Review: B Gata H Kei (Vol. 1)

Zwischen den Jahren 2004 und 2011 erschien bei Shūeisha die Manga-Reihe B Gata H Kei in neun Bänden. Die dazugehörige Anime-Serie lief hingegen 2010 bei Tōkyō MX. Neun Jahre nach der Erstveröffentlichung schaffte es das Etchi-Werk in den deutschsprachigen Raum.

Sexuelle Erfahrungen gehören zur Entwicklung eines jeden Menschen dazu. Dieser Tatsache nimmt sich die mit schlüpfrigem Humor vollgestopfte Anime-Serie B Gata H Kei an. Im Fokus der Serie steht die fünfzehnjährige Yamada, deren Vorname niemals zur Sprache kommt und der Zuschauer somit auch niemals erfährt. Yamada ist zwar noch Jungfrau, aber dafür äußerst extrovertiert. Das heißt, dass sie ihre Fantasien ausleben will, was sie auch offen formuliert. Auf der Oberschule plant sie, mit einhundert Jungs zu schlafen – ihr übergroßes Interesse an Geschlechtsverkehr ist Dreh- und Angelpunkt von B Gata H Kei. Da Yamada allerdings noch recht unerfahren ist, versteht sie noch nicht so ganz die logische Reihenfolge aller einzelnen Schritte. So ist ihr Interesse an Sex größer als der Versuch, ihren ersten Kuss von einem Jungen zu bekommen – und so sieht Yamada in jedem erstbesten Kerl ihr nächstes Objekt der Begierde. Dies ändert sich aber damit, als sie einen Jungen in der Buchhandlung trifft und diesen fragt, ob er noch Jungfrau sei – ohne überhaupt seinen Namen zu kennen. Einen Tag später realisiert sie, dass es sich hierbei um ihren Mitschüler Kosuda Takashi handelt. Sie versucht ständig, die Initiative zu ergreifen, durchdenkt ihr Vorgehen aber nicht. So zieht sie Takashi zum Beispiel in die Abstellkammer und entblößt halbwegs ihren Oberkörper vor ihm.

Auf dem Weg zum ersten Mal

Was in der Realität vermutlich zum Unausweichlichen führen würde, endet in B Gata H Kei allerdings damit, dass Yamada aus der Situation flieht. Später startet sie einen weiteren Versuch, bei dem ihr einfällt, dass sie keine Kondome eingepackt hat – und ist dann in Zweisamkeit auch noch von Takashis Erektion überrascht. Derlei Situationen, in denen sowohl Yamada als auch Takashi maßlos überfordert sind, ziehen sich durch die gesamten sechs Episoden, die in der ersten Volume enthalten sind. Jede Folge ist im Übrigen in zwei Akte aufgeteilt, die sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigen und meist nur leicht miteinander verbunden sind. Die Struktur der Episoden erinnert damit an vergleichbare Titel wie Yūnas Geisterhaus, was dem kurzweiligen Vergnügen zugute kommt. So wirken die Geschichten nicht im Geringsten langwierig oder gar langweilig, da sie sich auf einen überschaubaren Rahmen wie einer Verabredung im Schwimmbad oder einen Schönheitswettbewerb beschränken. Sämtliche Szenarien spielen an urbanen Orten wie Yamadas Schule, in einem Klubraum, in einer Apotheke oder in Seitengassen, sodass sich jeder Zuschauer sofort mit den Charakteren identifizieren kann. Hinzu kommt, dass manche der Situationen dermaßen realitätsnah sind, dass der eine oder andere Zuschauer wohl auch deshalb mit den Figuren mitfiebern dürfte.

Übertriebener und aberwitziger Humor

Trotzdem ist und bleibt B Gata H Kei ein fiktives Werk, das in erster Linie unterhalten soll. Stilistisch wird beispielsweise Yamadas Triebgott (eigentlich: Erotik-Kami) eingeblendet, der das Geschehen kommentiert und die einzelnen Situationen mit flotten Sprüchen verbindet. Einspieler, was andere Figuren zu Yamada in diesem Moment sagen würden, ergänzen das Gesamtbild und die gezeichnete Lautmalerei unterstützt den aberwitzigen Alltag. Sämtliche Figuren sind zudem schön gezeichnet, auch wenn die Umgebungen oft nicht den gleichen Detailgrad erreichen. Thematisch setzt Animationsstudio Hal Film Maker überwiegend warme Farben ein. Selbst in nächtlichen Szenen erheitern wärmende Lampen und Laternen und bei Regen bunte Regenschirme die Szenen. Kombiniert wird das alles mit heiteren Klängen, die manchmal ein wenig ins Melancholische abdriften, um die Unsicherheit der einzelnen Figuren auszudrücken. Zu erwähnen ist hierbei beispielsweise das Klaviergeklimper während Kosuda Kazuki Yamada etwas über ihren Bruder erzählt. Die deutsche Synchronisation steht dem japanischen Originalton in Nichts nach, da alle Sprecher ihren Figuren viele Emotionen verleihen. Bonusmaterial gibt es laut Herstellerangaben jedoch leider nicht. Das ist aber überhaupt nicht schlimm, da B Gata H Kei inhaltlich und inszenatorisch auch so durchaus punktet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): B Gata H Kei erzählt die Geschichte der jungfräulichen Yamada halbwegs stringent. Viel mehr stehen abstruse Situationen im Fokus der aufeinander aufbauenden Erzählstruktur, in die Hauptfigur Yamada und ihr Objekt der Begierde, Kosuda Takashi, hineingeworfen werden. Zwar könnten all diese Situationen so auch im echten Leben passieren, doch Yamada und Takashi sind zwei derart unschuldige und unbeholfene Figuren, dass viele Situationen auf lustige Art und Weise ins Lächerliche gezogen werden. Wer auf schlüpfrige Witze wie in Kämpfer oder Yūnas Geisterhaus steht, wird sich auch mit der humorvollen Gestaltung von B Gata H Kei anfreunden können. Hinzu kommt, dass alle Albernheiten von gezeichneter Lautmalerei unterstützt werden – und die einzelnen Charaktere dadurch noch viel sympathischer wirken. Da die Anime-Serie ein Jahr vor dem Ende der Manga fertiggestellt wurde, bleibt zu guter Letzt die Frage offen, ob B Gata H Kei mit der zweiten und leider auch letzten Volume zufriedenstellend abgeschlossen wird. Die Grundlagen für eine funktionierende zweite Serienhälfte wurden aber schon mal gelegt.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von B Gata H Kei (Vol. 1)!

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