Spiels gehört definitiv zum Besten, was das Horror-Genre bis heute zu bieten hat. Allerdings müssen sich die Entwickler den Vorwurf gefallen lassen, die Grenze zur Geschmacklosigkeit an der einen oder anderen Stelle übertreten zu haben. Damit sind nicht etwaige Gedärme gemeint, die links und rechts am Wegesrand verteilt liegen, sondern Szenen, in denen der Spieler aktiv eingreifen muss (!) um das Spiel beenden zu können. Beispielsweise soll an einer Stelle im Spiel das Innere einer Leiche durch eine bestimmte Körperöffnung nach einem Schlüsselgegenstand abgesucht werden. Wer damit nicht zurecht kommt, wird mit Resident Evil VII sicherlich nicht immer zufrieden sein. Dennoch unterstützen Grafik, Sound und die deutsche Synchronisation die Atmosphäre enorm, sodass der Titel ein Erlebnis ist, das so schnell nicht mehr vergessen werden kann.

Jonas Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Mit Resident Evil VII: Biohazard schafft Capcom einen Spagat, denn zum einen bedeutet die grandiose Optik und der Wechsel in die für die Reihe frische Ego-Perspektive ein Zugeständnis an die moderne Grusel-Unterhaltung und zum anderen orientiert sich der Titel mit seinem neuen beziehungsweise alten Fokus aufs Erkunden, Rätseln und den stets knappen Ressourcen wieder an den Tugenden der ersten Serienteile – und das ganz ohne Zombies! Das gelingt zum Großteil auch sehr gut, das verrottete Anwesen der Familie Baker im Sumpf der amerikanischen Südstaaten erinnert nicht nur an den Horrorfilm Tanz der Teufel, sondern stark an die Spielumgebungen der ersten Teile und bietet mit vielen verschlossenen Türen und sehr mechanischen Puzzles endlich wieder exzellente Unterhaltung für Survival-Horror-Fans. Dieser Spaß hat allerdings an einem bestimmten Punkt seine Grenzen, denn leider setzt Resident Evil VII im letzten Spieldrittel den Fokus wie schon die vorherigen drei Hauptteile auf linearere Spielabschnitte, deren Designs auch absolut nicht zu den Besten gehören. Wäre es doch einfacher gewesen, das Herrenhaus und deren Umgebung weiter auszuschmücken und bis zum Schluss auf die kohärente Spielwelt zu setzen. Auch den Gegnern mangelt es an Abwechslung, zwar macht es im Laufe der Handlung Sinn, dass sie sich vom Design her stark ähneln, doch wäre da spielerisch wesentlich mehr Vielfalt drin gewesen. Gegner wie die sehr flinken Cerberus oder die besonders aggressiven Hunter gibt es nicht mehr. Die serientypischen Kisten und das limitierte Inventar sind trotzdem wieder mit von der Partie, sodass sich Resident-Evil-Fans (trotz der eindeutigen Entschlackung und Vereinfachung) endlich wieder wie zu Hause fühlen dürfen. Schönerweise schafft es auch die Story gleichzeitig als eine Art Reboot getarnt für neue Spieler zu unterhalten und trotzdem Verbindungen zu den alten Teilen aufleben zu lassen. Damit ist Capcom eine solide Grundlage gelungen, auf das in Zukunft konsequent aufgebaut werden darf!

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Resident Evil VII: Biohazard (Gold Edition)!

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