Review: Attack on Titan: Final Season (Vol. 4)

Nachdem die Wartezeit für Attack-on-Titan-Fans nach der zweiten Volume der vierten Staffel unerträglich war, fiel sie zwischen der dritten und vierten Ausgabe wesentlich angenehmer aus – einen Monat später folgte das den zweiten Part abschließende Episodenpaket der Serie.

In der dritten Volume der finalen Staffel von Attack on Titan überschlagen sich die Ereignisse im Bezirk Shiganshina. Es tobt der Krieg zwischen der Nation Marley und den Eldia, die sich historisch bedingt auf die Insel Paradis zurückgezogen haben. Marleys Truppen gelingt es im Zuge des Angriffs nicht zu verhindern, dass sich die beiden Brüder Eren und Zeke Jäger in ihrer Titanenform berühren. Anstatt dass sich die beiden am Ort der Koordinate von der Urahnin Ymir wünschen, dass die Eldia allesamt sterilisiert werden und mit der Zeit vom Planeten verschwinden, zeigt Eren sein wahres Gesicht. Er will sein Volk und seine Freunde vor diesem grausamen Schicksal bewahren und löst stattdessen die Walze aus. Das Unaussprechliche, vor dem Marley wie der Rest der Welt zittert, ist eingetroffen. Soll heißen, dass Eren die ursprünglich zum Schutz gedachten Mauern zum Einsturz bringt und die dort schlummernden Titanen für ihren Marsch erweckt. Mit ohrenbetäubendem Beben machen sich diese Kolosse auf, das Festland zu erreichen, um alles Leben auf der Welt außerhalb von Paradis zu vernichten. Auf diesem Konstrukt baut die vierte Volume auf, verlagert jedoch das Geschehen weg von der Konstante außerhalb von Raum und Zeit hin in die bedrohliche Gegenwart. Hier prallen derweil diverse politische, gesellschaftliche und militärische Ansichten aufeinander.

Austausch am Lagerfeuer

Hauptsächlich konzentriert sich die Handlung in der vierten Volume auf altbekannte Charaktere, die zum Teil nach langer Zeit wieder aufeinander treffen. Zum Beispiel kehrt in einer der ersten Szenen überraschend Annie Leonhardt zurück, der es durch die Auslösung der Walze gelungen ist, aus ihrem Gefängnis zu befreien. Der Zuschauer darf sich nicht nur auf die Wiedervereinigung mit ihren früheren Weggefährten Armin Arlert und Mikasa Ackermann freuen. Außerdem erhält sie zusätzlichen Background, der sie ein wenig menschlicher erscheinen lässt, da zwischenzeitlich doch einige neue Informationen innerhalb der Handlung dies nötig gemacht haben. Ebenfalls gibt es ein Wiedersehen mit Hanji Zoe und dem verwundeten Levi Ackerman. Gemeinsam stoßen sie an einem Lagerfeuer auf Theo Magath, der sich zunächst nicht auf einen Deal einlassen will. Als auch noch Armin, Mikasa sowie Connie Springer, der den kleinen Falco Grice an seine zum Titanen gewordene Mutter verfüttern will, Gabi Braun und ihr Cousin Reiner in diese Konstellation verwickelt werden, schließen sie den Pakt, Eren unter allem Umständen aufzuhalten. Um jedoch das Meer überqueren zu können, müssen sie ein Flugschiff der Familie Azumabito entwenden, das jedoch von Erens Anhängern stark bewacht wird. Brenzlig, brutal und blutig – Attack on Titan setzt diesmal ganz neue Akzente.

Schmales Bonusmaterial

Animationsstudio Mappa hat sich auch an der Gestaltung der letzten Folgen des zweiten Parts nicht lumpen lassen. Mit gewohnt blassen Farben ist das Geschehen stets bedrückend. Es bleibt selbst in freudigen Momenten, in denen die Farben etwas heller ausfallen, stets atmosphärisch. Besonders die letzte Episode dieser Volume, die als fehlendes Puzzleteil vorheriger Ereignisse zu verstehen ist, gefällt außerordentlich gut. Selbiges betrifft sowohl die deutsche als auch die japanische Synchronisation, die abermals den richtigen Nerv treffen und zusammen mit dem Soundtrack ein auditives Erlebnis bietet. Am digitalen Bonusmaterial hat der Herausgeber Crunchyroll allerdings gespart, denn es ist nicht existent. Stattdessen gibt es mit einem Booklet aber zumindest einen halbwegs funktionierenden Ausgleich. Der enthaltene Episodenguide ist trotz hübscher Gestaltung zwar ähnlich obsolet in seiner Funktion wie bei der vorherigen Volume, doch folgen im restlichen Büchlein durchaus interessante Fakten. So gibt es zwei weitere Mitarbeiter-Gesprächsrunden, in denen es neben dem für Japan typischen Austausch von Höflichkeitsfloskeln vor allem um die Gestaltung des Abspanns und dem Einfügen der Charaktermodelle ins Gesamtbild geht. Zu guter Letzt gibt es noch ein paar schicke Artworks zu bewundern. Wer die dritte Volume der Final Season von Attack on Titan mit Schuber erworben hat, kann die tolle vierte Ausgabe nun genüsslich in diesem unterbringen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mittlerweile bleiben die großen Überraschungsmomente in Attack on Titan leider aus. Dies is auch kein Wunder, denn kurz vor dem großen Finale würde es ohnehin nichts bringen, noch mehr Fragen aufzuwerfen anstatt noch offene zu beantworten. Letzteres gelingt der vierten Volume gerade mit der letzten Folge, die zeitlich überwiegend früher einzuordnen ist, außerordentlich gut. Auch wie die Charaktere in den vorliegenden Episoden vermenschlicht wurden und das große Dilemma, das einfach nicht mehr miteinander gesprochen wird, noch einmal verdeutlichen. Ein Blick vom Anime auf das alltägliche Weltgeschehen an Kriegsschauplätzen zeigt eindrücklich, wie elegisch sowohl unsere als auch die Welt von Attack on Titan ist. Diese Wirkung wird durch die blasse Farbgebung und die Musik noch einmal verdeutlicht. So traurig die Inhalte auch sein mögen, Attack on Titan bleibt auch mit dieser Volume eine der besten Anime-Serien aller Zeiten. Es bleibt spannend, wie der Konflikt zwischen den Eldia und der Nation Marley in den beiden abschließenden Filmen ausgeht.

Hinterlasse einen Kommentar