Review: Red Dead Redemption 2

Open-World-Spiele gehören inzwischen zu den erfolgreichsten Ideen auf dem Videospielmarkt. Red Dead Redemption 2 von Rockstar Games fällt ebenso in die Kategorie, nimmt sich aber ein Setting zur Brust, das in Videospielen ansonsten nicht so häufig vorkommt: Der Wilde Westen.

Genauer gesagt handelt es sich hierbei um das Amerika von 1899, womit der Nachfolger vor den Ereignissen des ersten Teils ansetzt. Eine Zeit, in der der Westen gar nicht mehr so wild war, denn die Zeit des wilden Outlaw-Lebens geht im inzwischen nicht mehr ganz so jungen Amerika langsam, aber sicher zu Ende. Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht Arthur Morgan, Mitglied der Van-der-Linde-Gang und enger Vertrauter des gleichnamigen Anführers der Bande, Dutch van der Linde. Immer auf der Suche nach dem nächsten großen Ding durchstreift die bunte Truppe die noch spärlich besiedelten Grenzen der Zivilisation. Aber ebenso wie diese Grenze werden auch die romantischen Vorstellungen des Outlaw-Lebens schnell von der Realität eingeholt. Die Städte wachsen, die Infrastruktur breitet sich aus und so muss sich auch Dutch van der Linde eingestehen, dass die Zukunft der Bande im Ungewissen liegt. Aus der Perspektive von Arthur erleben wir den Werdegang der Bande ebenso wie die Auswirkungen, die die Veränderungen auf die Beziehung der beiden Männer bewirkt. Im Vergleich zu bisherigen Rochstar-Games-Spielen nimmt sich Red Dead Redemption 2 dabei um einiges ernster als das eher satirische Grand Theft Auto oder der mit vielen Western-Klischees- und Stereotypen überzogene erste Teil aus dem Jahr 2010.

Eine Welt im Wandel

Wer allerdings ein Spiel des Entwicklers gespielt hat, wird sich dennoch schnell in Red Dead Redemption 2 zurechtfinden. Das Open-World-Spiel lässt dem Spieler nach dem Prolog die Wahl, in welcher Reihenfolge er optionale oder storyrelevante Aufgaben er oder sie erledigen will. Um den Entdeckerdrang zu fördern und die sehr große Spielwelt nicht direkt zu enthüllen, liegt über nicht erkundetem Areal der Karte solange Nebel, bis diese Region erschlossen wird. Die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich gestaltet und reichen von klassischen Banküberfällen, deren Vorbereitungen bis hin zu simplen Eskortmissionen. Auch wenn der direkte Zusammenhang zwischen den einzelnen Missionen nicht immer gegeben ist, machen sie immer Spaß und überraschen bis zum Schluss mit neuen Ideen. Was allerdings jede Mission und Handlung im Spiel besonders macht, ist der Fokus auf eine sehr bedachte und wesentlich realistischere Steuerung und Darstellung der Bewegungsanimationen von Mensch und Natur in der Spielwelt. Durch den Detailgrad und die dahintersteckende Immersion werden auch gewöhnliche Tätigkeiten zu einer immersiven Erfahrung. Allein das Reiten durch einen Wald wird zu einer konzentrationswürdigen Aufgabe, denn wer schon mal seinen Gaul gegen ein Hindernis geritten ist, will diesen unangenehm inszenierten Unfall kein zweites Mal erleben. Auch Arthur ist alles andere als ein Superheld. Kleinere Abhänge bringen ihn schon ins Schwitzen und der Sprung über einen Zaun kann auch schnell zu einem unglücklichen Verlust von Lebensenergie führen.

Jagen und gejagt werden

Solange man den Regeln des Spiels folgt und sich auf die Design-Philosophie der Entwickler einlässt, gibt einem auch die Steuerung immer die volle Kontrolle über die Figur. Ein Bruch in diesem System stellt allerdings das Kampfsystem dar. Dieses ist dem des Vorgängers sehr ähnlich, das heißt eine starke Zielhilfe unterstützt den Spieler Gegner mit Waffen ins Visier zu nehmen und muss nur noch leicht nachjustiert werden. Das System kann optional deaktiviert werden, dann wird das Zielen allerdings zu einer Herausforderung, der auch der größte Revolverheld nicht gewachsen ist. Durch das tolle Treffer-Feedback und den schönen Schussgeräuschen macht das Schießen dennoch eine Menge Spaß. Das muss es auch, denn als Outlaw hat es Arthur nicht nur mit den ansässigen Behörden zu tun, auch andere verfeindete Gangs, Kopfgeldjäger und nicht zuletzt verärgerte Opfer der Raubzüge sind hinter der Bande her. Das Camp der Gang liegt dementsprechend versteckt und dient als Dreh- und Angelpunkt vieler Missionen und Tätigkeiten. Dort treiben sich auch die anderen Bandenmitglieder herum, mit denen Arthur auf vielfältige Art und Weise interagieren kann. Red Dead Redemption 2 nutzt seine lange Spielzeit, um die Figuren mit einem emotionalen Gewicht auszustatten, das in den letzten Entwicklungen der Story zum Tragen kommt. Allerdings hätte das Spiel dennoch einige Missionen weniger bei Weitem nicht schlechter gemacht.

Kettenreaktion des Todes

Zusätzlich gibt es eine Menge optionale Missionen, Aufgaben und ein ausgebautes Jagd-System. Selten wurde eine Tier- und Pflanzenwelt so detailliert und lebensnah dargestellt wie in diesem Spiel. Da tut es fast schon ein bisschen weh, mit Bogen und Gewehren auf die Jagd nach Fellen und anderen Tier-Bestandteilen zu gehen, um anschließend Taschen und Camp-Einrichtungen zu erweitern und auszubauen. Die Jagd nach perfekten Materialen ist trotzdem sehr befriedigend und gut ins gesamte Spiel eingebunden. In der großen Stadt unter Menschen fühlt sich Arthur dagegen etwas fehl am Platz. Ein kleiner Fehltritt, egal ob bewusst oder unbewusst, kann schnell viele Tote nach sich ziehen. Wird ein Passant angerempelt und rennt zum nächsten Gesetzeshüter, bleibt nur noch die Flucht oder der Griff zum Schießeisen. So oder so kann sich Arthur in der Gegend nichts mehr erlauben, außer er bezahlt das Kopfgeld, mit dem auch das gröbste Vergehen aus der Welt geschafft wird. Ebenfalls nervig ist die Tatsache, dass alle Waffen nach jeder Mission wieder neu am Sattel ausgerüstet werden müssen. Zwar zwingt das den Spieler, sich mit seinen Waffen stärker auseinanderzusetzen, allerdings geht bei einer zweistelligen Anzahl von Revolvern, Flinten und Karabinern irgendwann die Übersicht verloren. Das sind aber alles nur Kleinigkeiten in einem Western-Abenteuer der Superlative, das sich kein Fan dieses Settings sowie von Open-World-Spielen entgehen lassen darf!

Geschrieben von Jonas Maier

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Red Dead Redemption 2 gehört mit Fug und Recht zu den besten Videospielen, die jemals von Menschenhand geschaffen wurden. Die Spielwelt ist wahnsinnig groß, an allen Ecken und Enden mit Leben gefüllt, das Gameplay häufig bis ins kleine Detail ausgefuchst und alleine optisch und akustisch ist der Wilde Westen ohne Frage eine Augenweide. Kurz gesagt sprüht das Spiel nur so vor Atmosphäre, denn jedes Mal wenn der Ritt von einem Ort zum anderen geschieht, passieren unterwegs unerwartete Dinge. Das können Damen in Not, selbstverständlich unschuldige Geiseln des Sheriffs oder gar ein Überfall auf die eigene Person sein. Es ist wahrhaftig erstaunlich, wie viel Abwechslungsreichtum alleine schon in diesen Nebengeschichten steckt und auch die eigentliche Handlung ist mit ihrer konsequent bis zum Ende langsamen Erzählweise einfach nur fantastisch inszeniert, was auch an den traumhaften (und meist) englischen Synchronsprechern liegt, die ihren Charakteren reichlich Leben einhauchen. Sie entwickeln sich von der ersten Minute an bis zum grandios angelegten Finale, das noch dazu eine fantastische Brücke zum ersten Serienteil schlägt, zu greifbaren, liebenswürdigen, unausstehlichen oder gar törichten Figuren, die allesamt auf unterschiedliche Art und Weise miteinander agieren. Auch vor überraschenden Wendungen macht die Story keinen Halt, die sich vor allem in der zweiten Spielhälfte mehren. Red Dead Redemption 2 ist definitiv ein Must-have für jeden einzelnen Open-World-Fan und ein Spiel, über das auch noch in Jahrzehnten gesprochen wird!

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Playstation-4-Fassung): Red Dead Redemption 2 ist ein hervorragendes Open-World-Spiel, das unterschiedliche Qualitäten in sich vereint. Der Star ist eindeutig die Spielwelt, die zahlreichen Inhalte und die mannigfache Darstellung der Lebewesen – seien es Tiere oder Menschen. Gepaart mit der entschleunigten Charaktersteuerung und den minimalistischen Elementen der Benutzeroberfläche kann ein langer Ritt durch die Spielwelt sogar entspannend wirken; besonders im Einklang mit der oftmals subtil eingebundenen Soundkulisse. Ebenfalls gelungen ist die Handlung, die im Vergleich zu anderen Spielen von Rockstar Games um einiges ernster, sogar menschlicher ist, und genau deswegen über die enorm lange Spielzeit – bis auf einige Längen im Mittelteil – wunderbar hinweg trägt. Rockstar Games legt mit Red Dead Redemption 2 die Messlatte für die nächste Generation von Open-Wold-Spielen einmal mehr eine Stufe höher!

Vielen Dank an Rockstar Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Red Dead Redemption 2!

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