Review: Saskatchewan

Alan Walbridge Ladd spielt Mountie und Indianer vor der traumhaften Naturkulisse Kanadas. Ein einerseits solider und geradliniger, andererseits ein ungewöhnlicher Western vor ungewöhnlicher Kulisse mit ungewöhnlicher Darstellung der amerikanischen Ureinwohner, zumindest im Kontext der 1950er-Jahre.

North-West-Mounted-Police-Offizier Thomas O’Rourke kehrt gerade mit seinem Cree-Bruder Cajou von einer Pelzjagd-Expedition aus dem Norden Kanadas zurück, als sie auf die verbrannten Überreste eines von Sioux überfallenen Wagen-Trecks stoßen. Sie nehmen die einzige Überlebende, die temperamentvolle, widerspenstige Grace Markey, in Geleit und bringen sie zum Fort Saskatchewan. Dort ist in Abwesenheit der beiden der neue, steife Lagerkommandant Benton aus England angekommen. O’Rourke gerät sofort mit diesem aneinander, da er dessen Befehl hinterfragt, alle Gewehre der Cree zu konfiszieren. Letztlich muss er als Offizier der Order Folge leisten, obwohl es dadurch zum Bruch mit Cajou und den Cree kommt. Zu all dem gesellt sich United States Marshall Smith, der Miss Markey wegen Mordes verhaftet. Aufgrund der zunehmenden Bedrohung durch die Sioux werden die Mounties in das an der Grenze gelegene Fort Walsh beordert. Smith mitsamt Gefangener im Schlepptau und von den Indianern gnadenlos gejagt, kommt es erneut zum Streit zwischen O’Rourke und Benton darüber, welcher Weg nach Fort Walsh der sicherste ist. Der mit der Umgebung und dem Gegner besser vertraute O’Rourke folgt seinem Gewissen und enthebt den empörten Benton des Kommandos, ungeachtet dessen Versprechen, ihn in Fort Walsh ohne Umschweife vor ein Kriegsgericht zu stellen. Unterdessen die Spannungen zwischen den Parteien zunehmen, droht ein Bündnis zwischen Sioux und Cree ihr Schicksal endgültig zu besiegeln.

Ein Mountie-Held in einem soliden Western vor bildschöner Natur

Saskatchewan ist im Großen und Ganzen klassische Western-Kost unter der bewährten Regie des in Abenteuer- und Westernfilmen erfahrenen Raoul Walsh, gewürzt mit ein paar Besonderheiten, die ihn herausstechen lassen. Zuvorderst fällt natürlich die prächtige Naturkulisse Kanadas ins Auge, obgleich in diesem Fall nicht in der eponymen Provinz Saskatchewan, sondern im nahegelegenen Banff-Nationalpark gedreht wurde, dem ersten Nationalpark des Landes. Dieser war der zweite Park, der in Nordamerika eröffnet wurde – und erst der dritte weltweit. Die Naturaufnahmen sind von atemberaubender Schönheit und mitunter das größte Qualitätsmerkmal des Films, weshalb Walsh es nicht versäumt, sie bei jeder Gelegenheit, ob bei Tag oder bei Nacht, im schwelgerischen Postkarten-Modus auszustellen. Die Geschichte an sich ist vergleichsweise geradlinig und eine wenig originelle, simple Verfolgungsjagd, deren Drehbuchschwächen Walsh selbst einräumte, wobei die internen Konflikte die Handlung immerhin zügig voranbringen. Alan Ladd, der ein Jahr zuvor mit Mein großer Freund Shane Filmgeschichte schrieb, spielt O’Rourke als archetypisch kernigen Helden ohne Fehl und Tadel, dessen größtes Alleinstellungsmerkmal darin besteht, dass er ein kanadischer Mountie ist; ein zugegebenermaßen ungewöhnlicher Hintergrund für einen Westernhelden. Im Verlauf der Handlung trifft er ohne großes Aufsehen immer die richtigen Entscheidungen, nicht selten gegen den Willen seines sturen Vorgesetzten, dessen Respekt er sich schlussendlich durch sein umsichtiges und aufopferungsvolles Handeln natürlich dennoch verdient.

Konflikte und eine Dreiecksbeziehung

Shelley Winters, die im Laufe ihrer Karriere zwei Oscars gewinnen sollte, gibt hingegen den selbstbewussten wie willensstarken weiblichen Gegenpart und Love Interest fernab einer idealisierten hörigen Frauenfigur. Sie ist aufsässig, renitent, beherzt und macht am Ende überaus deutlich, wer in der Beziehung die Hose anhaben wird. Ihre Rolle ist für die eigentliche Handlung zwar nicht unbedingt nötig: Der Subplot um die Dreiecksbeziehung zwischen ihr, dem Marshall und O’Rourke kommt einerseits ein wenig aufgepfropft daher, andererseits stört er nicht und Winters ist definitiv eine Bereicherung für die fast ausnahmslos männliche Besetzung. Der Brite Robert Douglas Finlayson wiederum trägt die nötige britische aristokratische Steifheit für den Part des Benton zur Schau, doch bringt er den wachsenden Respekt seines Charakters gegenüber O’Rourke ebenfalls subtil zur Geltung. Daneben bietet Saskatchewan einige routinierte Schießereien zwischen den Mounties und Indianern, einen spektakulär in die Luft fliegenden Munitionswagen, sowie die ein oder andere taktische Finesse, wie O’Rourke mit Einsicht und Cleverness seine Gegner zu umgehen oder die Situation diplomatisch zu entschärfen versucht. Trotz aller Hindernisse, unter anderem verlangsamt ein schwer verletzter Mountie-Kollege die Gruppe, findet er dadurch immer die richtige Lösung.

Sioux und Cree, Widersacher und Protagonisten

Besondere Erwähnung verdient die Darstellung der Indianer, die gemessen an der Entstehungszeit nicht gerade differenziert ausfällt, wenigstens jedoch die eine oder andere überraschende Nuance parat hält. Hintergrund der Geschichte bildet eine Episode rund um Sioux-Stammeshäuptling Sitting Bull, der im Anschluss an die Schlacht am Little Bighorn 1876 tatsächlich für vier Jahre Zuflucht in Kanada gesucht hatte. Diese historischen Ereignisse nutzt der Film freilich bloß als Aufhänger. Während die Sioux im Wesentlichen kaum mehr als die Antagonisten gemäß des klischeebeladenen Indianers auf dem Kriegspfad geben, werden die Cree in einem anderen Licht gezeigt. Sie sind friedlich, aufgeschlossen und kompromissbereit, um nicht zu sagen hörig. Am Ende sind es die unüberlegten, voreingenommenen Maßnahmen Bentons, die den Vertrauensbruch herbeiführen, nicht die Taten der „unzivilisierten Wilden“. Realiter kann die Sioux-Bedrohung zum Schluss nur dadurch überwunden werden, dass die freundschaftlichen Beziehungen zu den Cree wiederhergestellt werden. Trotz der Einteilung in „gute Indianer“ und „böse Indianer“ führt dies zu einem weniger stark ausgeprägten Klischee-Abziehbild der Ureinwohner und einem dezenten Plädoyer für Zusammenarbeit. Hinzu kommt, dass O’Rourke als Adoptivsohn zum Mittler zwischen „weißem“ und „rotem“ Mann wird, und sein Bruder Cajou von Jay Silverheels gespielt wird, einem Irokesen-Nachfahren, bekannt vor allem für seine Rolle des Toto in der erfolgreichen Western-Serie Die Texas Ranger, besser bekannt als The Lone Ranger. Selbst Joseph Patrick Carrol Naishs Comic-Relief-Charakter Batouche ist eine glückliche Familie mit einer Cree gegönnt, die zwar für etwas platten Humor herhalten muss (sechs Jahre, sechs Kinder), letzten Endes dennoch eine harmonische Ehe repräsentiert.

Geschrieben von Jan Bantel

Jans Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Saskatchewan ist ein solider Beitrag zum Genre des Edel-Westerns der 1950er-Jahre, routiniert inszeniert von Raoul Walsh und hochkarätig besetzt mit Alan Ladd und Shelley Winters. Inhaltlich ist er nicht besonders hervorstechend und beschränkt sich auf eine geradlinige Verfolgungsjagd zwischen Mounties und American Natives vor der umwerfend schönen Naturkulisse Kanadas. Neben Schießereien liefern hauptsächlich die Konflikte innerhalb der Gruppe Spannung. Hierbei sind insbesondere die Reibereien zwischen O’Rourke und seinem Vorgesetzten Benton, sowie die Dreiecksbeziehung O’Rourke-Smith-Markey hervorzuheben. Besonderes Augenmerk verdient die Darstellung der Indianer, die zwar Klischee-Stolpersteine nicht vermeiden kann, dahingegen gemessen an der Entstehungszeit die eine oder andere Überraschung in petto hält. Ungeachtet der Rolle der Sioux als den eindimensionalen Widersachern, fällt die Schilderung der Beziehung zwischen Cree und Kanadiern weniger eindeutig aus und wird eher durch die Handlungen der letzteren belastet. In jedem Fall gerät das Bild, das von den Cree gezeichnet wird, wesentlich menschlicher und positiver als in manch anderem Western jener Zeit.

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