Im September 1993 legte das japanische Entwicklerstudio Chunsoft den Grundstein für eine neue Rollenspielserie, die fast ein eigenes Subgenre für sich markiert. Die Rede ist von der Mystery-Dungeon-Reihe, dessen erster Teil es nach drei Jahrzehnten in den Westen schaffte.
Heimlich, still und leise versteckte Square Enix in der Nintendo-Direct-Ausgabe vom 9. September 2026 einen kurzen Teaser zu Torneko’s Mystery Dungeon. Hierbei handelt es sich um den ersten Serienteil der Mystery-Dungeon-Reihe, in der sich später noch andere bekannte Videospielmarken wie Final Fantasy oder Pokémon wiederfinden sollten. Im Jahr 1993 war das Dragon-Quest-Franchise, auf dem der erste Serienteil aufbaut, außerhalb Japans nur wenig populär und Rogue-Like-Elemente waren auf Konsolen noch ausbaufähig, weshalb das Spiel bislang nur über den Import aus Fernost verfügbar war. Da Square Enix gerne im eigenen Fundus gräbt, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch Torneko’s Mystery Dungeon den Sprung in die digitalen Distributionsangebote außerhalb Japans finden sollte. Inhaltlich knüpft das Spiel lose an das Ende von Dragon Quest IV: Die Chronik der Erkorenen aus dem Jahr 1990 an. Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Händler Torneko Taloon, der sich mit Frau und Sohnemann in der Pampa niederlässt, einen eigenen Ort gründet und dort sein Geschäft eröffnen will. Das nötige Kleingeld und Waren, die dort feilgeboten werden sollen, besorgt er sich aus dem titelgebenden Mystery Dungeon – und wir müssen ihm bei diesem Unterfangen unter die Arme greifen und dafür sorgen, heil aus dem Gewölbe zu entkommen.
Rudimentärer Serienauftakt
Da es sich bei Torneko’s Mystery Dungeon um den ersten Serienteil handelt, fällt das Gameplay verglichen mit späteren Ablegern verhältnismäßig schlicht aus. Dies gilt auch für die im September 2026 veröffentlichte Classic-HD-Neuauflage, wie sie Square Enix bezeichnet. An der Prämisse hat sich somit nichts verändert. Hauptsächlich sind wir aus der leicht versetzten Vogelperspektive mit Torneko im Untergrund unterwegs. Unsere Aufgabe besteht jedoch nicht nur darin, Geld und Gegenstände zu sammeln. Diese werden von Monstern bewacht, die uns ans Leder wollen. Ähnlich wie die Dragon-Quest-Serie ist auch der Mystery-Dungeon-Ausflug eine rundenbasierte Angelegenheit. Anstatt bei Feindkontakt einen Kampfbildschirm zu öffnen, finden die Auseinandersetzungen jedoch gleich in der unterirdischen, aber nicht selten farbenfrohen Umgebung statt. Wir bewegen uns über ein schachbrettartiges Raster und immer wenn wir einen Schritt gehen, bewegen sich auch die meisten Gegner. Da wir nur alleine im Dungeon unterwegs sind, müssen wir stets vorsichtig agieren und jeden Schritt im Voraus kalkulieren. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan, denn in Normalfall sehen wir nur die Monster im aktuellen Raum vor uns. Erst mit magischen Schriftrollen können wir Feinde und sammelbare Objekte auf der stets eingeblendeten Minimap sichtbar machen.
Simples Rollenspiel mit Tücken
Obwohl Torneko’s Mystery Dungeon simpel aufgebaut ist, gilt dies nicht für den Schwierigkeitsgrad. Das Rollenspiel setzt stark auf Rogue-like-Mechanismen, wodurch sich der Dungeon bei jedem Besuch neu zusammensetzt. So fühlt sich jeder Durchgang frisch an, zumal Protagonist Torneko stets auf dem ersten Level anfängt und durch das Besiegen von Monstern und dem Sammeln von Erfahrungspunkten stärker werden muss. Hinzu kommt, dass durch die Rogue-like-Elemente auch Glück eine Rolle spielt, denn es ist nicht sicher, ob wir genügend Kräuter zum Heilen oder Brot zum Hungerstillen finden, vor verfluchter Ausrüstung verschont bleiben oder durch Zufall unvorbereitet in ein Monsternest stolpern. Mit der Zeit bekommen wir zwar ein Gefühl dafür, doch wirklich rund läuft das nicht. Zusätzlich zu dem bereits im Original enthaltenen Feature, ab einem bestimmten Punkt Gegenstände einzulagern und beim nächsten Durchgang mitzunehmen, bietet die Classic-HD-Variante diverse Modifikatoren, mit denen wir etwa das Auftauchen von Monstern reduzieren oder die Ausschüttung von Erfahrungspunkten verdoppeln. So haben dann nicht nur Veteranen, sondern auch Einsteiger die Chance, irgendwann die unterste Etage des aus 99 Ebenen bestehenden Mystery Dungeon zu erreichen, verzichten dann jedoch auf einem Eintrag auf der Highscore-Tabelle.
Angepasstes Erscheinungsbild
Da die Bestenliste ohnehin nur offline funktioniert und unsere Durchgänge nicht mit denen von Freunden oder unbekannten Spielern vergleicht, dürfte dieser Umstand für den einen oder anderen womöglich auch gar nicht gravierend sein. In spieltechnischer Hinsicht gibt es zudem nur wenig zu beanstanden. Da wir Torneko rasterartig bewegen, fällt nur das diagonale Gehen und Blicken auf Gegner leicht negativ auf, denn hierzu müssen wir die Schultertaste auf dem Controller gedrückt halten und dann in die entsprechende Richtung schauen. Oft bewegt sich ein Gegner danach noch einmal seitwärts, was eine erneute Korrektur der Blickrichtung erfordert. Zudem schläft die Textbox nach Angriffen oder vor Level-ups gefühlt ein. Das sorgt in Torneko’s Mystery Dungeon hin und wieder dafür, dass wir einmal mehr angreifen und somit einen wertvollen Zug verspielen. Mit etwas Geduld lässt sich dieses Problem aber ausblenden. Darüber hinaus fängt das Rollenspiel den audiovisuellen Charme der ursprünglichen Version weitestgehend gut ein. So erinnern die 16-Bit-Grafikmodelle nach wie vor stark an die Monster aus Dragon Quest und die Umgebungen haben in der Classic-HD-Variante eine verbesserte räumliche Tiefe. Die Grafiken wirken jedoch etwas gedehnt, was aber auf den Grafikstil der Super-Nintendo-Vorlage von 1993 zurückgeht. Klanglich wurde die Musik von Sugiyama Kōichi aufgewertet, was den Dungeon-Ausflug selbst für Kenner nochmals interessant macht.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-2-Fassung): Mit dem einen oder anderen Mystery-Dungeon-Ableger habe ich bereits Bekanntschaft gemacht. Umso neugieriger war ich darauf, die Anfänge der Reihe zu ergründen. Torneko’s Mystery Dungeon ist ein grundsolides Rollenspiel, das aber Einarbeitungszeit oder vielmehr Durchhaltevermögen abverlangt. Es macht mir immer wieder aufs Neue Spaß, in den titelgebenden Mystery Dungeon hinabzusteigen und möglichst weit zu kommen. Das Gameplay funktioniert in den meisten Fällen, doch wenn das Glück mal nicht auf der eigenen Seite ist, kann das Gefühl schnell in Frust umspringen. Der kleinste Fehler wird in Torneko’s Mystery Dungeon sofort bestraft. Wem das zu stressig ist und auf einen Eintrag auf der Bestenliste verzichten kann, darf mit Modifikatoren bestimmte Variablen verstellen, um das Abenteuer auf die eigenen Gewohnheiten anzupassen. Meiner Meinung nach hat Square Enix es sich damit etwas zu einfach gemacht. Natürlich macht das Spiel so auf vielfältige Art und Weise Spaß und im Kern wird einem die ursprüngliche Spielerfahrung präsentiert, aber auch diese war damals schon nicht perfekt. Somit eignet sich das Spiel in meinen Augen vor allem für jene Spieler, welche die historischen Anfänge der Reihe ergründen oder jeden einzelnen Serienteil gespielt haben wollen. Wem ein (zu) hoher Schwierigkeitsgrad ein Dorn im Auge ist und etwas mehr Abwechslung sucht, sollte lieber zu den neueren Mystery-Dungeon-Spielen wie Chocobo’s Mystery Dungeon: Every Buddy! oder Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX greifen.
Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Torneko’s Mystery Dungeon (Classic HD)!