Review: Call of Duty: Black Ops – Cold War

Hin und wieder kommen Videospielentwickler auf die Idee, eine Epoche für ihr Werk auszuwählen, die bisher kaum vom Medium genutzt worden ist. Anstatt die moderne Kriegsführung erneut zu thematisieren, geht es in Call of Duty: Black Ops – Cold War zurück in die 1980er-Jahre und einem Konflikt zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.

Nachdem Call of Duty: Modern Warfare ein reines Mehrspieler-Erlebnis geworden ist, kehrt Call of Duty: Black Ops – Cold War dieser engen Ausrichtung den Rücken zu und bietet ein weiteres Mal eine Einzelspieler-Kampagne. Diese kann uns storytechnisch überzeugen, denn sie nutzt ein in Videospielen selten genutztes Szenario, dem kalten Krieg. Cold War versetzt uns ins Jahr 1981 und somit zum Ende der titelgebenden Epoche. Wir schlüpfen abwechselnd in die Rollen der drei Figuren Captain Alex Mason, Colonel Dimitri Belikow und dem ganz schlicht Bell genannten Charakter, den wir zum Teil selbst definieren dürfen. Hierzu nutzen wir einen Personalbogen und dürfen frei wählen, welche Informationen wir preisgeben wollen. Ein Teil davon wird stilecht geschwärzt, doch zumindest unser psychologisches Profil sollten wir ausfüllen, da sich dies auf unser Spielverhalten auswirkt. Als Überlebenskünstler verfügen wir beispielsweise über 25 Prozent mehr Gesundheit, mit gewalttätigen Tendenzen richten wir 25 Prozent mehr Kugelschaden an und wenn wir aggressives Verhalten zeigen, können wir gleich 50 Prozent schneller nachladen. Während uns die ersten beiden Aufträge nacheinander nach Amsterdam und in die Türkei versetzen, geht es im Anschluss nach West-Berlin. Von dort schickt uns der Ego-Shooter quer über den Globus, um unsere Mission zu erfüllen.

Unterwegs hinterm eisernen Vorhang

Obwohl der Kalte Krieg niemals wirklich so heiß wie im Spiel geworden ist und stattdessen Stellvertreterkriege ausgetragen wurden, fiktionalisiert Cold War den Konflikt zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika, um eine spannende und wendungsreiche Geschichte zu erzählen. Von US-Präsident Ronald Wilson Reagan höchstpersönlich erhalten wir zu Beginn von Cold War die Aufgabe, die beiden Terroristen Qasim Javadi und Arash Kadivar nach einer Geiselnahme zu jagen. Die Suche nach den Terroristen kommt zwar schnell zu einem glücklichen Ende, ist aber nur der Anfang von etwas Größerem. Bösewicht Perseus, der schon in den 1940er-Jahren Atombombenpläne aus den Vereinigten Staaten herausschmuggelte und für einen Hinterhalt im Vietnamkrieg sorgte, plant die beiden Großmächte gegeneinander auszuspielen. Entsprechend soll der Agent des Komitees für Staatssicherheit, kurz KGB, aufgehalten werden. Unsere Reise führt uns unter anderem nach Ost-Berlin, in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik und zum Jamantau im südlichen Ural-Gebirge. Höhepunkt der Reise dürfte aber vor allem die Infiltration des Lubjanka in Moskau sein, wobei es sich um das Hauptquartier des KGB handelt. Im Gegensatz zu den anderen Missionen müssen wir hier eher schleichen als ballern: Ein James-Bond-Gefühl wie in GoldenEye 007.

Zeitreise in den Kalten Krieg

Daneben bietet Cold War mit Operation Roter Zirkus und Operation Chaos noch zwei kurze Nebenmissionen, die aber viel zu lose in die Haupthandlung eingewebt sind, ohne großartige Zwischensequenzen auskommen und eigentlich nur unnötiger Ballast sind. Dennoch bieten diese Ausflüge genau wie der Großteil der circa sechsstündigen Kampagne famose Schießereien, die kinderleicht von der Hand gehen. Wie für das Genre üblich, erkunden wir die einzelnen Gebiete aus der Ego-Perspektive, schießen auf alle Kommunisten, die sich uns in den Weg stellen und sammeln nebenher Informationen, um in der Handlung voranzukommen. Informationen, die wir über vollgekritzelte Notizblöcke, versteckte Geheimdienstdokumente, abfotografierte Landkarten und sogar herumliegende Musikkassetten aufnehmen, können wir in unserem Stützpunkt in West-Berlin jederzeit untersuchen. Zusammen mit den gelungenen Zwischensequenzen, in denen historische Persönlichkeiten wie Reagan oder der sowjetische Parteifunktionär Michail Sergeevič Gorbačёv zu Worte kommen, verstärkt das die dichte Atmosphäre des Szenarios enorm. Wir fühlen uns auch dank zeitgenössischen Songs wie „Paul ist tot“ von Fehlfarben oder „The Stroke“ von Billy Squier in die frühen 1980er-Jahre versetzt und wollen stets wissen, wie die fiktive Geschichte weitergeht. Auch wenn dabei vieles vorhersehbar ist, gibt es zum Ende hin aber ein paar Wendungen, die uns im Gedächtnis bleiben.

Überraschungen und Wendungen

Ebenfalls im Gedächtnis bleiben uns einzelne Überraschungen beziehungsweise wie sich die Missionen entwickeln. Zum Beispiel müssen wir in einer Mission eine sowjetische Anlage infiltrieren und herausfinden, was sich im Innern befindet. Was wir dort genau finden, wollen wir aus Spoiler-Gründen nicht verraten. Allerdings versetzt uns das Setting dort in einen ganz anderen Teil der Erde, aber nur so lange, bis wir uns mit einem Panzerwagen zurück in die Freiheit schießen müssen. All das wirkt in der hübschen Optik einfach grandios inszeniert und läuft selbst auf älteren Mittelklasse-Rechnern erstaunlich gut. Eine liebevolle, aber gar nicht so hardwarehungrige Spielerei sind die Arcade-Automaten, die quer durch die Spielwelt verstreut sind. Auf diesen lassen sich alte Activision-Klassiker spielen, die in den 1980er-Jahren fürs Atari 2600 erschienen sind. Unter anderem können wir die Spiele Barnstorming, River Raid, Fishing Derby oder Chopper Command spielen. Das Gameplay dieser Titel ist aus heutiger Sicht natürlich alles andere als vielseitig. Es handelt sich hierbei eben um die Anfänge von Videospielen auf Heimkonsolen und mehr als Raumschiffe abschießen, Flugobjekten auszuweichen und nebenher Punkte zu sammeln, wird hier nicht von uns verlangt. Zwar lenkt das vom Geschehen in Cold War gehörig ab, ist aber eine nette Abwechslung und sorgt zumindest für ein immersives Gefühl, auch wenn ein paar Titel erst nach 1981 erschienen sind.

Auf ins Multiplayer-Gefecht

Neben der Kampagne bietet Cold War auch noch einen unterhaltsamen Mehrspielermodus, in dem wir unter anderem im virtuellen Miami oder Moskau gegeneinander antreten. Hierzu stehen uns neben dem klassischen „Frei für alle“, bei dem jeder Abschuss einen Punkt für uns gibt, weitere und deutlich facettenreichere Modi zur Auswahl. Beim Modus „Abschuss betätigt“ hinterlassen getötete Einheiten Erkennungsmarken. Welches Team am meisten davon einsammelt, gewinnt die Partie. In „Team-Deathmatch“ gewinnt das Spiel, das zuerst die meisten Abschüsse erzielt und das Punktelimit erreicht. Etwas anders sieht es bei „Stellung“ aus, denn hier muss unser Team die Kontrolle über eine Stellung erkämpfen, die im Gefechtsverlauf jedoch variiert. Bei „Herrschaft“ müssen wiederum Eroberungszonen für das Team gewonnen werden. Ähnlich sieht es bei „Kontrolle“ aus, wobei es hier nur eine begrenzte Anzahl an Wiedereinstiegen für jeden Spieler gibt. „Suchen und zerstören“ lässt uns hingegen ein Ziel verteidigen beziehungsweise zerstören, wobei es hier gar keinen Wiedereinstieg gibt. Zu guter Letzt gibt es die VIP-Eskorte, bei der jedes Team ein Mitglied beschützt oder die gegnerische Very Important Person eliminiert. Im Zombie-Modus, den es auch schon in Call of Duty: WWII gab, bekämpfen wir hingegen mit anderen Mitspielern online Zombies. Das bietet definitiv Langzeitspaß, dem sich kein Fan der Ego-Shooter-Reihe entziehen kann!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Call of Duty: Black Ops – Cold War wollte ich anfangs ignorieren, da mich Ego-Shooter mit einem halbwegs „modernen“ Setting so gar nicht interessieren. Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, dass sich der Kalte Krieg so gut als Szenario eignet. Damit Letzteres überhaupt funktioniert, mussten die beiden Entwicklerstudios Treyarch und Raven Software selbstverständlich mal wieder in die Trickkiste greifen und den Konflikt mit ein wenig Fiktion aufpeppen. Die spannende Kampagne erreicht dabei zum Teil die Qualität von Geheimagentenfilmen wie etwa der James-Bond-Reihe und bietet trotz der kurzen Spieldauer von sechs Stunden reichlich Abwechslung und überraschende Entwicklungen innerhalb der Missionen, was nicht zuletzt an den kultverdächtigen 1980er-Jahren liegt. Hinzu kommt ein spaßiger und langfristig motivierender Multiplayer-Modus, in dem sich der Konflikt einmal mehr verschärft und beide Seiten in unterschiedlichen Szenarien antreten. Wer sich gerne virtuelle Schusswechsel mit anderen Spielern im Internet liefert, kommt definitiv nicht herum, unzählige Stunden ins Spiel zu versenken. Unterm Strich bietet Call of Duty: Black Ops – Cold War das altbekannte Erscheinungsbild, das jeden Fan abholt und selbst Ego-Shooter-Muffel wie mich aus ihrer Versenkung holen kann.

Vielen Dank an Activision für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Call of Duty: Black Ops – Cold War!

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