Review: Call of Duty: Modern Warfare

Zurück zur alten Stärke – mit diesem Motto möchte das Entwicklerstudio Infinity Ward an die alten Tugenden anknüpfen und liefert mit Call of Duty: Modern Warfare ein Reboot des namentlichen Serienvorgängers aus dem Jahr 2007 mitsamt einer neuen Handlung.

Nachdem die Call-of-Duty-Reihe in den letzten Jahren immer schneller, brachialer und bildgewaltiger wurde, soll mit Modern Warfare an die spielerische Vergangenheit aus dem Jahr 2007 angeknüpft werden und ein authentisches Setting sowie Gameplay im Mittelpunkt stehen. Dazu gehört auch die Story, die wieder in den Vordergrund rückt und in der wir auf altbekannte Legenden der alten Modern-Warfare-Episoden treffen. Der Fokus der Handlung liegt somit nicht mehr auf einer bildgewaltigen Schlacht umhüllt von Explosionen, sondern auf schwierigen sowie emotionalen Momenten und fragwürdigen Entscheidungen, die jeder Krieg birgt. Die Hintergrundgeschichte des Spiels orientiert sich dabei stark und unverkennbar am Bürgerkrieg in Syrien. Die Terrorgruppe Al-Quatala verübt mehrere Anschläge in Europa und ist im Besitz chemischer Waffen, die eine neue Bedrohungsstufe für die gesamte Erde darstellen. US-amerikanische und britische Spezialeinheiten machen daher gezielt Jagd auf die Anführer der Terrororganisation, die sich im fiktiven Land Urzikstan aufhält. Aufgrund des Bürgerkriegs befinden sich auch russische Einheiten in Urzikstan, die von der Anwesenheit der amerikanischen und britischen Streitkräfte wenig erfreut sind, weswegen die Operation im Verdeckten stattfindet und somit auch russische Soldaten zu den Feinden zählen.

Viele Emotionen, aber wenig Inhalt

Wir merken den Entwicklern an, dass die moralisch fragwürdigen Entscheidungen stets im Vordergrund der Handlung stehen sollen. So unterstützen wir aufständische Freiheitskämpfer, die von der russischen Regierung als Terroristen eingestuft werden und operieren in einer eher fragwürdigen Grauzone der moralischen Vorstellung. Diese Thematik wird durch besondere Ereignisse immer wieder in den Vordergrund gestellt, so dass die ethischen Grenzen gerade zu Beginn des Spiels immer weiter verschwimmen. Leider werden diese moralischen Vorstellungen, die zu Beginn des Spiels gut aufgezeigt werden, gegen Ende der Story wesentlich glatter gezogen. So wird das abstrakte Feindesbild immer deutlicher und die zu Beginn fragwürdigen Rebellen zu waschechten Freiheitskämpfern. Die Geschichte zeigt damit am Ende leider doch eher ein schwarz-weißes Bild, anstatt sich weiter in der spannenden Graustufe zu bewegen, in der wir selbst gefordert werden und reflektieren, ob die Handlungen der Protagonisten und auch der Antagonisten die Richtige seien. Auch wenn viele Emotionen widergespiegelt werden und der Konflikt bei einigen Charakteren deutlich sichtbar ist, wirkt der Inhalt über die gesamte Spielzeit betrachtet ein bisschen unkreativ und lässt wichtige gesellschaftliche Fragen ungeklärt liegen und wird gegen Ende sogar eher patriotisch dargestellt.

Vom Singleplayer- in den Coop-Modus

Zwischen ruhigen Schleichpassagen und actionreichen Feuergefechten bleibt kaum Zeit zum Atmen, was das Spielgefühl intensiviert – und das auch in eher ruhigen Momenten. Die Möglichkeit, bei einigen Dialogen zwischen Antwortmöglichkeiten zu wählen, kommt dem Spiel zugute, auch wenn die Handlung trotzdem linear bleibt. Diese kleinen Entscheidungen sorgen jedoch dafür, dass wir uns nach der Story nicht, wie sonst üblich, als gefeierter Kriegsheld sehen, sondern wir uns eher schmutzig fühlen, da unsere Entscheidungen eigentlich nichts am Krieg ändern und die Einzelperson damit unerheblich für den Krieg wird und keine Auswirkungen auf die moralischen Grundfragen hat. Große Versprechen wurden von Seiten des Entwicklers für den neuen Coop-Modus gegeben, der als Schnittstelle zwischen der Kampagne und dem Multiplayer-Anteil dienen soll. Hier wurde angekündigt, dass wir in einem Team mit bis zu vier Spielern gemeinsam Geiseln befreien können und diese dann nach einem Wertungssystem in der von Infinity Ward vorgegeben Zeit extrahieren müssen. Leider handelt es sich hierbei in Call of Duty: Modern Warfare, zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt, um einen sehr schlichten Survival-Coop, in dem wir Gegnerwellen standhalten, bis wir aus dem Gebiet extrahiert werden. Hier hoffen wir noch auf die Umsetzung des angekündigten Inhaltes.

Battlefield-Feeling

Nachdem die Jahre über einige Spielergruppen zur Konkurrenz aus dem Hause Electronic Arts abgewandert sind, hat sich Infinity Ward ein bisschen von Battlefield V abgeguckt und eine deutlich größere Karte mit bis zu 64 Spielern aufgefahren. Im Modus Herrschaftsmatch nehmen wir in Squads mit bis zu vier Personen Flaggen ein – ganz wie aus Battlefield bekannt. Mithilfe diverser Vehikel, die wir uns durch Killstreaks verdienen, kommt eine neue Möglichkeit hinzu, die das Spielgeschehen an Battlefield erinnern lässt. Ein Manko ist jedoch, dass sich die Umgebung nicht zerstören lässt und derzeit Scharfschützen ein sehr großes Problem auf den Karten sind, da diese das gesamte Spielgeschehen dominieren. So bleiben wir mit Fahrzeugen an den kleinsten Mülltonnen hängen und auch das Squad-System bringt spielerisch keine Vorteile, da wir uns im Team nicht abstimmen können. Neben dem Herrschaftsmatch ist auch das Feuergefecht neu und dient der Unterhaltung. Dort werden wir in Doppel-Matches geworfen und spielen mit wechselnden Loadouts gegen ein anderes Team. Dies kann auch in einer Liga gespielt werden, wo wir kosmetische Items verdienen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir gerne mit weniger kompetenten Spielern zusammengeworfen werden, so dass wir teils Runden ausharren, in denen unser Teamspieler keinen eigenen Kill hinbekommt.

Vertrautes macht immer noch Spaß

Bezogen auf den Mehrspielermodus bleibt zu sagen, dass die Modi Deathmatch,  Team-Deathmatch, Herrschaft und der Realismus-Modus noch am meisten Spaß machen. Hier wird für Fans der Reihe das bekannte Spielgefühl ausgelöst und die Vertrautheit in uns geweckt. Besonders die langsame Spielgeschwindigkeit gegenüber den Vorgängern ist positiv hervorzuheben, auch wenn die Geschwindigkeit nach unserem Gefühl noch einen Tick langsamer hätte sein können. Besonders positiv bleibt die Tatsache, dass bei den Killstreaks deutlich abgespeckt wurde, nicht mehr kontinuierlich ein Bombardement aus dem Himmel stattfindet und wir gefühlt mehr durch die freigeschalteten Killstreaks anderer Spieler sterben, als durch den eigentlichen Waffengebrauch. Zudem hängen die freischaltbaren Flugzeuge und Hubschrauber stark von den Fähigkeiten der Spieler ab, so dass nicht jeder effizient ein fliegendes Vehikel steuern kann und damit keine erfolgreichen Kills garantiert sind. Zweigeteilt sind wir noch, was die Maps angeht. Einige Karten wie zum Beispiel Piccadilly oder Euphrates Bridge sind scheinbar von der gesamten Community extrem verhasst, lassen sich aber aufgrund fehlender Vote-Möglichkeiten nicht überspringen. Ansonsten sind die meisten Karten recht komplex und gelungen, so dass alle Klassen auf ihre Art und Weise gut genutzt werden können.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Call of Duty: Modern Warfare macht mir wieder Spaß! Nachdem die letzten Teile mich nicht mehr ansprechen konnten und ich über die Jahre hinweg mit dem Franchise immer skeptischer wurde, konnte mich Modern Warfare seit Jahren mal wieder begeistern. Neutral betrachtet bleibt der ganz große Sprung aus und das Modern Warfare aus dem Jahr 2007 ist noch immer das beste Spiel der Serie. Mit dem Reboot befindet sich Entwicklerstudio Infinity Ward jedoch auf dem richten Weg und hat ein sehr gutes Produkt abgeliefert. Das Experiment einer großen Map war leider etwas enttäuschend, ist aber auch nicht das Handwerk der Entwickler und die klare Abgrenzung von der Battlefield-Konkurrenz. Dennoch kann eine teilweise sehr gut gelungene Story überzeugen und die durchaus taktischeren Mehrspielermatches waren eines meiner Highlights. Ich werde definitiv noch einige Stunden mit dem Spiel verbringen und freue mich über weiteren Content.

Vielen Dank an Activision für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Call of Duty: Modern Warfare!

 

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