Mit Wesley Earl „Wes“ Craven verlor die Horrorfilmwelt im Jahr 2015 einen der ganz großen Künstler. Dieser erschuf der mit den Filmen Nightmare – Mörderische Träume oder Scream – Schrei! wahre Genreklassiker. 2022 wurde die Scream-Reihe erstmals ohne ihn fortgeführt.
Eigentlich galt die Horrorfilmreihe Scream mit dem dritten Serienteil als abgeschlossen. 2011 kamen die Köpfe hinter dem Projekt inklusive der drei zentralen Hauptfiguren für eine weitere Episode zusammen. Scream 4 floppte allerdings an den Kinokassen, weshalb peu à peu die Hoffnung schwand, dass weitere Filme alsbald auf die Leinwand kommen sollten. Als 2015 Wes Craven starb und auch die Fernsehserie zum Franchise mit der zweiten Staffel aus dem Jahr 2016 ins Stocken geriet, hätte wohl kaum jemand daran gedacht, wenige Jahre später ins Kino zu pilgern, um den fünften Film der Reihe erleben zu können. Ohne Craven als einen der führenden Köpfe des Projekts müssen sich Fans jedoch auf ein paar stilistische Unterschiede gefasst machen, die zwar nicht per se schlecht sind, dem Film jedoch ein zumindest leicht anderes Antlitz verpassen. Vorneweg haben sich die am Film beteiligten Produktionsunternehmen darauf geeinigt, den Film nicht Scream 5, sondern einfach nur Scream zu nennen. Vermutlich wollten die Konzerne so mehr Zuschauer in die Lichtspielhäuser locken, welche die vier Vorgänger nicht gesehen haben. Es handelt sich bei Scream jedoch nicht um ein Remake von Scream – Schrei! von 1996, sondern um ein Requel, sprich einen Film, der zwar die Handlung des Originals neu interpretiert, aber dennoch als Fortsetzung funktioniert.
Stilistische Umgewöhnung
Über Sequels, Requels und Remakes wird auch in Scream 5, wie wir den Film der Einfachheit dennoch einmal nennen wollen, philosophiert. Auf dieser Ebene gelingt es dem Werk von den Regisseuren Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett sowie den Drehbuchautoren James Platten Vanderbilt und Guy Busick die Absurdität der Filmreihe humoristisch zu inszenieren. Da alle vier kreativen Köpfe über Erfahrung im Horrorfilmgenre verfügen, sich auch anderweitig in Scream 5 vor Wes Craven verbeugen und Querverweise auf andere Werke liefern, kommen Fans definitiv auf ihre Kosten. Problematisch ist jedoch die Umsetzung der eigentlichen Geschichte um einen neuen Serienmörder, der abermals in Woodsboro sein Unwesen treibt. So ist es durch die Hinweise, die recht früh im Film fallen, leicht möglich, hinter die Maske von Ghostface zu blicken. Dieser Umstand raubt im Gegensatz zu den ersten vier Filmen schnell die Spannung und nicht zuletzt die Motivation, dranzubleiben und herauszufinden, wer denn nun der Killer ist. Waren vorherige Episoden hier und da mit freiwilligem Slapstick gefüllt, um den ironischen Unterton zu liefern, fällt Scream 5 aus dem Jahr 2022 blutiger und gewollter aus. Das heißt nicht, dass für Albernheiten kein Platz mehr ist, doch fühlt sich die fünfte Episode im Allgemeinen ernster an und raubt damit der Filmreihe stellenweise ihre Identität.
Requel ohne große Überraschungen
Inhaltlich verschiebt sich die Handlung auf eine Riege neuer Charaktere. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die von Melissa Barrera Martínez gespielte Sam Carpenter, die nach Woodsboro zurückkehrt, als sie erfährt, dass ihre von Jenna Marie Ortega grandios verkörperte Schwester Tara von Ghostface attackiert wurde. Sam verbirgt zudem ein dunkles Geheimnis, das schon im ersten Viertel des Films gelüftet wird. Es gibt diesbezüglich eine starke Verbindung zwischen Scream 5 und dem ersten Serienteil, die aber nicht verraten werden soll. Nach ihrer Ankunft in der fiktiven US-amerikanischen Stadt schnellt der Opferzähler von Ghostface in die Höhe, weshalb sie bei der Suche nach dem Täter Hilfe von dem aus dem Polizeidienst ausgeschiedenen Dewey Riley anfordern. Reporterin Gale Weathers kehrt für eine neue Reportage nach Woodsboro ebenso zurück wie die ehemalige Hauptfigur Sidney Prescott. Gespielt werden die drei Charaktere nach wie vor von der alten Garde, sprich Neve Adrianne Campbell, Courteney Bass Cox und David Arquette. Fanservice, den wohl jeder gerne mitnimmt. In einer Nebenrolle taucht Dylan Christopher Minnette auf, den Serienfans aus Tote Mädchen lügen nicht kennen. Darüber hinaus bietet Scream 5 aber leider keine allzu großen Überraschungen, weshalb das Requel wohl eher zu schwächeren Serienteilen zu zählen ist.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Filmfortführungen haben gerne mal das Problem, an ihrem eigenen Anspruch zu scheitern. Scream 5, wie ich den Film frech betitle, möchte mit einem wesentlich diverseren Cast als in den vier Vorgängern zusammen punkten. Zwar geht es auf, verschiedene Ethnien bunt gemischt in melancholische wie düstere Szenen zu werfen, doch die Story ist trotz leichter Abwandlungen nichts weiter als ein Abziehbild des ersten Serienteils. So überrascht es mich am Ende auch nicht, wer sich hinter Ghostface verbirgt. Die jungen Neuzugänge im Cast spielen ihre Rollen bei diesem Unterfangen jedoch ziemlich gut. Allen voran Jenna Ortega möchte ich hier erwähnen, welche der schutzlosen, aber dennoch selbstbewussten Tara ein starkes Gesicht verleiht. Einerseits finde ich es angemessen, dass der Film deutlich düsterer und blutiger ist als die vier Vorgänger. Er wirkt dadurch deutlich mehr wie ein waschechter Horrorfilm. Andererseits verliert die Reihe durch das Abschwächen des Humors teilweise an Identität, weshalb dieser Umstand wohl nicht jedem schmecken dürfte. Trotz allem sind die Grundstrukturen immer noch zu erkennen, sodass der Film auch Kennern der vier vorherigen Filme durchaus Spaß machen kann!