Review: Cadence of Hyrule: Crypt of the NecroDancer – featuring The Legend of Zelda

Als im Jahr 2015 das Rhythmusspiel Crypt of the NecroDancer für den PC erschien, ahnte wohl noch niemand, dass der Nachfolger aus dem Jahr 2019 ein Crossover mit Nintendos The-Legend-of-Zelda-Reihe werden sollte. Cadence of Hyrule: Crypt of the NecroDancer – featuring The Legend of Zelda erschien im Oktober 2020 zusätzlich in einer Gesamtausgabe.

Im Komplettpaket schlummert auf der Cartridge nicht nur das Hauptspiel, das bisher exklusiv im eShop angeboten wurde, sondern auch der Season Pass mit sämtlichen Inhalten. Das Spiel selbst berichtet von Cadence, der Heldin aus Crypt of the NecroDancer, die es durch Zufall ins Lande Hyrule verschlägt. Fiesling Octavo hat das Schloss von Hyrule erobert und das Königreich seinen Schergen überlassen. Link und Zelda, die Protagonisten der The-Legend-of-Zelda-Reihe, haben den Überfall jedoch verschlafen. Damit lautet unsere erste Aufgabe mit Cadence, einen der beiden Helden aus dem Schlaf zu wecken. Es ist egal, für wen der beiden wir uns hier entscheiden, denn die andere Figur kommt im Handlungsverlauf hinzu. Auch wenn uns nur einer der Charaktere auf dem Bildschirm angezeigt wird, haben wir an bestimmten Punkten stets die Möglichkeit, zwischen Cadence, Link, Zelda und Co zu wechseln. Gemeinsam reisen sie durch Hyrule, um Anhänger für den Kampf gegen Octavo zu sammeln und die vier magischen Instrumente zu finden, die kreuz und quer in der Welt verteilt sind. Was nach einem typischen Spiel aus dem The-Legend-of-Zelda-Franchise und damit wie ein Action-Adventure klingt, entpuppt sich nach wenigen Minuten als ein Rhythmusspiel, das sich wie ein märchenhaftes, aber dennoch eher gewöhnungsbedürftiges Abenteuer anfühlt.

Mit Rhythmusgefühl durch Hyrule

Cadence of Hyrule vermischt im Grunde das The-Legend-of-Zelda-Gameplay mit dem starken Rhythmusaspekt von Crypt of the NecroDancer. So hüpfen wir schachbrettartig und immerzu im Takt durch Hyrule. Wer jetzt denkt, dass er ohne Rhythmusgefühl aufgeschmissen ist, darf aufatmen. Die Entwickler haben dem Spiel eine Option spendiert, mit welcher der Takt ganz ignoriert werden kann. Stattdessen läuft das Abenteuer dann rundenbasiert ab. Das heißt, wenn wir uns nicht bewegen, bleiben auch alle Gegner auf dem Bildschirm stillstehen. Unsere Aufgabe ist, auf dem jeweiligen Bildausschnitt  alle Gegner zu besiegen, indem wir ihnen ausweichen und im richtigen Moment zurückschlagen. Nebenbei plündern wir Schatztruhen, um Rubine und andere wertvollen Sachen einzusacken. So gelangen wir beispielsweise an Fackeln, mit denen uns in Höhlen ein größerer Sichtkegel umgibt. Auch lassen sich so Schaufeln finden, mit denen wir uns durch die Erde graben. Erkunden wir fleißig die Spielwelt, kommen wir peu à peu in den Genuss von weiteren bekannten Items des The-Legend-of-Zelda-Franchises. Rissige Wände lassen wir mit Bomben in sich zusammenstürzen, Abgründe überwinden wir mit dem Enterhaken und Feuerbälle verschießen wir mit dem dazugehörigen Zauberstab. So erschließt sich uns nach und nach angenehm die Spielwelt. Einen Haken gibt es dennoch.

Gegenstände zum Verschleißen 

Ob es uns gefällt oder nicht. Wollen wir Spaß an Cadence of Hyrule haben, müssen wir mit verschiedenen Rogue-like-Elementen zurechtkommen. Beispielsweise setzen sich die Höhlen bei jedem Besuch neu zusammen, sprich neue Räume, andere Gegnerpositionen und wieder gefüllte Schatztruhen mit ähnlichen Objekten. Letzteres liegt aber wohl daran, dass sich die Entwickler ein wenig von The Legend of Zelda: Breath of the Wild haben inspirieren lassen. Schaufeln, Fackeln und Kleinode wie Ringe oder Stiefel zerbrechen mit der Zeit und sollten entsprechend schnell ersetzt werden. Bevor aber jemand böse mit dem Finger auf das kanadische Entwicklerstudio Brace Yourself Games zeigt, sollte gesagt werden, dass dies, mit Ausnahme seltener Waffen, die einzigen Gegenstände sind, die verschleißen. Köcher, Bombentasche, Bumerang und Konsorten verlieren nicht an Wert. Sobald wir ins Gras beißen, verlieren wir nur Verbrauchsgüter wie Bomben oder Pfeile, die aber schnell wiederbeschafft sind. Wer häufiger an einer Stelle stirbt, aufgrund mangelnden Rhythmusgefühls oder mit Gegnern übersäten Bildschirmen, wird Cadence of Hyrule verfluchen. Solchen Frustmomenten können wir entgegenwirken, indem wir uns auf die Suche nach Herzteilen machen und so unsere Lebensenergie erhöhen. Ein gesunder Erkundungsdrang sollte aber ohnehin vorhanden sein.

Willkürliches Spielkonzept

Wer in Cadence of Hyrule vorankommen will, muss sich gut umschauen, denn selbst wichtige Items wie zum Beispiel der Somaria-Stab, mit dem wir Blöcke erscheinen lassen können, die für so manches Rätsel notwendig sind, sind gefühlt irgendwo in Hyrule versteckt. Selbst bei dem Item, das wir traditionsgemäß in einem Dungeon finden, haben wir gerne mal die Wahl aus verschiedenen Gegenständen. Hier fühlt sich das Spiel ein wenig wie der erste Serienteil an: Den Spieler einfach mal auf die Welt loslassen und gucken was passiert, er wird schon irgendwie zurechtkommen. Was im Jahr 1986 Gang und Gäbe war und womöglich auch für Begeisterung gesorgt hat, ist heutzutage etwas komplizierter: Videospiele haben sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt. Cadence of Hyrule hätte die Möglichkeit, die Story stringent zu erzählen und dennoch noch viel Raum zum Erkunden zu lassen. Diese Option nutzt das Entwicklerstudio aber keineswegs. Wer an die Hand genommen werden will, kann sich bei den rar gesäten Wahrsagern zwar das nächste Ziel auf der Karte markieren lassen, doch für ein Spiel aus dem Jahr 2019 ist uns das doch etwas zu altbacken. Auch bei den Rätseln hätten die Entwickler mehr umsetzen können. Vorlagen gibt es zwar genug, doch bleibt es meistens bei Schiebe- und Sprungaufgaben. Ohnehin läuft es sehr oft nur auf knifflige Kämpfe hinaus.

Vollgepackter Season Pass

An diesem Umstand ändert auch der Season Pass von Cadence of Hyrule nicht viel, denn dieser bringt mit Impa, Aria, Frederick, Schatten-Link und Schatten-Zelda zunächst einmal nur eine Handvoll neuer spielbarer Charaktere hinzu. Außerdem wurde das Spiel mit 39 weiteren Melodien aufgewertet. Wirklich interessant ist hierbei nur die „Symphonie der Maske“, bei der es sich um ein zusätzliches Kapitel handelt, das sich um das ebenso spielbare Horror-Kid dreht. Je nachdem welche Maske es sich aufsetzt, verfügt es über andere Fähigkeiten. Das erinnert an The Legend of Zelda: Majora’s Mask und ist eine gelungene Ergänzung zum Hauptspiel. Das Gameplay an sich bleibt dadurch aber unangetastet. Soll heißen, dass wir auch beim Horror-Kid-Kapitel Rubine, abnutzbare Gegenstände und auch die Munition verlieren, sollten wir einmal das Zeitliche segnen. Lediglich Juwelen bleiben gespeichert, die vor dem Neustart in neue Schaufeln, Ringe, Pfeile und Bomben gesteckt werden können. So fällt der Reset nicht ganz so schlimm aus. Wer dennoch vom Gameplay begeistert ist und das so auch einem Freund mitteilen möchte, kann Cadence of Hyrule auch kooperativ zusammen spielen. Dies funktioniert allerdings nur offline an einer Konsole, einen Online-Modus gibt es nicht. Aufgrund des genauen Timings beim Rhythmus wäre dies aber eh schwierig umsetzbar.

Nostalgischer Ausflug zum Verlieben

Da sich Crypt of the NecroDancer in einem Retro-Look präsentiert, haben sich die Entwickler gedacht, dieses Gewand auch Cadence of Hyrule überzuziehen. Visuell erinnert der Titel sehr stark an The Legend of Zelda: A Link to the Past. Allerdings gibt es viel mehr Orte, die erst in den Ablegern danach hinzugekommen sind, zu bestaunen. So gibt es neben dem idyllischen Dorf Kakariko unter anderem die Gerudo-Wüste zu erkunden. Der Deku-Baum schlummert wiederum tief in den Verlorenen Wäldern. Friedhöfe, Bergpfade und Strände sind ebenfalls mit von der Partie und gestalten das Abenteuer abwechslungsreich. Die Besonderheit daran ist, dass sich der Titel optisch wie ein Super-Nintendo-Spiel präsentiert und die 16-Bit-Grafik für eine gehörige Portion Nostalgie sorgt. Vor allem ältere Hasen, die mit den ersten Teilen der Reihe aufgewachsen sind, werden sich sofort heimisch fühlen, trotz Zufallsmechanismen und später hinzugekommenen Elementen. Während die Grafik also allgemein stimmungsvoll ist, könnten manche Effekte für unseren Geschmack aber ein wenig aufwendiger sein. Zum Beispiel ist der Lichtradius in Höhlen enttäuschend und Gegner, die sich außerhalb des Kerzenscheins befinden, werden gar nicht erst dargestellt anstatt sie einfach durchs diffuse Licht zu kaschieren. Eventuell ist das vom Spiel so gewollt, macht es aber unnötig unübersichtlich.

Pulsierende Musik

Während die grafischen Aspekte von Cadence of Hyrule trotz überwiegender Qualitäten ruhig vernachlässigt werden kann, ist die Musik bei einem Rhythmusspiel ein wesentlicher Teil der Spielerfahrung. In dieser Disziplin punktet der Titel auf ganzer Linie. So hat sich Brace Yourself Games dutzende Stücke aus verschiedenen Episoden der Serie wie The Legend of Zelda: Ocarina of Time oder The Legend of Zelda: The Wind Waker geschnappt und ordentlich aufgewertet, damit diese mit ihrem neuen Beat zum Rhythmus passt. Es handelt sich logischerweise bei allen Melodien um reine Remixes, die sinnvoll ins Gameplay eingebaut sind. Die Abenteueratmosphäre wird durch den Soundtrack aber kaum bereichert, was aber aufgrund des Genrewechsels wenig überraschen sollte. Dafür haut uns der Soundtrack des Spiels mit seiner Detailverliebtheit um: Der Händler aus Crypt of the NecroDancer versteckt sich gerne schon mal in einer Höhle und wenn wir dann zufällig über ihn stolpern sollten, beginnt er passend zur pulsierenden Musik wie ein Opernsänger zu trällern und trifft dabei auch immer den richtigen Ton. Die Soundeffekte an sich stammen überwiegend aus The Legend of Zelda: A Link to the Past. Wie der Super-Nintendo-Titel verfügt Cadence of Hyrule über keine Sprachausgabe. Die ins Deutsche übersetzten Bildschirmtexte sind dafür aber sehr kurz, sodass die meist hohe Spielgeschwindigkeit nicht beeinträchtigt wird und uns durchgehend Spaß bereitet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Erzähltechnisch ist Cadence of Hyrule: Crypt of the NecroDancer – featuring The Legend of Zelda meiner Meinung nach eher bescheiden. Das Spiel beschränkt sich wirklich nur aufs Nötigste, sprich die durch Octavo anhaltende Bedrohung, der sich Link, Zelda, Cadence und Co stellen müssen, um Hyrule zu retten. Umso mehr steht das Gameplay im Mittelpunkt, das überwiegend sehr motivierend ist. Es macht mir einfach Spaß, die Welt zu erkunden, Herzteile zu sammeln und Kämpfe auszutragen, doch der Wille, dies zu tun, sollte bei Cadence of Hyrule in jedem Falle vorhanden sein. Das liegt ganz einfach daran, dass wichtige Items gefühlt irgendwo in der Spielwelt versteckt sein können, weshalb es nicht einfach möglich ist, einfach nur der Story zu folgen. Während ich das noch verschmerzen kann, frustriert mich der Verlust von Items beim abermaligen Neustart. Zwar kann ich alle Items sehr schnell wiederbeschaffen, doch ist das ein Punkt, der das Gameplay hier und da einfach verlangsamt. Auch wenn das Gameplay des Titels darauf bedacht ist, dass ich im Takt bleibe, bin ich dankbar für die Funktion, auf den Takt zu verzichten. Irgendwie gelingt es mir nicht, insbesondere bei größeren Gegnerhorden, den Beat zu fühlen. So spiele ich Cadence of Hyrule lieber rundenbasiert und kann in Ruhe den nächsten Schritt überlegen, auch wenn das vielleicht nicht die Intention der Entwickler gewesen sein dürfte. Audiovisuell ist das Spiel ebenfalls ein Genuss, wobei insbesondere die Musik mit ihren zahlreichen Remixes berühmter The-Legend-of-Zelda-Melodien überzeugt – und wenn mich die Musik bei einem Rhythmusspiel umhaut, verzeihe ich auch gerne Fehler wie zerstörbare Items.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Cadence of Hyrule: Crypt of the NecroDancer – featuring The Legend of Zelda!

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