Im Jahr 2004 startete in Japan mit The Legend of Heroes: Trails in the Sky eine zahlreiche Episoden umfassende Rollenspielreihe, die sich inzwischen weltweit großer Beliebtheit erfreut. Mit Trails in the Sky: 1st Chapter Remake erhielt das Werk Ende 2025 eine Neuauflage.
Eigentlich geht die langlebige Rollenspielreihe bis auf das Jahr 1989 zurück, denn mit dem ursprünglich für den PC-8801 veröffentlichten Spiel Dragon Slayer: The Legend of Heroes zeichnete sich über die Jahre allmählich etwas noch viel Größeres ab. Obwohl auch diese Spiele Verbindungen untereinander aufweisen, gelang es dem japanischen Entwicklerstudio Nihon Falcom erst mit The Legend of Heroes: Trails in the Sky eine Grundlage zu schaffen, die für viele weitere Serienteile relevant bleiben sollte. Während viele spätere Episoden der Reihe für Konsolenspieler beispielsweise bequem auf PlayStation 4, PlayStation 5 oder der Nintendo Switch gespielt werden können, verhält es sich mit der Trails-in-the-Sky-Trilogie anders. Die ersten beiden Spiele sind auf der PlayStation Portable in Europa erschienen, der dritte Teil nur noch auf dem PC. Anstatt jedoch schlichte Portierungen für die Konsolen zu bieten, haben sich die Entwickler gedacht, gleich ein umfangreiches Remake umzusetzen. Das Debüt der Trilogie erschien daraufhin im Oktober 2025 und verblüfft seitdem mit hübschen Anime-Charakteren, einer dichten Erzählung, die über zahlreiche Dialoge transportiert wird, und nicht zuletzt einem frischen Kampfsystem, das aus einer Mischung aus Echtzeit und rundenbasierten Taktiken neue Akzente setzt. Das lohnt sich selbst für Kenner des Originalspiels!
Langsame Erzählung mit dichter Atmosphäre
Angesiedelt ist Trails in the Sky: 1st Chapter Remake wie das Original im malerischen Fantasy-Königreich Liberl, das in mehrere kleine Regionen unterteilt ist. Zehn Jahre nach einem hunderttägigen Krieg gegen das Erebonische Imperium haben die Bewohner wieder in ihr altes Leben gefunden. Von Schlachten zeugen höchstens noch Plaketten, die an Mahnmälern angebracht sind. In diesen Zeiten verdingen Bracer genannte Alleskönner ihre Zeit mit Aufträgen, welche der Bevölkerung zugutekommen sollen. Zwei dieser Bracer sind das Geschwisterpaar Estelle und Joshua Bright. Diese stehen kurz vor ihrer Aufnahmeprüfung – und wir sind mit dabei. Im Klartext heißt das, dass das Rollenspiel gefühlt ewig braucht, um in die Gänge zu kommen. Alles und jedes wird kleinteilig aufgeschlüsselt. Das kann je nach Spielertyp durchaus nerven, ist von den Entwicklern beziehungsweise Autoren aber genauso gewollt. Trails in the Sky: 1st Chapter Remake lebt von seiner Atmosphäre, die sich vor allem über die Dialoge entfaltet. Kaum haben wir einen neuen wichtigen Meilenstein in der Story erreicht, erzählt uns wirklich jeder Nicht-Spieler-Charakter etwas Neues aus seinem Leben. Zuweilen nehmen die Informationen auch Bezug auf die Handlung, sodass wir bestimmte Ereignisse oder sogar Wendungen mehr oder weniger kommen sehen können, wenn wir gut aufpassen.
Abwechslungsreiches Heldengespann
Trotz der langsamen Erzählweise haben viele Ereignisse einen starken Einfluss auf das Finale, denn dem Spiel gelingt es eindrucksvoll, uns am Ende logisch mit zuvor unscheinbaren Momenten zu überraschen. Auf dem Weg dahin fühlt sich das Rollenspiel wie ein überaus solider Vertreter seines Fachs an. Neben Unterhaltungen mit zahlreichen Dorfbewohnern erkunden wir mit Estelle und Joshua aus der Verfolgerperspektive die Spielwelt, die sich vor allem über Straßen und Gebirgspfade identifiziert. Hier und da zeugen mysteriöse Türme von einer älteren Zivilisation. Unterstützung erhalten die beiden von weiteren Charakteren wie dem rothaarigen Krieger Agate Crosner, dem Möchtegerncasanova Oliver Lenheim, der stets mit einer griffbereiten Peitsche ausgerüsteten Scherazard Harvey oder der kleinen Tüftlerin Tita Russel. Jede Spielfigur in Trails in the Sky: 1st Chapter Remake verfügt über eine eigene Backstory und Kampffähigkeiten. Überall in der Welt lauern Gefahren im Sinne von Monstern. Kämpfen sollten wir bis zu einem gewissen Grad nicht aus dem Weg gehen, damit wir in den gerade zu Beginn herausfordernden Auseinandersetzungen mit Bossgegnern überhaupt eine Chance haben. Besiegte Feinde hinterlassen neben den nötigen Erfahrungspunkten auch Sepith, welches wir sowohl für die Quarzherstellung als auch die Umwandlung in Mira benötigen.
Actionorientiertes wie rundenbasiertes Kampfsystem
Während Mira die Währung in Liberl darstellt, mit der wir in Läden neue Ausrüstungs- oder Heilgegenstände erwerben können, hängt Quarz eng mit der Magie zusammen, die wir in und außerhalb der Kämpfe wirken können. In Trails in the Sky: 1st Chapter Remake besitzt jeder Held ein sogenanntes Orbment, in dem wir die kugelförmigen Quarze einsetzen können. Je nachdem welche Quarze in den limitierten Slots eingesetzt sind, verfügt der jeweilige Recke über andere Magiefähigkeiten. Dies erinnert ein wenig an das Materia-System aus Final Fantasy VII, setzt hierbei jedoch auf etliche Kombinationsmöglichkeiten, die zudem Auswirkungen auf Attribute und Fähigkeiten haben. Treffen wir in den Arealen auf Monster, können wir diese an Ort und Stelle vermöbeln. Diese Art des Kampfes kann sich aber ganz schön in die Länge ziehen, weshalb der Wechsel spätestens bei der Betäubung der Gegner in den rundenbasierten Modus ratsam ist. Dann können sowohl die Zauber, die eine Aufladezeit benötigen, als auch die sofort einsetzbaren Techniken mit ihren unterschiedlichen Angriffsbereichen auf ganzer Linie punkten. Das durchaus taktische Kampfsystem macht Laune und ist schnell verinnerlicht. Auch in puncto Steuerung können wir sowohl bei der Erkundung als auch im Kampf kaum etwas bemängeln. Höchstens das Nachjustieren der Kamera stört uns manchmal.
Frischzellenkur eines Klassikers
Seit der ursprünglichen Version im Jahr 2004 hat sich die Technik rasant weiterentwickelt. So verzichtet das Spiel auf die Pixeloptik vollständig, während die Charaktere mit Knuddeloptik immerhin noch im Ladebildschirm auftreten. Gewichen ist dieser Präsentation eine vollständige 3D-Umgebung und hübsche Figuren im knallbunten Anime-Look. Allenfalls die manchmal doch sehr spärliche Gestik und Mimik lassen sich neben der doch eher eintönig aufgebauten Spielwelt beanstanden, wobei letzteres möglicherweise gewollt ist, da Liberl als kleines und um einen See aufgebautes Königreich dargestellt wird. Darüber hinaus läuft das Spiel auf der PlayStation 5 mit einer butterweichen Bildwiederholrate. Die Ladezeiten auf Sonys Konsole fallen zudem kaum bis gar nicht spürbar auf. Auf der akustischen Seite gibt es aber ein paar Abstriche, denn so schön manche Musikstücke sind, so schnell wiederholen sie sich leider. Wollt ihr wirklich jedes Gespräch mitnehmen, überschreitet die Spielzeit locker die Marke von einhundert Stunden. Entsprechend nervig können die wenigen Stücke werden. Schade ist auch, dass ein Großteil der Dialoge, wahlweise im guten japanischen Originalton oder der passablen englischen Synchronisation, nicht vollständig vertont sind. Merkwürdig ist zudem, dass in manchen Dialogen nur ein Sprecher aktiv ist. Das kostet Punkte in der Atmosphäre, macht Trails in the Sky: 1st Chapter Remake aber keinesfalls zu einem schlechten Spiel.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Obwohl ich mir Trails in the Sky vor etlichen Jahren auf dem PC gekauft habe, kam ich bis heute nicht dazu, den Klassiker zu spielen. Als das Remake erschien, das ich auch als wunderbaren Einstiegspunkt in die Serie empfehlen kann, konnte ich jedoch nicht anders als mich in der Spielwelt für über einhundert Stunden zu verlieren. Zwar würde ich nicht behaupten, dass Trails in the Sky: 1st Chapter Remake eines der besten Rollenspiele aller Zeiten ist, davon ist es meines Erachtens ein gutes Stück weit entfernt, aber es hat seine ganz eigenen Stärken, die darüber entscheiden, ob ihr das Werk von Nihon Falcom mögen werdet. Allen voran ist die langsame Erzählweise zu nennen, denn jeder Nicht-Spieler-Charakter erzählt nach jedem wichtigen Moment in der Handlung etwas Neues zur aktuellen Situation im Land oder in seinem Leben. Das ist durchaus interessant, kann aber auch sehr mühselig sein. Die allermeisten Dialoge sind aber freiwillig, doch falls ihr diese nicht führen wollt, werdet ihr die Atmosphäre des Spiels kaum begreifen können. Darüber hinaus fällt die Spielwelt spätestens ab der zweiten Region sehr eintönig aus, was aber womöglich gewollt ist. Ihr werdet dafür jedoch mit einem motivierenden Kampfsystem und einer am Ende wunderbar zusammenlaufenden Handlung inklusive Cliffhanger belohnt. Da steigt die Vorfreude auf Trails in the Sky: 2nd Chapter Remake, was wenig überraschend bereits in Entwicklung ist und noch 2026 erscheinen soll.