Bereits in der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre erschien der Anime-Film Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, auf DVD. Wenige Jahre später folgte eine Blu-ray-Fassung des Klassikers von Kazé Anime, die von KSM im März 2026 abermals auf den Markt gebracht wurde.
Schon viele namhafte Hollywood-Blockbuster wie Zurück in die Zukunft bedienten sich der Zeitreisethematik und auch im Fernsehen ist das Konzept dank Serien wie 12 Monkeys nicht mehr wegzudenken. Anime wie Inuyasha haben sich ebenfalls schon diesem Szenario bedient, spielen jedoch mehr mit ihrer kreativen Gestaltung als mit kausalen Zusammenhängen. Regisseur Hosoda Mamoru hat diesen Umstand im Jahr 2006 wohl schmerzlich erkannt und mit Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, einen absolut wegweisenden Film geschaffen, der seiner Karriere noch dazu richtigen Aufwind gab. Der Film dreht sich um die siebzehnjährige Schülerin Konno Makoto, die sich unklar über den weiteren Verlauf ihres Lebens ist. Anstatt sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen, genießt sie lieber den Sommer und spielt jeden Nachmittag nach der Schule mit ihren beiden Freunden Mamiya Chiaki und Tsuda Kōsuke Baseball. Dies ändert sich in dem Moment, in dem sie ein paar Schulhefte der Klasse ins obere Stockwerk tragen soll. Als sie dort einen Schatten bemerkt, rutscht sie auf einem nussähnlichen Objekt aus. Erst denkt sie sich nichts dabei, doch auf dem Nachhauseweg versagen die Bremsen ihres Fahrrads. Anstatt mit Ach und Krach in einen vorbeisausenden Zug zu donnern, geschieht etwas Merkwürdiges. Die Zeit hält an und dreht sich ein paar Minuten zurück.
Time waits for no one
In einem Gespräch mit ihrer Tante realisiert Makoto, dass sie wohl durch die Zeit gesprungen sein muss. Angeblich sollen sogar viele junge Mädchen diese Fähigkeit haben. Makoto glaubt nicht an die Geschichte ihrer Tante, doch lässt sie der Gedanke nicht los. Sie läuft zum Fluss und springt mit Tempo über die Klippe – ein weiterer Zeitsprung findet statt. In der nächsten Zeit versucht sie ihre peinlichen Missgeschicke oder Fehler in einer Klausur zu korrigieren, indem sie immer mal wieder ein Stück zurück in der Zeit springt. Schon bald fängt sie damit an, das Schicksal ihrer Mitmenschen zu beeinflussen oder gar zu verändern. Obwohl sie gute Absichten hat, verwischt sich schon bald der Zeitstrahl mit möglichen negativen Alternativen. Die baldige Ausschöpfung der Zeitsprungmöglichkeit und das Geheimnis einer ihrer Freunde setzen ihr zusätzlich zu, was im Film eine gewisse Anspannung erzeugt. Obwohl sich der Anime einer wenig komplexen Form der Zeitreisethematik annimmt, regt er trotzdem zum Denken an. Ist es menschlich, seine Fehler rückgängig zu machen und zu verbessern? Erschaffen wir damit nicht eine bessere Welt? Würden wir damit den Anstoß zu einer Reihe unvorherbestimmter Ereignisse auslösen? Solche und weitere Fragen stellen wir uns nach dem Film, der uns zumindest in Gedanken die Zerstörung von Raum und Zeit überdenken lässt.
Zeitloses Zusammenspiel
Stundenlang ließe sich über dieses Thema diskutieren, was aber nichts am Inhalt des Films ändern würde. Auf dieser Ebene kann Das Mädchen, das durch die Zeit sprang voll und ganz überzeugen. Die Geschichte wird an keiner Stelle überdreht dargestellt und bleibt im Raum der Vorstellungskraft logisch. Die auftauchenden Charaktere verfügen allesamt über unterschiedliche wie tiefgründige Persönlichkeiten und verfügen über die Fähigkeit, die Handlung zur Nebensache verkommen zu lassen, sodass sich der Zuschauer lieber in die Figuren hineinversetzen will. Das rund 100-minütige Werk wird auf Blu-ray Disc im säuberlichen 16:9-Format präsentiert. Hintergründe und auch die Charaktermodelle sind den sehr gut gelungen, wirken in der Full-HD-Ausgabe altersbedingt leicht verwaschen. Die Musik setzt hingegen auf Klavierstücke, die ins Ohr gehen. Dazu kommt das schöne Titellied, gesungen von Oku Hanako. Auch die deutschen und japanischen Synchronsprecher wurden gut ausgewählt, denn keine Stimme ist fehl am Platz. Wer seine Sprachkenntnisse in Englisch, Französisch und Italienisch aufbessern will, freut sich über weitere Tonspuren in diesen Sprachen inklusive Untertitel – bei Anime eher eine Seltenheit! Digitale Boni fehlen in der Neuveröffentlichung völlig, weshalb wir Komplettisten eher die Collector’s Edition der DVD-Fassung von 2007 ans Herz legen möchten. Wer nur den Film sehen will, kann jedoch unbedenklich zugreifen.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray- und DVD-Fassung): Mir hat der Anime Das Mädchen, das durch die Zeit sprang schon vor Jahren sehr gut gefallen – und auch zwei Jahrzehnte nach seiner Uraufführung in Japan kann das Werk mich immer noch begeistern. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich für Zeitreisen und der Vorstellung paralleler Welten interessiere. Dieser Film verbindet in gewisser Weise beide Ideen. Zu erst das ständige Zurückkehren zu früheren Ereignissen und dann die entstandenen neuen Begebenheiten. Ich ging mit den Erwartungen an den Film, dass Makoto irgendwann aus ihren Fehlern lernt und wie Bill Murray in Und täglich grüßt das Murmeltier einen wiederkehrenden Tag so lebt, bis er perfekt wird. Eine Wende in der Handlung hat mich eines Besseren belehrt und ich bin froh darüber, denn das Ende lässt mehr Freiraum zum Interpretieren als so manch anderer Anime in diesem Genre. Obwohl Science-Fiction-Elemente enthalten sind, so ist es doch mehr ein Coming-of-Age-Abenteuer mit einem guten Stück Lovestory. Schade finde ich jedoch, dass die neu veröffentlichte Blu-ray-Fassung ohne Bonusmaterial auskommt. Zugegeben ist es schwer, den Umfang der Collector’s Edition aus dem Jahr 2007 zu toppen, aber Hosodas Werk ohne Boni zu veröffentlichen, ist in meinen Augen falsch und würdigt den sehr guten Film nicht.