Nachdem das HD-2D-Grafikgewand bereits mehrfach das Rollenspielgenre und die Strategie- beziehungsweise Taktik-Rollenspielkategorie erobert hat, versuchte sich Square Enix im Juni 2026 mit The Adventures of Elliot: The Millennium Tales am Action-Adventure – mit Erfolg!
In The Adventures of Elliot: The Millennium Tales schlüpfen wir in die Rolle des titelgebenden Abenteurers Elliot. Dieser wird vom Herrscher des Königreichs Huther beauftragt, mysteriöse Ruinen zu erkunden. Dass Kaifried, der Berater des Königs, ein großes Interesse daran hat, mehr über das Gemäuer herauszufinden, kommt uns direkt komisch vor. Warum seine Aufmerksamkeit so sehr auf unserem Vorhaben lastet, wollen wir an dieser Stelle aber nicht verraten. Es sei jedoch gesagt, dass die anfänglich seicht erzählte Geschichte des auf dreißig bis vierzig Stunden ausgelegten Abenteuers mit der Zeit dramatische wie tiefgründige Züge annimmt, die stellenweise vorhersehbar, hin und wieder jedoch arg überraschend sind. Somit motiviert das von Claytechworks und Square Enix stammende Werk durchweg, nicht nur die Machenschaften von Kaifried aufzudecken, sondern auch mehr über die nebulöse Herkunft von Elliot und nicht zuletzt die Vergangenheit von Huther aufzudecken. Das meinen wir wortwörtlich, denn ähnlich wie bei Chrono Trigger reisen wir auch in The Adventures of Elliot: The Millennium Tales durch die Zeit. Die Spielwelt verändert sich in den besuchten Epochen zwar nur marginal, die Ereignisse in den Zeitaltern lassen jedoch kausale Zusammenhänge durchscheinen und bauen gewissermaßen chronologisch aufeinander auf. Spannend!
Inspiration von The Legend of Zelda
Unserer Meinung nach lässt sich The Adventures of Elliot: The Millennium Tales allerdings weniger mit rundenbasierten Rollenspielen wie Octopath Traveler 0 vergleichen. Stattdessen entdecken wir drei elementare Vorbilder, die sich im Werk von Square Enix wie ein Mosaik zusammensetzen. Zuallererst erinnert der Aufbau der Spielwelt an die früheren The-Legend-of-Zelda-Spiele, allen voran Link’s Awakening. Obwohl wir die Welt zunächst in relativ linearen Abschnitten aus der leicht versetzten Vogelperspektive erkunden, öffnet sie sich immer dann, wenn wir bestimmte Waffen, Zauber oder Gegenstände gefunden haben. So können wir zum Beispiel große Nägel mit dem Hammer in den Erdboden hauen, sodass diese danach kein Hindernis mehr für uns darstellen. Magische Fackeln lassen sich wiederum mit einem Feuerzauber auslösen, der von Fee Faie ausgeführt wird, die sich uns im Handlungsverlauf anschließt und ausschweifend belehrt. Wer nun an Navi aus The Legend of Zelda: Ocarina of Time denkt, darf nun genüsslich schweigen. Zudem finden sich in der Spielwelt zahlreiche kleine Dungeons, in denen neben Kämpfen vor allem Rätsel auf uns warten. Diese fallen in puncto Schwierigkeits- und Innovationsgrad aber eher enttäuschend aus, denn mehr als einfache Schalter- und Schieberätsel setzt uns das Action-Adventure leider nicht vor. Schade!
Kramen im eigenen Portfolio
Tatsächlich liegt der Fokus in The Adventures of Elliot: The Millennium Tales auf den actiongeladenen Echtzeitkämpfen. Uns stehen verschiedene Waffen wie ein Schwert, ein Speer, ein Bumerang, Pfeil und Bogen oder Bomben zur Verfügung. In diesem Punkt schlägt das Spiel einen Spagat von The Legend of Zelda zu Mystic Quest und Secret of Mana, was mitunter am Menü liegt, das entfernt an das Ringmenü erinnert. Hier wechseln wir zwischen den einzelnen Waffen und können zwei davon gleichzeitig ausrüsten. In den allermeisten Fällen ist das genügend. Nur sehr selten wird mitten im Kampf der Waffenwechsel notwendig – und ist dann auch schnell und unkompliziert erledigt. Ähnlich wie die Rätsel sind auch die Kämpfe im Spiel sehr simpel gehalten. Das liegt zum einen daran, dass die Angriffsmanöver gerade in der ersten Spielhälfte recht rudimentär ausfallen. Angreifen und Blocken heißt die Devise. Später kommen immerhin perfekte Paraden und das mehrstufige Aufladen eines Angriffs hinzu, sollten wir die besseren Varianten der Waffen finden. Komplizierter wird es nur, wenn wir zugleich auch Magie einsetzen, da wir Faie hierzu mit dem rechten Analog-Stick bewegen. Der geringe Anspruch der Kämpfe liegt zum anderen aber auch daran, dass es nur sehr wenige Gegnertypen gibt. Es fehlt hierbei schlicht und einfach an variantenreicheren Monstern.
Motivierende Gameplay-Mechaniken
Obwohl dies nun etwas enttäuschend klingt, wird The Adventures of Elliot: The Millennium Tales dadurch aber nicht direkt zu einem schlechten Spiel – das Gegenteil ist der Fall. Die Entwickler setzen auf ein hohes Spieltempo, das hier und da auch mit den Werken der Ys-Reihe wie Ys Memoire: The Oath in Felghana mithalten kann. Weitere Ähnlichkeiten zur Rollenspielreihe aus dem Hause Nihon Falcom sind nicht von der Hand zuweisen. Beispielsweise können wir Gegenstände ausrüsten, die uns bei einem Sprung schweben lassen oder das Zeitfenster für eine Parade verdoppeln. Auch Anspielungen an The Legend of Zelda: Breath of the Wild sind durch Tempel vertreten, in denen wir kleinere Aufgaben erfüllen müssen. In diesen, und auch außerhalb versteckt in Truhen, finden wir Lebenssplitter. Vier davon erweitern unsere Lebensenergie jeweils um einen Punkt. Nehmen wir in Huther und den Vorgängernationen Nebenquests an und erfüllen diese erfolgreich, erhalten wir Geld oder hilfreiche Accessoires. Mit magischen Kristallen können wir wiederum unsere Waffen bestücken, um sie mächtiger zu machen. Dies sind keine neuen Erfindungen, aber Gameplay-Mechaniken, die leicht zu verinnerlichen sind und uns gleichermaßen motivieren, die Spielwelt bis in den letzten Winkel abzusuchen, um Elliot schrittweise in eine Ein-Mann-Armee zu verwandeln.
Erinnerungswürdiges Abenteuer
Bedientechnisch funktioniert The Adventures of Elliot: The Millennium Tales bis auf die simultane Bewegung von Faie in Kämpfen einwandfrei. Auf grafischer Ebene besticht der Titel mit einem wunderbaren Pixel-Look mit hochwertigen Effekten. Ebenso wissen die Animationen zu gefallen. Vor allem beim Aufladen von Angriffen der stärkeren Waffen wird hier ein kleines Effektfeuerwerk abgespielt. Technisch läuft die Switch-2-Fassung im stationären Betrieb meist sauber und muss sich nicht vor den Versionen der anderen Plattformen verstecken. Unterlegt wird das Geschehen von einem wunderbar abwechslungsreichen Soundtrack von Moritani Yūto und Nakamachi Tomohiro, denen es gelingt, fröhliche, melancholische, mitreißende und adrenalingetränkte Töne passend zu den jeweiligen Situationen anzuschlagen. Die englische Synchronisation ist ganz passabel, kommt aber nicht an den mit motivierten Sprechern besetzten japanischen Originalton heran. Deutsche Bildschirmtexte unterstützen dabei. Ebenso verzaubern verschiedene Szenen, die uns an Xenogears, Shenmue und Terranigma erinnern, ohne jedoch deren Gameplay oder Story zu imitieren. Es sind einzelne Momente, die zu einem spannenden und unterhaltsamen Action-Abenteuer kumulieren. Somit bleibt uns das sehr spaßige The Adventures of Elliot: The Millennium Tales nachhaltig im Gedächtnis!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC-, PlayStation-5- und Nintendo-Switch-2-Fassung): The Adventures of Elliot: The Millennium Tales ist ein Action-Adventure, das allen voran an die The-Legend-of-Zelda-Reihe erinnert, aber auch Anleihen an Ys, Mystic Quest und Secret of Mana aufweist. Es macht sehr viel Spaß, die Welt zu erkunden, neue Verbesserungen für Elliot zu finden und Kämpfe mit den Monstern auszutragen. Es ist jedoch schade, dass es nur eine überschaubare Anzahl an Gegnertypen gibt und die Kämpfe auch nicht allzu herausfordernd sind. Ebenfalls könnten die Rätsel in den Dungeons deutlich anspruchsvoller sein, denn wenn ich nur einen Block auf einen drei Meter entfernten Schalter schieben muss, kann das schwerlich mehr als Beschäftigungstherapie gewertet werden. Mir gefällt aber vor allem die Story des Spiels, denn selbst vermeintliche Nebenaufgaben entpuppen sich im späteren Spielverlauf als elementarer Teil der Handlung. Obwohl diese stellenweise vorhersehbar ist, gibt es auch viele Überraschungen, die im richtigen Moment dafür sorgen, dass ich den Controller nicht zur Seite lege und noch tiefer in die Story versinke. Action-Adventure-Fans kommen hier definitiv auf ihre Kosten und werden mehr als dreißig Spielstunden gut unterhalten!
Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Adventures of Elliot: The Millennium Tales!