Seit Juni 2026 ist die zwölfte Volume der Anime-Serie Crayon Shin-chan von Herausgeber Polyband Anime im Handel erhältlich. Nach zweimonatiger Pause erhalten Fans des titelgebenden Protagonisten durch die Publikation endlich wieder ihre die altbekannte Dosis Humor.
Zu den langlebigsten Anime-Serien der Welt gehört zweifelsohne Crayon Shin-chan. Gerade in der japanischen Fernsehlandschaft ist der fünfjährige Nohara Shinnosuke nicht mehr wegzudenken. Auch außerhalb des Entstehungslandes ist das Werk des 2009 verstorbenen Künstlers Usui Yoshihito wohlbekannt, was aber vor allem an der Anime-Serie und weniger an den Manga liegt. Im deutschsprachigen Raum war der Erfolg in den 2000er-Jahren nur von kurzer Dauer, was vor allem an der nordamerikanischen Fassung der Serie liegt, welche die Vorlage verstückelt hat. Als die Ausstrahlung in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr fortgesetzt wurde, war auch hierzulande Schluss. Dennoch scheint der Rabauke eine kleine Renaissance zu feiern, denn seit Ende 2024 veröffentlicht Polyband Anime die erste auf Deutsch synchronisierte Version auf DVD. An dem weniger geglückten Erscheinungsbild der ersten elf Volumes hält der Publisher weiterhin fest – alles andere würde aufgrund eines einheitlichen Gesamtbildes keinen Sinn mehr ergeben. Das heißt, dass Intro und Outro nur dann einmalig abgespielt werden, wenn die Alle-abspielen-Funktion im DVD-Menü ausgewählt wird. Darüber hinaus sind die einzelnen Abenteuer, von denen sich ursprünglich drei in einer Folge befinden sollten, allesamt aufgeteilt. Sie lassen sich bequem aus der Übersicht wählen.
Auf nach Ōsaka!
Aufgrund der zerstückelten nordamerikanischen Version liegt Crayon Shin-chan auf der DVD nicht in einer chronologischen Reihenfolge vor. Inhaltlich ist davon aber nichts zu bemerken, da die meisten Episoden für sich stehen. Dennoch gibt es einzelne Episoden, die aneinander anknüpfen, die dann jedoch ordnungsgemäß eingereiht sind, sodass der Zuschauer sämtliche Bezüge versteht. Auf der Packung haben die Verantwortlichen glücklicherweise geschnallt, auf die Darstellung von Himawari respektive Daisy, sprich Shinnosukes Schwester, zu verzichten, da diese – obwohl sie in einer frühen Volume bereits das Licht der Welt erblickte –, gar nicht in den vorliegenden Folgen auftritt. Stattdessen konzentriert sich das Geschehen in der zwölften Volume verstärkt auf die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Shin-chan und seiner Mutter Misae beziehungsweise Mitsy, wie sie in der alten deutschen Synchronisation genannt wird. Sein Vater Hiroshi, in der deutschen Version Harry genannt, ist ebenfalls mit von der Partie, diesmal aber auf Geschäftsreise in Ōsaka. Das heißt, dass Shinnosuke und seine Mutter das Trio während eines Besuchs in der Stadt am Yodo komplettieren. Dort machen sie nicht nur Bekanntschaft mit der angeblichen Geliebten des Familienvaters, sondern treffen auch auf Takakura Bunta respektive Enzo, den Direktor des Futaba-Kindergartens.
Kaffee bis zum Morgengrauen
Neben den verschiedenen Episoden, die in Ōsaka spielen, gibt es jedoch viele Geschichten, die im eigentlichen Handlungsort Kasukabe angesiedelt sind. In einer Folge baut Misae beispielsweise einen Unfall mit einem Polizeiaufsteller, in einer anderen Episode endet ein Date zwischen Matsuzaka Ume respektive Fräulein Uma und einem Kollegen von Hiroshi äußerst tragisch. Dass an all diesen Debakeln häufig Shin-chan schuld ist, dürfte für Fans der Serie wenig überraschend sein. Fans von Yoshinaga Midori, die in der deutschen Variante Fräulein Dori heißt, kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Einmal hält ihre Wohnung als Basis für Shinnosuke und seine Bande her und dann wird sie auch noch als Eintrittskarte ins Haus von Sakurada Nene benutzt, damit Shin ein ordentliches Stück exquisiten Quittenkuchens abkriegt. Auch Gespräche unter den Kindern führen zu wunderlichen Situationen, denn Tōru Kazama gibt an, dass er unfassbar gerne Kaffee trinkt. Was seine Freunde nicht wissen, ist die Tatsache, dass es sich dabei um warmen Kakao handelt. Shinnosuke nimmt die Aussage für bare Münze und probiert sich munter durch die Kaffeesorten seiner Eltern – mit fatalen Folgen für die Nacht, in der er natürlich nicht schlafen kann. Durch solche urkomischen Situationen sind viele Momente der zwölften Volume von Crayon Shin-chan einfach unvergesslich. Grandios!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Crayon Shin-chan ist und bleibt für mich eine der witzigsten Anime-Serien aller Zeiten, was zuweilen auch an der recht freien deutschen Synchronisation liegt, die ans Schnodderdeutsch grenzt. Auch inhaltlich nehmen die Folgen derart kuriose Züge an, dass ich die Fernbedienung nicht mehr aus der Hand legen kann. Die im zwölften Episodenpaket enthaltenen Folgen begeistern mit absurden Situationen, flotten Sprüchen und einer aberwitzigen Humorinszenierung. Nach der eher etwas schwächeren elften Volume ist das in meinen Augen eine klare Steigerung. Wenn Shinnosuke seinen Eltern beispielsweise Worte in den Mund legt und er dafür im Anschluss die berühmt-berüchtigte Zwiebelquetsche kassiert, ist das wahnsinnig komisch. Es macht einfach Spaß, dabei zuzusehen, wie Shin-chan seine Mitmenschen zur Verzweiflung treibt. Wer die Serie mag, greift natürlich zu – und wer die Serie noch nicht kennt, bekommt mit der zwölften Ausgabe meines Erachtens definitiv einen guten Einstiegspunkt.
Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 12)!